Seite 44 Wiesbadener Tag^-.-‘.
Cannae nach Roßbach und Bionville geführt; ich führe die Jugend twtt Sedan nach Gravelotte über Lenthen und Roßbach zurück nach Mantiii!« uud nach den Thermopylen. Ich glaube, das ist der richtige Weg und bett müssen wir mit unserer Jugend wandeln.
Und nun, meine Herren, meinen herzlichsten Dank und meine vollst! Anerkennung für Alles, was Sie bisher gethan haben. Ich habe meine Gedanken und meine Befehle für die spätere Entwicklung dieser uns alle« am Herzen liegenden Angelegenheit in einer Cabinets-Ordre niedergeleg, von der ich bitte« möchte, daß die Herren sie jetzt anhören!"
darüber späterhin noch eine Aeußerung über die Ansichten und Vorschläge I des Herrn Ministers. I 1
Meine Herren! Wir befinden nns in einem Zeitpunkt des Durch- I : gangs und Vorwärtsschreitens in ein neues Jahrhundert, und es ist von I jcljer das Vorrecht meines Hauses gewesen, ich meine, von jeher haben I meine Vorfahren bewiesen, daß sie den Puls der Zeit fühlend I voraus erspähten, was da kommen würde. Dann sind sie an der I Spitze der Bewegung geblieben, die sie zu leiten und zu neuen Zielen zu I führen entschlossen waren. Ich glaube erkannt zu haben, wohin der neue I Geist, und wohin das zu Ende gehende Jahrhundert zielen, und ich bin ent- I schlossen, sowie ich es bei dem Anfassen der socialen Reformen gewesen bin, I so auch hier in Bezug auf die Heranbildung unseres jungen Geschlechtes, I die neuen Bahnen zu beschreiten, die wir unbedingt beschreiten müssen, denn I thäten wir es nicht, so würden wir in zwanzig Jahren dazu I gezwungen werden. Deshalb wird es Ihnen Allen ein besonderes Gefühl I der Genugthuuug und ein Gefühl der Freude sein, daß Sie Diejenigen I gewesen sind, die ausgesucht waren, die ersten grundlegenden Prinzipien I zu unseren neuen Bahnen festzustelleu, mit mir zu arbeiten und mit mir I Die neuen Wege zu erschließen, die wir unsere Jugend dereinst führen I wollen, und ich bin fest überzeugt, daß der Segen und die Segenswünsche I von Tausenden von Müttern auf das Haupt icdes Einzelnen von Ihnen, I die hier gesessen haben, herabgerufen werden. Ich nehme davon Keinen I aus, weder Diejenigen, die für meine Gedanken gearbeitet haben, noch auch I Die, welche mit schwerem Ringen und unter Aufgabe desfen, was sie bisher I zu verfolgen berechtigt sich glaubten, Opfer gebracht haben. — Allen diesen I danke ich. Mögen die Ovfer, die Sie bringen, Ihnen späterhin das I Gefühl geben, daß auch Sie bei dieser Arbeit Wesentliches mitgeleistet I haben.
Meine Herren! Ich möchte, obwohl ich sonst nicht gerne ablese, Ihnen I doch einen Artikel mittheilcn, den ich für so bemerkenslverth, für so schön I geschrieben halte, der so in jeder Weise das wiedergiebt, was meine Ge- I danken waren, als ich zu Ihnen vor ungefähr vierzehn Tagen sprach, I daß ich die Hauptsätze, die hier darin verzeichnet sind, Ihnen vorlesen I möchte. Er entstammt dem „Hannoverschen Courier" vomH.d.M. I Unter der Ucberschrift „Mißverständnisse" findet sich dort folgende I Reihe von Sätzen:
„Wem der gewaltige Gegensatz zwischen Einst und Jetzt voll zum I Bewußtsein kommt, der wird zugleich von der Ueberzeugung durchdrungen ] jein, daß das neue Staatswesen werlh ist, erhalten zu werden, ünd daß 1 es eine der ganzen Kraft des Mannes würdige Aufgabe ist, an der Er- j Haltung und ruhigen Weiterentwickelung dieses Staatswesens mitzuarbeiten. I Daß dem Lehrer in der Darstellung jener Verhältnisse einer unerfreulichen I Vergangenheit die größte Freiheit verstattet werden muß, ist selbst- I verständlich, ebenso selbstverständlich aber ist es, daß nur Derjenige zum I Lehrer unserer Jugend berufen ist, der treu und aus voller Ueber- I zeugung auf dem Boden der Monarchie und der Verfassung I stehl. Ein Anhänger radikaler Utopien ist als Lehrer der Jugend ebenso- I wenig zn brauchen, wie in den Geschäftsstuben der Staatsverwaltung. I Der Lehrer ist nach seinen Rechten und nach seinen Pflichten in erster I Linie Beamter des Staates, und zwar des bestehenden Staates. In einer I lebhaften Bethätigung dieser seiner Stellung und seiner Aufgabe würde I der Lehrer zum großen Theil wenigstens auch die Jugend tüchtig zu I machen haben zum Widerstand gegen alle umstürzlerischen Bestrebungen. Was weiter dazu gehört, eine rege Pflege der Charakterbildung/ des selbstständigen Denkens und Urtheilens, soll heute unerörtert bleiben, ebenso, in wie weit unsere Lehrerschaft der hier skizzirten Aufgabe schon jetzt nachkommt. Davon ein ander Mal. Aber daran kann