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Maria Stuart, ganz Stimmung, ganz Laune, immer gewohnt, hn Augenblick sich auszuleben, war vorzugsweise zur-Lyrik berufen. Dazu kam eine feine geistige Bildung, die sich gern selbst bespiegelte. Sie dichtete in wohllautenden Versen, in französischer, schottischer, italienischer, ja sogar in lateinischer Sprache und was sie gab, war immer von sinniger, geistiger Grazie umflossen. Ihren Abschied vom fröhlichen Frankenlande, den auch der ftanzöstsche Dichter Bsranger besingt, beklagt- sie selbst in einem kleinen Liede, das sie, wie ein wehmüthiges Kußhändchen, vom Boote nach dem geliebten Strande hinüberwirft; doch tröstet sie sich, denn das Boot
... es trägt die Hälfte nur von mir: Ein Theil für immer bleibet dein. Mein fröhlich Land, der sage dir. Des andern eingedenk zu sein.
Wohl blieb ihre Seele immer in Frankreich, und sehnsüchtig verlangte sie zurück nach dem heiteren Lande ihrer Jugend; weder die dunklen kalten Berge ihres Reiches, noch ihres Volkes ernste, ja düstere Stirnen gefielen ihr, nach dem Süden wollte sie, wo man unbefangen sich freuen und nur den Moment, aber ganz, sein nennen durfte. Schmeichelnde, verlockende Lieder sang ihr „der Sänger Nizzio" in's Ohr:
„Soll denn der raube Nordwind hier?
Dir rauben deine Pracht?
Nein flieh solch Loos und und zieh dahin, Marial Du meiner Seele Königin I"
Es war das letzte, das er sang, ein Lied, das mit Goethes „Mignonlied" einige Aehnlichkeit hat. Der Dolch des Mörders traf ihn vor den Augen der Geliebten und diese ergießt in einem rührenden Gedichte „Die Klage" ihre Trauergefühle um den Verlorenen:
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zu markigen Entschlüssen und Unternehmungen empor; mit Recht durfte die jungfräuliche Königin zur Devise ihres Lebens die stolzen Worte erwählen:
Denk' nicht, das Schicksal kann den Sieg erringen. Wo starker Muth es kann zum Dienen zwingen!
Marias Gedichte sind lyrisch; eine leise liebliche Mllsik umklingt sie, Elisabeths praktische Bekenntnisse erscheinen dagegen wie dramatische Monologe. Jedenfalls beweisen Beide, wie richtig und naturwahr, bei aller Idealität, Schiller die zwei königlichen Frauen gestaltet hat. A. Z.
gere; Ordonnanzen kamen und gingen; die Wirthiu den zahlreichen Forderungen gerecht zu werden. Sie crü Maire des Ortes in ihren Bemühungen unterstützt.
Vermischtes.
* Kaiser Wilhelm II. und Moltke. Unser Kaiser hegte für Moltke die größte Verehrung und Anhänglichkeit. Das Publikum hat hiervon vielfach Kcnnlniß erhalten bei den großen militärischen Feiern, wo Moltke stets der nächste Begleiter des Kaisers war. Auch Anfangs dieses Monats sollte er wieder als Gast des Kaisers die Rheinfahrt mitmachen, rote er Anfangs vorigen Monats mit ihm zusammen in Lübeck und Kiel gewesen war. Aber weit inniger und vertraulicher war dieses Verbältniß, als es öffentlich zuw Ausdruck kam. Als Ende vorigen Frühjahrs sich der Feldmarschall zuw Sommerurlaub nach Kreisan begeben wollte, bat ihn der Kaiser zur Verabschiedung nach Potsdam. Er führte ihn in das kleine Theezimmer der Kaiserin, ließ ihn zur Kaiserin sich setzen und nahnt an seiner Seite ctuf einem Sessel Platz. Niemand war sonst zugegen. Das Herrscher-Paar erzählte ihm von den gewaltigen Eindrücken der Orientreise, von dem Aufenthalt in Constantinopel, legte ihm die Photographieen vor, die Andenken, die gerade zur Hand waren, und ließ sich wiederum im Anschlüsse hieran erzählen von den Erinnerungen,- die Moltke an seinen einstigen Aufenthalt tn Constantinopel batte. Vor allem zeigte ihm der Kaiser auch die photographischen Aufnahmen von dem im Park der deutschen Botschaft errichteten Moltke-Denkmal. Als die Zeit zur Rückfahrt gekommen war, ließ die Kaiserin den Mantel des Feldmarschalls in das Zimmer bringen, und sie ruhte nicht eher, bis er ihn in ihrer Gegenwart angezogen Wte, um sich vor der Abendkühle zu schützen. Der Kaiser begleitete dann persönlich den Feldmarschall im Sondermlge von der Wildpark-Station ans nach Berlin zurück. Mit großer Rührung berichtete der Feldmarscha» seiner Umgebung hier und da von solchen intimen Zeichen der Anhättglichkeit. Vor Allem wurde er in diesem Winter durch die persönliche Einladung des Kaisers erfreut, Taufpathe des jüngsten kaiserlichen Prinzen zu sein, eine Auszeichnung, tote sie bisher nie einem preußischen General erwiesen worden ist.
* Noch einige Erinnerungen an Moltke. Ein charakteristischer Zug, der Moltke's zartfühlenden Sinn so recht bezeichnet — so schreibt Herr Prediger Neßler dem „Berl. Tagbl." — ist mir soeben von einem Zeugen des an sich vielleicht unbedeutend erscheinenden Vorganges mitge- lbeilt worden. Mein Freund befand sich am 3. September 1870 am, frühen Vormittag in Donchery und wollte sich beim Generalstab Instructionen holen. Im Erdgeschoß traf er einige französische verwundete und gefangene Offiziere; Ordonnanzen kamen und gingen; die Wirthiu hatte zu Mit, um ti? '‘ — . . . —
wurdeZon dem Herrn—...... ...
