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Uteskadcttrr Tagblatt.

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flemftabtifcben Klatsch. Es nimmt daher auch nicht Wunder, daß schiedene der Betroffenen bei der Staatsanwaltschaft Beschwerde einacreicki haben. Die in-einer Specialausgabe herausgegebenen gesammelten Artikel der betreffenden Zeitschrift wurden in Luxemburg confiseirt und nächsten« wird srch der Arzt vor den Gerichten wegen Verletzung des Amtsqeheim- nt^cS.'AAa^, 'on§A Gesetzbuch mit acht Tagen bis sechs Monaten Gefanauik! lind 100 bis 200 Frcs. Buße ahndet, zu verantworten haben. Dassd ? Arzt seiner umfangreichen Praxis nunmehr quitt ist, versteht sich von selbst

* Eine üble Gkwohtcheit. Aus Antwerpen, 16. März, wird her ,,K- V. geschrieben: Vor einigen Tagen wies in derGazette" »in ,,vr. Ox darauf hin, daß die Gewohnheit des Ausspuckens in hohem Maße zur Verbreitung der Tuberkulose beizutragen vermöge; er spracd daher die Meinung aus, daß man stets nur in eigens zu diesem Zwew construirte, ttt der Lasche mirzufudrende Apparate speien solle. Geaen diesen allerdings verblüffenden Vorschlag erhebt sich in derChronigue" em Dr. Paracelse und sagt, in Deutschland lasst sich derselbe vielleicht durchführen, nicht aber mcivilisirten Landern, wie Frankreich und Belgien". Run ist es freilich wahr, daß in diesen civilisirten Ländern ein sehr hoher Procentsatz der Bevölkerung weder lesen noch schreiben kann allem das hat mit,bei Civilisation nichts zu thun; die Civilisation besteht vielmehr im ungemrten Ausspucken. Ich erinnere mich, daß im Winter 18 t0/71 m einer ansehnlichen rheinischen Stadt ein eleaantes Cafs von seinen Stammgästen völlig verlassen wurde, als gefangene französische Offiziere, tn größerer Anzahl dasselbe besuchten. Das geschah nicht aus Chauvinismus, vielmehr war der Ekel so groß, den deren ewiges Aus­spucken, nach Dr. Paracelse das Kennzeichen eines civilisirten Mannes den deutschenBarbaren" einflößte. Der Wirth schaffte in seiner Ver­zweiflung eine Anzahl Spucknäpfe an und belegte damit im eigentlichen Snlne des Wortes den Fußboden; das half nichts: die Herren spuckten einfach dazwischen. Die Belgier sind ziemlich gerade so; es gießt auch unter ihnen Solche, welche Unsereinen nöthigen können, den Stammsitz und selbst die Stammkneipe zu verlassen. Wenn man bisher diese üble Gewohnheit auf einen Mangel gesellschaftlicher Erziehung zurückgesührt hat, so hat man sich allem Anschein nach getäuscht; von Dr. Paracelsi wird müll ja in den angegebenen Worten dahin belehrt, daß das Aus­spucken zur Civilisation gehört.

* Große» Kchiffs-UirgUrckr. Einer Llohd-Meldung aus Gibraltar zufolge wird die Zahl der Ertrunkenen des, wie gestern telegraphisch ge­meldet, bei Gibraltar gesltnkenen DampfersUtopia" auf etwa 600 ge­schätzt., Aus Gibraltar wird weiter gemeldet, daß dieUtopia" nicht mit dem PanzerschiffeRodney", sondern mit demAnson" um 7 Uhr Morgens zusammeiigeftotzen ist. Die Ramme des Panzerschiffes riß in dieUtopia" ein 80 Fuß großes Loch in der Nähe des Hinterkastells und gewaltige Wellen schlugen über das Verdeck. Die Kriegsschiffe beleuchteten die Scene mit elektrischem Lichte (um 7 Uhr Morgens? D. R.), wodurch es möglich wurde, viele Personen zu retten. Bei dem Rettungswerk wurde eine Pinasst zerschmettert und mehrere Blaujacken ertranken/ Der Schlot und die Masten derUtopia" ragen über das Wasser heraus Die Gesammtzahl der Geretteten beträgt 831, darunter der Capitän Mackenzie der Arzt, zwei Offiziere, ein Aufwärter, ei» Maschinist und 16 andere Personen von der Mamffchast.

* Gino Pr-obrfshrt grgrrt cm?» treuen M'rllborl: auf dem Potsdamer Güter-Bahnhof nahm sich etwas unheimlich aus. Dieselbe lief nichtsdestoweniger vollständig chatt ab. Die erste Fahrt mit Bahnhofs- Geschwindigkeit hatten in den Wagen höhere Bahnbeamte mitgemacht. Der Locvmotiv-Führer, welcher am exponirtesten war, erhielt 50 Mark. Für die Probefahrt mit Volldampf Hatteer sich, wie eine Correspolideaz mitthettt, füralle Fälle" sein volles Gehalt für seine Frau zusichern lafscn. Im Zuge war Niemand, auf der Maschine er allein; selbst der Heizer fehlte. Bon Lichterfelde her kam der Zug mit 30 Kilometer Ge­schwindigkeit dahergebraust. Selbst beherzte Zuschauer wandten das Gesicht ab. Aber der Zug stand.

