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in Otsu bei Brewust, ungefähr 12 Meilen von Kioto, stattgesunden. — Großfürst Nikolaus Alexandrowitsch trat im vorigen Herbst eine auf etwa *ft Jahr berechnete Orientreise an, die ihn über Griechenland und den Suezcanal nach Indien und Ostasien führte. Nach dem in Aussicht genommenen Programm sollte der Zarewitsch auf dem Landweg über Sibirien heimkehren. Die Reise sollte ebensowohl seiner allgemeinen Ans- jbildung, wie der Kräftigung seiner Gesundheit dienen. Schon hat, wie s. Z. aus Indien gemeldet, ein peinlicher Zwischenfall die Reise des rusnschen Thronfolgers gestört. Die Stadt Kioto, in deren Nähe das Attentat auf den Zarewitsch verübt wurde, ist eine der interessantesten Städte Japans. Bis zur großen japanischen Revolution, die im Jahre 1868 mit der Restauration der Mikados endete, war
Kioto länger als ein Jahrtausend die Hauptstadt von Japan.
Die Besichtigung Kiotos war ein Hauptpunkt im Programm der Reise des Zarewitsch. Unter den Sehenswürdigkeiten Kiotos ist am bemerkenswerthesten die Burg des Daimio, der alte Mikado-Palast, in welchem die Mikados zuletzt durch die übermächtigen Hausmeier gewissermaßen als Gefangene gehalten wurden. Kioto ist eine Stadt von 275,000 Einwohnern. — Das Attentat wird die Russen daran erinnern, daß die Thronfolge Alexanders III. in direkter männlicher Linie nur aus wenigen Augen ruht. Der Zarewitsch Nikolai, welchem auf seiner Reise nach dem fernen Osten das erwähnte Mißgeschick zngestotzen ist, wird in wenigen Tagen dreinndzwanzig Jahre alt, ein körperlich schwächlicher Jüngling, der wohl nichr viel zuzusetzen hat. Der zweite Sohn des Zaren, der zwanzig Jahre alte Georg, welcher seinen Bruder auf der Reise begleitete, aber von Bombay zurückkehren mußte, weil er am Fieber litt, wie die Einen behaupten, oder, weil er vom Mastkorb aufs Deck des Kriegsschiffes „Pamjät Asowa" gestürzt war, wie die Anderen sagen. Jedenfalls ist er so leidend, daß UM bisher nicht gewagt hat, ihn nach der rauhen nordischen Heimath zurückkehren zu lassen. Der dritte und letzte Sohn des Kaisers Alexander, Michael, zählt jetzt dreizehn Jahre. Außer diesen drei Söhnen hat das Zarenpaar noch zwei Töchter, nämlich die 1875 geborene Xenia, und Olga, welche jetzt neun Jahre alt ist. Ueber die Gründe, welche ein Japanese zum Angriff auf den Thronfolger veranlaßt haben, verlautet noch nichts und es wäre müßig, Permuthungen darüber aufzustellen. Meuchelmorde sind in Japan nichts Seltenes und es ist auch nicht zu verwundern, daß die Russen in Japan nicht sonderlich beliebt sind. Zu verwundern ist nur, wie der Japanese in die Nähe des Thronfolgers hat kommen können. „Nicht lebensgefährlich" soll die Verwundung sein, was wohl so viel heißen soll, daß dieselbe nicht unbedeutend ist. Die Nachricht von dem Vorfall wird die Stimmung am zarischen Hofe, welche bereits infolge der beiden letzten Todesfälle im kaiserlichen Hause und der Nachrichten über den Zustand des Großfürsten Konstantin Nikolajewitsch und Peter Nikolajewitsch, sowie der Großfürstinnen Alexandra Josefowna und Alexandra Petrowna eine sehr gedrückte sein soll, noch mehr verdüstern.
Ausland.
* Lrrvcurburg. Unser Luxemburger O-Correspondent schreibt uns unterm 13. Mai: Gestern Nachmittag traf hier ein Telegramm ein, welches die auf den heutigen Tag festgesetzte Rückkehr des Großherzogs als bis auf weitere Nachricht aufgeschoben ankündigte. — Die von dem Brüsseler Platte „Le Parriote" und dem „Frankfurter Journal" gebrachte telegraphische Nachricht 'über eine geplante Verbindung des Erb- arouherzogs Wilhelm mit der englischen Herzogin Mary de Teck wird in hiesigen Kreisen bezweifelt. Die Nachricht kam unerwartet. Ich vernehme von zuständiger Seite, daß unser Erbprinz bei Gelegenheit der von dem Prinzen am englischen Hofe überbrachten Ankündigung der Thronbesteigung seines erlauchten Vaters der Herzoglichen Familie de Teck auf deren Schlosse bei London in der That einen Besuch abgestattet hat. Die junge Fürstin Victoria Augusta Luisa Olga Pauline Claudine Agnes Mary ist von 1 Kindern das älteste des Herzogs Franz von Teck, vermählt mit Mary, Herzogin von Teck, königl. Prinzesnn von Großbritannien und Irland. Die Tochter wurde geboren am 26. Mail 1867 im Kensington-Palace in London und ist 15 Jahre jünger als der Erbgroßherzog Wilhelm. Der Vater der jungen Fürstin ist ein Sohn des Herzogs Alexander von Württemberg.
