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Serie 33

Ueelag: Karrggasse 37.

N- 7«

Ausland

ix uiiwuiuiiutiyiu^tu, jureden der Arbeiter-

* Grsterreich-Ungarn. Im Laufe des Dienstag Vormittag 'sammelten sich in Prag gegen 2000 Maurer vor dem Jnnungshause an. Da die Massen auf Ersuchen der Polizei nicht auseinaiidergingen, gebrauchte dieselbe blanke Waffen. Nur dem Zureden der Arbeiter­führer gelang cs, die Menge zum Auseinandergehen zu bewegen. Es wurden bedrohliche Rufe gehört. Frau Marie Rieger, Gemahlin des abgedankten Altczechenführers, Dr. Rieger, Tochter Palacky's, ist in Rom am Schlagfluß gestorben.

hinaedeulcl Der Ministerrath bewilligte der Wittwe Beltschew's eine lebmslängliche Pension von 9000 Frcs. Eine Kundmachung desPoltzei- präfecten setzt eme Belohnung von 20,000 Frcs. Demi-nigen auS. dessen Mittheilungen die Verhaftung des Mörders °rmßglchenwurden. Natschowic übernahm das Ftnanzportefetullc. - Vom Sultan ,st em Be glückwünschungs-Telegramm an Stambulow eingetroffen, das in ofstciellen Kreisen den besten Eindruck hervorgerufen hat. .

* Montenegro. Wegen der Krankheit der Fürstin Milena sind dw Großfürstin Melitzc, die Herzogm von Leuchtenberg und Professor Poirier in Cettinje eingetroften. Das Bestnden der Fürstin hat ich gebessert. .

* Türkei. Aus Constantinopel wird gemeldet, die türkische Regie­rung organsire einen Reiterstamm ,von Kurden und Arabern, welcher 150,000 Reiter umsassen solle, und dafür bestimmt in, die turkisch-russische Grenze zu bewachen.

* Asten. Aus Calcutta wird gemeldet: Der General-Commissar Quinton rückte mit zwei Gurka-Regimentern nad), Manipur, ein zu Anam gehöriger Staat im Norden von Birma, um einen rebellischen Häuptling zu verhaften. Die Eingeborenen griffen Quinton's Tnippen an, Ichlugen dieselben und tödteten 460 Gurka's. Quinton und sieben engliiche Offtzlere werden vermißt. Verstärkungen sind nach Manipur,abgegangen. Amtliche .Depeschen des Vicekönigs von Indien drücken die Besorgntß aus, datz auch das gesummte Quinton begleitende Verwaltungspersonal (5 Beamte undB^fsi- ziere) bei Manipur getödtet oder gefangen worden sind. Von dem Eapuan Coaley, welcher mit200 Mann eingeborenerJnsanterie nach Mampur marichrrt und der von dem Unglücksfalle nichts weiß, fehlt jede Nachricht, es wird daher befürchtet, er wäre in einen Hinterhalt gefallen. Aus Smtta , wiro gemeldet, der Rajah von Manipur, der britische Generalcommistar Quinton, Oberst Skene und der politische Agent Grinnovord seien Gefangene vcr Ein­geborenen. Frau Grinnovord und drei britische Offiziere entkamen.

* Amerika. DieHamburgische Börsenhalle* veröffentlicht folgendes Telegramm ber - B an CO hipotecarie do la provincia de Buenos- Aires folgenden Inhalts: Die am 1. April fälligen Coupons unserer sechsprocentigen Gold-Pfandbriefe Lit. E sind wir leider Nicht in der Lage, augenblicklich einzulösen.

Deutsches Reich.

* Aos- und Personal-Nachrichten. Das Programm der Reise des Kaisers an den Rhein, welche voraussichtlich im ersten Drittel d,z Monats Mai stattfinden wird, erfährt, laut derKöln. Ztg.", mso- k-rn eine Aenderung, als der Aufenthalt in Düsseldorf abgekürzt wird und die Ankunft in Köln Abends erfolgt. Der Kaiser wird alsdann m Köln über Nacht bleiben und erst nach dem Festessen auf dem Gürzenich im Laufe des, Nachmittags nach Bonn Weiterreisen. Derrirkf. Ztg. wird gemeldet:Gutem Vernehmen nach hat Fürst Bismarck am Donnerstag vor seinem Besuche beim Grafen Waldersee noch in Friedrrchs- rh den Besuch einer dem Kaiser nahestehenden Persönlichkeit, wie es heißt desPrinzenHeinrich, empfangen." Die feierliche Confirmation der Prinzessin Feodore von Schleswig-Holstein, Schwester der Kaiserin, hat am Montag um 1 Uhr in der Kreuzkirche zu Dresden durch den Superintendenten Dibelius stattgefunden. An der Feier nahmen Theil: die Kaiserin, die Herzogin Adelheid von Schleswig-Holstein, Mutter der Consirmandin, der Herzog Ernst Günther, Bruder der Prinzessin, und der Erbprinz und die Erbprinzcssin von Reuß j. L. Generalmajor Edler von der Planitz ist unter Beförderung zum Eenerallieutenant zum Sächsischen Kriegsminister ernannt worden.

