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Aus dem Gerichtssaal.

-o- Missbadkttj 21. Juli. (Ferien-Strafkammer.) Vor­sitzender: Herr Landgenchts-Director Gran; Vertreter der König!. Staats­anwaltschaft: Herr Gerichts-Assessor Kühne. Zwei ergraute Bettler, dem Arbeitshause überwiesen, haben gegen diese Maßregel Berufung er­hoben, damit aber keinen Erfolg. Einer dieser Stromer, der 60 Jahre alte Metzgergeselle August G. von Ecken heim bei Frankfurt a. M. hat noch einen Diebstahl, den er im Jahre 1866 znm Nachtheil eines Land- Wirths in Hanau, bei den: er in Arbeit stand, verübte, auf dem Kerbholz nnd muß dafür nochmals 1 Jahr in das Zuchthaus wandern. Der 27 Jahre alte Bäcker und Winzer Joh. E. von Hall gart en, welcher der Verleitung zum Meineide angeklagt ist, hatte 'sich nut seinem Bruder am 6. Avril er. vor dem Schöffengericht zu Rüdeshcim wegen Bedrohung und Beleidigung zu verantworten. Als Hauptbelastnngs- zeuge war zu dieser Verhandlung der Svenglerlehrling PH. F. geladen. Diesem Zeugen gegenüber soll nun der heutige Angeklagte sich des ihm zur Last gelegten Verbrechens schuldig gemach: haben. Der Mutter des T». soll E. erklärt haben, ihr Sohn Ware betrunken gewesen und könne nichts wissen. Der Angeklagte will sich der Strafbarkeit seiner Handlungs­weise nicht bewußt gewesen sein. Trotzdem nun ein Zeuge, der Johann'F. von Hallgarten, ut dieser Verhandlung wiederholt zur Wahrheit ermahnt wurde, setzte er sich mit zwei anderen Zeugen direct in Widerspruch. Da ter dringende Verdacht vorlag, daß er sich des Meineids schuldig gemacht habe, beschloß das Gericht, ihn in Untersuchungshaft zu nehmen. Der Angeklagte E. wurde wegen Verleitung zum Meineid unter Einrechnung der in RstdeSheim gegen ihn erkannten Strafe von 6 Wochen Gefängniß, zu 1 Jahr 6 Monaten und 2 Wochen Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust cherurtheilt.

Zusammentreffen wird. Fräulein Vacarescu trennt sich in Venedig von der Königin und reist mit ihrer Mutter, welche mittlerweile von Karlsbad dort eintrifft, nach Paris. Gleich nach Ankunft des Königs begeben sich die Majestäten zu einem einmonatlichen Aufenthalt nach der Schweiz. Sollte der Gesundheitszustand der Königin es erfordern, so ist ein weiterer Aufenthalt in Scheveningen in Aussicht genommen, woselbst das Königs­paar angeblich mit der deutschen Kaiserin zusammentreffen soll. Wie wir erfahren, hat der Fürst Leopold von Hohenzollern an die Königin zwei Mal das förmliche Ersuchen gerichtet, Fräulein Vacarescu unverzüglich zu ent­lassen. Kronprinz Ferdinand befindet sich zur Zeit in Düsseldorf, von wo . er eine Reise nach Schottland unternehmen wird. Ende August wird der Prinz mit dem Königspaar in Interlaken zusammentreffen, und da soll es sich entscheiden, ob er die Reise fortsetzen, oder nach Rumänien zurück­kehren wird.

* Samoa. Briefen aus Samoa zufolge forderte der König Malietoa den Mataafa auf, nach Apia zu kommen, was Letzterer verweigerte, indem er erklärte, er fürchte, verhaftet zu werden. In Apia besorgte man einen Angriff auf die Stadt. Es fanden Ansammlungen zahlreicher unzufriedener Eingeborenen statt. Die Behörden ergriffen Vorsichtsmaßregeln und wurden dabei durch das KanonenbootSperber" unterstützt. Auch erließen die drei Consuln eine Proklamation zur Befestigung der Stellung Malietoas. Seitdem hat die Beunruhigung nachgelassen, zumal die Anhänger Mataafa's ihre Steuern bezahlt haben.

* Amerika. Aus New-Uork, 19. Juli, wird gemeldet: Gestern sind 28 russische Juden hier eingetroffen. Dieselben wurden auf An­ordnung der Regierung zurückgehalten, bis festgestellt ist, wie sie das Passagegeld erhielten, oder ob ihnen seitens hervorragender jüdischer Philantropen gerathen worden sei, ihr Heim in Amerika aufzusuchen. Man erwartet, daß sie nach Hause geschickt werden, da die Union sich weigert, die Häfen den vertriebenen russischen Juden zu öffnen.

