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Uo. 149

Verlag: Konggassr 27.

Kette 43

Kiirrngrschichtrn. Katharina Wolf, die unglücklicheBaren- braut" in Franffiirt a. M erinnert die WienerPresse" an zwei Bären- zwingergeschichten, die vor Jahren die Zeitungen beschäftigten. Bor zwei Jahrzehnten etwa kam aus der stakst Bern die Meldung, daß, ebenfalls zwischen Tag und Dunkel, ein Engländer in de» Bärenzwinger gestiegen und von dem Thiere zerfleischt sei. Die Stadt Bern hatte von altersher auf dem Schänzti, als eine Art lebendes Wahrzeichen, ihr Wappcnthier, einen Bären, in einem Zwinger; aber kein Wächter war bei ihm angestellt. Zwei Söhne Albions nun waren in angeheitertem Zustande zu dem Zwinger gekommen, hatten zuerst den Bären geneckt und dann war der Eine, ein guter Boxer, hinabgettiegen, um den Meister Petz zu einem Gand aufzufsrdern. Die Sache nahm aber eine sehr schlimme Wendung; der Bär hatte den Engländer baldunter"; der Andere lief in die Stadt, um Hilfe zu holen; da er aber kein Wort deutsch oder französisch sprechen konnte, hielt man den in englischen Lauten verzweifelt schreienden Mann für einen Wahnsinnige». Als man endlich über de» Vorgang Aufklärung erlangt hatte, war es zur HUfe zu spät. . . . Der andere Vorfall ereignete sich im Jahre 1875 während der großen Ausstellung im Jardin des Plantes zu Paris. Ein junger Mensch stieg oder fiel in den Zwinger der braunen Bären, welcher nicht besonders tief war. Als er sich auf« gerichtet hatte, näherten sich ihm schnüffelnd zwei der Bestien: laut um Hilfe schreiend, flüchtete der Unglückliche in einen Winkel. Eine große Menge Menschen war im Augenblick bet dein Zwinger versammelt und dadurch wurde die Hilfeleistung nur noch erschwert. Man warf den Bären Brot und Obst zu; ober sie ließen sich dadurch nicht abhalten. Ein Soldat chatte die Geistesgegenwart, sich den Anschein zu geben, als beabsichtige er ebenfalls hinnbznsteigen, und dadurch wurde die Auf­merksamkeit der Thiere für eine» Augenblick abgcleukt. Bald aber wendete»' sie sich wieder dem Eindringling zu, welcher läut heulend mit Händen und Füßen um sich schlug. Jetzt hatte ein Wächter eine Stange herbeigeholt, mit der eS ihm gelang, den größeren Bären zurückzuhalten. Der kleinere aber machte sich mit größter Gemüthsrühe an den Fremdling heran immer naher langsam schob er den Kopf vor schon beroch er den vor Entsetzen Halbtodten da stieß dieser ein so mörderliches Angst­geheul aus, daß Meister Petz entsetzt znrnckfuhr. Jetzt war glücklicher Weise eine Leiter zur Stelle, der Eindringling konnte sie besteigen und kam unter Verlust seines Hutes, welchen die Bären gemächlich zerfransten, mit heiler Haut davon. ... Im Zwinger der weißen Bären wäre ihm sicherlich Mer mitgespiclt worden.

* Kaivischo» girr. Baiern hat im Jahre 1890 in 5186 Brauereien 14,219,247 Hectoliter Bier erzeugt, was gegen 1889 eine Mehrung der Biererzeugimg um 149,405 Hectoliter bedeutet. Von dem crzcligten Bier sind 2,152,253 Hectoliter au das übrige Deutschland und an das Ausland abgegeben und der Rest von 12,066,994 Hectoliter oder 1206 Millionen Maaß im Inland verrrunken worden. Die 5V« Millionen Seelen um­fassende Bevölkerung BaiernS ist also trotz der große» iiiternationalen Verbreituug des baicrischcn Bieres immer noch ihr besterGast" selbst, wobei ihr aber von den vielen nach Baiern kommenden Fremden recht redlich geholfen wird. Der Malzausschlag (Bicrstener) betrug für 6,478,770 Hectoliter verbrauchtes Malz 36,513,605 Mk wovon der Staatskasse jedoch nur 30.719,793 Pik. verblieben, da 5,793,812 Mk. für das ansgeführie Bur rückvergütet werden niiiüken. Trotz seiner hohen Eigenproduction importirt Baiern auch auswärtiges Bier, allerdings waren es 4890 nur 52,020 Hectoliter, nämlich 49,408 aus Deutschland, 2612 aus dem Zoll- Ausland.