doch im Ernst Niemand denken, daß die Lehren der Socialdemokratie in der Schule im Einzelnen erörtert und etwa durch autoritäre Aeußerungen oder in freier Discussion widerlegt werden sollen. Wer zu einem klaren Verständniß von dem Wesen des Staates, von dem Werden und dem Fortschreiten unseres Staates dnrchgedrungen ist, der wird im Stande sein, das Ungereimte, Verwerfliche uud Gefährliche der socialdemokratischen Theorie und Praxis zu durchschauen, der wird es als seine Pflicht erkennen, mannhaft seinen Platz in den Reihen Derer zu behaupten, welche unseren Staat gegen feind- | liehe Angriffe wie von Außen, so im Innern, verlheidigen. Der Staatsverwaltung höchste Aufgabe bleibt es, durch verständnißvolles Entgegenkommen auf dem Gebiete der öffentlichen Wohlfahrt und Freiheit sich die Sympathieen aller gemäßigten und einsichtsvollen Elemente dauernd zu erhalten. Ein anderer Klageruf, dem ebenfalls mißverständliche Auf- > fassungen zu Grunde liegen, geht dahin, daß unserer gesammlen' klassischen Bildung die Vernichtung drohe. Wir meinen, es sind nicht ächte Freunde jener Bildung, welche diese Befürchtung laut verden lassen; zum Mindesten kann ihnen der Vorwnrs nicht erspart werden, daß sie von dem, was unter „klassischer Bildung" zu verstehen ist, 1111 einen recht oberflächlichen Begriff haben."
Meine Herren! Der Mann, der das geschrieben, hat mich verlanden, und ich bin ihm dankbar, daß er in weiteren Kreisen des Volks diese Ansicht zn verbreiten gesucht hat. Lassen Sie mich noch ein Wort sprechen von unseren militärischen Bildungsanstalten, den Cadetten- j äusern. Sie sind hier angeführt worden, um auf sie zu exemplificiren, -nd es sind Wünsche laut geworden, ihre Einrichtungen auf die anderen höheren Schulen zu übertragen. Meine Herren! Das Cadettencorps ist stwas ganz Eigenartiges, e§ hat einen besonderen Zweck, es existirt für sich/ steht direct unter mir und berührt uns hier gar nicht.
Wenn ich kurz , resümire, so möchte ich noch, bevor ich schließe, auf einen anderen Grundlatz meines Hauses eingehen, der heute von einem hervorragenden Mitgliede citirt worden ist: „Süum cuique," das heißt: „Jedem das Seine" und nicht: „Allen dasselbe". Und das verfolgen wir auch gerade hier in dieser Versammlung mit dem, was Sie heute beschlossen haben. Bisher hat der Weg, wenn ich so sagen soll, von den Thermopylen über
Deutsches Reich.
* Hof- «nd Dkerfonal-Nachrichirw. Die Kaiserin befand to Donnerstag nach einer leidlich verbrachten Nacht recht wohl. Auch des Befinden des neugeborenen Prinzen ist normal. Jm Laufe des Donnerstag fuhren die höchsten Herrschaften, die Fürstlichkeiten und viele andere hochgestellte Personen im königlichen Schlosse vor, um aus Anlaß des eingt- tretenen freudigen Familren - Ereignisses ihre Glückwünsche abzustatt« eventuell ihre Namen in die ausgelegten Bücher einzutragen. — In Ki,i fand dieser Tage bei dem Prinzen und bei der Prinzessj« Heinrich eine größere Ball-Festlichkeit statt, zu welcher etwa 400 W- ladungen an alle Kreise der Provinz ergangen waren. Seit dem Febrm, 1886 hatte das Königliche Schloß nicht eine so zahlreiche Gesellschaft auf= genommen. — Bei der Durchfahrt nach Friedrichsruh wurde Für- Bismarck in Berlin, wie wir in Ergänzung unserer gestrigen kurzen M- theilnng noch berichten, von mehreren hundert Studenten ostentativ mit dem Liede: „Deutschland, Deutschland über Alles" begrüßt. Bismarck sch wohl aus. Er trug eine Pelzmütze und unterhielt sich vom Wagenfensta aus mit Studenten über das Wetter, die Schnelligkeit des Reisens gegen früher, und sprach seine Freude aus, wieder einen Schutzmann zu sehe« Ein Student belehrte Bismarck, daß die Börse seit seinem Rücktritt schlechte; Geschäft mache, worauf der Fürst erwiderte: „Aber Europa steht doch fest' Unter den Rufen: „Glückliche Reise, vergnügte Feiertage!" fuhr der Z«z ab. — Dem fürstlichen Haute Solms-Braunfels und den Bewohnen der Standesherrschaft ist eine Freude geworden durch die Geburt eine; Erbprinzen, die am 13. d. M. zu Frankfurt a. M., wo sich die fürstlitz Familie zur Zeit aufhült, erfolgt ist. Der letzgeborene Erbprinz bo« Solms-Braunfels ist der am 14. Dezember 1798 geborene erste Sohn te damals regierenden Fürsten Wilhelm, der spätere, noch in sehr gefegnefm Andenken stehende Fürst Ferdinand gewesen, nach dessen Tode dieFürsin- würde auf eine Seitenlinie übergegangen ist, der es bis jetzt indeß an einem männlichen jugendlichen Erben gefehlt hat. Zwei lebende Brüder des jetzige« Fürsten Georg besitzen keine Söhne.
