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Nr. 597. _ Mittwoch, S3. Dezember 1914.

Deutschoffiziöse Richtigstellung zum französischen Gelbbuch.

1. U. Berlin, 21. Dez. Gegenüber einer Mitteilung des französischen Gelb buch es, wonach nach einem Bericht des früheren Berliner Botschafters Cambon Generaloberst von Moltke eine Äußerung getan haben soll, daß er alle Ge-- tvissensbedenken beiseite lassen und angreifen solle, wenn der Krieg voraussichtlich notwendig erscheine, erklärte dieNord­deutsche Allgemeine Zeitung", daß Generaloberst v. Moltke eine derartige Äußerung niemals getan habe. Ebenso­wenig entspreche ein anderer Bericht Cambons der Wahrheit, in dem behauptet wird, Generaloberst von Moltke habe in einem Gespräche mit dem König von Belgien die Notwen» digkeit und Unvermeidlichkeit eines Krieges mit Frankreich betont. Herr von Moltke hat lediglich seiner Überzeugung Ausdruck gegeben, daß, wenn es einmal zu einem Zusam­menstoß kommen sollte, das deutsche Heer sich dem franzö­sischen an Ausbildung und innerem Werte überlegen »eigen werden. Auch die Behauptung Cambons sei unrichtig, baß der Kaiser bereits 1913 seinen früheren Friedensstand­punkt aufgegeben habe.

Die Behandlung der Kriegsgefangenen in Frankreich.

Der Bericht eines französischen Uberwachungsbeamten.

W. T--B. Berlin, 22. Dez. (Nichtamtlich.) DieNordd. Mg. Ztg." schreibt über die Lage der deutschen Kriegsge­fangenen in Frankreich: Das internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf stellt einen von dem französischen Be­vollmächtigten für Überwachung der Kriegsgefangenenlager erstatteten Bericht zur Verfügung, in dem es heißt: Ich habe die Gefangenenlager in Blaye-Montaubau, Albertville, Rouen, St. Etienne le Puy, Clermout und Aurillac besucht und kann versichern, daß die Behandlung der deutschen Kriegs­gefangenen dort überall korrekt ist. Alle für ihre Unterkunft, Kleidung und Verpflegung getroffenen Einrich- tungen müssen als ausreichend bezeichnet werden. Ein Verbot, Deutsch zu sprechen, besteht nicht. Der Briefver­kehr mit ihren Angehörigen ist den Gefangenen gestattet, indes hat man in einzelnen Lagern die Beschränkung dahin getroffen, daß wöchentlich nur ein Brief von zwei Seiten, stellenweise auch zwei Briefe abzuschicken gestattet ist. Im übrigen gelten für alle Lager die gleichen ministeriellen Vor­schriften. Die über die Behandlung der deutschen Kriegs­gefangenen in Clermont-Ferrand in der deutschen und schwei­zerischen Presse verbreiteten beunruhigenden Gerüchte find nicht begründet. Danach sollte es mit den Gesund- heitsverhältnissen im dortigen Gefangenenlager schlecht aus- sehen, ein deutscher Offizier (Herr Böhmer-NeufchLtel) sollte Mißhandelt worden sein. Die Untersuchung durch einen fran­zösischen Arzt hat ergeben, daß die zusammen mit französi- sch-n Soldaten im Lager für einige Zeit internierten, jetzt anderweitig untergebrachten Gefangenen korrekt behandelt worden sind und daß die Behauptung einer Mißhandlung des deutschen Offiziers nicht zutreffend ist. Die gesundheitlichen Verhältnisse des im Gebirge gelegenen Lagers, in dem jetzt noch ftanzösische Soldaten liegen, sind durchaus nicht un- Lünstig.

Die Erklärung des Verräters weill.