Verwischtes.

* Uom Sage. Die Betriebs-Eröffnung der Strecke Mondsee- jSalzburg derSalzkammergut-Localbahn-Actiengefell- jschaft" findet vor 1. August nicht statt.

In Wien gab ein 70-jähriger Privatier, Namens Samuel Schwartz, auf seine SO-jährige Gattin drei Revolverschüsse ab, von denen zwei Krafen, und schoß darauff sich selbst in den Mund. Beide Personen sind schwer verwundet. Das Motiv der Thal bildeten Familienzerwürfnisse. ; In Dirschau hat ein wüthend gewordener Bulle einen Hirten ans jbetn Felde durch Hornstöße getödtet.

Der im Gefängnisse zu Dortmund sitzende, zum Tode verurtheih, Raubmörder Michalski bat einen Mordversuch gegen den Gefangene», Wärter unternommen. Der Wärter ist erheblich verletzt.

Bei einem auf dem Gute Sumowo bei Nagmowo (Thorn) au§a., brochenen Feuer fanden gegen dreihundert Schafe und über Hunden Schweine den Tod in den Flammen. Zwei im Schafstalle schlafend, Scherer erlitten schwere Brandwunden.

Aus Bochum schreibt dieWestfälische Volks-Zeitung":Dem Chch Redacteur derWestfälischen Volks-Zeitung", Herrn Fusangel {» mit Rücksicht auf den derzeitigen Stand seiner Gesundheit ein Straf Antritts-Aufschub bis zum 1. September bewilligt worden. Herr Fusangkl wird diese Zeit zu einer längeren Erholungsreise, deren er dringend L dürftig ist, benützen.

In der Wiener Hofoper bei der Vorstellung des BalletsDie SButeen, fee" starb in einer Loge plötzlich die DoctorSwittwe Emilie Helle, aus Heiligenstadt.

Der letzte Sonntag hat bei Berlin auf der Oberspree beim Boot, fahren durch Ertrinken einem jungen Mädchen und auf der Unter, fpree 2 Schülern das Leben gekostet.

In Großheringen stieß der Samstag Abend von Berlin abgelasse«, Extrazug Berlin-Basel auf einen mit Tuchballen Belabenti Güterwagen, welcher infolge einer beim Rangiren schadhaft geworden« Weiche auf ein falsches Geleise gerathen war. Von den Passagieren bei langsam fahrenden Zuges wurde glücklicher Weife Niemand erheblich Der, letzt; die Locomotive des Zuges war bei dem Zusammenstöße arg b» schädigt worden.

In St. Wendel kam durch die oft gerügte Unsitte, Hunde zu liebkos« ein neunjähriges Mädchen auf schreckliche Weise um's Leben. Das M starb vor einigen Tagen, ohne daß die Aerzte eine Diagnose zu stell« wußten. Bei einer Sektion fand man nun Hundewürmer in bti Gehirn des armen Kindes. Dasselbe hatte öfter mit einem Jagdhund! gespielt, und man nimmt an, daß die Würmer daher rühren. 1

Zur 31 f faire Joseph, über die wir gestern berichteten, tijeilt bin ,,V. T." der beschuldigte Arzt mit, daß diesensationelle" Meldung bti Saale-Ztg." stark ausgcbaufcht und entstellt sei. Von einer eingelettetti Untersuchung ist dem Dr. Joseph absolut nichts bekannt.

Ein Werth stück von 30,000 Mk. ist auf der Bahnpost Hannovti. Köln verschwunden. In Wesel mußten 19 Stücke abgeliefert toerbtn: der Bahnpastbeamte behauptet jedoch, nur 18 bekommen zu haben.

Der Regierungs-Präsident in Arnsberg bat das Schießen mit Böllern neu geregelt und verordnet, daß dasselbe in Zukunft nur wetz, beim Besuche hervorragender oder allerhöchster Herrschaften, sowie auf Ollern und Frohnleichnam mit polizeilicher Erlaubniß stattzufinden Ijabt Das oft unheilvolle Kirmesschießen ist sonach dort nicht erlaubt.