* Jas Gernehu 88. Die Gewehrfrage hat bekanntlich in Deutsch- land ihre Lösung in der Einführung des Gewehres 88 gefunden, welchä theils in inländischen Staatsfabrikei!, theils in der Waffenfabrik Steyr iit Oberösterreich angefertigt mürbe, und mit welchem zur Zeit schon btt grüßte Theil der deutschen Fußtrupven bewaffnet ist. Wie das nach E» führung von Neuerungen auf militärischem Gebiete, sei es in tactiffc oder technischer Beziehung, Vorschrift ist, daß nach Ablauf einer gewiss!« I Spanne Zeit dem Kriegsministerium Bericht über die gemachten ’6i- fahnmgen, sowie etwaige Abänderungsvorschläge seitens der Command»? vom Regiments- bezw. selbstständigen Bataillöns-Commandeur aufwärts eingereicht werden, so liegt feit einigen Wochen auch ein solcher Bericht über die Erfahrungen, welche die Truppen mit dem Gewehr 88 und feint: Munition gemacht, höheren Orts vor, infolge dessen für die ganze S3e waffung der Armee, Infanterie wie Cavalleric, eine nicht unwesentlich! Aeuderung der Constrnction des Verschlusses des Gewehres btzo. Karabiners 88 bevorsteht. Es handelt sich um eine Aenderung des Str- schlußkopses eines Haupttheiles des Schlosses, welcher den Verschluß M Laufes vermittelt und rechts bezw. links den Auszieher und den Au» I Werfer trägt.
* Z erlitt, 19. Dez. Der Reichstag hatte zu Anfang dieses JaW I einen Beschluß dahin gefaßt, daß Einjahrig-Freiwillige, welche StudirtM I der Theologie einer innerhalb des deutschen Reiches bestehenden Kim I oder Religionsgefellschaft sind, in Friedenszeiten auf ihren Antrag nach I halbjährigem Dienste mit der Waffe das zweite Halbjahr in der Kranit«' I pflege dienen sollten. Der Bundesrath hat sich vor einigen Wochen iuu I dieser Angelegenheit beschäftigt. Dem Vernehmen nach hat es der Bundt» I rath abgelehnt, diesem Anträge Folge zu leisten. — Bei der Schlußsitzu"! 1 der Conferenz für das höhere Schulwesen wurde, wie die „Vosf. Ztz- I hört, der Cnltusminister von Goßler durch eine Aufmerksamkeit M I Kaisers überrascht. Er sand im Conferenzsaale das ihm gewidmete leben» I große Brustbild des Herrschers vor, welches die eigenhändige Unterton« I trägt: „Sic volo/eie jubeo“ (also will ich's, also befehl ich's.).
I wird kaum fehl gehen, wenn man in diesen Worten die Anweisung w I Herrschers für den Minister von Goßler erblickt, bei der ferneren M I Wickelung des höheren Unterrichtswesens ganz nach den in den Reden d» I Kaisers ausgesprochenen Grundsätzen zu verfahren ... Die Gabe I Kaisers versinnlicht zutreffend die Stellung, welche Herr v. Goßler inj” I streitigen Fragen des höheren Unterrichtswesens einnimmt. — Der W I anzeiger" publicirt das Gesetz betr. die Vereinigung Helgolano' I mit dem Den tschen Reiche. — Die Rangliste ist dem Kaiser fetto* | der Truppentheile künftig alljährlich zum 15. November einzureichen.
Kriegsminister hat demnach angeordner, daß die Ranglisten am 1. Nov°u | jeden Jahres abzuschließen sind. — Die „Vosf. Ztg." conftatirt, daß nE Den Ober-Landesgerichts räthen in Preußen sich zum ersten M' ein Israelit befinde.
* Rundschau im Reiche. Auf unerklärte Weise ist aus $ Infanterie-Kaserne in Münster ein Gewehrschloß des neuesten Moinu abhanden gekommen. Der Diebstahl erregt in militärischen Kreisen AufM»-