. W. T.-B- Paris, 22. Dez. (Nichtamtlich.) Die vom "Figaro" veröffentlichte Erklärung Dr. Weills hat folgenden Mortlaut: An meine Freunde in Elsaß-Lothringen! Seit

Kriegsausbruch ließ ich. ohne zu protestieren und ohne zu dementieren in der deutschen Presse die verschiedensten Nach­richten über mich verbreiten. Ich schuldete meinen in Straß- burg gebliebenen alten Eltern dieses völlige Schweigen Und zog es vor, sie selbst in Unkenntnis zu lassen, als sie dem Groll derer auszusetzen, welche dort noch Herren sind. Jetzt, wo meine Eltern in Sicherheit sind, habe ich die Freiheit »u sprechen wiedergewonnen. Ich bin am 5. August in die französische Armee eingetreten. Wir Elsaß-Lothringer haben während der harten Periode der Fremdherrschaft versucht, unser Reich und unsere Hoffnungen der Sorge um den Frie­den unterzuordnen und haben nur gekämpft, um rn Frie­den ein Regime zu erlangen, welches uns erlaubt hätte, unserem Lande seinen Nationalcharakter zu be- wahren. Diese gewollte überlebre Resignation bedauern wir nicht. Dank ihrer können wir ebenso wie alle anderen Frau- »äsen überzeugt sein, nichts vernachlässigt zu haben, damit ein Krieg vermieden werde. Unsere moralische Kraft in der augenblicklichen Krisis ist darum nur größer. Aber der Feind hat uns selber von den Einschränkungen befreit., welche uns die Sorge um den Frieden vorgeschrieben hatten, gestern noch, während wir seine Macht fühlten, weigerte er sich, die bescheidensten Forderungen anzuerkennen. In seinem «tolze und blinden Wahn ging er soweit, das Bestehen der

Wiesbadener Tagdla tr»

elsaß-lothringischen Frage zu bestreiten. Jetzt, wo er sie in ihrer ganzen Größe gestellt sieht durch den Krieg, welchen er wollte, den er Europa aufgezwungen hat, hat er uns gleich» zeitig unsere ganze Gedankenfreiheit und Handlungsfreiheit wiedergegeben. Es gibt keine Einschränkungen für unsere Hoffnungen und unseren patriotischen Willen mehr. Wir werden in dem Rahmen der f r a n - zösischen Nation zurückkehren, welcher wir durch unsere Geschichte und unsere Traditionen angehören. Das Völkerrecht, welches vor 44 Jahren verletzt tourde, wird völlig wiederhergestellt und indem ich in die Armee einge­treten bin und dadurch den Kampf gegen das militarisierte verpreußischte Deutschland den Unterdrücker i) e r Freiheit aller Völker weitergeführt habe, bin ich über­zeugt, meine Pflicht als sozialistischer Abgeordneter und elsaß-lothringischer Abgeordneter wohl erfüllt zu haben, Georges Weill, ehemaliger Reichstagsabgeordneter von Metz,

Eine erfreuliche moralische Eroberung.

Auszug aus einem Brief einer in Deutschland lebenden Engländerin.

Ich bekomme dann und wann eine englische Zeitung, kann es aber kaum lesen, denn es sagt so vieles, welches un­wahr ist und ich kenne die Wahrheit hier. Drüben wissen sie es nicht, und mir ist traurig, daß meine Landsleute müssen so viele Unwahrheiten glauben. Ich bin in meinen Kriegsgefühlen ganz durchaus deutsch. Ich sehe selbst, wie brav und aufrichtig deine Station handelt. Es muß auch später zum Tageslicht kommen trotz der infamen Lügen. Ich hoffe und bete, daß Deutschland (und es wird auch) gewinnen wird. Nur soll es nicht zu lange dauern Ich meine, England hat jetzt die Hände voll und es wird keine so schwere Sache, daß Deutschland nächstens mit Eng» land fertig wird. Mir tut es auch wahnsinnig leid um mein Volk und Heimat, doch ist England selbst ganz ganz Schuld daran und Rechts wegen muß Deutschland siegen und noch einmal siegen!

