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WiesdadEk Tagdta«

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Vermischtes.

Vom Tag». In bem Hamburger Blitzzng, welcher Donnerstag Abend 10 Uhr 11 Minuten in Frankfurt a. M. fällig war, war ein besetzter Wagen zweiter Klasse in Brand gerathen; der Zu» hielt auf freiem Felde, da das Feuer vom Zugführer bemerkt ward. Niemand ist verletzt. t o. ....

Frau LesLburc, welche wegen Entwendung von 75 Bunte* briefen Boulangcr's angeklagt war, wurde zu drei Monaten Gefängnis; v-rurthcilt. Man darf auch Liebesbncfe nicht stehlen.

Überraschend gekommen zu sein. Schon seit Wochen wußte man ,n diesen Kreisen, daß die bezüglich der Rentabilität des ganzen Unternehmens aus­gestellten Berechnungen auf sehr schwacher Grundlage ruhten. Auf die .französischen Synipathieen" bauend, welche angeblich das ganze russisch« Volk durchdrungen haben sollten, hatte man sich in Paris mit Bezug auf den zu erwartenden Besuch großen Illusionen hingegeben, indem man eine Besucherzahl von 40- bis 50XX» Personen täglich (a 50 Kopeken) wahrend 5 Monaten voraussehen zu dürfen glaubte, was einen Reingewinn von 4 bis 5 Millionen Francs ergeben Hütte. Nun aber zeigt es sich, daß durchschnittlich kaum 6000 Personen täglich die Ausstellung besuchen, während die Zahl von 24,000 Besuchern täglich das Minimum bildet, welches für die Deckung der Kosten des Unternehmens erforderlich wäre. Die Transaction, welche Igerr Jonaiinot mit dem reichen Pelzhändler Grünwaldt geplant hatte, zerschlug sich bekanntlich infolge des von Seiten derpatriotischen" russischen Presse erhobenen Zetergeschreis über die be­absichtigtejüdische Invasion" der Ausstellung. Damit erschien aber die letzte Möglichkeit vernichtet, die Ausstellung als Geschäft zu retten. Gegen­wärtig werden nun Versuche gemacht, unter dm franzölischen Ausstellern ein Syndicat zu bilden, welches das nöthige Capital herbeischaffen soll, um das Unternehmen vor dem Scheitern zu bewahren. Diese Versuche werden wahrscheinlich zu einem Erfolge führen, denn so wen,« sich auch die Ausstellung als glänzende Einnahmsauelle erwiesen hat, so haben doch die Aussteller selbst bereits ziemlich viel Geschäfte gemacht, und es liegt in ihrem Interesse, das Unternehmen fortzuführen.

* Rumänien, lieber die herrlichen Zustände in der Volks­vertretung desparlamentarisch" regierten Rumänien wird derFr. Ztg." aus Bukarest vom 16. d. M. geschrieben: Als der regierungs­freundliche Abgeordnete Gradishteano eine ziemlich unwichtige Anfrage einbrachte, machte plötzlich und unvermittelt die Minderheit einen Höllen­lärm. Palladi, Fleva und Consorten schlugen wie rasend auf ihre Pulte, der Präsident läutete, doch die Liberalen schrieen ihm fortwährendHinaus mit Dir!" zu. Man fürchtete, daß es zu Thätlichkeiten kommen konnte, deshalb wurde die Sitzung aufgehoben. Nach einer halben Stunde wurde sie wieder eröffnet, aber bei dem ersten Worte, das der Präsident Oberst Nosnovano, sprach, begann ein Schimpfen und Johlen, wie es >elbst hier, wo man an dergleichen leider gewöhnt ist, noch nicht vorgekommen fern dürste. Der junge Bratiano forderte seine Parteigenossen auf, sich end­lich ruhig zu verhalten.Schrei lieber mit", rief ihm Fleva zu Die Minderheit schaarte sich um den Prasidentenstuhl. Plötzlich stürzte lich der Abgeordnete Dobresco auf den Abgeordneten Popovici, die anderen Deputirten eilten ihren Fremiden zu Hilfe, und es entstand eine allge­meine Prügelei. Aller Unbeteiligten bemächtigte sich eine unbe­schreibliche Erregung. Eine Anzahl Studenten, die sich aus den Tribunen befand, drang in den Saal und beteiligte sich in gewohnter Weise an dem Kampfe. Es dürfte sich kaum feststelleii lassen, wieviel Ohrfeigen alisgethcilt und eingesteckt wurden. Der Bürgerkrieg dauerte fast zwei Stunden und endete mit einer Niederlage der Minderheit. Der liberale Abgeordnete Innins Lecca wurde erheblich verwundet aus der Versammlung getragen.

