und dann wird alles in Ruhe besprochen . . . Und nun machen Sie ein liebes, freundliches Gesicht, wie ein junger Mann, der auf die Brautfchau fährt, machen
muß..."
Jetzt lachte der Forstmeister laut auf, während er öcn Frisiermantel übwarf . . . „Du bist doch ein ganz verdrehtes Frauenzimmer. Du denkst wohl, weil du die Dummheit mit dem Kalweit machst, soll ich auch eine machen . . . Na, wollen mal sehen . . . Jetzt fängt die Geschichte an, mir Spaß zu machen . . . Und laß anspannen . . . bei der Stockfinsternis will ich doch lieber mit -meinem alten Johns fahren als mit dem Auto . . . und schick' Zu Krummhaar rüber; er kann
mit mir fahren ..." . T 1V
(Fortietzung folgt.)
Eines Muts,
Eines. Muts,
Sieg- und ehrenreich.
Fest und treu..
Stark und frei Hüten wir das Reich!
Paul Hetzse.
VorweihnachLen in LLratzburg.
Aus Straßburg i. E. wird uns geschrieben: Etwas später als andere Städte des deutschen Westens hat Straßburg sich von den Kriegssorgen freimachen können. Lange Monate war das öffentliche und künstlerische Leben so gut wie erstickt. Das Stadttheater, das sonst im September zu spielen begann, stellte seine Räume diesmal der privaten Wohltätigkeit zur Verfügung, und in den Wandelgängen und im Foyer, km Parkett und in den Logen, wo sonst die Straßburger Literatur- und Musikgemeinde sich ihr Stelldichein gab, stauten sich Kisten, Kasten und Körbe mit Liebesgaben, die nach und nach an die Tapferen im Feld geschickt wurden. Erst als die deutschen Waffenerfolge im Westen zeigten, daß mit einer Belagerung der Stadt kaum noch zu rechnen sei, und nachdem selbst das dein Kriegsschauplatz viel näher liegende Metz sein Theater aufgetan hatte, entschloß die Straßburger Stadtverwaltung sich für eine beschränkte Spielzeit, die Anfang Januar beginnen wird. Geplant sind gewöhnlich drei Vorstellungen. in denen Schauspiel und Oper nach Möglichkeit berücksichtigt werden sollen. Das Künstlerpersonal , ist fast vollzählig zur Stelle, nur Orchester und technisches Personal zeigen einige Lücken, die man aber leicht zu ersetzen hofft.
Auch im Konzertlebcyi Nird e§ bald reger werden. Bisher hatten die Verwundeten in den fünfzig Festungslazaretten, soweit sie dazu imstande waren, Gelegenheit, jeden Sonntag und manchmal auch in der Woche gute Musik zu hören. Diese Soldaten-Unterhaliungen oder Vaterländischen Veranstaltungen fanden meist in der Aubette, Straßburgs altem Konzerthaus am Klcb-erplatz, statt. Reben Mitgliedern der Oper und des Schauspiels, die für diese künstlerischen Liebesgaben sich gern zur Verfügung stellten, kamen dann und wann auch auswärtige Künstler, wie der bekannte Münchener Hofschau- fpieler Basil, zu Gehör, die meist im Waffenrock vor die dankbaren Zuhörer traten, ehe das rauhere Kriegshandwerk sie ins Feindesland rief. Der Zivilb-evölkerung waren diese musikalischen, und deklamatorischen Nachmittage so gut wie verschlossen, und um diesen Mangel wenigstens einigermaßen zu beseitigen, sind nun, gleichfalls von Neujahr ab, größere Volkskonzerte und Sinfonieabende unter Hans Pfitzners will- kommener Leitung in Aussicht genommen.
Das sonstige Kunstleben wird in diesen kriegerischen Zeitkäufen sich wohl kaum erheben. Die beiden Straßburger Kunstsalons, die leider immer stark partikularistisch waren und nur selten andoke als elsässische oder — französische! — Künstler gelten ließen, werden voraussichtlich weiter schlummern. Kein Mensch denkt hier an eine größere künstlerische Veranstaltung; der Mangel an führenden Geistern auf diesem ebenso reichen wie dankbaren Gebiet, der schon in Friedens-
zeitcn die Entwicklung der bildenden Künste hemmte, macht sich jetzt doppelt fühlbar und schädigt besonders die einheimischen Künstler, die sonst in der Weihnachtszeit kleine Aufträge und freundliche Käufer fanden.