Ein Flaschenpostgruß an den König von Sachsen.

König Friedrich August hat kürzlich einen eigenartigen Gruß durch eine Flaschenpost erhalten. Mannschaften der 8. Kompagnie des Res.-Jnf.-Regts. Nr. 246 hatten am 14. Oktober auf der Fahrt nach dem Kriegsschauplatz beim Überschreiten der Mosel unweit Trier eine verschlossene Flasche in die Mosel geworfen, in der sich eine Postkarte mir folgendem Inhalt befand:An Seine Majestät den König

von Sachsen. Mit Gott für König und Vaterland ziehen die tapferen Sachsen nach Frankreich." Diese Flasche wurde am 24. November in der Mosel bei Mühlheim von dem Fischer Fehres aufgefunden, durch die Feldpost weiter befördert und gelangte so in die Hände des Königs. Die Absender sind jetzt ermittelt und zum Weihnachtsfest vom König durch die Zu­sendung von Zigarren erfreut worden.

Der Weihnachtsgruß der Königin von Bayer».

Vom Wrihnachtsbaum eilen meine Gedanken hinaus zu Euch wackeren Soldaten, die Ihr das Weihnachtsfest nicht im Familienkreise feiern könnt. Aber eines möge Euch beruhigen. In jeder Stadt, in jedem Dorfe sind aufopfernde Hände be­müht, Eure Angehörigen vor Not zu bewahren und Euren Kindern eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Damit zollen wir Euch den Dank des Vaterlandes, von dessen Grenzen Ihr die Schrecken des Kriege» ferngehalten habt. Gott befohlen.

20. Dezember 1914. Marie Therese."

Ein Armeebefehl des bayerischen Kronprinzen.

Das Armee-Oberkoinmando der 6. Armee hat, wie mit­geteilt wird, unterm 8. Dezember von Lille aus folgenden Armeebefehl ausgegeben:Seit einer Reihe von Wochen

befindet sich das erste bayerische Reservekorps im langsamen, aber ununterbrochen fortschreitenden Angriff aus starke Stellungen des Gegners östlich und nordöstlich von Arras. Schützengraben auf Schützengraben wurde dem Feinde entrissen; alle seine Gegenangriffe unter schweren Verlusten für den Feind abgeschlagen, Hunderte von Gefangenen gemacht. Dies alles unter schwerstem Artilleriefeuer des Feindes, dem eine gleiche Kraft entgegenzustellen bis jetzt nicht möglich war. Nach den hier vorliegenden Nachrichten hat das Vorgehen des Armeekorps auf den Feind einen starken Eindruck gemacht. Ich spreche dem Armeekorps für seine aufopferungsvolle Tätigkeit meine rückhaltlose Anerkennung aus und möchte sein Vorgehen allen Teilen der Armee als mustergültig für kommende Zeiten empfehlen.

gez. Rupprecht, Kronprinz von Bayern.

Goldzuführnng an die Reichsbank.

Die Zuführung von Gold cm die Reichsbank macht an­dauernd erfteuliche Fortschritte. So wurden aus Herford und Umgebung seit Beginn des Krieges 1400 000 M. abge-

derr Strandterrassen der eleganten Gasthäuser, Badeiväsche, Sport- und Spielgeräte sind im Sande verstreut. Die Glas­ateliers der Dünenphotographen sind nur Eisengerippe; die Scheiben sind unter dem Donner der Geschütze und bei der Sprengung des an der Brandungszone angetriebenen Minen- psiasters geborsten.

Sämtliche Häuser am Strande sind geschlossen, die Fenster verrammelt und vernagelt, die Bewohner zu ihrer eigenen Sicherheit nach dem Binnenlande, meist nach Brüssel, geleit st worden. Wie nötig das ist, habe ich bei der Be­sprechung der gründlichen Zerstörung der Hafenanlagen und Vürgerwohnungen von Zeebrügge geschildert.

