Sette &
Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt.
Schweizer Rote-Kreuz-Schwestern in Tiroler Spitälern.
TU. Men, 20. Dez. (Sir. Bin.) In Innsbruck ist eine Anzahl Schweizer Rote-Kreuz-Schwestern eingctroffen, die vom Schweizer Roten Kreuz zur Pflege Verwundeter in Österreich zur Verfügung gestellt würden. Einige der Schwestern sind bereits nach Spitälern in anderen Städten Tirols weitergereist.
französische Anerkennung für die deutschen Gefangenenlager.
. TU. Paris, 20. Dez. (Ktr. Mn.) Der „Lemps" ver- offentlrcht seit einiger Zeit BeriÄe aus der Feder eines Sonderberichterstatters, der sich in Deutschland aufhält. Er ist Franzose, heißt Verdene und ist offenbar mit fremden Papieren versehen, denn es ist ihm gelungen, unter falscher Flagge segelnd, verschiedene deutsche Gefangenenlager, in denen sich Franzosen befinden, u. a. das in Zossen, zu besichtigen^ Er schreibt darüber: „Es ist mir zwar nicht gelungen, in die Umfriedigung des Lagers einzudringen, noch mit den Gefangenen zu sprechen. Jedoch konnte ich sic aus nächster Nähe sehen. Das Lager ist von.einem Staketen zaun umgeben. Die Gefangenen wohnen teils in Holzbaracken, teils in Zelten aus wasserdichtem grauen Tuch. In nächster Nähe des Lagers befinden sich Buden, in denen fliegende Händler allerhand für die Gefangenen zum Verkauf anbieten. Gutinformierte Leute haben mir erklärt, daß den Gefangenen alles zur Verfügung steht, was sie zu hygienischen Zwecken brauchen. Kaltes und warmes Wasser befindet sich in jeder Baracke, ebenso Seife. Ernährt werden sie ebenso wie die deutschen Soldaten selbst. Die Be. wachung des Lagers wird von Landsturmleuten ausgeübt Die Neugierigen, die im Anfang die Gefangenen sehr belästigten, werden jetzt in respektvoller Entfernung gehaltem Man mutz zugebmi, daß das Lager sehr gut organisiert ist. Die Sauberkeit erscheint, wenigstens äußerlich, makellos." In echt französischer Weise schließt der Berichterstatter seine ausführlichen Betrachtungen: „Welch Herzweh ergriff mich, als ich die roten Hosen aus den Zügen in das Lager kommen sah. Welche Gewalt mußte ich mir antun, ihnen nicht zuzurufen: „Grüß Gott, tapfere Soldaten Frankreichs! Haltet aus, die Befreiung wird bald kommen!" Der Bericht der schweizerischen Rote-Krcuz-Abordmmg über den Besuch in Berlin.
W. T-B. Genf, 10. Dez. (Nichtamtlich.) Das „Journal de Genäve" berichtet über den Besuch des Vorsitzenden des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Ador, und des Komiteemitgliedes Dr. Fc r r ihre bei dem deutschen Roten Kreuz und den Berliner Behörden. Beide seien von der Aufnahme in Berlin und besonders von dem Empfang beim Reichskanzler hocherfreut. Der Reichskanzler sei den beiden mit größtem Wohlwollen entgegengekommen. Sie hätten die Gefangenenlager von Magdeburg, Törgau und Zossen besichtigt und festgestellt, daß überall die größten Bemühungen herrschen, um die Härten der Gefangenschaft zu erleichtern. Es sei ein Abkommen geschlossen worden, um unter Kontrolle des Nationalen Komitees und der neutralen Delegierten die Verteilung notwendiger Hilfsgaben an deutsche und französische Gefangene zu ermöglichen. Deutschland stehe dem Austausch schwerverletzter, künftig felddien stunt^auglichen Gefangenen freundlich gegenüber.
Bus der 105. Verlustliste.
Mresdirdsrres TagblaK«
(Abkürzungen : verw. — verwundet, leichtv. — leicht Ort» wundst, fchwerb. — schwer verwundet. Verm. — vermißt, aei = aefangen V Rcservc-Jnfanterie-Regiment Nr. SO, Obcrlahnstcin, Wiesbaden, Höchst.
(Gefechte am 21. und 26. 11. 14.)
6. Komp.: Wehrm. Bender (Eltville) leichtv.: Wehrm. Schwank (Ranfäl) leichtv.; Res. Keim (Giesel) leichtv.
Berichtigung früherer Angaben.
