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Uerlag: Karrggasse S'?.

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breiten wollte. Garafchaniu und dessen Partei riethen Natalie an, in Belgrad zu bleiben, da die Ausweisung infolge der Bestimmungen der Verfassung undurchsührbar sei. Man glaubt vielfach, daß sich in Belgrad ernste Verhältnisse vorbereiten.

* Bulgarien. Der Kawaß des russischen Consulats hat bekanntlich Drohbriefe an den Fürsten Ferdinand, die Prinzessin Clementine, Siamhulow und Grekow gerichtet und ist deshalb von dem deutschen Konsul, dem gleichzeitigen Vertreter der russischen Interessen, ausgewiesen worden und zwar auf Ersuchen der russischen Botschaft in Berlin, wie derStandard" mittbcilt. Der Mann hatte zuerst seine Autorschaft ab- Mleugnen versucht. Die Briefe sind in jeder Beziehung schlecht geschrieben. Der .Brief an den Fürsten lautet in der Uebersetzung folgendermaßen: Ferdinand der Letzte! (Darüber befindet sich ein Kreuz, wie es auf Grab­steine gesetzt wird.) Gehe von uns, drei Mal Verfluchter, wenn Du nicht ein neues Unglück erleben willst! Wenn Du bis zum nächsten April bleibst, werden wir Dich und Deine Mutter zusammen in die Lust sprengen. Die Eisenbahnen sind in unserer Hand. Du wirst nur von Stambulow gehalten, aber wir bereiten für ihn die letzte Oelung vor in der Nähe der Schwarzen Moschee. Du solltest Bulgarien aufgeben und eilend forrziehen. Wir sind entschlossen, nichts von der Brut der Deutschen oder Stambulow's in Bulgarien zurückzulassen und Du wirst nie einen von uns erwischen, denn wir leben mit den Bären und wilden Schafen im Balkan. Gez. Zarin und Marin des Dorfes Jchtimanka." Der Bries an die Mutter des Fürsten ist ebenfalls mit einem Kreuze geschmückt und lautet: Clementina, Schwadcnfrau! Weiche aus unserer Mitte, drei Mal Verfluchte. Du weißt, daß Dich nur ein Mann in Bulgarien hält und daß von den 2 Millionen Einwohnern 1,999,999 Seelen Dich hassen. Heute oder morgen mögen Einige von uns für ihr theures Vaterland sterben, aber wir werden Dich zerschmettern. Wir haben beschlossen, Euch Alle bis auf den Letzten zu tobten, allein wir wollen Euch zuerst warnen, zu gehen und schnell Deinen Sohn mit Dir zu nehmen. Gez. Balkandorf Wraya." Die Epistel an den Minister des Aeußeren, Grekow, ist kürzer: Wenn Sie sich nicht von Stambulow trennen, werden wir Sie zer­schmettern. Wir sahen Sie neulich mit ihm fahren. Die hundert .Gensdarmen sind alle zusammen einen Para werth. Wenn Sie nicht Ihren Posten aufgeben, werden wir Sie in die Luft sprengen." Der Brief an Stambulow wird nicht mitgerheilt, er wird wohl der wildeste sein.

* Rumänien. Anläßlich des 25. Jahrestages ihrer Gründung hielt die rumänische Akademie der Wissenschaften in Bukarest unter dem Präsidium des Königs und in Gegenwart der Königin und des Thronfolgers eine feierliche Sitzung ab. Der König hielt eine lebhaft acclamirre Ansprache. Die Königin verlas ein' bisher noch nicht veröffentlichtes Gedicht. Es wurden Gedenk-Medaillen ver- theilt. Abends fand eine Galadiner mit 70 Gedecken zu Ehren der Akademiker statt, woran auch die Ehrenmitglieder der Correspondenten der Akademie Theil nahmen.

