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?für die Aufnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen

d Plätzen nttpd tei"«'

Dienstag 29. Dezember 1914.

Morgen- Ausgabe.

Br. 603. » 62. Jahrgang.

Nie weihnachtranfprache öe§ Kaifers

Die Weihnachtsfeier im Großen k)aupt- guarLier.

V. T.-R. Köln. 28. Lcz. (Nichtamtlich.) DieKöln, otg." meldet aus dem Großen Hauptquartier: Die Weih­

nachten im Großen Hauptquartier waren ebenso einfach schlicht, wie eindrucksvoll. Der Kaiser wollte das afft inmitten der Soldaten begehen, die zum Hauptquartier öchüren. Dazu bedurfte es eines großen Raumes, da Gaben- mche für etwa 960 Personen aufgestellt werden mußten. Die l^ite Halle war über und über mit Tannengrün geschmückt, so daß nirgends von Decken und Wand etwas zu sehen war. jedermann, vom Kaiser bis zum schlichten Landwehrmann, nsnd einen Platz an den in Längsrichtung ausgestellten Elchen, die in gleichen Abständen lichtgeschmückte Bäume nugen. Jeder Offizier und jedermann erhielt die gleichen Pfefferkuchen, Äpfel und Russe sowie das Bild °e s Kaisers. Die Mannschaften erhielten außerdem einen Tabaksbeutel und Zigarren. An der Stirn­feite des Raumes war ein A! t a r errichtet und davor eine Kroße Krippe. An den Seiten standen hohe Christtannen. Der alte WeihnachtsgesangO du fröhliche, o du selige Weih­nachtszeit" leitete die Feier ein. Sobald der Kaiser die An­wesenden mit dem Gruße'Guten Abend, Kameraden" be­nützt hatte, folgte eine kurze Ansprache des Pfarrers und dann das LiedStille Nacht, heilige Nacht". Nachdem Gene­raloberst v. P l e s s e n dem Kaiser für die Bereitung des schönen Festes gedankt hatte, hielt der Kaiser folgende An­sprache :

Kameraden! In Wehr und Waffen stehen wir hier versammelt, dieses heilige Fest zu feiern, das wir sonst im

- Frieden zu Hause feiern. Unsere Gedanken schiveifen zu- ' rück zu den Unserigen daheim, denen wir diese Gaben

danken, die wir heute so reichlich auf unseren Tischen sehen. Gott hat es zugelassen, daß der Feind uns zwang, dieses Fest ,' hier zu feiern. Wir s i n d ü b er s a l l e n, w i r wehren uns, und das gebe Golt, daß aus diesem Friedensfeft mit ' unserem Gott für unser Land ein reicher Sieg erstehe. Wir ! stehen auf feindlichem Boden, dem Feinde die Spitze unseres Schwertes, das Herz unserem Gott zugewandt. Wir sprechen es aus, wie es einst der Große Kurfürst getan hat:In

- den Staub mit allen Feinden!" Amen."

i Der Kaiser ging dann an den Tischen entlang und zeich­ne viele Offiziere und Mannschaften durch Ansprachen aus.

Der Kaiser arr Seneralfetdmarschall von Hindenburg.

TU. Danzig, 28. Dez. (Ktr. Frankfurt.) Das stell­vertretende Generalkommando des 17. Armeekorps Awt folgendes bekannt: Den Truppen der von General 7 ° Mackensen befehligten 9. Armee hat Genevalfeld- ^arschall v. Hindenburg folgende ain 17. Degeinwer nach Zurückwerfen der Russen bei Skiernewice an ,M gerichtete Depesche Seiner Majestät des Kaisers scannt geben lassen:An Generalseld marschall von

Mndenburg! Nächst Gott, der uns sichtbar geholfen, l^nke ich Ihnen, Mackensen sowie der ganzen Opferen Armee für diesen herrlichen Erfolg. Er ffuß gründlich ausgenutzt werden. Der Herr Heerscharen helfe unseren heldenmütigen Truppen ^bitex, denen ich den wärmsten Dank des Vaterlandes und meinerseits verspreche. W. I. R."

Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joseph an Mackensen.

».TU. Danzig, 28. Dez. (Ktr. Frankfurt.) An den PUhrer der 9. Armee G e n e r a l o ü e r st v. Macken- sind aus Anlaß des Sieges bei Lowics am 7. De- Mscher folgende Telegramme Kaiser Wilhelms und - Franz Josephs gelangt:Voll Dank gegen Gott, E ^hnen und Ihren heldenhaften Truppen den herr- . tflart' Sieg verliehen, bitte ich Sie, meine wärmsten 'Mckwünsche dazu zu empfangen und meinen und des putschen Vaterlandes Dank den herrlichen Truppen ^szusprechen. Nun nicht-mehr locker lassen, J. § der F e i n d z u s a m m e n b r i ch t. Ich ernenne ^ zum Generalobersten. W. I. R." c »Mit aufrichtiger Freude vernehme ich, daß Ihre ^voragenden Leistungen an der Spitze der von Ihnen iN^kich gefübrten 9. Armee seitens Ihres Allerhöch- Kriegsherrn, meines treuen Freundes und Ver- Ulldeten AerNch

durch Ihre Beförderung zum Generalobersten die volle verdiente Anerkennung

jj stlren haben. Indem ich Ihnen, lieber Generaloberst Mackensen, aus ganzem Herzen meine wärmst emp-

"^denen'G lückw ü nsche ausdrücke, sende ich Ihnen

meinen waffenbrüderlichen Gruß in der zuversichtlichen Hoffnung zu, daß es Ihnen beschieden sein möge, auch fürderhin in ruhmvoller Betätigung der bereits errun­genen und unvergeßlichen Lorbeeren stets noch weitere zuzufügen. Franz I o s e p h."

ZriedenZgeruchte.

Während der englische Premierminister Asquith erst unlängst mit der ihm angeborenen britischen Groß­mäuligkeit versicherte, der Krieg könne noch 20 Jahre dauern, werden neuerdings in schroffem Gegensatz hierzu Gerüchte verbreitet, die von allerlei V e r m i t t l u n g s b e st r e b u n g e n oder gar von der Anbahnung eines Sonderfriedens wissen wollen. Kennzeichnend ist es, daß diese, Gerüchte aus P e t e r s b u r g stamnien. Man weiß, daß das völlige Scheitern des aus französisches Kom­mando hin unternommenen russischen Vorstoßes auf Schlesien und Posen, die schioeren Nieder­lagen, welche die Armeen des Zaren in den letzten Wochen erlitten haben, die ungeheuren Verluste, be­sonders auch an Offizieren, der intimer bedrohlicher werdende Mangel an Geschützen, Maschinengewehren und Gewehren inPetrograd" eine antzerordentlich starke De p r e s s i o n ausgelöst haben. Dazu kommt, daß trotz aller Dementis neuerdings die revolutio­näre Bewegung doch bemerkbarer a-ustrttt, und daß diese sich eben gegen den unsinnigen Krieg richtet, den die G ro ß s ü r st e n p a r t e r gemacht hat. Hat man doch bei den unlängst verhafteten sozialdemokra­tischen Dumamitgliedern den Entwurf eines Aufrufs an das russische Volk gefunden, in dem es heißt:G e ° nu g des- um son st vergossenen Volkshlutes! Jeder Sieg würde eine neue Kette für das ge­knechtete russische Volk bedeuten." Ist doch weiter der Zusammenhang zwischen dieser Bewegung und den neuerdings mehrfach gemeldeten Meutereien im Heere ganz unzweifelhaft:

