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BerlinerSchriftiritiing vesWiesvadeuer Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Giinvelsir. KK.Fernivr.: AmtNhland46l)u.461. ßk5n°un»'Sen

lNittWochg 23. Dezember 1914.

Kbend -KuZgLLde.

Nr. 398. . 62. Jahrgang.

Jossrer gescheiterte

Der Tagesbericht vom 23. Dezember.

Neue französische und englische Niederlagen.

Die ttämpfe in Polen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 23 . Dez., vormittags. (Amtlich.) Angriffe in deu Dünen bei ^»mbartzyde und südlich Bixschootc wiesen tt ®fere Truppen leicht ab.

Bes Richebourg l ^ Avon 6 wurden die Eng­länder gestern wieder ans ihren Stellungen gewol­lt; trotz verzweifelter Gegenangriffe wur- ben alle Stellungen, die zwischen Richebourg und dem ^anal d'Aire La Basier en t r i s s e n waren, g c h a l- * * n und befestigt.

Seit dem 20 . Dezember fielen 750 Farbige und Engländer als Gefangene in unsere Hände, fünf Maschine gew eh re und 4 Minenwerfer wur- erbeutet.

In der Umgebung des Lagers in Chalons ent­wickelte der Feind eine regere Tätigkeit.

Angriffe nördlich S i I l e r h, südöstlich Reims, bei ^ouain und Perthes wurden von uns zum Teil unter schweren Verlusten für die Franzosen angewiesen.

, In Ost- und Westpreußen blieb die Lage unver­ändert.

Die Kämpfe um den Bzura- und Rawka- Abschnitt dauern fort. Auf dem rechten P h i l i c a - iss er ist die Lage unverändert.

O b e r st e Heeresleitung.

Erfolge der österreichischen Zlotte.

r-n französisches Unterseeboot vernichtet. Tin Mhner Unterseebootsangriff auf die französische ^ivtte in der Gtrantostratze. Das französische Flaggschiff zweimal getroffen.

W. T.-B. Wien, 23. Dez. (Nichtamtlich) Amtlich wird ^rlaulbart: Das französische UnterseebootCurie" wurde, °^Ne za einem Angriff gekommen zu sein, an unserer Küste 8n Strandbatt crien und Wachtfahrzrugen beschaffen

»ich

zum Sinken gebracht. Die Besatzung wurde gefangcw

^Noarmen.

Unser Unterseeboot

ber

18

XII" griff am 21. Dezcm-

"r der Otrantostraße die französische Flotte, bestehend aus »roßen Schiffen, an, torpedierte das Flaggschiff TypCourbet" zweimal und traf beide Male. Die ta **i in der feindlichen Flotte entstandene Verwirrung, ^ »esährliche Nähe einzelner Schiffe und der hohe Seegang " unsichtigem Wetter verhinderten das Unterseeboot, über weitere Schicksal des betreffenden Schiffes Gewih-

hetz

zu erlangen.

& (DerCourbet" ist ein ganz modernes Linienschiff von *00 Tonnen. Er lief am 33. September 1911 vom Stapel, ^hriftl.)

Die politische Offensive.

Ioffre in der Ulemme.

i-Dsr französische Generalissimus Joffre hat ausye- ^chenes Pech. Er ist ein tüchtiger Soldat, ein ungeschickter Heerführer dieses Lob können auch O Feinde ihm gönnen und er war schon im Frie- f / 1 bemüht, Unfähige ausde.m französischen Offizier- auszumerzen. Er hat sein Reiniguugswert im tz^ge fortgesetzt u»rd nach den ersten unglücklichen juchten in Lothringen und NordfranLreich die Ab- manches unbegahten Korpskommandanten be- Eb Und das heißt viel in Frankreich, wo Neid und lAsunst von jeher unter den hohen Generalen fort ^ und jede Bevorzugung oder Maßregelung so­ll' politisch gedeutet wurde. Es ist gewiß kein ge- ßjteä Kunststück, das der Republikaner Joffre fertig- hat, indeni es ihm wenigstens bis jetzt gelang, ^che^ehlshober über die französischen Heere zu blei» tz, - So weit darf er von Glück sprechen. Aber das beginnt sich bereits zu wenden. In Frankreich E eine mächtige klerikale Reaktion ein. Die L* en - die die dritte Republik eine Zeitlang am lieb- n w politsche Versammlungslokale verwandelt hätte,

sind wieder mit Andächtigen überfüllt. Der Priester, der sich früher kaum blicken lassen durfte, tritt von neuani als Volksführer auf. Herr Maurice Barras, der klerikale Romaudichter, bringt einen Gesetzentwurf ein, der einen Nationalfeiertag zu Ehren der Jungfrau von Orleans festsetzt. Und alle die kleri­kalen und mit der Möglichkeit der Wiederherstellung der Monarchie liebäugelnden Kreise halben den Re­publikaner Joffre seit Wochen znr Ansnahme der Otfeusive gegen die Deutschen gedrängt. Er wollte nicht, der nüchterne und vernünftige Mann, weil er besser wußte als die patriotischen Schreier, wie wenig Angriffslust seine Truppen noch be­seelte und wie stark das d e u t s ch e H e e r in Frank­reich noch war, trotz aller Siege und Kämpfe in Ruß­land. Er hat sich gesträubt bis zuletzt. Aber schließlich hat er doch nachgegeben und in einem tönenden Armeebefehl die Fanfare Mm allge­meinen Angriff geblasen. Sonst wäre es um seine Stellung als Oberbefehlshaber geschehen gewesen.