* Türkei. Die Verfolgung der Räuber von Tscherkeßköi ist, wie aus Konstantinopel berichtet wird, von den türkischen Behörden sofort eingeleitet worden, nachdem die befreiten Gesangeneu ui Kirtiluse angelangt'und damit jede Gefahr für diese verschwunden war. Aus allen Theilen des Reiches waren, soweit dies im Laufe einer Woche möglich war die besten Ränberjäger unter den ß-ensdarmen und es gtebt viele solche zusammengelrommelt worden, die dann am 9. d. M. mit dem Conventionszuge nach Adrianopel abgingen. Jagdlust leuchtete aus den Augen dieser meist hübschen^ wenn auch für den Europäer unhemülch aus- sehenden Burschen, die ihrk Uniform den Umständen angemessen modrsicirt hatten. Alle glänzenden Knöpfe waren entfernt und die Offiziere waren nur an den goldenen Achselstückhaltern kenntlich. Anstatt hoher Stiesel sah man Bundschuhe und Opanken, darüber Gamaschen aus braunem Kameelhaarstoffe, die bis weit über Schenkelnntte hinaufgingeu, den Gürtel mit den Patronen nm den Leib geschnallt und daran nicht ein Magan, sondern das kurze Tscherkessenmesser baumeln, endlich Martinigewehre. D Ofsiziere waren genau wie ihre Leute bewaffnet. AlsSpürhunde hatten sie unter Bedeckung einiger Polizisten gewesene Räuber nutgenonimen. Da auch die Küsten bewacht werden, so ist für die Räuber die Wahrscheinlichkeit des Entwischens sehr gering. Es interessirt vielleicht, ein Bild von einer Sen Räuberjagd zu bekommen. Durch die regulären Truppen wird ein erer Bezirk vollständig umstellt, wo man vermuthet, daß die Räuber sich aufhalten werden. In unserem Falle etwa die Linie Baba-Eski- Kirkilisse-Samako-vo-Midia am Schwarzen Meere, dann von Dahos nach Tschataldscha und Silivra, und von SicDoito nach Baba-Eski, .jn diesen abgegrenzten Bezirk, der sehr ausgedehnt ist, durch stetiges Vorruckcn der Truppen aber langsam verengert wird, werden dann die eigentlichen Jager eingelassen, die durch ihre mitgebrachten Spchel nun vor ^Adie Spur der Räuber anfsuchen und diese dann von Schlupfwinkel^zn Schlupfwinkel verfolgen, bi» sie entweder überrascht werden können, oder vorziehen sich zum ehrlichen Kampfe zu stellen, sehr ort weichen die Räuber ihren hartnäckigen und grausamen Verfolgern aus und beginnen Hch a«en die regulären Truppcü hinzuziehen, in der Hoffnung, sich dort durchruschlagen oder wenigstens von diesen gefangen zu werden, weil sie von ibnen men ch- lieber behandelt werden, als von den Gensdarmen, die ttlbst schwer ver­wundete Räuber nicht schonen. Er ist dies den Leuten ichüeßlich "ich! zu verargen, denn ihnen ergebt es von Seiten der Räuber auch nicht vesser, wenn sie das Unglück haben, in deren Hände zu fallen.

* Griechenland. Es sind keine Anzeichen wahrzunehmen, welche eine Wiederholung der Unruhen aus den Jonischen Inseln vermuthen lassen könnten Durchaus zuverlässige Personen, welche persönlich von der Sach­lage sich überzeugten, versichern, daß ganz normale Verhältnisse bestehen.

Handel, Industrie, Erfindungen.

--- Vatrntscha«. Mitgethcilt durch das Patent-Büreau von Otto Wolff in Dresden. (Abonnenten dieser Zeitung ertheilt das Büreau freie Auskunft über Patent-, Marken- und Mustcrfchutz.) Ein Faden­abschneider für Nähmaschinen wurde E. Rabiger in Chemnitz unter No. 56739 patentirt. Es ist an dem Kopf der Nähmaschine hinter dem Stoffbrücker ein scheerenartiger Mechanismus angeordnet, dessen beweg­licher Schenkel gegen den festliegenden Schenkel durch eine Feder angezogen wird und durch Druck auf einen Handhebel leicht geöffnet werden kann, um den Nähfadcn nach beendeter Iiaht bequem unb schnell durchzuschneiden. Bei dem Bierglas-Deckelverschluß von H. F. Schlappkohl in Kiel, D. R.-P. 55457, wird der Deckel beim Aufheben des Glases selbst- tbittig geöffnet, beim Niedersetzeli aber selbstthätig geschlossen. Es geschieht dies in der Weise, daß der .yentel am Glase beweglich angebracht ist und durch Gelenke mit dem Deckel in Verbindung steht. Ergreift man demnach den Henkel, so folgt er der Bewegung der Hand, während zunächst dar Glas selbsi noch stehen blqibt: hierbei findet das Oefincn des Deckels statt; beim Niederfetzen des Glases ist der Vorgang der umgekehrte. Eine Hülse für schwedische Zündholzschachteln mit windsicherer Anzünde - Vorrichtung ist der Gegenstand eines unter No. 56547 an I. Buich in Berlin erteilten Patentes. Von dem Rücken der Hülse wird in einfachster Weise ein halbcyliud rischer Hohlraum gebildet, in den von der Seite her die anzuzündende Cigarre rc. eingeführt wird, während da« Zündholz mit seinem Kopfe durch einen Längesfchlitz dieses Hohlraumes hindurchgesteckt wird, um an der Reibefläche der Schachtel entzündet zu werden. Um das Auslöscheu von Lampen durch seitlichen Luftzug zu verhindeni, bringt F. A. Wustemann in Duisburg auf dem Lampen- cylinder nach D. R.-P. 56389 die folgende Windschutz-Vorrichtung an. Aus den Cylinder wird eine seitlich ausgebauchte Trommel aufgesetzt, die oben mit einer Oeffnung zum Entweichen des Brenngases versehen ist. Durch diese Trominel werden seitliche Luftstöße, die etwa in dieselbe ein- dringen, wieder nach oben abgelenkt, so daß sie auf die Flamme einen Einfluß nicht auszuüben vermögen.