* Von Jack, dem Auflchlihcr wird wieder ein Lebenszeichen aus London signalisirt. Der Vorsitzende des Whitechaplcr Vigilanz-Ausschusses thcilt nämlich mit, daß er einen Brief empfangen habe, welcher in dem- fetbcn Stil verfaßt und unterzeichnet ist, rote die Briefe, welche ihm vor einigen der letzten Francumorde zngcgangen find. Das Schreiben hat folgenden 28ortlaut:®coige=l;arb, Whitechapel. Ich stehe im Begriff, mente Operationen in kurzer Zeit in dieser Nachbarschaft wieder anf- zunehmeu. Sollten Sie oder Ihre HöUeugcseÜfchaft nut den geringsten Versuch, unternehmen, inemen Aufenthaltsort zu ermitteln, werde ich, so helfe mir Cott! Ihr Herz mit einem Messer d'.trchbotzren. .Hütet Euch also, hört auf mc:ue WarmiM und laßt mich allein. Möge die Polizei Mich fangest, .ttatri st" kann. Ich bemitteide sic jedoch, da ich mich lebend nie ergebe» werde. Zwei Mal hätte mau inidi beinahe gefangen. Er- gcbcust «Tat-:., the Kipper. (G. W. B. sind meine AufarMbtlchflabrn.)"

* Kömtcfv 'prtngrt? Ein heilerer Vorfall spielte sich letzter Tage in einem Dorfe nahe bei Vaihingen ab; ein HtmdroerkSbU'.sche war von dem Fleckenschützeu alsverdächtig" ausgegriffen und auf das Rathhans escvrttrt worden. Dort cmvfiitg ihn Serenissimus, mit kurzen Leder­hosen und einem langen Amtsrock deflridet, mit strenger Miene: .Haben Sie auch Papiere?" Der HandwerkSbursche überreicht gutwillig feine Papiere. Doch kaum hatte der Schultheiß einen Blick auf die Papiere geworfen, als fein ganzer Körper vor Zorn bebte. Aus dem Papier stauben nämlich verschiedene NaudScmcrttmaeti die alle mit die Schulzen" anfingen und mit einem wenig schmeichelhaften Epitheton endigten.Einen Tag ms LvÄ" befahl er hoch entrüstet, das Papier zu Bodm werfend. Der Handwerks bursche hob seine Papiere trirf und folgte der Weisung des Schultheißen, vor rtjnen in das au stoßende Gebäude, in welchem sich das Arrestlocat befand, zu ichrciieu. Der Schultbciß ließ es sich nicht nehmen, den Hnndwerksbirrfchen in höchst eigener Person zu kilkärzeriren. Kaum war iuveS SeremistmuS mit feinem Gefangenen auf dem zwischen den beiden aneimmderstvßendeu Gebäuden befindlichen Hofe angelangt, als der Handwerksbursche sich höhnisch lächelnd an das Dorfoberhaupt wandte mit der Frage:Könuet'r springa?" Der Schultheiß gab, nm stutm Getmtgetteu vor etwaigem Fluchtversuch abzuschrecken, die schneidige Autwort:Ja wohl!" Der Gcfanaere ickien aber der Versicherung wenig Vertraue» zu schenken, demr aUcate suchte er mit großen Schritten

das Weite. Es toar ein ergötzlicher Anblick, den Schultheißen mit seinen kurzen gelben Hosen und feinen langen nach hinten flackernden Rockflügeln auf der Verfolgung zu sehen. Doch entwickelte der ursprünglich Gefangene eine solche Schnelligkeit, daß der Schultheiß nach Kurzem von der Ver­folgung abstand. Seitdem ist der Ausdruck:Könnet'r springa?" in der Gemeinde zu einem Stichwort geworden.

* (Bitt chirurgische» Uerbvechen. Mit gerechter Entrüstung er­zählt derFigaro" von einer Mittheilung, welche Dr. Somit in der letzten Sitzung der medizinifchett Akademie machte. Kühlen Blutes erzählte dieser Arzt, wie ein ausländischer Chirurg des interefiunten Experiments wegen (!) nach einer Kredsoperatiou an einer Frau noch während der Narkose ein Stückchen krebsigen Gewebes an einer anderen, gesunden Stelle des Körpers der Patientin eiuimpfte. Dort fei dann ebenfalls Krebs entstanden. Sofort in der Sitzung und in allen medizinischen Kreise» von Paris fei empört Protest gegen ein solches Verbrechen er­hoben worden. Den Namen de» wißbegierigen (!) Arztes zu nennen, lehnte Dr. Coruil ab.

Kurze Sicht.

Geld-Sorten.

Wechsel.

6

4

Reichsbanl-Disconto 4°/a.

5 6

20 Frauken .... 20 Franken in V- . Dollars in Gold . Dukaten......

Dukaten »1 mnreo Engl. Sovereigns, Gold al marco p.K. Gat» f. Scheideg. Hochh. Silber Rufs. Banknoten . Nuss. Imperiales .