* Keviirr, 1. April. DerReichsanzeiger" theilt mit: Die Com­mission für die zweite Lesung des bürgerlichen Gesetzbuches be­ginnt heute ihre Berathungcn. Der Commission liegen die Ergebnisse der Vorarbeiten des Reichsjustizamtes und verschiedene Anträge von Com­missions-Mitgliedern vor. '

* Rundschau im Reiche. Die Leipziger Studentenschaft ließ gestern einen Aufruf an die Studenten aller deutschen Hochschulen er- aehen, aus Anlaß des 77. Geburtstages des Fürsten Bismarck Sammlungen für einen silbernen Ehrenbumpen zu veranstalten, der dem Fürsten im Laufe des Sommerhalbjahrs überreicht werden fall. Eine Ministerial-Ordnung regelt die Abgabe der Soch'schen Lymphe für Bayern. Der Verkauf findet statt ausschließlich in Avotheken, die direct von Dr. Lipvertz die Lymphe beziehen müssen. Sechs Monate alle Lymphe darf nicht mehr verkauft werden. Eine wenig erbauliche Mittheilung wurde den Erfurter Stadtverordneten durch eine vom Vorsitzenden erstattete Aufklärung, wonach die dortige Sparkasse einen Coursverlust von 95,000 Mk. zu verzeichnen hat.

Garten-Kalender

füt dasWiesbadener Tagblatt".

April.

Es läßt sich jetzt übersehen, welche Verwüstungen die fchneelose an­haltende Kälte des vergangenen Winters in den Gärten eingerichtet hat. Besonders haben die kleinen Pflanzen, die mit den Wurzeln, nicht ttey nr der Erde stehen, außerordentlich gelitten, mehr wie im Mutter 18/9,80, wo sie durch eine Schneedecke geschützt waren. Tie, Wutter-Gemuse- pflanzen, die Stauden, die schönen Frühlingsblumen, die Felsenpflanzen, der Epheu, besonders diejenigen, die stark der Sonne ausgesetzt waren, bieten einen traurigen Anblick und werden uns diese? Frühjahr wenig erfreuen. Eine leichte Bedeckung, die in milden, nassen Wintern oft nach­theilig ist, indem die Pflanzen darunter durch Fäulniß leiden, war dieses Jahr von günstigster Wirkung. Auch haben viele Coniferen, tote Taxus hybernica, Edelranneu, Thuja- und Cypresseu-Sorten, Cedern u. dergl. großen Frostschaden gelitten, dagegen sind unsere Obftbäume und Obststräucher glücklich durchgekommen, was im Winter 1879/80 nicht der Fall war. ,

In den lebten Wochen des März, abgesehen von den letzten Tagen, war das Wetter derart, daß in sonnig und luftig gelegenen Garten mrt leichterem Boden die A u s s a a t der im vergangenen Monat angegebenen Gemüseartcn vorgenommen werden konnte; das Anssetzen der Gemüse­pflanzen aus dem Mistbeet mußte wegen der ganz außergewöhnlich niedrigen Temperatur und dem »scharfen Nordwinde bis zum Eintritt ge­linder Witterung verschoben werden. Doch ist cs immerhin rathsam, jetzt schon das Land dafür zu bearbeiten und die trockenen Tage zu benutzen, da es leicht vorkomnrcn kann, daß nach der anhaltend trockenen Witterung längere Regenzeit eintritt. Für alle Culturen bleibt es immer eine Haupt- sache, daß das Land in möglichst trockenem Zustande bearbeitet wird, damit die Erde recht locker auseinander fällt und die Wurzeln sich gleich­mäßig überall hin verbreiten können, um alle Nahrung zu finden.