So sieht Knocke aus, wo sonst die Badegäste in den Dünen ^ie zahllosen Kaninchen jagen, ein Geschäft, welches jetzt nur ein kleiner verwilderter Terrier betreibt, der allein von allen "Einwohnern" zurückgeblieben ist. So sieht auch Heyst aus, das in seinen besten Zeiten von mehr als 15 000 deutschen Vesuchern belebte Familienbad, das so schöne Ausflüge nach Holland bietet.

Da drüben liegt die holländische Grenze. Man sieht den Kirchturm von Sluis, das jetzt von Zeitungsberichterstattern Q tter Länder und auch von Spionen wimmelt Man ver­gegenwärtigt sich einen Augenblick, was das eigentlich ist, ein Land. das inmitten des blutigsten Weltkrieges seinen sicheren Stieben hat. Ob ihn alle so unbedingt achten werden, wie ivir Deutschen? Da draußen, in der neutralen Fahrrinne der Schelde, kreuzt das niederländische KriegsschiffZeehund". U>N sorglich über jeden Eingriff in das Machtbereich des Neutralen Königtums zu wachen. An der Grenze aber stehen, last Schulter an Schulter, holländische Truppen und ein Straßburger Reserve-Regiment Posten. Die Elsässer aus der« äußersten Südwesten schirmen das Reich in der nord­westlichen Ecke des Kriegsschauplatzes.

Über die schmutzigen Fluten des Leopold-Kanals, über

das zerstörte Zeebrügge und Blankenberghesfashionable" Strandstratzen, wo vor den ehernen Kriegern des Kongo­denkmals deutsche Matrosen die Wacht am Meere halten, geht es nach Ostende. Feiernd stehen die Fischer, die nach der Sommerwochen einträglicher Wirtstätigkeit sonst auf die Ausbeutung der Speisekammern der Nordsee ausziehen, um die kleine Flotte ihrer Boote im Fischerhafen. Die Häuser am Strande sind auch hier geschlossen. Zerschossen sind, ent­gegen den wiederholten Behauptungen englischer Blätter, daß ganz Ostende brenne, nur einige Luxushotels, durch die eng­lische Flotte, und zivar ausgesucht englische, am schlimmsten dasMajestic". Auf den Strandpromenaden sind Schützen­gräben ausgehoben. Die feinen Fliesen dös Pflasterbelages bieten eine gute Brustwehr und dienen in dem rieselnden Sande als Stütze der brüchigen Wände. Das sind, so ganz äußerlich betrachtet, wirkliche Luxusschützengräben.

Im Spielsaal des Kursaalgebäudes haben deutsche Matrosen ihr Biwak aufgeschlagen. So gutem Zweck hat der mit spielerischen Erkern und Türmchen verzierte Bau noch nie gedient. Auf der Bühne eines Nebensaales üben ein paar Blaujacken tu Vermummungen, die sie von der Äquatortaufe mitgebracht zu haben scheinen, ein ausgelassenes Weihnachts­festspiel. Aber draußen am- Strande stehen dräuend schwer- kalibrige Geschütze, in sichere Deckungen tief eingesenkt. Nicht umsonst hat die Direktion des Kursaales in -einem Briefe, den ich zufällig in einem Bureaufchranke fand, den Besuchern für 1914eine ganz besonders interessante Saison" versprochen. Das haben einige Gäste, Angehörige neutraler Staaten, so aufgefaht, daß sie auch nach dem Kriegsausbruchs in Ost­ende bleiben wollten, bis sie jetzt ganz zuletzt von den deut­schen Militärbehörden mit sanfter Gewalt zu einer Luft­veränderung veranlaßt wurden.