Fast unberührt von solchen Kriegseinflüssen, nur etwas Iveniger umfangreich als sonst, blieb der altehrwürdige Christ- kindelmarki, der eben jetzt auf dem Broglieplatz seine trauliche Budenstadt wieder aufgeschlagen hat. Wie zu Großvaters Zeiten finden Jugend und Kleinbürger hier d/n alten lieben Tand und die mannigfachen Leckereien für den Weihnachtstisch. Namentlich die Gertweiler Lebkuchen, ein altberühmtes clsässisches Gebäck, das den Nürnberger Honigwaren erfolgreiche Konkurrenz nmcht, werden vom weihnachtlichen Straß» bürg in großen Massen gekauft und diesmal auch in das Feld gesandt. In den Spielwarenzelten marschieren wie sonst die Zinnsoldaten und Holzgrenadiere auf, auch an Puppen, Musikinstrumenten, Büchern und allerlei Scherzartikeln ist kein Mangel. Nur die herkömmlichen „Piou-Pious" aus farbiger Pappe, die aus Straßburgs Franzosenzeit sich in die Gegenwart gerettet hatten, scheint der rauhe MarS ein für alle Mal aus den Buden gefegt zu haben. Dafür wachsen nun aber wieder die deutschen Tannenbäume aus dem Strahenpflaster, und bald werden ihre bunten Kerzen selbst in der ärmsten.Straßburger Familie als liebes Symbol echt- deutscher Weihnacht ihre Friedenslichter leuchten lassen, ll. 8.
= Bunte weit. =
aus der Kriegszeit.
„Dickeschen!" (Originalbrief.) Lieber Freund! Du wirst Dich wundern, was das für ein Briefbogen ist. Wir waren hier in dar Gendarmeriekaserne und haben, da alles verlassen ist, die Gelegenheit benutzt und uns Papier usw. gekauft. Zur Sache. Da es mir nicht mehr möglich war. Dich noch einmal zu besuchen und Dir Lebewohl zu sagen, hole ich es auf diesem Wege nach. Nach einer schönen Eisenbahnfahrt (Becker und ich zweiter Klasse) und einer vorzüglichen Verpflegung auf den Bahnhöfen kamen wir in der Zeit von zwanzig Stunden, von allen Kameraden und der Kompagniemntter herzlich begrüßt, hier an. Das Essen ist ausreichend und schmackhaft. Hier herrscht unter der Bevölkerung eine große Armut, so daß die armen Kinder und ältere Leute an unser Quartier kommen und um alles Genießbare betteln. Die Leute sind uns freundlich ins Gesicht, aber innerlich wünschen sie uns dahin, wo der Pfeffer wächst und würden sie uns gerne das Fahrgeld für die Reise dahin bezahlen. Jagd ist hier sehr gut (Fasanen, Rehe, Hasen), doch wird hier sehr viel geschliggt (Schlingen), um so mehr, da den Leuten alle Schußwaffen abgenommcn wurden. Ich habe in dem Walde zufällig ein Zewtralfeuergewchr gefunden, bin überhaupt viel draußen im Dienst. Die Fischerei wird hier auch getrieben, aber in dem Fluß, der S., ist nichts Richtiges drin. In K. auf dem Bahnhof habe ich etwas Schönes erlebt: Wir kommen um 5% Uhr früh dort an und wurden von den Damen der -ersten K—er Gesellschaft bewirtet. Ein Mädchen stand etwas abseUs; ich hielt es für ein besseres Mädchen und sprach: „Dickeschen, gib mir etwas schwarzen Kaffee." „Da hast du ihn", sprach es, als er ankam, „willst wohl auch noch schön werden?" Wir unterhielten uns noch eine Zeitlang, als ein höherer Bahnbeamte auf uns zutrat und sprach: „Bitte, Durchlaucht, die Verpflegung zu be
schleunigen, da der nächste Zug einfahren muß." Du kannst Dir denken, daß ich etwas verwundert dreinblickte, mich ent- ichuldigen und mich drücken wollte. Sie aber sprach: „Da, Dicker, nimm dir noch ein paar Zigarren mit", und gab mir mit dem Wunsche auf ein frohes Wiedersehen ein Kistchen Zigarren. In der Hoffnung auf ein frohes Wiedersehen in der Heimat und Dir frohe Weihnachten wünschend, verbleibe mit Gruß an Dich und Deine Familie Dein Freund-"
Ein Schlachtfeld. Auf feinen Fahrten über "die deutschen Schlachtfolldev in Lothringen hat der Berichterstatter des „Giornale d'Jtcklia", Caüasino-Renda, unter Führung «ine« deutschen Hauptmanns die Stätten besucht, an denen am 22,, 23. und 24. August die größte Begegnungsschlacht dieses Kriege« zwischen 400000 Kämpfern sdattfand und die er durch die Ort« Filliers, Serrouville und Morfontaine näher bezeichnet. Auch seine neuen Schilderungen, denen er eine eingehende Darstellung unserer „Gulaschkanone" und unseres schweren Ge-