* Griechenland. Nach Mittheilungen aus Berliner Hofkreisen war von dem Uebertrirt der Kronprinzessin Sophie von Griechen­land zur griechisch-orthodoxen Kirche schon die Rede, als der Kronprinz von Griechenland um die Hand der Tochter Kaiser Friedrichs sich bewarb. Der Kaiser und seine Gemahlin stellten die Entscheidung ganz in das freie Ermessen der Prinzessin, und der Kronprinz, in vollem Einvernehmen mit dem Hofe von Athen, enthielt sich jeden Versuchs, auf seine Braut bc- ftlmmend einzuwirken. Bon dem späteren Bekenntnißwechsel wurde in keiner Weise das Zustandekommen des Ehebündnisses abhängig gemacht: dies würde der vornehmen Denkweise des fürstlichen Bräutigams und der königlichen Eltern widerstrebt haben. Daneben wurde aber gelegentlich allerdings aus das Wünschenswerthe gleicher Religionsanschauungen bin- gewiesen und dabei geltend gemacht, vielleicht vollzöge sich in der Prinzessin die Entschließung ganz von selbst, mit ihrem Gemahl in gleichem Glauben zu stehen, besonders wenn sie das Glück hätte, dermaleinst Mutter zu werden. Der Bekenntnißwechsel war eben zur Sprache gebracht, ohne zu einer Staatsaction aufgebauscht zu werden. Nun leben der Kronprinz und seine Gemahlin in überaus glücklicher Ehe, und dies innige Ver­hältnis; erleichterte den Entschluß der Prinzessin, jedwede religiöse Ver­schiedenheit nach Außen hin preiszugeben, nachdem die religiöse Anschauung im Gemüth jederzeit die gleiche gewesen sein soll. Der Bekenntnißwechsel Nt ein gerade so freier, wie er es bei der Königin Marie von Bayern, der Cousine Kaiser Wilhelms I., gewesen war, die wenige Jahre vor ihrem Hinscheiden, um den Tod ihres älteren Sohnes Ludwig, Königs von Bayern, und um das schwere Schicksal ihres zweiten Sohiies, des Königs Otto von Bayern _ tief bekümmert, zur katholischen Kirche übertrat, von dem einzigen Wunsche beseelt, mit Beiden aufs Engste verknüpft zu sein.

* Asten. Dirccte Nachrichten aus Manipur bestätigen die Er­mordung Quintons und anderer Offiziere. NachdemQuin- toli und zwei, ungenannte Offiziere dem Regenten vorgesührt waren, besaht dieser, sie den Miethstruppen zu überliefern. Letztere iödteten die Gefangenen mit Dolchen und Speeren, schlugen ihnen, wie schon gemeldet, die Köpfe ab und warfen die gräßlich verstümmelten Leichname Paria- himden vor. Der diplomatische Agent Grimwood und andere gefangene Osstziere wurden erschossen und zerstückelt und ebenfalls Pariahmtden vorgeworfen, ebenso die Leichen von zwei im Kampf gefallenen Offizieren. Zwei birmanische Regimenter wurden gegen Manipur gejaiidt. Die Be­wohner verstärkten die Hauptstadt, doch erwarten die Engländer nur geringen Widerstand. Die Hauptschwierigkeit bildet der Mangel an Trans­portmitteln. Lieutenant Grand ernährte seine Truppen mit' dem geringen wn eroberten Fort Thobal vorgesimdeiien Getreidevorrath. Seine Munition m nahezu erschöpft. Die Eiigländer bieten große Geldsummen (!) für die Gefangennahme des Regenten von Manipur und der anderen Führer aus.

* Afrika. Nach einem Brief an dieTribuna" aus Massauah fit die Lage der Stadt infolge des abyssmischen Masseu-Elends über

die Maßen schrecklich. Von Seuchen und Roth getrieben, kommen Schwarme von Abyssinicrn nach Massauab und sterben, zurückgetrieben, auf den Wegen Hungers. Die ganze Gegend ist mit Leichen übersäet Graf Antonelli erklärte seine Mission wegen des Wankelmuthes Menelik s für gescheitert, und äußerte, die Lage Abyssiniens sei infolge von Thter- und Volksseuchen düster. Die Roth sei entsetzlich; überall glimme der Aufstand.

Mala Vita/6

Der Prozeß von Bari wirft auf die öffentliche Sicherheit m Süd- Italien, besonders in Apulien, ein überaus grelles Streiflicht. Wie wir bereit« mitgetheilt, sind nicht weniger als 179 Mitglieder des gefährlichen Geheimbuiides beiMala Vita verhaftet und vor Gericht gestellt worden; aber leider erst, nachdem die Gesellschaft Jahre, richtiger gesagt,, Jahr­zehnte hindurch die ganze Gegend gebrandschatzt und terroristrt hat. Auch die jetzt gefangen gesetzten und vor Gericht stehenden 179 dürften Allem nach zu schließen nur ein Bruchiheil derMala Vita sein.

DieMala Vita ist ganz und gar nach dem Vorbild der napolitam- schenCamorra" organisirt, ja sie hat sogar viele termini technici der­selben übernommen. So ist die Bande ganz wie dieCamorra" aus bt'ei verschiedenen Kategorien von Genossen zusammengesetzt, nämlich den Aeltesten und Erfahrensten, den sog.Camorristi", ferner aus den,bereits längere Zeit hindurchlhätigen" GenossenPiccioti", und endlich ans den Neuaufgenommencn, den sog.Novizi". Die erste Kategorie führt den chönen BeinamenDie weisen Meister", ,(!) die Mitglieder der zwei anderen Kategorien nennen sich untereinanderZio (Onkel), lieber den Zweck der Gesellschaft brauchen wir hier nur zu bemerken, daß er durch­aus demjenigen derCamorra" in Neapel und derMafia" in ©teilten entspricht, d. h. en gros orgaiiisirte und seitens des Bundes autoritär, eventuell terroristisch, ausgeübte Eintreibung von Tributen und Steuern aus allen Bethatigungen des öffentlichen Lebens: baneben Diebstahl, Erpressung u. dgl., aber stets zu Gunsten der Gesammtheit, und niemals, wie dies beimladro communis vor- kotnmt, zu egoistischem, rein persönlichem Sondervortheile!