Dessenungeachtet dauert die fluchtartige StuStoanbenmg der Juden m großem Maßstäbe an. Zante ist von Juden ganz verlassen. Aus Corfu ind nach übereinstimmenden Berechnungen 2500 von 7000 Juden, welche ich dort bcfaitben, ausgewandert.

* Amerika. Der am 17. Juni in New-Dock von Navassa (Haiti) eingetroffene DampferAlvo" bringt die (schon tun erwähnte) Nachricht, daß Präsident Hippolyte am 3. Juni erschossen.worden sei. Dtt Koch derAlvo" empfing nämlich m Navassa von einem Kollegen m Port-au-Prince einen Brief, in dem es heißt, daß eine abermalige Revolution ausgebrochen fei, in deren Verlauf bte Rebellen 200 Anhänger der Negierung, totoie den General Hippolyte erschossen hatten. ®te Be- Schreibung über die Revolte vom 28. Mai und die Ermordung Rigaud's stimmt vollständig mit den früher eingetro ff eiten Berichten überein. Die Alvo" lag zwei Tage lang in Jaemel. Am 4. d. M. langte dort zuerst Sie Nachricht von der Revolution ein, als Truppen, die bte Uniform von Hippoltsie'S Regiment trugen, sich nach dem Gefängniß begaben, « dem fick echs politische 'Gefangene befanden. Nach einer kurzen Unterredung mit dem Gouverneur des Gefängniffes begab sich der Capitän mit fernen Leuten in die Zellen, ergriff die Gefangenen und schleppte sie auf den Marktplatz der Stadt. Ehe die Unglücklichen Zeit batten, ihre Lage zu erkennen, wurde Befehl zum Feuern gegeben und sie brachen tobt am Platze zusammen. Was die Nachricht von der Erschießung des Generals Hippolyte betrifft, so hat das Staats-Departement von Washington keine Bestätigung erhalten. Da zwischen Haiti, Sau Domingo und den Ver­einigten Staaten eine ständige Kabelverbindung unterhalten wird, so würde eine solche Nachricht zweifelsohne sofort nach Washington gelangt fein. Die Regierung Chiles veröffentlicht folgendes vom Rational- Congreß beschlossenes Gesetz:1) Alle seit 1. Januar 1891 vollzogenen Regierungshandlungen rechtsgiltig zu erklären. 2) Bis zur vollständigen Wieberherstellung des Friedens werden den Präsidenten folgende außer­ordentliche Vollmachten ertheilt: Personen zu verhaften, zu translociren, ihren Wohnort zu beftimmen, zu ändern, aus der Republik auszuweifen, Land- und Seemacht auf die für die Umstände erforderliche Kopfzahl zu erhöhen, im Sitzungsorte des Congresfes die Truppen zufammenzuziehen, öffentliche Gelder ohne vorher festgesetztes Büdget zu verwenden, Staats» Credit zur Beschaffung von Geldmitteln zu benutzen, worüber in beiden Fällen der Volksvertretung Rechenschaft abgelegt wird; außerdem nach Dafürhalten den Belagerungszustand über gewiße Orte zu erklären, Truppen dorthin zu concentriren, öffentliche Beamte jeder Att ohne Förmlichkeiten ein- und abzusetzen, das Vereinigungsrecht und die Preß­freiheit aukzubeben und zu beschränken. Der Präsident muß in geeigneter Zeit über die durch den Krieg verursachten Ausgaben Rechenschaft ablegen 3) Das Gesetz tritt in Kraft vom Augenblicke der Veröffentlichung im amtlichen Tageblatte. Die darin erwähnten außerordentlichen Vollmachten erlöschen am 30. September. Balmaceda."