= Kteuograph-ntag. Im laufenden Jabre ist ein halbes Zch hundert verflossen, seit das Stolze'sche System der Kurzschrift mit Unter stützung des preußischen Kultusministeriums der Oeffentlichkeit übergebt, wurde. Ans diesem Anlaß wird in den Tagen vom 26. bis 30. SepteM d. I. in Berlin ein Stolze'scher Stenographentag stattfinden, an den U vom 1. bis 4. October der 4. internationale Stenographentag anschlich. Für die Sitzungen und die mit der Versammlung zu verbindende W> stellnng sind Räume im Gebäude des Deutschen Reichstages bewW worden. Anmeldungen zum internationalen Stenographentage liegen bereits vor ans Deutschland, Oesterreich, Ungarn, der Schweiz, Stalim, Frankreich, England, Luxemburg, Schweden und Nordamerika. An btt Spitze des vorbereitenden Ausschusses steht der Director des Stonigl preußischen statistischen Bureaus, Geh. Oberregierungsratl, Blenk, Geschäfts« sührer ist Parlaments-Stenograph Max Väckler, Berlin SW., Baruthkt- straße 5, der auf Anfragen bereiiwilligst Auskunft ertheilt.

* Ziamrsen-Sreue. Wie gemeldet, hat jüngst Herr Nai ältester Sohn des Gouverneurs von Chautaboon, eine Berlinerin, Fränlni Bertha Schulz zum Altar gefüht. Ueber diese seltene Eheschließungen fährt dieN. Bad. Landes^" ausguter" Quelle folgende Einzelheck« Fräulein Bertba Schulz, die Tochter des Cigarrenfabrikanten Wilhem Schul» Bülowstraße 38, lernte vor etwa vier Jahren auf einem SommenB'- finge den damals zu Studienzwecken in Berlin weilenden Siamesen kennen Der junge Asiate faßte zu der hübschen jungen Dame eine tiefe Neigung, die von Seite der Berlmerin erwidert wurde. Berlinerinnen schwärmen ja immer ein wenig für das Exotische. Dem Plane Nai Na's, fein eu»1 päisches Idol als seine geliebte Gattin in das Land des weißen Elephanten und des goldenen Sonnenschirmes zu führen, stellte sich bald die WeigeruA der Eltern entgegen, in ihr dem Gott Buddha geweihtes Haus ei« Heidin" aufzunehmen. Im schönen Hinterindien scheint aber treue M reine seltene Pflanze zu fein. Nai Na ließ nicht ab von seiner Ber-Thn, er kämpfte für seine Liebe und setzte es durch, daß er nunmehr, nachdem diestandesamtliche Trauung" in Berlin schon vor einem Jahre stattsanh die Ehe auch vor dem Angesichte Buddhas unter Beobachtung aller öoi geschriebenen Cercmonien sanktionirt wurde. Es heißt, der König """ Siam habe sich selbst für diese Herzensangelegeltheit interessirt und M glücklichen Lösung viel beigetragen.

*Wilds Männer und Kranen." Die Dalldorfer Jrren-Anstali bei Berlin beherbergt bekanntlich unter ihren Pfleglingen auch eine von sogenanntenwilden Männern" undwilden Frauen", d. h. ®e?. brechern, die entweder wirklich geisteskrank sind oder Irrsinn erheuche haben, um sich dem Strafrichter zu entziehen, und der Anstalt darum zur Beobachtung überwiesen wurden. Man hat nun diese Irren, uw w möglichst bei einander zu haben und die Aufsicht über sie zu erleichtere in zwei besonders für sie erbauten Pavillons untergebracht, die duw! Einrichtung und äußere Erscheinung von allen übrigen Pavillons stechen und gewissermaßen eine kleine Festung bilden. Fingerdicke Eck»' stangen befinden sich vor den hohen Bogenfenstern, an den Thüren fe)ie

Kandel, Industrie, Erfindungen.

* Die Verbilligung des Aluminium ermöglicht es, jetzt auch schon allgemeinere Gebrauchsgegenstände daraus herzustellen. So liefert die Geldschrank-Fabrik Ernst Wieck, königl. bair. Hoflieferant in Nürnberg, bereits gepreßte Schlüssel in verschiedenen Größen ans diesem Metall. Dieselben, so leicht wie Holz, sind doch ebenso widerstandsfähig wie eiserne Schlüssel und haben bleibend ein silberweißes Aussehen. Die schweren, rolligen, eisernen Schlüssel werden hierdurch bald verdrängt werden, wozu der billige Preis von 1 Mk. per Stück gewiß auch beitragen wird.

Irr dauernde Gewerbe - Ausstellung in Leipzig wird bereits zum zweiten Male vergrößert. Dieselbe umfaßt alle Erzeugnisse, vorwiegend Maschinen für die verschiedensten Gewerbe. Besonders günstig für die Aussteller ist der Umstand, daß nunmehr bei der schon im Sep­tember erfolgenden Benutzung der neuen Räume die Platzmiethe um mehr als die Hälfte herabgesetzt wird, eine Thatsache, welche zu zahlreicher Betheiligung seitens der Aussteller Veranlassung giebt.