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N». 137

Verlas: Larrggass- 27.

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strengerUeberwachung der hier durchziehenden russischcnJuden aus Gründen des öffentlichen Wohles hat man in Charlottenburg in der Nähe des Auswanderer-Schuppens ein Aerztezelt errichtet, in welchem be­ständig zwei Aerzte thätig sind. Der entsetzliche körperliche Zustand, in welchem die russischen Auswanderer hier anlangcn, hat diese Maßregel erheischt. Vor Allem sollen Vorsichtsmaßregeln getroffen werden, um die etwaige Einschleppung ansteckender Krankheiten zu verhüten. Das Hilfs-Comitö hat bis jetzt 5556,000 Fahrkarten, von welchen 1500 an Katholiken resp. zum Katholicismus übergetretenc Juden ausgetheilt wurden, nach Hamburg und Bremen gelöst. Das Betreten des Aus­wanderer-Schuppens ist jetzt nur noch den dazu befugten Personen ge­stattet. Es fehlt übrigens in anderen Abtheilungen der Auswanderer, welche nach Amerika gehen, nicht an Individuen, welche als wohlhabend zu bezeichnen sind, oder doch mit den Mitteln zur Reise und zum ersten Aufenthalt in Amerika genügend versehen sind. Dieselben sind allerdings bei ihrer Durchreise in Berlin fast gar nicht oder wenig zu sehen, denn sie fahren direct nach Hamburg oder Bremen, wo sie gleich die Schnell­dampfer, zumeist deren bessere Plätze, guten Muthes besteigen.

* Rundschau im Reiche. Auf Helgoland soll neben der ge­planten biologischen Station ein Laboratorium für practisch-wissenschaft- liche Erforschung der Nordsee int Dienste der Seefischerei errichtet werden. DerLloyd" erwartet einen großen Zuzug scandinavischer und englischer Heizer, welche, um Behelligungen seitens der Ausständigen zu entgehen, auf dem auf der Rhede liegenden Lloyds-DampferAmerika" kasernirt werden sollen.DieAllg.Reichs-Corr." betont, entgegen der Meldung desWolff'schen Büreaus", daß sowohl der Norddeutsche Lloyd und die Hamburger Packct-Actien-Gesellschaft, als auch die Antwerpener und die Rotterdamer Amerika-Dampfer-Gesellschaft die Zwischendeckspassage- Preise ermäßigten.DieHamburger Nachrichten" bezeichnen dieN. Fr. Pr." in Wien, weil sie den Fürsten Bismarck der Versuche beschuldigt, zwischen Oesterreich und Deutschland Mißtrauen zu säen, als einfranzosenfreundliches Organ der internationalen Börsen-Demokratie". Wenn die WienerN. Fr. Pr." das Bedürfniß empfinde, den Fürsten Bismarck zum Reichsfcind zu stempeln, so würde sie damit vielleicht den Beifall derNordd. Ällg. Ztg." und derNational-Zeitung" finden, auf welche dieselbe sich berufe. Es gehöre ein hoher Grad von Verblendung und Servilität dazu, die Sachlage zu verkennen, daß gewisse Kreise in Oesterreich durch den Handelsvertrag auf Stofte» Deutschlands gute Ge­schäfte zu machen gedächten.

Ausland.

* Luxemburg. Unser Luxemburger O-Correspondent schreibt uns unterm 15. Juni: Der Besuch Sr. König!. Hoheit des Gr oßherzogs am Hofe des Königs Leopold von Belgien ist aus den 20. Juni festgesetzt. Der Großherzog verbleibt zwei Tage in Brüssel und wird im königlichen Schlosse allda Wohnung nehmen. Der Fürst wird von seinem Sohne, dem Erbgroßherzog Wilhelm, begleitet fein; ferner werden sich im Gefolge befinden: Staatsminister Dr. Eyschcn, Sccrctär Gras v. Villert und Hofmarschall v. Syberg-Symmern. Das Gerücht von dem Gegen­besuche Sr. Hoheit des Königs Leopold bei Gelegenheit des feierlichen Einzuges des Landesfürstcn in seine Residenzstadt Luxemburg tritt immer bestimmter auf. Auf dem gestrigen zu Ehren der Abgeordnetenkammer tm Residenzschlosse Walferdingen stattgefuudenen Diner saß zur Rechten des Fürsten der Erbgroßherzog, zur Linke« Kammer-Präsident de Wac- quant. Der Großherzog hielt einen Trinkspruch in französischer Sprache aus die Mitglieder der Kammer, deren Einigkeit er insbesondere betonte.

