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Miesvasener Tagblatt.
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Emporsteigens an die Oberfläche anzustreben. Was die Mittel zur Fortbewegung des Bootes unter Wasser betrifft, so hat sich — wie bei den Versuchen zur Herstellung eines lenkbaren Luftballons — der Handbetrieb als gänzlich unzureichend erwiesen. Da auch ein Verfahren, Dampfmaschinen mit Feuerung unter Wasser im Betrieb zu erhalten, bisher nicht bekannt ist, so war man auf feucrungslose Dampfmaschinen angewiesen, bis in neuester Zeit die elektrischen Motoren zur Verfügung standen.
Unstreitig hängt von der Herstellung einer allen Anforderungen genügenden Kraftmaschine in erster Linie die Constrnction eines brauchbaren unterseeischen Fahrzeuges ab.
Die Schiffsschraube dient neuerdings ausschließlich als Treibvorrichtung, während zum Lenken senkrechte und wagerechte Ruder dienen; letztere bis zu gewissen Grenzen auch zur Regulirung des Tiefganges. Zur Versorgung mit Luft dienen Behälter mit gepreßter Luft; in geeigneten Augenblicken wird natürlich durch die Kuppel Luft eingenommen. Die Waffe dieser Boote ist, wie schon erwähnt, der Torpedo; gewöhnlich stellt man an die Con- structeure die Anforderung, daß jedes Unterseeboot auch als gewöhnliches Torpedoboot verwendbar sein müsse.
Bis vor Kurzem galt als vollkommenstes unterseeisches Fahrzeug das von dem durch seine Revolverkanonen bekannten schwedischen Ingenieur Thorsten Nordcnfeldt hergestcllte, mit dem im Canal seitens der englischen Admiralität sehr zufriedenstellende Versuche vorgenommen und von dem für die türkische und die griechische Marine mehrere Exemplare angekaust worden sind. Diese Boote haben die Cigarren
form mit zwei Spitzen, werden aus Stahl, mit besonders soliden inneren Verbandtheilen aus gleichem Material hergestellt, in Dimensionen von dreißig bis vierzig Meter Länge, und enthalten über hundertundfünfzig Cubikmcrer Luft, so daß bis sieben Personen cs darin fünf bis sechs Stunden unter Wasser aus- haltcn können; dann muß durch die wasserdichte Luke an der Oberfläche frische Luft eingenommen werden. Um das Boot auf die Schwimmlinie zu bringen, in der nur noch die Kuppel des kleinen Commandothurmes über Wasser liegt, werden drei große Behälter, je einer an den Enden und in der Mitte, mit Wasser gefüllt, das ebenso sicher und einsach wieder ausgepumpt werden kann. Das fernere Heben und Senken des Fahrzeuges erfolgt durch die Rotation zweier Schraubenpropcllcr, die an den Enden des Bootes mit vcrtical stehenden Achsen und von innen bewegbar angebracht sind. Wenn diese Propeller in der einen oder anderen Richtung gleichmäßig bewegt werden, so senkt oder hebt sich das Boot, während eine raschere Rotation des einen von beiden eine schnellere verticale Verbindung des betreffenden Bootendes zur Folge hat, wodurch cs möglich wird, dcn Kicl stets in horizontaler Lage zu erhallen. Als bewegende Kraft dient der Dampf, den man, so lange das Fahrzeug nicht versenkt wird, in gewöhnlichen Kesseln mittelst Anthracitkohlen erzeugt. Da die Kessel aber mehr Dampf, als erforderlich, liefern, so wird dieser in besonderen Fangkesscln condcnsirt und gicbt dann die bewegende Kraft für die unterseeische Fahrt, die fünf bis sechs Stunden mit einer Geschwindigkeit von sechs bis sieben Knoten dauern kann. Bevor sie beginnt, werden die Feuer gelöscht, der Schornstein abgenommen, die Luken wasserdicht geschlossen und das erforderliche Quantum Wasser in die dazu bestimmten Räume eingelassen. Nun setzt man die beiden Schrauben an den Schiffsenden in die zum Versenken dienende Rotation, bis sich das Boot in der beabsichtigten Tiefe befindet, worauf dann wieder die Hauptmaschinc auf Vorwärtsgang an- gelassen wird. Soll das Boot wieder emporsteigen, so muß man die Hauptmaschine anhalten und jene beiden Schrauben. auf Heben rotircn lassen, während gleichzeitig das vorher eingelassene Wasser ausgepumpt wird. Zur Controls der Bewegung sind zwei Ruder da: eines mit vertikalem Ruderblatt, das wie ein gewöhnliches Schiffsruder wirkt und Abweichungen nach rechts oder links regulirt, während das andere, mit horizontalem Ruderblatt, dazu dient, die Bewegung in horizontaler Bahn sicher zu stellen. Der Führer des Bootes hat seinen Kopf in der wasserdicht aufgesetzten Glaskuppel, die ihm, so lange sie über Wasser bleibt, die Orientirung gestattet. Bei versenktem Boote ist er bezüglich der einzuschlagenden Richtung nur auf seinen Compaß angewiesen — ein Verfahren, das jedoch nur auf kürzere Strecken von genügender Sicherheit ist. Der Führer handhabt die beiden Ruder,
fowie im entsprechenden Augenblicke auch die Abzugsvorrichtung zum Lanciren des Torpedos.