Joffres Offensive ist in blutiger deutscher Abwehr zusammengebrochen. Er konnte keinen Sieg nach Paris melden, um die unruhigen Politiker zu be­sänftigen und den sich immer stärker regenden Partei- Hader zu ersticken. Die Politiker haben über den Soldaten gesiegt und der Erfolg zeigt wieder einmal sehr deutlich, wie verhängnisvoll die Berg u i ck u n g von Politik und Strategie ist. Uni die inne­re n F e i n d e der republikanischen Regierung zu be­friedigen und unschädlich zu machen, vielleicht auch um den bedrängten russischen Armeen vor Warschau eine wenigstens vorübergehende Atmungspause zu ver­schaffen, hat Joffre entgegen seiner innersten Überzeugung den Angriff gewagt, der an der eisernen deutschen Mauer zerschellen mußte. Heute erntet er die gefährlichen Folgen seiner Schwäche. Der Lorbeevkrstuz, den die Franzosen um seine Stirn gewunden hatten, ist verwelkt. Seine Stellung ist durch seine Nachgiebigkeit nicht fester ge­worden. Der Mißerfolg hat sie eher erschüttert und seinen Feinden' neue Waffen gegen ihn geliefert, Waffen, die sie nicht zögern werden zu gebrauchen. Die Veröffentlichung seines Tagesbefehls durch die deutsche Heeresleitung ist ein letzter schmerzhafter Stoß. Das französische Volk kann jetzt nicht ninhin, Vergleiche zu.ziehen zwischen den stolzen, sieges­bewußten Worten dieses Armeebefehls und dem kläglichen Resultat der darin angekündigten Offensive. Dieselben Politiker. die dem Generalissimus die feierliche Verkündung des Angriffs diktierten, werden jetzt sein Feldherrntalent in .Zweifel ziehen. So vollzieht sich eben in Frankreich auch in ernster, schicksalsschwerer Kriegszeit das ewige politische In­trigenspiel und Joffre fällt, wenn er fallen sollte, als ein Opfer der neidischen und ränkesüchtigen Geschäfts- Politiker, die das französische Volk in den Rachen Ruß­lands trieben und eigennützig ins Verderben stürzten. Wir Deutsche aber haben gewiß keinen Grund, die Politische Offensive" zu fürchten, zu der der französische Oberbefehlshaber gezwungen wurde. Sie trägt den Keim des Zusammenbruchs in sich, wie jedes Menschenwerk, das aus Mißgunst und Eitelkeit ent­stand.

Die Lage im Westen.

Heftige Gefechte an der Küste.

Berlin, 23. Dez. (Ktr. Bln.) Am Kanal im Osten von Nieuport haben in den letzten Tagen heftige Gefechte stattge­funden. Laut ..Voss. Zeitung" berichtet dieDailp Mail": Oft standen die Deutschen den Belgiern und Franzosen stundenlang gegenüber, während nur das Wasser des Kanals sie voneinander trennte. Ein Fahrzeug lag aus der franzö- fischen Seite des Kanals bei Passchendaele. Es wurde so umgedreht, daß es eine Brücke bildete. Die Soldaten um­wickelten ihre Schuhe mit Lappen oder gingen auf Strümpfen im Gänsemarsch über diese Brücke, ohne daß die Deutschen es vorerst merkten. Beim Aähersommen entspann sich ein Bajonettkampf. Als dann noch Verstärkungen über das Boot eintrafen, wurden die Deutschen etwas zurückge­drängt. Das holländische Pressebureau meldet, daß die Franzosen große Anstrengungen machen, um sich in den Be­sitz der Eisenbahnlinie R o u l e r s - M c n i n - zu sehen, um dadurch auf die Deutschen an der Linie Menin>, Roubaix-Lille einen Druck auszuüben. Trotz der Zu­führung großer A r t i l l e r i e in eng e n ist" ihnen der Vorstoß nicht gelungen. Die von Upern heranführenden Marschstraßen werden weiterhin von der deutschen Artillerie beherrscht.

ive.

Maßnahmen zum Schutze der Schelde.