* Belgien. Die Socialisten in Brüssel verbreiten in den Kasernen massenhaft Proclamationen, welche die Soldaten zum Ungehorsam anfforbern. — In der Nacht zum 11. d. M. plünderten die Strikenden ein Wohnhaus in der Nähe von Mons. — In Seraing herrscht vollständige Ruhe. Ulanen schützen die zur Arbeit sich begebenden Leute. Uebrigens haben die Arbeiter sich mit Knütteln versehen, um sich selbst zu vertheidigeu. Demgemäß hat auf dem rechten Ufer der Maas die Sage sich erheblich gebessert. — Der vierte Theil der ausständigen Metall- und Kohlen-Arbeiter in Lüttich hat Dienstag die Arbeit wieder ausgenommen. Die Polizei hatte die Nacht hindurch das Haus Dallemagne's bewacht, auf welchem Abends zu lesen stand: „Wir »erben dieses Haus in der Nacht in die Lust sprengen." Dallemagne ist Verwalter der Gesellschaft Sclessin. Verschiedene Koblenzüge aus Deutschland sind eingetroffen. — Zu Saint-Nicolas wurde ein äußerst verbrecherisches Attentat vorbereitet. In der Nähe der Stadt wurden Dynamitvatronen mit comprimirtem Pulver bestreut, auf die Straße gelegt und dann spanische Reiter (spitze Holzpsähle) in die Straße eingetrieben, um die berittene Runde der Frühschicht zu treffen. Rechtzeitig wurde die Sache entdeckt.
-"Italien. Die päpstliche En cyklica über den Socialismus nt in der Hauptsache fertiggestellt. Der Papst legt nur noch die letzte Hand an. Die Encyllica erscheint noch diesen Monat. — In Montemilone bei Bari brachen Bauern-Unruhen aus. Die Bauern zerstörten den
Forst; Gensdarmerie mußte eiligreifen. — In der Verwaltung des Peterspfenuigs ergaben sich, wie authentisch berichtet wird, große Unregelmäßigkeiten. Der Papst ernannte deshalb zur Prüfung sümmtlicher unter seinem Pontifikat beglichenen Rechnungen eine aus drei Cardinälen bestehende Commission. Sichrere hohe Persönlichkeiten des Vatikans erscheinen, so wird dem „Berl. Tagbl." gemeldet, schwer com- promittirt, so dürfte auch Moufignore Folchi, bisheriger ©ccretär des Peterspfenuigs, seines Postens enthoben werden. Trotzdem die Sache begreiflicher Weise mit großer Heimlichkeit behandelt wird, stehen schwere Scandale in Aussicht.
* Portugal. Der „Times" wird aus Lissabon gemeldet, daß am Montag Abend um 11 Uhr eine auf eine Fensterbank des Ministeriums des Innern gelegte Bombe explodirte, gerade als eine Sitzung des Finanzcomitos in dem Ministerium abgehalteu wurde. Das Steinwerk wurde stark beschädigt. Das Gebäude wurde sofort umzingelt und verhaftete man zwei Weiber.
* Schweden und Norwegen. Der Rücktritt des Minister- Präsideyten Frhrn. v. Akerhjelm ist bevorstehend. Der Grund ist eine Anklage wegen der gemeldeten, Norwegen bedrohenden Aeußerung.