* Dis Miiukrrin dss Zaren. In St. Petersburg fand die Be­stattung der früheren Wärterin (Njanja) Alexanders III. statt. Frau Strutton, eme Engländerin, wurde vor 46 Jahren die Wärterin des neu­geborenen Großfürsten Alexander, des gegenwärtig regierenden Zaren, und war darauf in gleicher Function bei dem Bruder des Kaiser«. Die Prinzen gewannen die Engländerin sehr lieb, die sich auch der besonderen Anhänglichkeit Alexanders II. nud seiner Gemahlin erfreute. Der gegen­wärtige Kaiser trug seiner ehemaligen Wärterin ein ganz besonders gart« l'-che? Gefühl entgegen und besuchte die alte Frau häufig im Winterpalais, wo ihr eine comfürtable Wohnung eingeräumt war und sie auf kaiserliche Koste» verpflegt und mit allen Bequemlichkeiten versehen wurde. Del Kaiser und sein Bruder folgten dem Trauerzuge zu Fuße, die Kaiserin und die Großfürstin tn Equipagen. (F. Z.)

* Zu» Zchulreform: es geht auch ohne Latein. Ein Student, welcher einer Verbindung anaehörte, bekam Besuch von seinem Vater, einem biederen Förster. Derselbe wurde auf seinen Wunsch vom Sohne mtt auf die Kneipe genommen, wo er sich im Kreise der jungen Leute ganz hermtsch fühlte und tüchtig mit poculirte. Man hatte ihm ein Commers- buch vorgelegt, und der Alte sang wacker mit. Schließlich wurde auch das Knesplted ca geschmauset, laßt uns nicht rappclkvpfisch fein" gesungen, dessen Refrain lautet:Edita, bibite, collegiales post multa saeculti poculla millal was ungefähr so viel heißl, alsEßt und trinkt in Freundeskreise, benn mit der Zeit hört alles auf" (so übersetzt derSchwarz- walder Bote" das esset, trinket, Genossen; nach vielen Jahrhunderten giebt es keine Becher mehr.) Der alte Forstmann, welchem das Latein nur als Sdgertatein bekannt war, stutzte nach den lateinischen Worten, aber er hals sich und sang aus vollem Halse:Edelmann, Bibelmann, Con- sistorialrath, Postmeister, Säbclmann, Popelmann Hurrah!

Matin zu der geschwollenen Phrase begeistert, daß Dornonauf diese Weise, an feinen Schuhsohlen auch nicht ein Stäubchen des verhaßten preußischen Bodens davontragen werde.Mit diesem Ausspruche," so schrecht der witzige Mitarbeiter de»Figaro", Chicot (A. Couffot),hat Herr Laurent dem schivierigen Problem der Behandlung unserer inier- eröfft«;1"11 ®egie$un0tl eincn ganz neuen und überraschende» Horizont

Am Montag wurde ei« in der Gaustraße in Frankfurt wohnender D/gelspleler plötzlich irrsinnig, begab sich, nur mit einem Hemde verleidet, die Orgel auf dem Rücken, auf die Straße und wollte nach einem Hofe gehen, um dort zu spielen. Man verbrachte den Bedauernswerthen in seine Wohnung und später nach der Irren-Anstalt.

Gouret, Oberstallmeister des Gestütes in Angers, nahm die Stall- tnspection vor, als ihn einer der Hengste beim Kopfe packte und ihm em mächtiges Stück Fleisch aus dein Gesichte riß, ihu sodanu zu Boden schleuderte und mit den Hufen bearbeitete. Nur mit Mühe konnte der Unglückliche von den Stallknechten hervorgezogen werden. Herr Gouret der, schrecklich verunstaltet, in Delirium verfiel, wurde in eine Anstalt nach Saint-Gemmes gebracht.

Vor einem Monat hat im Arsenal von Omd urman bei Khartum eme Explosion stattgefunden, wodurch fast 100 Derwische aetödtet wurde».

In Berlin verbrannte, der Kellner Hoffmann, welcher sich in feinet Schlafkammer in der Luiimstraße 2 mit brennender Cigarre zu Bett gelegt hatte. Als man dm Brand gelöscht hatte, fand man den Hoffmann als angekohlte Leiche.

Der wegen Raubmordes zum Tode verurtheilte Zigeuner Anton Pawlowsky aus Bobrek, Kreis Beuthm, wurde am Dimstaa früh um 6 Uhr im Gefangmßhofe in Oppeln enthauptet.