Bei der Atifnahme in den Bund find die Genossen sehr rcserbirt. Der Neueintretende über dessen Vorleben man die genauesten Er­kundigungen eingezogen' mutz schwören:Mit dem einem Fuße im Grabe, mit dem anderen Fuße in der Sträflings-Kette schwöre ich, Eltern, Weib und Kind zu verlassen, um einzig und allein die Infamie zu bekämpfen (!!?) und die Unterdrückten zu schützen. (!)" Es ist nämlich nach dem Codex derMala Vita nicht nur erlaubt, sondern sogar geboten, daß der Arme den Reichen bestehle. Auf Verrath und Ungehorsam steht Todesstrafe, zum Müdesten aber Verstümmelung des Gesichts; eine Strafe, die auch gegen Tributverweigerer und Gegner des Buubes zur Anweiidung kommt.

In Bari hat sich inzwischen eine große Menge von Familienange­hörigen, Freunden und Spießgesellen der 179 Gefangenen angesammelt, welche die öffentliche Sicherheit ernst gefährden. So muß der alltägliche Transport der Gefangenen vom Gefangniß zum Schwurgericht zwischen einer doppelten Reihe von Militär erfolgen, da man Befreiungsversuche befürchtet. Natürlich sind die Gefangenen, die alle trotzigen Sinn und großen Cynismus zur Schau tragen, mit Ketten beladen. Der Haß der Menge richtet sich besonders gegen die Angeber, von denen bereits einer erdolcht worden ist. Die andern aus derMala Vita hervorgegauaenen zehn Denuneianten werden beim Vorüberzug mit Steinen beworfen und mit dem Tode bedroht. Im Gerichtssaal sind sie durch ein eisernes Gitter von, ihren Genossen getrennt, die sie erdrosseln würden.

Ein vsychologisch interessanter Umstand sei hier noch angeführt, daß nämlich alle Mitglieder des Geheimbundes so ziemlich an allen Körper­stellen, selbst an den Händen tato wirt sind, liebet die Art und Weiss der eintätowirten Figuren ist jedoch nicht viel Erbauliches zu berichten.

(Di. N. N.) ---- ....... -- ----------- Hande!,- Industrie, Erfindungen.

HK. Ursprungs-Zeugnisse für nach Frankreich bestimmte Maar en. Nach einer durch den französischen Gesandten in Berlin dem Aiinistertum für Handel und Gewerbe zur Kemttniß gebrachten neuerlichen Anordnung ber französischen Zollverwaltung ist hinfort in den Ursprungs- Zeugmsten, welche in Frankreich bei der Einfuhr von Wein, Seide, Floretseide, Lieh, Olivenöl, Tafelobst, Email und Glasflüssen aller Art, Wildpret und lebendem ober tobtem Geflügel, frischem ober gesalzenem Sutter, Strohhüten, flüchtigen Oelen und Essenzen erforbett werben, das Gewicht der einzuführenden Waaien zur Vermeidung von Mttzbraucheu - nicht in Ziffern, sondern in Buchstaben anzugeben.

Aus dem Gerichts faul.

. * Bisher nahm man wohl überall an, baß btc Häute

m öfichlachteten Rmber unb Stiere nur zur Verarbeitung von lieber Verwenbung fanden, eme Verhandlung vor der Strafkammer in Dort- munb setgte aoer, daß tm dortigen Industrie-Revier die Häute nicht allzu alter Schlachttknere zu $8urft sogenannter Rindswurst verarbeitet ffipken. /ff Metzger Kohlhaas in Hörde hat feit längerer Zeit solche blÜvalUBer L'kochter Haut auch noch Knorpel, Sehnen und etwas qett enthielten. Das Pfund solcher Wurst wurde zu 30 Pf. berechnet und von den Arbeitern viel gekauft. Der SchlachthanS-Jusvce- tor Zell m Horde ranb ui solchen Würsten bis zu 32 pCt. Haut, die hin unb wteber noch, mit ben Haaren besetzt war. Die Sache war zur Anzeige gelangt, unb infolge besten ist Anklage gegen Kohlhaas wegen Vergehens