Plötzlich drängte sich Alles an die Fenster, es kam ein Zug Husaren und gleich.darauf die Hof-Equipage mit dem gefangenen Kaiser Napoleon. In diesem Augenblick kam Moltke ohne Mütze sn einem Civil-Paletot die Kreppe herunter und ging nach dem Garten, in dem er sich trotz eines feuien Sprühregens einige Zeit aufhielt. Er hatte den gefangenen Kaiser, den er besiegt, in seiner Erniedrigung nicht sehen wollen. — Ucberlegene Ruhe war von jeher der Grustdzug seines Charakters. Am 19. Juli 1870 — Präsident Simson halle die Sitzung des Norddeutschen Reichstages bereits geschlossen — betrat athenüos der Bundeskanzler Graf Bismarck die Ministerbank. Der Präsident eröffnete die Sitzung von Neuem, und der Kanzler thcilte dem Hause mit, soeben wäre ihm die französische Kriegserklärung zugegangeu. Die Abgeordneten umringten den Minister, und nur der Abgeordnete Moltke blieb ruhig aufl seinem Platz fitzen. Das gewahrten Alle mit Verwunderung und Staunen. „Seht nur den Moltke", ging es durch die Reihen, und rasch hatte mau die Erklärung der räthselhaften Erscheinung. „Moltke ist fertig", hieß es und er war fertig. Schweigend verließ er das Herrenhaus, wo der Norddeutsche Reichstag tagte; die Leivzigcrstraße entlang, dem Potsdamer Bahnhof zu, matschirte eine Batterie. Da überflog sein Gesicht der Glanz stolzer Freude — die Mobilmachung zeigte sich als vorzüglich gelungen; einige Tage später stand die Armee an der französischen Grenze.
, , * Tin braver Kohn. Dienstag Vormittag 9 Uhr wollte der ver- helrathete Maurer Scherubel in Mindelstetten (Bayern) einen Brunnen ausbessern. In beträchtlicher Tiefe war er daran, ein Gerüst zu machen, als über die Hälfte des die Auskleidung des Brunnens bildenden Mauerwerkes über ihn herabstürzte und ihn drei Meter tief begrub. Niemand getraute sich an's Rettungswerk, da auch die andere Halste der Mauer emzusturzen drohte. Da ^erschien der ältere Sohn des Verunglückten und lieg sich, ohne sich abhalten zu lassen allein in die Tiefe hinunter. Mit der Kraft cmeS Verzweifelnden, ohne sich Ruhe zu gönnen, jede Erfrischung öitouifffleiienb, arbeitete er bis Nachmittags 3 Uhr. Nach sechsstündiger Arbeit sah er sich und seinen Vater gerettet und nur einige Minuten danach fiel auch die andere Halste der Mauer ein. Wunderbarer Weise hatte auch der Verunglückte keine besondere Verletzimg.
„Lenk ich zu Himmelsanen Die Blicke thränenschwer, Denn aus den Wolken schauen Die süßen Augen her. Wie aus dem Grabe schauen Sie aus der Fluth, der blauen."
Schlimme Rachethat ward von der Schwerbeleidigten geübt und schlimme Rache traf sie selbst: die Verjagung vom Throne und das englische Gefängniß. Man besitzt ein lateinisches Gebet von Märia Stuart, das sie im Kerker schrieb, ferner ein italienisches Sonett, das sie — zwischen Hoffen und Bangen — an die Königin sandte. Aber weder der Herr des Himmels, noch die irdische Herrin helfen ihr und nichts bleibt ihr übrig, als sich zum Tode zu fassen. Mit Ergebung schließt das französische Abschiedssonett an ihre Freunde:
Und weil ich schwer gestraft ward hinieden, Erfleht mir meinen Theil am ew'gen Frieden!"
Elisabeth dagegen, die jungfräuliche Königin mit der rothcn Verrücke, lebte nie im Momente, sie war nie ganz in einer Stimmung. Ein Charakter, verknüpfte sie alles Einzelne mit dem umfassenden Plane ihres Lebens. Das Schicksal zeigte ihr Anfangs ein düsteres, fpätcr — trotz aller königlichen Erfolge — immerhin ein ernstes Antlitz; das hebt und stählt ihre Willenskraft. Die Tage der Jugend muß sie in enger Haft vertrauern; da richtet sie eine männlich-scharfe Anklage an das harte ungerechte Geschick, das nur Widersprüche spinnt, hofft aber auf Rettung Und Rache:
„Und doch wird ihre Mißgunst nichts gewinnen!
tzo Gott den Feinden schickt, was sie für mich ersinnen!"
Jhke Hoffnung erfüllt sich. Ein gewaltiger Wirkungstrieb wird dem jugendlichen thatkräftigen Geiste geöffnet. Aber das Frauenherz, von Staatsactionen oft bedrückt und verletzt, mischt zuweilen in stilleren Stunden seine sehnsüchtigen Klagen in die Herrschersorgen. Wie könnte dieser Zwiespalt treffender dargestellt werden, als in den Versen:
„Ich gräme mich und muß den Gram verschweigen:
Ich liebe — Haß zu heucheln, zwingt es mich;
Ich bin ein Kind — und muß mich weise zeigen;
Ich scheine stumm, doch plaudr' ich innerlich:
Ich bin, — bin nicht; kalt, — fühl' ich heißen Brand."
Allein über alle diese inneren Herzenskämpfe ringt sich der Wille