* Kelgirn. In einem offenen Schreiben an König Leopold faßt der amerikanische Oberst William in 12 Artikeln seine gegen den Congo- staat gerichteten Anschuldigungen wie folgt zusammen. 1) Der Staat besitzt weder die moralische noch die materielle und finanzielle Kraft, um das Land zu verwalten. Unter 20 Beamten besitzt nicht einer ein­heimische Sprachkenntniß, obgleich die Leute Gesetze ausarbeiten, denen die Eingeborenen gehorchen sollen. Der Staat ist gegenüber den Sklaven­jägern ohnmächtig und ebenso gegenüber den entsetzlichen Grausamkeiten, die unter den Eingeborenen Vorkommen. 2) Es giebt 50 Reger-Militär- Posten, die Raubzüge unternehmen und dabei das Recht über" Leben und Tod der Eingeborenen besitzen. Diese Soldaten sind von der Ostküste eingeführt und kennen nicht einmal die Sprache der Eingeborenen. 3) Briefe der Unterbeamten werden unterschlagen. 4) Die Justiz kennt keine Unparteilichkeit, mit der Justiz-Verwaltung ist es schlecht bestellt. Die Schutzgesetze für die Eingeborenen sind ein todter Buchstabe. 5) Die Negierung verfährt äußerst grausam gegen Gefangene. Für kleinen Un­gehorsam werden sie gepeitscht, in Fesseln, oft ins Halseisen geschlagen, wodurch tiefe Wunden entstehen. In ungesunden, seuchten Kerkern am oberen Congo müssen sie leichte Vergehen abbüßen. Aus den portugiesischen Besitzungen werden Frauen eingeführt zu unsittlichen Zwecken und zwar durch die Regierung. Mitunter werden Frauen zu Gefangenen gemacht, um durch siebenjährige Dienste Vergehen abzubüßen, deren sich eine ganze Ortschaft schuldig gemacht hat. Diese Weiber werden dem Meistbietenden überlassen, ihre Kinder gehören dem Staate an. 7) und 8) Die Regierung hat Verkehr und Handel mit anderen Eingeborenen untersagt, im entgegen­gesetzten Fall werden Dörfer angezündet und Maaren beschlagnahmt. Belgische Offiziere haben sich zahlreicher Grausamkeiten schuldig gemacht. 10) Der Staat treibt selbst Sklavenhandel, nm Soldaten zu bekommen und Arbeiter haranzuziehen. 11) Der Staat hat mit Tippo-Tip über Landstriche verhandelt, welche ihm nicht angehörten. 12) Stanley hat das Publikum über die Zustände am Congo irregeleitet. Das Land ist unfrnüuvar, das Klima mörderisch. Kaum die Eingeborenen selbst finden oort t-.i. nöthige Nahrung. DieRöforme", welche wegen ihrer feind­lichen Stellungnahme gegenüber dem Congostaat bekannt ist, hat von allen

belgischen Blättern allein diesen Brief abgedruckt. Daß Ucbertreibungen und Verallgemeinerungen vorliegen, ist kaum zu bezweifeln.

* Frankreich. Der Melinit-Prozeß Tnrpin - TriponS wird unter strengem Ausschlüsse des Publikums verhandelt. Turpin hat als Zeugen 3 Generäle, L'advocat, Nismes und Boisbrimet, den Abg. Reache, die Journalisten Laurent, Saissy und Mercardicr vorgeladen. Triponö hat nur zwei Vertreter der Gesellschaften Armstrong und Noble. Die Staatsanwaltschaft hat 5 Zeugen geladen.

* Großbritannien. Wenn der Prinz von Wales ein eifriger Zeitungsleser ist, so muß ihm seine Freude an geistiger Kost bitter vergällt werden durch die Gerichte, die ihm gegenwärtig die englische Presse unver­drossen Tag für Tag ans dem widerwärtigen Processe Cumming zube­reitet und in allen möglichen Formen servirt. Auch die Methodisten und Baptisten benutzen die Gelegenheit, dem luftigen Prinzen Moralpredigten in Gestalt von Denkschriften und Entschließungen zu halten, und in Glasgow faßte gar eine Versammlung folgenden Beschluß:Die Mit­glieder des liberal-radicalen Govan-Vereins verdammen auf das Ent­schiedenste die Handlungsweise Albert Edward's, Prinzen von Wales, in Hinsicht auf den Baccarat-Scandal und beantragen, daß er aufgefordert werde, seine gegenwärtige Stellung in der Armee niederzulegen. Eine Abschrift dieses Beschlusses ist Sr. Hoheit dem Prinzen von Wales, dem Herzog von Cambridge, dem Premier und Herrn Gladstone zuzustellen." Aber noch mehr! Der liberale Abgeordnete Summers wird im Parlament den Kriegsminister darüber befragen, ob er irgendwelche Schritte hinsicht­lich der Personen unternommen habe oder zu unternehmen gedenke, welche int Verlaufe des Processes Sir William Gordon-Cumming versus Wilson und Genossen beschuldigt wurden, die folgende in der britischen Armee gütige Vorschrift verletzt zu haben:Jeder Offizier im Dienste Ihrer Majestät, dessen Charakter oder Verhalten als Offizier und Gentleutan öffentlich in Frage gestellt ist, muß den Jall innerhalb einer entsprechenden Zeit seinem Chef oder einer anderen zuständigen Militärbehörde zur Unter­suchung unterbreiten." Auch diese Anfrage gilt dem Thronfolger, der bekanntlich Feldmarschall ist und es unterlassen hat, den Fall Cumming dienstlich zur Anzeige zu bringen. Rothschild erhielt von Arnold White eine Depesche aus Kiew des Inhalts, er habe die sorgfältigsten Recherchen angestellt bezüglich der Gerüchte von Massen-Auswanderungen der Inden nach England, er habe sie aber unbegründet gesunden. Cumming und Frau wurden bei ihrer Ankunft in Forres (Schott­land) begeistert (!) empfangen. Die Waffenbrüder Cumming'S brachten Glückwünsche dar zur Vermählung und bedauerten das Urtheil. (!)