6. Komp.: Res. Schönwetter (Sonnenberg) bisher verm. verwundet.
Pionier-Regiment Nr. 25 , Mainz.
(Ferme Papegoed am 29. 10.. Draaisbank am 1.. Kippe am 6, Hoeske am 7.. Bixschoote am 10., Dixmuiden am 11., Yser- Bvern-Kanql am 17. und andere Gefechte am 20. 2ö. 26 28' und 80. 11. und 1. 12. 14.)
Deutsches Reich.
* Bundesratsbeschlüsse. W. T-B. Berlin, 19. Dez. (Amtlich.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: die Vorlage, betreffend Änderung der Bekanntmachung über das Schlachten von Schweinen und Kälbern; die Entwürfe von Verordnungen über die Höchstpreise für Getreide, Kleie, Hafer usto. (vgl. besondere Artikel im Handelstcil). Ferner beschloß der Bundesrat, die Menge des zum steuerpflichtigen Jnlaudsverbrauch abzulaffeudeu Zuckers (die sogenannte sperrfreie Menge) bis zum 15. Januar 1915 nicht zu erhöhen.
* Geheimrat v. Pfister ß. W. T-B. M ü u ch e n . 19 Dez (Nichtamtlich.) Geh. Kommerzienrat Otto v. Pfister, ehe- moler Präsident der Handelskammer München, ist heute'nacht gestorben.
Wohltätige Vermächtnisse. Rr. Köln, 20. Dez. (Ktr. Bin.) Die vor einilgen Nlonaten verstorbene Gattin des Hoftals Johannes F a st e n r a t h, des Gründers der Kölner B l u m e n s p i e l e. hat in ihrem Testameut die Stadt Köln mit 100 000 M. bedacht zur weiteren Abhaltung der Kölner Blumenspiele. Falls diese nicht mehr stattfinden, fällt der Betrag der in der Hand der Stadt Köln befindlichen Johannes- Faftenrath-Stiftung zu. Die Stadt Rem scheid, der Geburtsort Fastenraths, erhält 50 000 M. als Fastenrath-Stif- tung, die Zinsen sollen alljährlich am Geburtstag Fastenraths als Geldspenden an verschämte Arme ohne Unterschied^ der Konfession verteilt werden. Alle Bilder, Möbel und Silber- gegenstände von künstlerischem Wert fallen der Stadt Köln und der Stadt Remscheid zu gleichen Teilen zu.
* Ein Hirtonschreibcn der deutschen Bischöfe. Köln, 21. Dez. Der kirchliche Anzeiger der Erzdiözese Köln veröffentlicht ein Hirtenschreiben der Erzbischöfe und Bischöfe des Deutschen Reiches, nach welchem am Sonntag, 10. Jan., ein allgemeiner Bußtag stattfinden soll.
Anderweitige Regelung der Paßpflicht. W. T-B. Ber- l in, 19. Dez. (Nichtamtlich.) Der „Reichsanzeiger" enthält eine am 1. Januar 1915 in Kraft tretende Verordnung, betreffend anderweite Regelung der Paßpflicht, in der es u. a. heißt: § 1: Bis auf weiteres ist jeder, der das Reichsgebiet verläßt oder aus dem Ausland in das Reichsgebiet eintritt, verpflichtet, sich durch einen Paß über seine Person auszu-
weisen; § 2: jeder Ausländer, der sich im Reichsgebiet auf batt, ist verpflichtet, sich durch einen Paß über seine Person auszuweisen; 8 9: diese Pässe müssen mit der Personalbeschreibung und Photographie des Paßinhabers aus neuester Zeit mit dessen eigenhändiger Unterschrift unter der Photographie, sowie mit einer amtlichen Bescheinigung . darüber versehen sein, daß der Paßinhabcr tatsächlich die durch btt Photographie dargestellte Person ist und die Unterschrift eigenhändig vollzogen hat. Ausländische Pässe müssen visiert werden. Die Visierung ist zu verweigern, wenn Bedenken gegen die Person des Pätzinhabers bestehen; 8 1: den wehrpflichtigen Deutschen im Julande dürfen Pässe nur mit Zustimmung des Bezirkskomma ii doö ausgestellt werden, im dessen Kontrolle sie stehen.