Die Wanderung nach Middelkerke und Westende läßt mich das ftöhliche Treiben unserer Blaujacken, die zuerst

Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt. Seite 3.

liefert. Der Bezirksgendarm in Oberdorla sammelte in

seinem Bezirk 61000 M. Gold ein, dabon allein in der Ort­schaft Oberdorla 34 000 M. In Neuendorf wurden 8000 M. Gold eingewechselt, davon befanden sich 3000 M. in den Händen russisch-polnischer Arbeiter. (Ktr. Bln.)

Ein deutscher Kriegsgefangener vor dem Pariser Kriegs­gericht.

Dr. Basel, 22. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Das Pariser Kriegsgericht verurteilte den deutschen Kriegsge­fangenen Heinrich Vollmers hausen zu einem Jahr Gefängnis, weil er in -einem französischen Hause in der Gegend von Amiens eine Rettungsmedaille, eine Militär­medaille und ein Kreuz der Ehrenlegion angeblich einge­steckt hat.

Die Festnahme der wehrfähigen Franzosen.

T. II- Hamburg, 22. Dez. (Ktr. Bln.) Die in Hamburg- Altona, Bremen und Lübeck wohnhaften wehrfähigen Fran­zosen sind gestern früh nach H o l z m i n d e n gebracht worden.

Die Hilfe des Roten Kreuzes für den Roten Halbmond.

W. T.-B. Berlin, 21. Dez. (Nichtamtlich.) Heute abend 11,51 Uhr tritt die Expedition des Roten Kreuzes, bestehend aus fünf Ärzten, sechs Schwestern und sechs freiwilligen Krankenpflegern, die Ausreise nach Konstantinopel an. Ärzt­licher Leiter ist Chirurg Colleh (Insterburg). Weiter beglei­ten ihn der Chirurg Siutznr (Berlin) und Lindenberg (Rostock) für innere Krankheiten. Die bakteriologischen Auf­gaben fallen dem Assistenzarzt an der medizinischen Klinik der Universität Kiel, Dr. Neukirch, zu. Mit ihm gemein­schaftlich arbeitet Dr. Zlocisti (Berlin), der in der Türkei, Arabien und Persien vielfach gereist ist und auf dem Gebiete der dort vorkommenden Tropenkrankheiten eine vielseitige Erfahrung besitzt. Die Schwestern gehören dem Mutterhaus vom Roten Kreuz tu Kodurg, die Sanitätsmannschaften dem Verbände Berlin der Genossenschaft freiwilliger Kranken­pfleger im Kriege vom Noten Kreuz an. Vorsitzender ist Oberverwaltungsgerichtsrat Loethke, als militärischer Leiter ist der Major rm Stellvertretenden Großen Generalstab, Freiherr von Nimptsch, behördlicherseits kommandiert. Die Abreise findet vom Bahnhose Friedrichstraße statt. Das Reiseziel ist zunächst Konstantinopel. Dort wird über dio Art und den Ort der Verwendung die endgültige Bestim­mung getroffen werden.

Nach der Begegnung von Malmö.

Englisches Unbehagen.

T. II. Land-»,, 21. Dez. (Ktr. Bln.) Die Veröffent» lichung des offiziellen Communiquäs über die Zusammen» kunft der drei Könige in Malmö hat hier von neuem leb­hafte Beunruhigung über die zukünftige Haltung der drei skandinavischen Staaten hervorgerufen. Die Blätter be­mühen sich, diese Besorgnisse zu zerstreuen, raten aber andererseits der Regierung, der H a nd e l s sch i f f a h r t Dänemarks, Schwedens und Norwegens größtmögliche Rücksichtnahme zu gewähren. DiePall Mall Gazette" schreibt: Wir bedauern, daß die Kriegsführung zur See

uns zwingt, den drei Nordstaaten Unbequemlichkei­ten zu bereiten. Wir werden jedoch das Menschenmögliche tun, von nun an ihre Interessen zu berücksichtigen. Der Globe": Unsere Flotte ist unsere Hauptwaffe gegen Deutsch­land. Wer müssen daraus alle Vorteile zu ziehen versuchen. Wir werden jedoch versuchen, den neutralen Staaten nach Möglichkeit Erleichterung zu verschaffen. DieWestminster Gazette": Die skandinavischen Staaten können gewiß sein,

daß wir in Anerkennung ihrer berechtigten Interessen jeg­lichen diesbezüglichen Vorschlag ihrerseits mit Vergnügen im Vorhinein annehmen werden.