Geldmarkt.

Frankfurter Cours« vom 29. Juni.

Amsterdam (fl. 100) Antw.-Br. (Fr.100) Italien (Lire 100) . London (Mr. 1). . Bcadrid (Pes. 100) New-Dork (D. 100) Paris (Fr. 100) . . Petersburg (31.100) Schweiz (Fr. 100) . Triest (fl. 100) . . .

Geld.

16.15

16.13

4.16

9.57

9.57

20.29

2780

134.30

232.60

16.60

Ds.

8

Letzte Drahtnachrichten.

(Nach Schluß der Redaction eingegaugen.)

* Kerlin, 29. Juni. Die Kaiserin ist um Mitternacht nach Haniburg abgcretst.

* Kerlin, 29. Juni. DerRcichsanzeiger" schreibt: Efiie große Anzahl von Zettungen bespricht bie Mittheiluug derHamburger Nodhi richten', wonach die deutsche Regierung bei anderen Bm>desregie«mae«i den Wunsch erhoben haben soll, es möge auf diejenigen Mütter, totifce den Fürsten Bismarck in der gegenwärtigen Lage nicht hinreichend at$ Privatperio« behandelten, eine locale Einwirkung geübt werden (s. unter Deutsch. Reich. D. R>). Diese Mittheiluug derHamburger Rachnchten" eittbehrt jeber Begründung.

.* Knml-urg, 29. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin, welche wenige Minuten spater emtrafen. wurden vom Daminthorbahnhofe, wo einet dren-Eompagnif des Hauieattschen Regiments aufaeftellt roar, von bet? Bürgermeistern, den Senatoren, dem Grasen Walders« und dem Gesandtem Thtelnmnn Zierlich empfangen. Bei der Rundfahrt um die Anßenatsteri durch die Stadt, sah bie Kaiserin mit dem Bürgermeister Petersen und Fra» Burgermeuter Versmami im ersten Wagen, der Kaiser mit beim Bürgermeister Versmann tm ziveiten.

,, ®r3nnt (VrivavDepeschr desWiesbadenerTag-

blatt .) Der Ütremdurguche Geschäftsträger Banner ns ist nach ParÄ. abgerelst zur Borberestnng der offiziellen Besuches des Großherzoa^ bei dem Präsidenten Carnst. Dkr Besuch soll noch vor dem ä ^Julsi erfolgen. Der Großherzog wird vom Erbprinzen und großem Gefolge orglcmt.

3uni- Der Prinz von Waler reist am Samstag nach Port Bieiorm, um den deutschen Kaiser und die KaTkrtit zu. empfaitgen und bis Wmdsor zu begleite,. Die Ankunft in Windsor enolgt um 4 Uhr Nachmittags. Böu der'Mündung der Themse bei Port Vtctorla an «den 4 Torpedoschiffe dem Kaiser das Edrengeleite. Für den 10. Juli ift ein großer Hofball im Buckingham-Palast in Aus. sicht genommen.

_. * ^uflantiuupet, 29. Juni. In dem Dorfe Sili (Disittct Starim, Stlatet Aleppo) rouroe durch eine Commission bon Aerztenda, Vorhanden­sein der Cholera constatirt.

* SchM-Nachrichte». (Nach derFranks. Ztg.'.) «ngekommen

3llmasea der Uopal M.-D.81 träte von Southampton; in Aew- ^,°rk D.THc Queen" von Liverpool und der Rordd. Lloyd-D.Kaiser Wilhelm II. von Bremen; tu Lissabon D.Portugal" von Südamerika.

3 80.60 6$.

6

4>/-80.425 bz.

168.65 bz.

3 80.55 bz.

" 79P5 bz.

20.345 bz.

173.40 bz. i-Disconto 4%.

-m- Eoursi'ericht teer frankfurter Körst vom 29. Juni. Nachmittags 3 Uhr. Eredit-Acrie» 257, Discouio-Comniaudit-AutKcile 177h'«, Staatsbahn - Actien 254,, Galizier 184, Lombarden-Ä2, Egypter 97V-, Italiener 92, Ungarn 91V», Gotthardbahu - Actien 142'/-, Nordost, 142.30, Union 105.80, Dresdener Bank 140, Laurahütte-Actien 116' ,. Gelseickirchener Bergwerks-Actien 154'/«, Russische Noten 233. Sehr flaue Tendenz auf Savonaer Zahlimas-Einstellimg, wodurch Bochumer Gtchstahl stark beinflujst wuiden, alle Coursgebiete matt, besonders Berg- welke und Banken rückgängig. Schlitß leicht erholt.

Brief.

16.19

16.17

4.20

9.61

9.61

20.33

2788

2804

136.80

16*65