Will man neue Spargel beete aus Pflanzen anlegen, so ist jetzt die beste Zeit dazu, denn später werden die zarten Keime bei dem Ein- pflanzen gar zu leicht abgebrochen oder beschädigt. Das zur Spargel- aulaae bestimmte Land muß schon im Herbste vorher durch Rigolen (84 Zentimeter tief) Düngen und Reinigen von Quecken, Steinen :c. dazu vorbereitet worden sein. Der beste Dünger ist Kuhmist, doch kann auch anderer guter Dünger dazu verwendet werden.

Von FrüHerbsen kann man schon eine zweite Aussaat veranstalten, die Frühkartoffeln werden in der ersten Hälfte dieses Monats gelegt. Ende des Monats können auch schon einige Bohnen gelegt werden, doch ist es stets rathsam, die Hauptaussaat nicht vor dem 10. Mai zu machen.

Die aufgegangcnen Gemüsepflanzen sind vor den Sperlingen zu schützen, entweder durch aufgelegte Reiser oder, noch besser, durch darüber gezogene weiße Fäden, etwa 6 Zentimeter hoch über dem Boden, damit sie weder darunter, noch darüber gehen können. Ebenso stellen die Sperlinge in den Stadtgärten den Blüthenknospen der Obstbäume, be­sonders her Pyramiden, in unangenehmster Weise nach und zerstören zu­weilen die ganze Jahreshoffnung eines Baumes; umwindet man aber die Bäume recht kreuz und quer mit weißen Fäden, so setzt sich kein Sperling mehr darauf. Das Aufhängen von Spiegelstückchen wird immer nur

* Schweiz. Zur Nachricht derGazzetta di Torino," daß der deutsche Generalstab angeblich dem italienischen die Pläne der Gott­hard-Befestigungen mitgetheilt haben soll, bemerkt dieSchweizerische Militär-Ztg.":Mit dem Gedanken, daß im nächsten Kriege die Neutralität der Schweiz nicht respektirt werden wird, wird sich unser Volk vertraut machen müssen."

* Belgien. Nach stattgehabten Ermittelungen versuchten die Dynamit-Diebe, (siehe Depeschen im letzten Blatte), nachdem die­selben den Pulvcrthurm bei Ombred erbrochen und 8000 Patronen geraubt hatten, das Pulver-Magazin in die Luft zu sprengen, um den Diebstahl zu verdecken.Peuplc" constatirt, daß von einem gesetzlichen Achtstundentag so lange nicht die Rede sein könne, bis sämmtliche Jndustrievölker Europas und Amerikas gemeinsam die Einführung des­selben beschlossen hätten.

* Rußland. Es ist begreiflich, daß in russischen Kreisen jetzt mit er­neuter Hartnäckigkeit das Gerücht auftritt, Präsident Car not werde, nachdem er mit vem Andreas-Orden dekorirt ist, nunmehr zum Besuch der Ausstellung nach Moskau kommen. Petersburger Hofkreise bestrei­ten jedoch einstweilen dieses Gerücht, da eine Einladung, ohne welche j&ir Besuch Carnots nicht möglich sei, trotz der Agitation von mancher Sette bisher nicht erfolgt sei. Bezüglich der Verleihung des Andreas-Ordens an Carnot wird in Petersburg auf den Artikel des Ordcnsstatuts hinge- gewiesen, naä; welchem Ausländer bei Empfang des Ordens dem Zaren das Versprechen freundschaftlichen Verhaltens abgeben, das sie gelegentlich durch die Thal zu bezeigen hätten. Der russisch-officiöse BrüsselerNord" erblickt dagegen in dieser Ordensverleihung lediglich eine Huldigung für den persönlichen Charakter des Präsidenten und die freundschaftlichen Gc- sinmmgen der Republik.

* Bulgarien. Die Anschauung, daß das Attentat in Sofia mit Umtrieben russischen Ursprungs zusammenhängt, hat sich durch die weiter eingegangenen Meldungen noch befestigt. Aus Sofia wird derNeuen M. Presse" gemeldet, daß die Verdachtsgründe bezüglich der Betheiligung Karawelow's au der Vorbereitung des Ättcittats höchst aravirend seien; auch gegen Personen aus den dortigen russischen Kreisen liege belastendes Material vor. Die Behörden rechneten bestimmt auf die Verhaftung der eigentlichen Thäter, nachdem dieselben nach dem Anfälle gesehen und er­kannt worden. Man glaube sicher, daß sie Sofia nicht haben verlassen können. Stambulow sei in der letzten Zeit wiederholt in anonymen Briefen zur Vorsicht gemahnt worden, doch hätten die Warnungen nicht auf Verschwörungen gegen sein Leben, sondern auf einen Putschversuch