Es leuchtet nun ohne Weiteres ein, daß dem Nordenfeldt- boote und allen ähnlichen Schöpfungen diejenigen neueren Systeme überlegen find, welche als Triebkraft die Elektricität verwenden, da hierbei alle durch die Feuerung erzeugten Schwierigkeiten wegfallen und zugleich das Innere des Fahrzeuges, wenn nöthig, auch die Umgebung desselben, elektrisch beleuchtet werden kann. Mit verschiedenen derartigen Constructionen hat namentlich die 'ranzösische Marineverwaltung eingehende Versuche gemacht und scheint, soweit Nachrichten darüber vorliegen, mit dem von dem Ingenieur C. Goubet gebauten „Fischboote" (Bateau-Poisson) die besten Ergebnisse erzielt zu haben. Es blieb z. B. bei Versuchen im Hafen von Cherbourg mit dem Erfinder und noch zwei Personen elf Stunden lang unter Wasser. Sie ließen das Boot alle erdenklichen Manöver machen, fuhren damit unter verschiedenen Torpedobooten weg, machten die Schraube eines Dampfers unbrauchbar u. s. w. Das auf Rechnung des Staates gebaute Boot hat 5,60 Meter Länge und 1,53 Meter Breite; der eigentliche Schiffskörper ist in einem einzigen Stück in Bronce gegossen und vermag daher einen hohen Druck auszuhalten. Die con- structiven Einzelheiten sind Geheimniß des Erfinders; doch weiß man, daß das Fahrzeug durch Elektricität bewegt wird, die im Falle des Versagens durch Ruder ersetzt werden kann. Vollständig ausgerüstet wiegt das „Fischboot" sechstausend Kilogramm, so daß es mit Leichtigkeit überall hin transportirt werden kann. Was die Erzeugung der Elektricität betrifft, so darf wohl angenommen werden, daß Goubet sie durch mitgenommene Accumulatoren bewirkt. Es scheint aber, daß diese dem Boote auch vom Lande aus oder durch ein cs begleitendes Schiff mittelst eines Ueber- tragungsdrahtes zugeführt werden kann, was jedoch die Bewegungsfähigkeit ungemein hindern würde. Der mitgenommene Vorrath an comprimirter Luft foll für einen ganzen Tag ausreichen und durch eine automatische Vorrichtung allmählich in einer Weise entweichen, daß der gewöhnliche Luftstand im Boote gleichzeitig erhalten bleibt. Als ein besonderer Vorzug dieses Systems wird gerühmt, daß sich das Boot auf Kommando in einer bestimmten Tiefe (bis zu höchstens zehn Meter, wie es scheint) halten und diese Lage ganz nach Belieben wechseln kann. Dabei soll sich das Auf- und Absteigen unter Wasser mit großer Regelmäßigkeit und Ruhe vollziehen.
Auch über ein anderes Unterseeboot, „Gymnote" genannt, das der Ingenieur Commelin erfunden und neuerdings verbessert hat, wurden günstige Meldungen veröffentlicht. Es soll bei Versuchen in Toulon mit fünf Personen drei Kilometer unter 1)er Wasserfläche zurückgclegl und eine durch Torpedoboote vor- gcnommene Blokade der Rhede unbemerkt passirt haben, indem es unter letzteren her fuhr. Das Boot ist siebzehn Meter lang; eine sinnreiche Vorrichtung bewirkt, daß man es vorne senken und dann unter Wasser fahren lassen kann, worauf sich die gewünschte Tiefe auf jede beliebige Dauer festhalten läßt. Es wurden ihm bei den erwähnten Versuchen zwei geladene Accumulatoren mitgcgeben, welche eine clektro-dynamische Maschine von fünfundfünfzig Pfcrdekräftcn trieben.
Natürlich haben auch die übrigen Marine-Verwaltungen den Ticfsce-Booten ihre Aufmerksamkeit geschenkt; doch dringen nut selten genauere Nachrichten über die angestellleu Versuche in die Oeffentlichkeit. Die deutsche Marine soll in Kiel und Danzig mit unterseeischen Fahrzeugen, die nach den Plänen des dänischen Ingenieurs Keifler gebaut waren, solche Versuche gemacht haben.
Ohne Zweifel müssen auf diesem Gebiete noch viele Erfahrungen gesammelt werden; doch steht wohl jetzt bereits genügend fest, daß die submarinen Boote in den Seekriegen bet Zukunft eine große, mitunter gewiß sogar entscheidende Rolle spielen werden.
So groß aber ihre Bedeutung für Kriegszwecke — zum Zerstören feindlicher Torpedos und Seeminen, wie bei der Benutzung als Angriffstorpedo, zum Durchbrechen von Blokaden und zum Uebet- mitteln von Nachrichten u. f. w. — auch fein kann, so dürfte ihnen wohl eine noch größere Zukunft auf friedlicherem Felde! dem Gebiete der Erforschung und Ausbeutung des Meeresgrundes, bevorstehen, wo sich ihnen eine höchst fruchtbringende Thätigkeit eröffnet.
