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Verlag: Langgasse 27.
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r~ Der Dampfer „Kite" ist mit der vom Schiffsingenieur Peary organi- firten Nordpol-Expedition von New-Uork abgegangen. Die Spedition besteht aus 16 Personen, darunter auch die Frau PearyS und begiebt sich zunächst nach Grönland, verläßt dort das Schiff und versucht deii Nordpol mittelst Schlitten zu erreichen.
Die .Post" erhält von Breslau folgendes Telegramm: Sonntag Vormittag brach in den Ställen der Kürassier-Kaserne Feuer aus. Die Pferde gelangten ins Freie und stürmten, schm geworden, in die Stadt und dnrch diese, prallten an Fuhrwerke an, brachen Kandelaber um, wodurch sie vielfach verletzt wurden. Viele Pferde stürzten, drei blieben lobt liegen. Menschen sind nicht verunglückt, aber es herrschte eine furchtbare Aufregung. Das Feuer blieb auf den ersten Stall localisirt. — Eine weitere Nachricht meldet: Bei dem Brande in der Kürassier-Kaserne sollen 6 Pferde zu Tode gekommen und 40 verletzt worden sein.
Nach einem Telegramm der deutschen Botschaft in Konstantinopel von Montag Nachmittag sind sämmtliche Gefangene der Ränder befreit und befinden sich auf dem Wege nach Kirfilisse.
Beim Exercieren in Bamberg fand infolge irrthümlichen Commandos «in Zusammenprall zweier Schwadronen Ulanen statt, wobei mehrere Soldaten schwer und leicht verwundet wurden. Eine Ulane erhielt einen Lanzenstich in den Hals.
Das am Sonntag ftattgefundene Erdbeben reichte nach demCentral- bureau sür Meteorologie in Rom gemäß den Erdbebenapparaten bis Florenz, Aquila und Rom. Rom verspürte das Erdbeben nm 2 Uhr :6*/s Minuten Morgens. — In Vicenza sind leichte Erdstöße wahrgenommen worden; auch in Verona zeigte der Seismograph am Montag leichte Erschütterungen an, die in Fregnago, Cotognola, Badiacalavena Sörter verspürt wurden. Die Bevölkerung verhält sich indeß beruhigter. Weitere 100 Zelte sind in die verschiedenen Landestheile versendet worden.
Der Fehlbetrag des flüchtigen Bankiers Jouanno in Paris beläuft sich auf etwa 10 Millionen Francs. Seine Kunden gehörten vielfach dem Adel und der Geistlichkeit an. Es befanden sich aber auch viele kleinere Angestellte und Rentiers unter ihnen. Eine Köchin verliert 16,000, ein Beamter 8000 Fr., die Mitgift seiner Frau; ein Landwirth der Umgegend von Paris 40,000 Fr.
In Charleroi brach ein förmlicher Aufruhr anläßlich einer Mord- thai aus. Die Menge lynchte den Mörder und zerstörte dessen Haus. Der Wagen, in dem der Mörder transportirt werden sollte, wurde zerschlagen. Die Polizei war machtlos, berittene Gensdarmen griffen ohne Erfolg die Menge an und theilten Säbelhiebe ans. Die Menge antwortete mit Steinwürfen. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen.
Ein entsetzliches Familiendrama hat sich in Deggendorf sBaiern) abgespielt. Der in den fünfziger Jahren stehende Zimmermann Gruber gerieth mit seiner Ehefrau in Zwist, worauf ihm Letztere mit einem Messer einen Stich in die Herzgegend versetzte, welcher den sofortigen Tod des als sehr fleißigen Arbeiters bekannten Mannes herbeifübrte. Die Gattenmörderin wurde sofort verhaftet. Das Bedauern mit dem Unglücklichen, der fünf Kinder hinterläßt, ist ein allgemeines.
* Unsere Kigrrlv, so schreibt man aus Berlin, bringen sich wieder m Erinnerung. Wir hatten schon die leise Hoffnung, es möchte in den Köpfen derselben eine Ahnung davon aufgedämmert fein, welche lächerliche tzigur sie bislang spielten. Leider war es ein starker Jrrthum, in dem toir uns befanden. Mit dem Tiirnergürtel haben uns die Nachfolger Don Qmxote's jäh aus unfern Wahn gerissen. Der Träger fällt jetzt lveg; starr dessen legt, wer ein rechter,Gigerl ist, ein breites, farbiges Gummiband um die Hüfte, das durch silberne Haken und Schlösser mit Initialen zusammeugehalten wird. Je nach dem Grade der Verrücktheit des Gigerls richtet sich die Breite des „Leibriemens", der in manchen «allen die eines halben Meters erreicht. Die Weste fehlt natürlich, damit der Gürtel nicht verdeckt wird, und in der carrirten Pluderhose steckt ein mltiges, farbiges Flanellhemd mit „Bauernkragen". Auf dem Kopfe sitzt an nach oben spitz zulansender weißer. „Strandyut" aus Filz, und in den Händen des Gigerls, die mit großcarrirten baumwollenen Handschuhen bedeckt sind, balancirt ein Knüppel, dessen Krücke mit dem Symbol irgend eines Sports versehen ist. „Knallrothe" Halsbinden vervollständigen denAiizug.