* Türkei. Nach Mittheilungen derAgenee de Constantinople" ist ein in West-Arabien ausgebrochener Ausstand veranlaßt durch den Stamm der Asyrs unter Scheikh Seiff-Eddin, dem mächtigsten, aber auch unruhigsten Stamm von Jemen. Die militärischen Abtheilungen, welche damit beauftragt waren, den Stamm zur Ruhe zu bringen, sind geschlagen worden und verloren etwa 100 Mann, darunter mehrere Offiziere. Der Gouverneur von Renten berichtet bei der telegraphischen Mittheilung der Vorfälle, daß die Asyrs Schnellfeuergewehre und Kanonen englischen Fabrikats hätten, und bittet um schleunigste bedeutende Verstärkungen. Ein außerordentlicher Ministerrath hat die Entsendung von 10,000 Mann des syrischen Armcecorps beschlossen.

* Griechenland. Zwei Polizeiagenten von Cors«, welche an den letzten Unruhen Theil nahmen, sind zu sechs Monaten Gefängmß verur- theilt worden.

* Asten. In Manipur wurde am 12. Juni der Prozeß gegen den Senaputti beendet. Der Gerichtshof befand denselben für schuldig, Krieg gegen die Kaiserin von Indien begonnen und an der Ermordung von englischen Offizieren Theil genommen zu haben. Er verurtheilte denSena- viitti zum Tode durch deu Strang. Die indische Regierung dürfte voraussichtlich die Verurtheilung genehmigen.

Handel, Industrie, Erfindungen.

- ---- Portugiestschr Finanzen und fremde Renten. (Mitgetheilt von Bank-Commandite Oppenheimer & Co., Rheinstraße 21 Wies­baden.) Als wir vor wenigen Wochen an dieser Stelle die Besitzer von Portugiesischen Renten bei den damals so sehr geworfenen (Sourfen in ihrem Besitze zu beruhigen unternahmen, und vorn derzeitigen Veikaiise jener Fonds abrietljen, sprachen wir zugleich die Erwartung aus, daß wohl ein Zeitpunkt eintreten würde, bet dein ein Realismen jener zweifel­haften Rentcnwerthe mit weit geringerem Verluste möglich werden würde. Rascher als selbst Optimisten erwarteten, ist die Besserung eingetreten 3°/oige Portugiesen haben sich von ihrem Tiefstände 10%, 4%% Portugiesen 16% erholt, so daß diefe Werthe heute wieder ein Niveau eiunehmen, welches alle günstigen Finanzprojecte des portugiesischen Finanzministers Carvalho im Voraus fast voll escompiirt. Für solche Besitzer, welche nicht überhaupt unabhängig von allen Zwischenschwankungen und un­bekümmert um neuerliche Cours-Rückgänge auf Jahre hinaus ihre portugiesischen Werthe festzuhalten entschlossen sind, dürfte der jetzige Zeitpunkt zur Abstoßung des Besitzes an portugiesischen Effecten wohl geeignet sein, da die Courssteigerung zum großen Theil nicht allein auf sachliche, sondern auch auf dörseittechimche Momente (Deckungen der Contre- mine) zurückzuführen fein dürfte. Für andere fremdländische Renten, ins­besondere für Spanier und Zolltürken, ist aufDeckungen ebenfalls bedeutend« (Steigerung eingetreten, so daß die Besitzer dieser Werthe, welche keiiiesweg» erste oder zweite Qualität repräsemiren, den jetzigen Moment zum llnr tausch in solide Anlagcwerthe wohl benützen dürften. Auch Egypter unik 4%ige Russische Staats-Obligationen erscheinen wieder sehr theuer und es ist mehr als wahrscheinlich, daß sich im Laufe des Herbstes durch theureu Geldstand, auch ohne jedes politische Vorkornmuiß, die Coursc aller fremden