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Wiesvadeiter Tagvlatt.
Seite 43
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Nachdruck vom Preß-Ausschuß des Mittelrhciuisched Musik festes freundlichst erbeten.
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Wenn hier auch erst die Grundarbeitcn vorgenommen werden, w kann man doch schon Vorhersagen, daß der Ban, den Herr Architekt Strasburger für Herrn Mevgermeister Schramm errichtet, ein prächtiger wird. In der Rheinstraße nimmt Herr Wolf an seinem Hause Veränderungen vor und die Gebrüder Simon, Wcinhändler, lassen hier durch Herrn Architekten Braun ein stattliches Wohn- und Geschäftshaus errichten. - Die Lmsen- straße weist auch einige Bauzäune auf. Da werden zunächst die Laden rm Ratd'schen Hause, Ecke der Kirchgasse, umgebaut; weiter unten wachst der prächtige Neubau des Karbol. Lesevercins unter Leitung des Herrn Architekten Frorath in die Höhe. Die katholiscye. Kirche selbst befindet sich im Renovationszustande und wird gegenwärtig das Dach erneuert. An der Ecke der Bahnhofstraße zeigen mächtige Stutzen, welche das Wäckler'sche Haus unterfangen, daß man hier mit dem Brechen von Läden beschäftigt ist. Weiter rechts tn der Bahnhofstraße errichtet die Firma Adrian große Comptoirräume, und schwerbeladene Karren schaffen den Schutt und Lehm hinweg. Man hätte infolge dessen auch tn diesem Theile der Stadt für den Herbst der Eröffnung verschiedener neuen Geschäftsräume entgcgenzusehen.
(* *) Etwas von der Spinne. Zu denjenigen kleinen Lebewesen, die man gegenwärtig in der Natur bei ihrem Thun und Treiben beobachten raim, gehören auch die Spinnen. Ergreifen sie einmal von einer ruhigen Ecke unseres Zimmers Besitz, so sind wir kaum gelaunt, ihnen lange zuzusehen ; der Staubbesen tritt möglichst rasch in Thätigkeit, und wenn dem Miere ein Entrinnen unmöglich ist, so verendet es in der Regel unter unseren Füßen. Und doch, wie hochinteressant ist die Beobachtung einer solchen Künstlerin, wenn sie gegenwärtig da draußen vou Blatt zu Blatt 'ihre Netze spannt. Aus Hunderten von Seffnungen der vier aogesouderten Drüsen oder Spinnorgaue heftet die Spinne ihren Faden, an . welchem Anfangs die Viertheilnug noch deutlich wahrzunehmen ist, an em Blatt. Die einzigen Werkzeuge, die noch beim Spiimen gebraucht werden, sind die Füß-, die den Faden leiten. Gemächlich spaziert sie hinüber zu einem anderen, läßt sich wohl auch an ihrem eignen Faden senkrecht herab, um an einem andern Blatt das Geschäft des Anleimens zu besorgen. So geht es auf und ab, hin und her mit arotzer Ausdauer und Negelmaßlg- kcit bis das Gewebe vollendet ist. Einzelne Arten bauen an dasselbe iloch einen sehr kunstreichen Fangappawt, indem sie von den Rändern und der Oberfläche des Gewebes eine Anzahl einzelner Faden oft mehrere Futz hoch ausspanneu. Stößt nun eine vorübereilende Fliege gegen einen dieser Kaden so verwickelt sie sich darin und stürzt herunter in das ausgebreitete Netz. Unter letzterem hat sich unser Jäger eine seidene Kammer gebaut, die ihn den Augen seines Opfers gänzlich entzieht. Durch einige Stricte, welche wie Telegraphendrähte die Kammer mit dem Gewebe verbinden, wird die lauernde Spinne von dem Vorgcfallenen benachrichtigt. Diese Stricke dienen ihr gleichzeitig als Brücke und Leiter, um recht schnell zu der Fliege zu gelangen. Sie wird nun völlig gefesselt und dann durch Aussaugen all ihrer Säfte beraubt. Ist aber der Gefangene zu mächtig, um erfolgreich bekämpft zu werden, so macht die Spinne nicht einmal den Versuch, ihn zu tobten; vielmehr sieht man oft, daß sie dem Netzbe- schädiger bei seiner Befreiung behilflich ist. Größere Insekten, wie Bienen, Hummeln, Käfer zerstören Nicht selten das Netz, ebenso stürmncheS Wetter. Dami ist die Spinne oft wochenlang ohne jede Nahrung, die sich die meisten Arten nur durch das Netz verschaffen können. Von dem Charakter der Spinne behaupten die Naturforscher, daß dieselbe überaus unverträglich und unliebenswürdig sei. Gesellige Freuden keimt sie nicht; stets einsam und düster sinnt sie nur auf Mord. Das lange Fasten versauert das Leben, verdirbt das Gemüth und hat beit Haß auf bas eigne Ge- fdiledit zur Folge, Brodneid nennen wir'S bei den Menschen, und „spiiiiien- feinb" ist der 'sprichwörtliche Ausdruck dafür. Gefühlvoll ist die Spinne nur gegen die eigne junge Brut; sie hegt und pflegt sie mit großer Sorgfalt und trägt sie, in Seide gewickelt, überall mit sich herum. •
-o- Diebstahl. Auf einer Bleiche an der verlängerten Bleichstraße wurden mehrere Hemden, Handtücher und UittctHclber entwendet.