Es kann unter diesen Umständen nicht wunder- nchmen, wenn sich am Zarenhofe, wo manVäterchen" freilich schon seit einiger Zeit die Lektüre der russischen Verlustlisten entzogen haben soll, stärkere Friedens- neigungen bemerkbar machen, und es ist unbestreitbare Tatsache, daß cs dort eine Friedenspartei gibt, an deren Spitze bekanntlich Rußlands tüchtigster Finanz­mann Witte steht, der ja am besten über den heran- .tahenÄen Staatsbankerott unterrichtet sein dürfte. Es ist des weiteren bekannt, daß auch die Zarin eine Stütze dieser Friedenspartei ist. Was Nikolaus II., denSelbstherrscher aller Reußen", betrifft, so hat er bekanntlich nichts zu sagen. Es ist ein offenes Geheim­nis, daß die russische M ob i l nta ch u n g s o rd e r nicht von dem Zaren, der sich weigerte, sondern von dem Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch unterzeichnet worden ist, der den Zaren nicht viel besser als einen Gefangenen beihandelt. Mag es auch viel­leicht Verleumdung sein, daß der allmächtige Großfürst sich mit dem Gedanken trage, den Zaren zu stürzen, um an der Spitze des siegreichen Heeres als Nikolaus III. nach Petrograd heimzukehren, so liegt es doch auf der Hand, daß er wie die gesamte Großfürstenpartei in dem Augenblick abgewirtschaftet hätten, wo die russischen Niederlagen, wo der Zusammenbruch des Zarenreiches offiziell zugegeben werden müßte.

Diese nackte T a t s a ch e, der Umstand, daß z u r- zeit jedenfalls Nikolajewitsch noch über den entschei­denden Einfluß im Zarenreiche.verfügt, stellt sich allen angeblichen Friedensbestrebungen entgegen, trotzdem das Gerücht sich hartnäckig etffmtt, daß Witte nach Rw m gegangen sei, wo angeblich Loubet als Dcle- giekter Frankreichs einaettoffen sei, um mit dem italie­nischen Minister des Äußern Sidney S o n n i n o die Möglichkeit einer Grundlage für Friedensverhandlun- gen zu erörtern. Taffache ist jedenfalls, daß sich auch in Frankreich eine starke Krtegsmüdigkeit geltend macht, und daß dort in weiten Kreisen eine Stimmung herrscht, welche gekennzeichnet wird durch . folgende Worte, dst einem an uns gerichteten Feldpostbrief eines deutschen Etavvenfübrers in Frankreich entnommen sind:Wir schimpfen hier sebon mit den Franzosen

weidlich auf die Schtkfte jenseits des Kanals." Zweifellos beginnt man in Frankreich, wo man ver­geblich auf die' russische, Dampfwalze uitd auf die englische Flotte'wie aui Ki täten er s Millionen Heere gewartet hat, einzusehon, daß

diegrande nation" sich lediglich zur höheren Ehr« Englands verblutet. Aber n o ch sind idie Herren P o r n c a r 6 und Viviani am Ruder,^ und wie in Rußland die Großfürstenpartei so hätten sie im Augen- blick ausgespielt, wo' sie amtlich zngeben müßten, daß sie sich von dem Triumvirat Asquith-Grey-Churchill am Narrenseil führen ließen, daß sie Frankreich den britischen P l ä n e n geopfert h-aben.

Aus alledem ergibt sich, daß matt zurzeit w eie r in Frankreich n o ch im Zarenreich mürbe genug ist, um schon jetzt den bitteren Notwendigkeiten stts Auge zu sehen, die früher oder später das verpönte WortFrieden" auf die Tagesordnung setzen werden. Das über kann schon jetzt gesagt werden, daß ein solches Wort bei u n s nur dann ans geneigte Ohren stoßen würde, wenn es sich um einem Frieden handelt, der den großen Opfern entspricht, die wir gebracht halwn und bringen, der unseren Einsatz lohnt, der uns für unsere Aufwendungen an Gut und Blut reichlich entschädigt und der uns vor allem auf I a h r z e Hute hi n a u s dagegen sichert, daß^ wir uns wieder einer Lage wie im Jahre 1914 gegenüber- sohen. Noch heute gilt und das mutz den jetzt auf» taucheniden Friedensgerüchten gegenüber mit aller Ent­schiedenheit wiederum betont werden unver­ändert. was der Reichskanzler am 6. September einem Reichstagsabgeovdneten schrieb:Unter diesen