* Drr Londoner Omnibus -Ktrike. Die Omnibusse der Hauptgesellschaften wurden im Laufe der Sonntag-Nachmittags an den Hauptpunkten des Verkehrs so anhaltend mit Heulen und Drohungen Sinkender verfolgt, daß sie fast keine Passagiere mehr fanden und die Fahrten einstellten. Jetzt fahren nur noch Privat-Omnibusse. Mehrere Wagen der Omnibus-Gesellschaft, welche von Highgate, im Norden von London, unter polizeilichem Schutze übgegangen waren, wurden in ■jMington durch die aufgeregte, aus mehreren tausend Personen bestehende Volksmenge gezwungen, in das Depot zurückzufahren. Im Laufe des Nachmittags wurden zwei Omnibuswagen durch die Volksmenge in der Nahe von Marble Arch (Hyde Park) üngehalten. Die Passagiere wurden totoungen, auszusteigen. Die Stränge wurden durchschnitten und die Wagen uingestürzt. Drei Personen wurden verhaftet. Die „General Omnibus Eompany" theilte am Montag mit, daß die Ausständigen die Fütterung der Pferde der Gesellschaft gewaltsam verhindern. 10,000 Pferden «würde dadurch der Hungertod bevorstehen. (Da »ÜB natürlich die bewaffnete Macht einschreiten.)
n * Ein prächtiger Eisrnbahinng. Von dem neuen Pullman'schen .Luxuszug" für den Verkehr zwischen der atlantischen und der pazifischen «ufte der Vereinigten Staaten giebt die „Sun“ folgende Beschreibung:
Zug bestehl aus Wohn- und Schlafwagen mit Galerien, einem Aus- üchts-, einem Speise- und einem Rauchwagen. Letzterer ist ausschließlich jur Männer bestimmt und von dem anschließenden Gepäckraum durch ein «ade- und ein Toilette-Cabinet getrennt; eine Abtheilung ist als Cafö ^gerichtet. An den vier Schlafwagen sind die neuesten Verbefferungen "»gebracht. sie kaffen je zwölf zweischläfrige (Sabinen mit tragbaren
Glühlampen und zwei Aufenthaltsräume, und in einem derselben befindet sich ein Badezimmer für Frauen. Im Speisewagen bieten zehn Tische für vierzig Personen gleichzeitig Platz und die anstoßende für vier zugleich arbeitende Köche. Der gläserne Aussichtswagen ist reich mit Bequemen Sitzgelegenheiten ausgestattet und enthält weiter nicht nur eine Bibliothek und Schreibpulte, sondern sogar ein Piano; auf dem ganz offenen Ende des Wagens können zwanzig Personen die Aussichten unbehindert genießen. In einem besonderen kleinen Bureau endlich sitzt der unentbehrliche Stenograph, der den Reisenden die Mühe des BriefschreibenS abnimmt und ihre Dikate auf der Schreibmaschine sauber kopirt. Was eine Fahrt von New-Dork nach San Francisco einschließlich dieser sämmtliche» Erleichterungen kostet, wird allerdings nicht gesagt.
Geldmarkt.
Frankfurter Courfe vom 9. Juni.
Geld-Sorten.
Brief.
Geld.
Wechsel.
Ds.
Kurze Sicht.
20 Franken .... 20 Franken in '/>. Dollars in Gold . Dukaten......
Dukaten al marco Engl. Sovereigns. Gold al marco P.K. Ganz f. Scheideg. „ Hochh. Silber „ Ruff. Banknoten . Ruff. Imperiales .
Reichsbank-Dis
N 16.19 16.19 4.20 9.61 9.61 20.40 2788 2804 138.70
16*65 conto -
N 16.15 16.15 4.16 9.57 9.57 20.36 2780
131.70 241.50
16.60 °/o. -
Amsterdam (ft. 100) Antw.-Br. (Fr.100) Italien (Lire 100) .
London (Lstr. 1). .
Madrid (Pes. 100)
New-Aork (D. 100) Paris (Fr. 100) . .
Petersburg (31.100) Schweiz (Fr. 100) .
Triest (fl. 100).. .