Berlin, 23. Dez., Berichte aus Selzaete schildern die Maßnahmen gegen eine mögliche Sperrung der Schelde und einen Angriff aus den großen Schiffahrtskanal Gent- Terneuzen seitens der englischen Flotte. Der Mittelpunkt ist die Zothuis, ein etwa ein Kilometer langer Gebäudekomplex, der teils von Mauern unigcben in einem dichten Nadelgehölz längs des Kanals liegt. Diese Position ist stark mit Lauf­gräben und schweren Batterien befestigt und beherrscht den Kanal und die Eisenbahn. Zahlreiche Sandkräne von Baggern, gefüllt mit Sand- und Basaltsteinen, liegen für eine eventuelle Kanalsperre bereit. Die Stimmung der deutschen Truppen ist erheblich angefeuert durch die Mel­dungen von dem neuen Siege der deutschen Truppen in Polen. Die Soldaten sagen, jetzt werden wir auch bald mit den Franzosen und Engländern fertig, die Bel­gier zählen wir nicht mehr mit.

Die Lage im westenstark gespannt."

Ein schweizerisches Urteil.

W. T.-B. Bern, 22. Dez. (Nichtamtlich.) DerBund" vermutet in den Vorstößen der Verbündeten auf dem west­lichen Kriegsschauplatz recht ernstliche Versuche, in die deutsche Front cinzubrechen und sie, wenn möglich, zu sprengen. Man nimmt an, daß diese Angrisfsbe- wegungen noch keineswegs abgeschlossen seien, sondern auf der ganzen Front sich weiter abwickeln wür­den, bis vielleicht eine stelle sichtbar würde, an der an den eigentlichen Durchbruch gedacht werden könnte. Strategisch genommen, müßte diese am ehesten an dem Nordflügel: liegen, Ivo bisher schon die blutigsten Kämpfe stattfanden. Doch würde bei einer so weit gespannten Front Wohl auch schlechthin eine verwundbare Stelle ausfindig zu machen sein,um auch dort einzuhaken. Die allgemeine Lage im Westen sei stark gespannt. Jeder Tag könne Über­raschungen bringen. Beide Parteien würden ihr Letz­tes hergeben; sie seien einander ebenbürtige Gegner.

Die französischen Sozialisten für die ttriegskredite.

W- T.-B. Paris, 22. Dez. (Nichtamtlich.) Die soziä- listische Kammergruppc beschloß einstimmig, die Kriegs­kredite mit 6 provisorischen Budgetzwölfteln cmzunehmen, Frankreichs RrkrutierungSverlegenheite«.

W. T.-B- Paris, 22. Dez. (Nichtamtlich.) Der ..Matin" meldet: An den Bürgermeistereien in Frankreich wurden am 20. Dezember RekrutierungStafeln der Jahresklasse 1918 angeschlagen.

Lin schweres Zliegsrunglück in Paris.

Er. Kopenhagen, 23. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus Paris wird wieder ein schweres Fliegerunglück berichtet. Vor Abnahme em-es Flugzeuges für die Armee sfieg ei» Major uud ein Leutnant bei Moulincaux auf. In ge­ringer Höhe explodierte das Benzinbassin, worauf das Flug­zeug zur Erde stürzte. Die beiden Offiziere waren bereits völlig verkohlt, ehe Hilfe kam.

Ein feindlicher Flieger über Stratzburg.

Vf- T.-B. Straßburg, 22. Dez. (Nichtamtlich.) Heute nachmittag zwischen 8 und 4 Uhr erschien ein feindlicher: Flieger über unserer Stadt und ließ in der Nähe der Jll- kircher Mühlen werke eine Bombe fallen, die einen leeren Schuppen und Fenster eines Getreidespeichers beschä­digte. Einige Sprengstücke fielen in den Handelshafen. Ver­letzt wurde niemand. Der Flieger, der sich in 1690 bis 1700 Meter Höhe bewegte, wurde beschossen.

Zum Flug über Dover.

Oberleutnant v. Proddzynski, der, wie gemeldet,. Bom­ben auf Dover warf, beobachtete zwischen Dover und Calais zwei Reihen Torpedobootszerstörer, von Eng­land zur französischen Küste aufgestellt, augenscheinlich zur Sicherung des Verkehrs; ferner im Hafen von Dover mehrere Schiffe, darunter ein? von derNt a j e st i c"-Klaffe» ebenso Schisse unweit Dünkirchen. In dem Downs, dem längs der englischen Küste führenden Schiffahrtssteg, sah er regen HandelSschiffverkebr. Klares Wetter herrschte dort, während wir Dunst und Regen hatten. Mit dem Winde flog er in einer Stunde von Dover zu unserer Stellung zurück. Lebhaft wurde der kühne Flieger bei seiner Rückkehr nach diesem ersten Streif z u g eines deutschen Wasserflug­zeuges bis zur englischen Küste beglückwünscht.

Ein verunglückter englischer Aufklärungsflug.

Tbl. London, 22. Dez. Ein norwegischer Dampfer hat im Kanal treibend ein verunglücktes englisches Wasserflugzeug aufgefunden. Der Pilot und ein begleitender Offizier waren bereits vollkommen erschöpft und dem Tode nahe. Sie er­klärten, einen Aufklärungsslug von Dover aus auch O st - -ende versucht zu haben, ihr Motor hätte jedoch nach einer halben Stunde Fluges plötzlich ausgesetzt und sie seien ins Wasser gestürzt. Der Apparat, ein Doppeldecker, konnte nicht geborgen werden.