Utnftättden müssen wir durchhalten, bis die Sicheurng Deutschlands in der Zukunft ganz verbürgt ist." Wir müssen durchhalten und wir küwwen's aushalten! ___

Die Lage im westen.

Die Kämpfe in Klandern.

TU. Paris» 27. Dez. (Ktr. Mn.) Nach Blätter- Meldungen ans der Front versuchten englffche Regimen­ter am 24. Dezember die Stellungen bei Neuve- C h a p e I l e, ungefähr 10 Kilometer ttovdwestlich von La Bassäe, zurückzuerobern, die sie am 22. und 23. hat­ten ausgoben müssen. Die Angriffe gingen unter strömendem Regen vor sich. Nach mährmÄigen ver- geblichen Sturmangriffen gelang es den Engländern, sich im vordersten Schützengraben festzusetzen. Die Deutschen räumten freiwillig die dahinter liegenden Gräben. Als die Engländer von diesen Besitz ergreifen wollten, wurden sie von verdeckt stehenden deut­schen Batterien mit einem Geschohhogel über­schüttet. Der Führer der bvittscheN Truppen verlangte seinerseits sofortige Unterstützung .durch Artillerie. Es erwies sich jedoch unmöglich, Geschütze an die von den Engländern eroberten Stellungen heranMtbringen, da der wolkenbrucharttge Regen die aufgeweichte Erde in z ä h e n Mora st verwandelt hatte. Acht Sttmdsn hielten die Engländer in dem verheerenden Gvanaten- fsuer aus, ohne ihrerseits einen Schuß abgeben zu kön­nen. Dann mußten sie sich zur Aufgabe der Stellung entschließen und zogen sich zurück, ahne vom Feind be- fhelligt zu werden. Am Abend des 24. bezogen die Deutschen wied>er die alten Schützengräben, ein Gegen« angriff erfolgte ihrerseits nicht.

Die französischen Kriegsberichte.

W.T.-B. Paris, 28. Dez. (Nichtamtlich.) Amt­licher Bericht vom 27. Dezember, 3 Uhr nachmittags: Zwischen dem Meer und der L y s ein ruhiger Tag. Zeitweilig aussetzende Kanonade zwischen der Lys und der A i s n e. Nichtsm Aisnetal. In der Champagne Arttlleriekampf. Im Perthes- gebiet unternahm der Feind nach hestigent Geschütz- reu-er einen sofort durch Artillerie und Infanterie zurückgeschlagönen Gegenangriff auf die Schützengräben, die er verloren hatte. In den A r g ö n n e n leichte Fortschritte. Südlich S t. H u b e r t gowannetl wir 100 bis 200 Meter. Wir boimbardierten eine Schlucht, wo der Feind mehrere Schützengräben räumte. Zwischen der Maas und der Mosel, östlich St. Mi h i el, wur­den zwei deutsche Angriffe gegen die Redoute Boi Bvulä abgewiesen. Ein L u s t s ch i f f warf zehn Bomben auf Nancy, inmitten der Stadt, ohne irgendwelchen Grund militärischer Natur herab. Un­sere Flugzeuge dagegen bombardierten, die F l i c g e r sch u p p e n bei F r e s c a t y, einen Bah n- h o s in M e tz, wo Bewegung von Eisenbahnzügen gemeldet worden war, und die Kaserne St/ Pri­vat in DLetz. Im oberen Elsaß verzeichneten wir