Wien (fl. 100) .. . Franksurter Äank-T
°/°
3
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*» 168.95 bz. 80.70 bz. 79.95 bz. 20.45 bz.
80.80 bz.
80.50 bz.
173.90 bz. nto 4%.
-m- Coursbericht der Frankfurter Körfe vom 9. Juni, Nachmittags 3 Uhr. Credit-Actien 262"/«, Disconto -Commandit- An- tbeile 1823/s, StaatSbahn-Actien 247'/-, Galizier 189. Lombarden 97'/«, Egypter 97.70, Italiener 91.70, Ungarn 91'/-, Gotthardbahn-Actien 148'/-, Nordost 144'/-, Union 110'/-, Dresdener Bank 142'/-, Lanrahütte-Actien 122, Gelsenkirchener Bergwerks-Actien 165'/.-, Russische Noten 241'/-. — Tendenz sehr fest, besonders für Kohlenwertbe, die kräftig haussirten: auch österr. Bahnen und Banke» belebt und höher. Schluß auf allen Gebieten fest und belebt.
Letzte Drahtnachrichten.
(Nach Schluß der Redaction eingegangen.)
* Esse», 9. Juni. In dem Stenerprozeß erklärte der Staatsanwalt, die Mitwiffenschaft des Commerzienraths Baare an den Stempel- sälschungen sei in keiner Weise erwiesen. Ob Unregelmäßigkeiten vorgekommen, könne er noch nicht äußern.
* Miet,, 9. Juni. Die amtliche „Wiener Zeitung" veröffentlicht eine Verordnung des Gesammt-Ministeritims vom gestrigen Tage, wodurch die für die Gerichtssprengel Wien-Korneuburg und Wiener Neustadt im Jahre 1884 getroffenen Ausuahme-V erfüguugen theilweise aufgehoben werden. Demnach treten die Bestimmungen über die Vornahme von Haussuchungen und die Beschlagnahme von Briefen, ferner betreffend die Vereine, Versammlungen, Druckschriften und Verhaftungen ohne richterlichen Befehl hußer Wirksamkeit. Die auf Grund des Ausnahme- Gesetzes erfolgten Ausweisungen dagegen bleiben bestehen, wenn nicht den Ausgewiesenen in jedem einzelnen Falle die Rückkehr bewilligt wird.
* Debrecrin (Ungarn). 9. Juni. Ein großes Magazin der Dampfmühlen-Actien-Gesellfchaft ,,Jstovau", worin Producte und fertige Mehlwaarc lagerten, ist vollständig niedergebrannt. Das Mühlen- gebäude ist gerettet, der Betrieb ungestört. Der Schaden soll sich auf 200,000 Gulden belaufen.
* Rom, 8. Juni. Heute ranb ein breiter Lava-Erguß ans einer neuen Besuv-Oeffnung statt. Die Erdbeben in der Lombardei und Venetien hörten allgemein mit dem Beginne der Eruption auf. Der Lava- Erguß scheint nicht fortzuschreiten.
* London, 9. Juni. Das Unterhaus nahm gestern den Antrag des Deputirten Hartdyke, betreffend die jährliche staatliche Beisteuer zum freien Unterricht in Höhe von einem halben Pfund für jeden Schüler, nach längerer Debatte an. — Einer Meldung des „Standard" aus Shanghai zufolge hätten die Gesandten Frankreichs und der Vereinigten Staaten an die chinesische Regierung die Aufforderung gerichtet, den Vertretern ihrer Staaten wirksame» Schutz beizuacben, andernfalls würde eine feindliche Action des französischen Geschwaders und das Bombardement von Nanking stattfinden, wofern die chinesische Regierung sich nicht zur ®e» nugthunng und Schadloshaltung herdestieße.
* Lissabon, 9. Juni. Die finanzielle Krise flößt Besorgnisse ein; baares Geld ist sehr rar geworden; zahlreiche Arbeiter sind beschäfttgungslos. ES werden Kundgebungen vorbereitet, um gegen die Lage zu protestiren.
* Khangai, 9. Juni. Die französische Kirche und das Waisenhaus inWoofich bei -sochoow wurden durch einen Pöbelhaufen zerstört
* Uem-Nork, 9. Juni. Bei den Unruhen auf Hayti richteten die Anhänger des Generals Hyppolit ein schreckliches Blutbad an. Die Revolutionäre suchten achtzig Genossen aus dem Gefängnisse zu befreien. Der Versuch mißglückte. Sodann wurde der Führer, Kaufmann Rigaud, auf dem Kirchhof füfilirt. ebenso sein sechszehnjähriger Neffe. Obwohl keinerlei Widerstand stattfindet, wird Maffenhiurichtung fortgesetzt