, Zn Chicago, toüthet eine Influenza-Epidemie. Die Gesund- heitsbeamten schätzen die Zahl der von derselben Ergriffenen auf 50,000. 100 Briefträger, der zehnte Thei! der Schutzmannschaft und der dritte Theil der Feuerwehr leiden an der Krankheit und sind arbeitsunfähig. Die Influenza hat auch Viele schön hinweggerafft.

, In Obersimten bei Pirmasens kam es zu einem Kampf zwischen Mei oft bestraften Burschen, die der Wilddieberei huldigen, und Mehreren Burgern, wobei von den Ersteren ein scharfer Schuß abgegeben und zwei der Letzteren durch Mefferstiche gefährlich verwundet wurden. An dem Aufkommen der Beiden wird stark gezweifelt. Die Thäter sind verhaftet.

In, der letzten Sitzung des Gemeinderaths in Rudolstadt wurde u. m. eme Pollzeiverordmttig angenommen, nach der künfttg die Frisir- und Barbierinstrumente in den öffentlichen Barbiergeschäften nach jedesmaligen Gebrauch zu desinficireu sind. Nach Anzeige eines Arztes ist durch Rastren Bartflechte übertragen worden, ein Umstand, der übrigens auch an anderen Orten sehr häufig vorkommt.

.bUcht ohne Anmuth ist eine Reklame, durch welche in Berlin die Aufmerksamkeit erregt wurde. Da ging ein hübscher Knabe in kurzen SamMethoseN Und weißem Blousenhemd die Straße entlang und hielt einen großen Apfelblüthmzweig in die Höhe; man konnte glauben, daß der personifieirte simge.Lenz seinen Einzug hielt. Zn der That war die Sache aber viel pwiaischer: der Knabe vertheilte nur EmpfehluUgszettel für em Buch zur S'elbstanftrtiguug künstlicher Papierblumen.

Der vor zwei Jahren von dm Franzosen gefangene KöNig von Alin am verlebt in Algier, wo er iiiteruirt ist, frohe Tage. Er malt, lernt französisch das et schon gut spricht, englisch lind deutsch. Er fehlt auf keinem Feste, und man sieht ihn besonders häufig bei Promeuadm-Con- certen und auf öffentlichen Bällen.

Bei Gelegenheit des 800-jährigen Jahrestages der Entdeckung des Mikroskops wird im August und September dieses Jahres eineAllge­meine und retrospeeiive Ansstelluug für Mikroskopie in Ant­werpen stattfinden, die einen internationalen Charakter haben soll.

In einer Strafkammer-Sitzung zn Essen a. d. R. wurde der Redacteur Moller von der soelMtischmBergarbeiter-Zeitung" wegen Vergehens gegen den § 130 des R.-St.-G.-Ä. (Aufreizung zum Klassen haß), Begangen durch den ArtikelStrike in Sicht", zu 9 Monaten, ferner wegen Beleidigung zu 6 Wochen und in einem weiteren Falle zu 4 Wochen Ge- fangniß verurtheilt und sofort verhaftet.

Der Metzgermeifler Wenzel in Neunkirchen hatte au feinem Laden ein Schild angebracht Mit der Inschrift:Hier hüt kein Jude Zutritt!" Das Plakat wurde bald polizeilich entfernt. Die Arbeiter haben nun dm Metzger Mit dem SpitznamenHepp Hepp" ausgezeichnet. Wenzel bewirkte M'.gst, daß eine Versammlung desVolksvereins", in der Herr Rechts­anwalt Kohn aus Dortmund spreche» wollte, der Auflösung verfiel. Er hatte eine Anzahl halbwüchsiger Buben engagirt, die bei der Rede Kohn'ö fortwährendHepp Hepp!" schreien mußte». Nu» ist ihm der Lohn für fern Gebühren nicht ausgeblieben.

* Gin Skandal. Seit einigen Tagen herrscht in Luxemburg große Aufregung über nachstehendes Vorkommniß: Ein bekannter Arzt, dessen Klientele sich zum , größten Theil aus der befferm Gesellschaft rekruttrt und der als Spezialität Frauenkrankheiten behandelt, hat in einer in Neuwied erscheinenden Zeitschrift zur JUustrirung einer von ihm ver- k^kenm These etne Zahl von Krankheitsberichten aus feiner Praxis ver- der Beschreibung der verschiedenen geheimen Krank- hensfälle Manche Ungeheuerlichkeit mitunterlauft, wäre an und für fick Aichts Aussergewöhnliches, aber der gewissenlvfe Medicus hat sich nicht nur begnügt, btt richtigen Anfangsbuchstaben der Ramm einer Kranke» anzugeben, sondern hatte auch deren Prosefsion, Alter, Familimverhält- ia sogar ihre Cvntessio» mikgetheilt. So ist es für jeden Ein- heMschen ein Lichtes, den beschriebenen Fall auf den Betreffenden zu beziehe» und auf diese Art verfallen die der berufsmäßigen Discretio» des Arztes anverttautm geheimen Krankheiten und intime Gebrechen dem