* Rußland. Der „Voss. Ztg." zufolge hat die Polizei dieser Tage in Petersburg eine geheime Druckerei entdeckt. In der Siteiuaja beschlagnahmte sie eine Menge revolutionärer Veröffentlichiingeii und nahm mehrere Verhaftungen vor. — Die Verfolgung der lutherischen Pastoren in den Ostseeprovinzen dauert ungeschwächt fort. In Kurland sind die Pastoren Treu (Jrben) und Krause (Dondangen), welche vom Senat zur Gefängnißhaft von 2 resp. 4 Monaten verurtheilt waren und diese Haft gegenwärtig im Mitan'scheii Gefängniß verbüßen, ihrer Aemter entsetzt uiid für immer von der geistlichen Thätigkeit im kurländischen Gouvernement ausgeichlossen worden. In Livland ist Auklagi erhoben wider den Pastor Emil Metzler wegen Nichachtung der Vorschriften oder Ceremonien der orthodoxen Kirche und wider den Pastor Eugen Mickwitz wegen Zulassung zur Commnnion, Taufe oder Confir- mation Orthodoxer und Vollziehung von Mischehen. — Im Juli wandern 1500, im Herbst weitere 1800 Circassier aus dem Kaukasus in die asiatische Türkei aus, wo der Sultan Freiland giebt. — Wyschne- gradski führte bei dem Zar in ftnnbenlanger Audienz bittere Klage über Durnowo's innere Politik mit den Judenverfolgungen, wodurch der russischen Finanzpolitik Überwindliche Schwierigkeiten bereitet würden. Des Finanzministers Darlegung machte tiefen Eindruck auf den Zaren; es ist aber trotzdetp wenig Hoffnung auf Einschränkung der Jndenhetze vorhanden.
* Amerika. Nach Nachrichten ans Chile über Lissabon verfügt die Congreßpartei nunmehr über eine Armee von 12—15,000 Soldaten,, über 43 Krupp'sche und viele Schnellseuerkanonen. Ihre Infanterie hat Mausergewehre. Es heißt, der Staatsschatz der Regierung Balmacedas in Santiago sei ganz geleert. Unter der Bevölkerung circulirten nur noch ungesetzlich emittirte Banknoten, welche auznnehmen man sie unter Androhung von Kerkerstrafe nöthige. Die Besatzungen Aricas und Tacnas, die auf Seiten der Regierung stehen, überschritten die Grenzen Perus, wo sie die Waffen nieberlegen mußten. Die Congreßpartei soll im April eine Million Tonnen Salpeter aus den von ihnen besetzten Häfen ausgeführt haben.
Aus dem Gerichtssaal.
* Wiesbaden, 13. Mai. In der gestrigen Sitzung des König!. Schöffengerichts tarnen folgenbe Fälle zur Verhanblntig: Der Gastwifth Heinrich P. hier würbe von der erhobenen Anklage der Bedrohung freigesprochen. — Der Tüncher ttttb Gemeindevorsteher Wilhelm Kl. von Dotzheim soll den Bürgermeister-Stellvertreter daselbst durch Worte in einer Gemeiuderathssitzung beleidigt haben. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß nach Lage der Sache eine Beleidigung nicht vorliege, übrigens auch eventuell der § 193 des Strafgesetzbuches dem Angeklagten zur Seite stehen würde, indem er in Wahrnehmung berechtigter Interessen handelte. Kl. wurde daher freigesprochen. Der frühere Photographen- gehilfe, jetzige Spezereihändler August S. hier hat auf dem Wege von Sonnenberg nach Wiesbaden zwei harmlos des Weges gehende junge Leute angcrcmpclt und ohne jede Veranlaffung mehrmals mit der Faust tu das Gesicht geschlagen, auch diese Thällichkeiten noch fortgesetzt, als er von den Mißhandelten gebeten worden war, sie doch gehen zu lassen, denn sie wollten ja nichts mit ihm. Mit Rücksicht auf die außerordentliche Rohheit, die der Angeklagte an den Tag gelegt, und in Berücksichtigung seiner dreimaligen Vorbcstrasungen wegen Körperverletzung wurde der Angeklagte zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt.
Dermischtes.
* Uom Tage. Am Pfingstsonntag, den 17. Mai, feiert Pfarrer Sebaiti.an Kneipp seinen 70. Geburtstag. Die Zahl der Besucher Wonshoteus ist sehr groß und das Vorzimmer des Pfarrers tagsüber von Hunderten von Menschen belagert.
Seit einigen Tagen begegnet man in München bereits Pioniren der »'L§flCtoieJc2,en r'Nfischen Inden. Drei derselben, mit großen chwarzen Kaftans bekleidet und mit langen Locken an den Schläfen, sprachen tm Ministerium des Aeußcrn vor.
Kreuznach ertrank in einer Jauchegrube das 2V--jährige Söhnchen des Taglohners Egert. ' ’ B
Das 1 Jahre alte Kind der Bäckerslcute Siief in Schwabach fand dadurch feinen Tod, daßi die als Nachtlicht dienende Petroleumlampe stark rauchte und schädliches Gas erzeugte. V