Die Zahl der in Deutschland weilenden Russen (ohne die Kriegsgefangenen) beträgt noch etwa 230 000. Den größten Teil hiervon stellen die nach Kriegsausbruch zurückgehal- tenen russischen Landarbeiter, deren Zahl auf 176 000 bis 200 000 geschätzt wird. Bon den übrigen noch in Deutschland wohnenden Russen leben rund 10 000 in Berlin. Nur ein geringer Prozentsatz von diesen ist als militärpflichtig Zuriickgehalten worden. Die überwiegende Mehrzahl ist freiwillig zurückgeblieben, teils weil diese Russen jahrelang in Berlin lebten und sich auch jetzt im Kriege hier noch Wähler fühlen als in Rußland, teils weil ihre Heimat in dem jetzt von Kämpfen erfüllten Russisch-Polen liegt.
* Die Aufwendungen der Stadt Berlin für die Arbeitslosen. Seit Einrichtun« der Arbeitslosenfürsovge. 14. September 1914, sind bis 29. November im ganzen 67 682 Gesuche etnfliflonaeü. Bewilligt waren bis zu diesem Tage 42 510 Gesuche. In dem genannten Zeitraum sind von der Stadt Ekt gezahlt worden Unterstützungen im Gesanitbetvage von 925 888 WC., an Zuschlägen zu den von Organisationen der Arbeiter und Angestellten gewährten Unterstützungen wurden von der Stadt 506 189 M.. zusammen also aus städtischen Mitteln 1 432 077 M. gezahlt.
Rechtspflege unö Verwaltung«
JM. Justiz-Personalien. Rechtsanwalt Daun in Weil- bstra fit zum Notar ernannt. — Die Referendare E b enau, Friedrich S t e r n im Bezirke- des Oberlandesgerichts zu Frankfurt a. M. wurden zu Gerichtsassessoren ernannr.
Heer unö Klotte.
Ausländische Generäle als preußische Regimentschefs.
Die Ernennung des k. k. österreichisch-ungarischen Generals der Infanterie, Chefs des Generalstabes für die gesamte bewaffnete Macht, Frhr. Conrad v. Höhen dar ff zum Chef des 5. Garde-Regiments zu Fuß erinnert daran,, daß einer seiner Vorgänger, Gras v. B e ck - R z i k o w s k y , 1906 Chef des 19. preußischen Infanterie-Regiments wurde. Ein anderer verdienter österreichischer General, Fürst Windischgrätz. war im vergangenen Jahrhuirdert Chef des preußischen 2. Dragoner-Regiments. Sonst waren im vorigen Jahrhundert von Generälen ftemder Heere Chefs preußischer Regimenter drei Russen: Feldmarschall Graf Paskiewitsch- Briwanski, Fürst vän Warschau (Grenadier-Regiment 1), Feldmarschall Graf Berg (Jnf.-Regt. 52), Fcldinarschall Fürst Bariatinski (14. Husaren,-Regt.), und ein Engländer, Herzog von Wellington (28. Jnf.-Regt.).
Benutzung der Schnellzüge durch beurlaubte Militärpersonen. , Im Einvernehmen mit den Eisenbahnverwaltungen ist bestimmt worden; Gegen Zahlung der tarifmäßigen Fahrgelder — Schnellzugszuschlag — kann mit Zustimmung des Bahnhofskommandanten — in Ermangelung eines solchen' des Bahnhofsvorstehers — beurlaubten Mili- tärpersonen vom Feldwebel usw. abwärts die Benutzung der D-Züge auch dann gestattet werden, wenn die Voraussetzungen über Dauer des Urlaubs (Unteroffizier höchstens 14, Mannschaften höchstens 8 Tag'e) und Mindest cntfernung (300 Kilometer) an deren Vorhandensein die Benutzung dieser Züge bisher geknüpft war (Militärische Aus- führungsbestimmungen 103,5 der Militär-Eisenbahn-Ord- nung 1. Teil), nicht vorliegen. Urlaubsdauer und Entfer, nung kommen also für die D-Zug-Benutzung bis auf wer teres nicht in Betracht. Die Bahnhofskommandanten usw. werden indes darauf hingewiefen, die Verkehrsvergünstigung nur zuzulassen, soweit besondere Umstände und die Besetzung der D-Züge dies rechtfertigen.