= fileir.c Notizen. Das bekannte Mannfakturwaarengeschäft von Blumenthal L Lilienstein, Webergasse 23, hat ans Anlaß eines von ihm arrangirten Sommerwaaren-Ausverkaufs eine Erker-Aus,iellung seines reichhaltigen StofflagerS hera-richtet, die das Entzücken unierct Damenwelt hervorruft und in der Thai verdient, besonders beachtet zu werden.
-o- ^.esthwechset. Herr Privatier Daniel Benz hat sein Haus MauritiiiSpIay 1, „Zum Erbprinz", mit Inventar für 161/200 Mk an löerrn Restaurateur .Karl Nitzsche, z. Z. Inhaber des Restaurants „Zunl Krokodil" hier, verkanft.-Tas „Central-Hotel ging durch Kauf tut die Summe von 268,000 Mk. aus dem Desttz des Herrn R. Vyg e n in denjenigen oes Herrn Thoma aus Mainz über. Das Geschart wurde vermittelt und abgeschlossen durch Herrn ReaMonsnlenteu C. Meyer, Kapelleustraße 1, hier.
Nrrrttro-Rachtich!rn.
<= Mit dem, bei günstiger Witterung heute, Sonntag, von Nachmittags 2 Uhr ab „Unter den Eichen" stattfindenden Walbfeste des „Wiesbadener Militär-Verein", sind den Mitgliedern, sowie ynkrefjenteit des Vereins wieder einmal einige Stunden herrlichen Geuuffes m Ai.s,echt gestellt. Schönes Coueert, ausgesüyrt von der Capelle der Unterotfizierichule in Biebrich, Liedervorträge der GcsangAbtheilung des Vereins unter Leitung ihres Dirigenten, Herrn Lehrer Klein, ferner die auserwahlteuen ^mele für die liebe Jugend und ein schneidiges Tänzchen für die guten Alten u. s. w. werden die Festtheilnebmer in die animirteste Stimmung versetzen: dabei ab und zu ein Glas prima Lagerbier nebst einem kräftig mit Schinken belegten Brode — verabfolgt von dem allgemein beliebten Vereinswirth Herrn Restaurateur Wolter — und die ganze Veranstaltung, bereu sich
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-i- Die Turn-Gesellschaft Wiesbaden" brachte am Donnerstag Abend ihrem Vorsitzenden, dem staatlich geprüften Turn- und Fechtmeister Herrn Friedrich Heidecker, anläßlich seines 25=iahrtgen Turner-Jubiläums einen Fackelzug mit Ständchen und veranstaltete bann ihm zu Ehren einen Fest-Commers in ihrer Turnhalle, Wellritzstraße 41.
* Die Gesellschaft „Victoria" veranstaltet heute Sonnt«,, den 14. Juni, einen größeren Familien-Ausflug nach Biebrich, „Hotel Bellevue . Für Unterhaltung (Tanz, komische Vorträge u. s. w.) ist fettens des Vorstände»
bestens gesorgt. __________________
---- Wiesbaden, 13. Juni. Das „Militär-Wochenblatt" meldet! Mila, Port.-Fähnr. der Res., zuletzt im 2. Nass. Jnf.-Regt. No 8L im activen Heere, und zwar als Port -Fahnr. bet dein Fus.-Reg . General-Felbmarschall Graf Moltke (Schief.) No. 38, wi.eberangestellt. Frhr. v.Malapert-Neufville, Capitäii-Lieutenant, mit der gesetzlichen Pension zur Disp. gestellt.
= Namt-ach, 12. Juni. Der Bürgermeister a. D. Jakob Wintermeyer und feine Gattin begehen das Fest der goldenen Hochzeit am Sonntag, den 21. Juni. Der Ehejubilar war 20 Jahn lang Bürgermeister unserer Gemeinde.