Amerikanische Mißstimmung gegen England.

T. TT- Rotterdam, 21. Dez. (Ktr. Bln.) Aus New Uork wird gemeldet, daß die Schiffahrtslage bereits ein drohendes Aussehen erhält. Bei der Regierung laufen viele Beschwerden über die Untersuchung amerikanischer La­dungen durch englische Kriegsschiffe ein. Das amerika­nische Volk ist äußerst empfindlich, England solle da­her gemäßigter Vorgehen.

Amerikas Waffenhandel.

W. T.-B- London, 22. Dez. (Nichtamtlich.) DieTimes meldet aus Washington: Das Staatsdepartement teilt mit,

daß die Regierung aus naheliegenden Gründen die Propa­ganda für die Ausfuhr für Waffen und Munition nicht billige. Es ist infolgedessen wahrscheinlich, daß im Falle der Annahme der betreffenden Gesetzesvorlagen Präsident Wilson sein Veto einlegt.

Die Zensur in Italien. Eine Mission Loubets in Rom?

TU. Rom, 22. Dez. (Ktr. Bln.) Die Regierung hat den Zeitungen strengstens verboten, irgendwelche Nachrichten

widerwillig rmd dann mit ganzer Lust Landratten geworden sind, noch eingehender beobachten als vorher. Sie betreiben längs der ganzen Küste die Eisen- und Straßenbahnen, sie buddeln sich die Badekarren in den Dünensand und bauen sich mit ihnen unterirdische, vielzimmerige Wohnungen, sie dressieren sich die sonst als Reittiere für die Sommergästö verwendeten Esel zu wertvollen Gehilfen für den Landtrans­port und sie haben, alles in allem, viel Humor und tvenig Langeweile. Auch hier sind viele Elsässer. Ein Zug Matrosen Baut sich ein pomphaftes unterirdisches Winter­schloß, dasStraßburger Hütte" heißen soll. Und alle freuen sich:Wenn die Kaiwe-Engländer nur kämen! Die sollen uns Straßburger kennen lernen!"

Bei Middelkerke komme ich in die vorderste Front. Die Häuserreihe dort vor uns ist noch unser Besitz, jenseits der Mole kennzeichnet schon den feindlichen Schützengraben. Von seinem Artilleriebeobachtungsstande aus, der weit vorn in der Feuerlime liegt, zeigt mir ein freundlicher General, den ich zuerst sah, als er die Nethestellung bei Waelhelm er­stürmen ließ, und den ich dann bei dem siegreichen Einzug in Antwerpen wieder traf, ine, Stellung des Feindes. Dort drüben blitzt, im fahlen Nachmittagslichte, zwischen trüben Überschwemmungswiesen ein dünnes, helleres Band: hie User. Jenseits, durch zwei ungleiche Brüdertürme, einen dicken und einen mageren, gekennzeichnet, das arme, vom Feinde besetzte, im Bereich unserer schweren Geschütze liegende Städtchen Nieuport. Vor uns Lombardzyde, dessen Namen wie der Kehrreim eines durch die Jahrhunderte fort­klingenden deutschen Seemannsliedes klingt. Und alles Land um uns, so weit es aus dem opalisierenden Brackwasser der Überschwemmungsflut ragt, Schlachtfeld, Ehrenfeld. Jeder Fußbreit ein Grab, jeder Fußbreit wert, ein ewiges Helden­denkmal zu trageu.

W. Scheuermann, KriegsberichterMter.