Ergänzung der Marineoffiziere während des Krieges. Wie das „Märineverordnuygsblatt" mitteilt, dürfen abweichend von der Marineordnung Offiziersaspiranten des Beurlaubtenstandes jederzeit zum Reserve- oder Seewehroffizier borgeschlagen werden, tvenn sie den Dienstgrad eines Fähnrichs, Deckoffiziers oder Bizedeckoffiziers, Feldwebels oder Mzefeldi^eLels erreicht haben. Kriegsfreiwillige mit Einjährigem-ZeugniZ sowie Einjährige dürfen abweichend von den bisherigen Fristen befördert und zu Offiziersaspiranten vorgeschlagen werden. Deckoffizieve, Unteroffiziere und Mannschaften des Beurlaubtenstandes dürfen zu Reserveoder Seewehroffizieren, des aktiven Friedensstandes zu Offizieren des aktiven Dienststandes vorgeschlagen werden, wenn sie die schon genannten Dienstgrade erreicht haben. Befördel rung zu Fähnrichen kommt, nicht in Betracht. Die Vorschläge zur Beförderung werden durch Vorschlagslisten dem Kaiser vorgelegt. Die Wahl zu Offizieren findet während des Krieges durch das Offizierkorps des Marineteils statt, bei dem sich zur Zeit der Wahl der zu Wählende befindet
Post und Eisenbahn.
RPA. Einrichtung des Postzeitungsdieustcs in Belgien. Am 1. Januar 1915 tritt _ in Belgien sin deutscher Post- zeitungsdienst in Wirksamkeit. Es werden zunächst von den Poftanstalten in Brüssel und Verniers Bestellungen des Pubili- kums auf deutsche Zeitungen und. Zeitschriften angenommen. Die einzelnen Exemplare werden unter Umschlag mit der persönlichen Adresse des Beziehers gegen Erhebung des in Deutschland geltenden Bezugspreises und der im Zeitungsdieust der Feldpost üblichen Umschlaggebühr befördert.
RPA.. Das UmrechnUngsverhältnis für Postanweisungen aus Dänemark nach Deutschland ist von der dänischen Postver waltung auf 100 M — 89 Kronen festgesetzt worden
RPA. Das Umrechnungsverhäfinis für Postanweisungen aus Schweden nach Deutschland ist von der schwedischen Post Veüvaltung auf 100 M. — 90 Kronen festgesetzt worden.
RPA. Postsendungen nach Rumänien dürfen bis auf weiteres nicht mit Nachnahme belastet werden. Sendungen mit Wertangabe und Postaufträge sind nach Rumänien einstweilen nicht zugielassen.
Dienstag, 22. Dezember 1914.
Nr. §93.
dringliche Gesetzesvorlagen abstimmen, unter ihnen auch über die Bewilligung der provisorischen Budget-Zwölftel. Die Kammer wird darauf als Budget-Ausschuß tagen, um Erklärungen der Regierung über einige nicht militärische Fragen entgegeuznnehmcn. Die zioeite Sitzung soll am Mittwoch oder Donnerstag stattfinden. Die Kammer wird ohne Debatte den Vorschlägen der Regierung zustimmen und eine ministerielle Erklärung anhören. — Der Senat wird tvahrscheinlich dieselbe Methode befolgen. — Der Budget- auss ch u ß nahm den Antrag auf Bewilligung der provisorischen Zwölftel an.
Die Lage des Krbeitsmavktes.
Nach dem Bericht des Mitteldeutschen Arbeit s- u ach we:sverbands über die Lage des Arbettsmarktes m Helfen, H e j s e rr - N a s s a u und W a l d e ck stand die Arbertsmarktlage im November unter dem Zeichen der Kr i e g s lr e f er u ug en und brachte für den Avbettsmarkt ungewöhnliche Verhältnisse. In allen Zweigen der Industrie, die mit MikitävauftrcWsn versehen waren, insbesondere in der Metallindustrie, ferner im der Automobilindustrie, Werkzeug- maschinenb.ranchc, Löderverarbeitnng, bestand ein solcher Bedarf an Arbeitskräften, daß er nur teilweise gedeckt werden konnte. Besonders stark war der Mangel cm Drehern, Bichern, Fräsern, Schmieden, Wagnern, Sattlern, Tapezierern, ^-chneidern, und Schuhmachern. In ziemlich bedeutendem Umfang wurde ein Übergang i n a n d e r e Berufe beobachtet. Schreiner machen Wagnerarbeiten, Tapezierer Sattlerarbeiten, ebenso Hutmacher. Da zudem im vorigen Monat zahlreiche Einberufungen erfolgten, stieg die Geschäftstätigkeit der Arbeitsnachtoeise ganz außerordentlich. So wurden beispielsweise irre der männlichen Abteilung des Arbeitsamts Frankfurt a. M. 2711 Stellen vermittelt, gegen 