= Kleiden stadt, 13. Juni. Wie bereits, in diesem, Blatte mit» getljeilt wurde, errichtet der hiesige „Krieger-Verein" dahier ein Krieget> Denkmal. Es sei nur noch bemerkt, daß genannter Verem fi» nicht erst jetzt neu gegründet hat, sondern seit dem Jahre 1874 besteht. AlStt im Jahre 1870 unsere westliche Nachbaren nach des , deutschen Volkes theuerften Strom gelüftete und Kaiser Wilhelm die Kriegstronimil ertönen ließ, da zogen auch 26 Krieger aus unserem Dorschen an bei Rhein, um Deutschlands Gauen zu schützen. Vier derselben fanden,i diesem gewaltigen Ringen den Heldentod und liegen auf. ferner, frembtt Au in kühler Erde gebettet. Schon lange ging man mit dem Gedanke« um, ihnen zu Ehre ein Denkmal zu errichten; find es bod) auch bi! Krieger-Denkmäler, welche die Erinnerung an die großen Thatcn dtt deutschen Heeres ans 1870/71 in unserer deutschen Jugend, wach erhalten Den rastlosen Bemühungen des hiesigen „Krieger-Vereins. sowie der Opferwilligkeit der hiesigen Einwohnerschaft und Gemeindebehörde ist es gelungen, baß bas Werk seiner Vollendung entgegengeht. Die Arbeite« sind so weit vorgeschritten, daß das Denkmal im nächsten Monat, am 19. Jultz eiiigeweiht werben kann. Viele auswärtige Krieger-Vereine haben ihre Betheiligung an biefem Feste zugesagt. Die hiesige Emwohiierschaft WM Alles dazu beitragen, daß sich der Elnweihungstag des Denkmals sm die Beschützer der deutschen Gauen zu einem wahren Festtag gestaltet.
(?) Lad Weilvach, 13. Juni. Der Turnverein zu Weilbach seiest am Sonntag, den 21. b. M., ein größeres Turnfest mit Preis - und Schauturnen, zu welchem bie Turnvereine des Mamgaues und d« angrenzenben Bezirke Einladungen erhalten haben Damit das beabsichtigte Fest ein recht glanzvolles werde, ist der Festausschuß schon M vollauf mit den Vorbereitungen beschäftigt.
* fimliitrn, 12. Juni. Der vom Curatorium des Realproghmnasiuni» und Piogymnasinins hier zum Nachfolger des geistlichen Raths Herr» Bah! gewählte Herr Pfarrer Abt von Reifenberg hat die Bestätigung dst Provinzial-Schulbehörde nicht erhalten.
(?) Aus dem unteren Maingau, 13. Juni. Gestern , wurden ti der hiesigen Gegend die ersten Kirschen gepflückt; bas Vfundwurs mit 40 bis 45 Pfg. bezahlt. Im vorigen Jahre wurden die ersten K>r,cha am 29. Mai, also 14 Tage früher gepflückt.
(?) Flörsheim tu M., 13. Juni. Dem Fonds zur Erbauung etn« evangelischen Kirche dahier hat bie in Limburg gelegentlich des fiW unbzwanzigjährigen Jubiläums der dortigen evangelischen Pfarrkirche,°M haltene Versammlung beS „Gustav-Adolfs-VeremS" einen Zuschuß v°« 800 Mk. bewilligt. .
* Frankfurt tu M., 13. Juni. Jeder Tag bringt Neues in b« elektrischen Ausstellung. Am vorgestrigen Abend sandte der elektrM Scheinwerfer, den bie Firma Schlickert u. Co., Nürnberg, auf d» Thurm in der Main-Äusstcllnug angebracht hat, zum ersten Male sei« Strahlen mainauf- und abwärts hinüber auf das andere Ufer uw Hinüber in bie Ausstellung. Die Stärke des Stroms beträgt 120 Slmpe«, die Lichtkraft en. 200,000 Kerzen.
„Zum Werke, das wir ernst bereiten, Eeziemt sich wohl ein ernstes Wort/
*tn der Kunst ist das Hören und Sehen, das Nufnehmen nijj Empfinden wichtiger und bedeutungsvoller, als alles theoretische Stnvm der Meister, ihrer Schnlen, der Technik, der Methoden; man brauckst m« zu wissen, wer Raffael ober Beethoven war und man vermag event. doch fch° aue- der Erinnerung au bie Sinnen der Sixtma und ihres Kindes ei ewige Quelle von Begeisterung zu schöpfen und beim Hören der Leonore. Ouvertüre eine seelische Erschütterung ohne Gleichen zu empfinden Dennoch kann unzweifelhaft der Genuß eines Kunstwerkes "leichten n erhöht werden durch vorausgegangene Kenutnitznahme der Art 1undi!ve .... wie ein Kunstwerk etitstanden, durch das Studium der Äerhaltniste, ° hn
die erwählte Commission wieder einmal rühmen kann, wird nicht das fj Geringste zu wünschen übrig lassen. Dementsprechend — gütiger Himmel f
' frohes Gesicht.