1550 im Vorjahr, in Kassel 802 (509), in Wiesbaden 781 (469), in Mainz 757 (353), in Darmstadt 594 (117), in Offenbach' a. M- 438 (286), in Gießen 64 (68), in Worms a. Rh. 200 (223). Auch die 'elektrische Industrie war gut beschäftigt, so weit sie mit Militäraufträgen versehen war. Ungünstig waren die Be- schäftrgnngsverhältniffe noch immer für die Gold-, Silber- und Gelbmetallarbeiter. Die in den einzelnen Berufen noch vorhandenen Arbeitslosen sind zum größten Teil ältere und er- werbsbeschränkte Personen, die auch in normalen Zetten den Arbettsmarkt belasten. Verhältnismäßig am stärksten' war die Arbeitslosigkeit im 'graphischen Gewerbe, hat aber auch hier erheblich abgenommen, da viele Buchdrucker und Schriftsetzer zu anderen Gewerben übergingen. Auch für das Baugewerbe war die Lage verhältnismäßig günstig, mit Aus- nahnie der Maler und Weißbinder. An tüchtigen Bauarbeitern, Maurern, Zimmerleuten, ferner Betonarbeitern und Erdarbeitern war teilweise empfindlicher Mangel, so daß von den Arbeitsnachweisen von der Annonce im größten Umfang Gebrauch gemacht wunde. Zur Deckung des Arbeitsbedarfs Hot der Mitteldeutsche Arbettsuachweisverband in großem Umfang mit den Bürgermeistern in kleineren Orten, in denen erfahrungsgemäß Bauarbeiter vorhanden find, verhandelt. Der Erfolg ist jedoch gegenüber verhältnismäßig günstigen Resultaten ftn Oktober im November verhältnismäßig gering gewesen. Aus dem gleichen Grunde konnten auch Aufträge nach wetteren Entfernungen, speziell auch in Gruben (Lothringen usw.), nicht erledigt werden, da im Verbandsge- biet reichlich Arbeitsgelegenheit vorhanden war. Settens der Cisenbahndirektion werden die Arbeiten an größeren B a h n b a u t e n dem Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband laufend mitgeteilt, so daß der Verband in immer größerem Umfang über die vorhandene Arbeitsgeksgeniheit orientiert war. Die von den Stödten eingerichteten Notstands- arb eiten wurden, so weit hier bekannt ist, in verhältnismäßig geringem Umfang in Anspruch genommen. Im Gcrst- wfttsgewerbe war die VermittlungstSfigkeit für feste Stellen infolge der vielen Einberufungen im letzten Monat nicht un- günffiger als im Vorjahr. Dagegen war für Aushilfskellner kerne Nachftage. In der L a n d w ir t scha ft war die Ver- mitttungstätigkeit im letzten Monat noch verhältnismäßig rege; es scheint jedoch, als ob im nächsten Frühjahr sich ein starker Mangel an Knechten bemerkbar machen werde. Die Landwirtschastskammern wurden vom Verband bereits darauf aufmerksam gemacht. Auf dem weiblichen Arbeits- Markt hoben sich ebenfalls die Verhältniffe günstiger gestaltet, insbesondere haben die von einer Reihe von Städten eingerichteten Nähstüben und Notstandsarbeiten für Frauen sich eines außerordentlichen Zuspruches zu erfreuen. Die bei dem Arbeitsamt Frankfurt a. M. eingerichtete besondere Wteilrmg für gewerbliche Arbeiterinnen Hai sich günstig entwickelt. Fm Monat November wurden 261 Schneiderinnen und Näherinnen! und 120 Fabrikarbeiterinnen untergebracht, gegen 4 bezw. 11 im Vorjahr. Bei der Vergebung von Militäraufträgen beteiligten sich viele Arbeitsnachweise direkt oder sie nahmen gemeinnützige Rähstube-n hierfür in Anspruch. Das neu errichtete Armee-BekleidungAamt Mainz-Kastel hat bereits ettien großen Teil von Aufträgen in dieser Weife vergeben. Die Einrichtung eines Ausbildunyskursus für Strohhutnähsrinnen znm Ersah der belgischen Arbeiter wurde in Frankfurt a. M. in die Wege geleitet. Auf dem Dien stb oten m ar kt sind die Verhältnisse ähnlich wie auch in früheren Jahren. Um die Weihnachtszeit wftd bekanntlich van Dienstboten wie auch von Herrschaften wenig gewechselt.
Ku§ §tadt und Land.
Wiesbadener Nachrichten.
Frankreich.
Die nächste ParlamcntSsefsion. \y. T-B. Pari'., 20. Dez. (Nichtamtlich ) Die nächste Session der Depntierteu- tammer wird zwei Sitzungen umfassen. Die erste findet am'Dienstag statt. Die Kammer wird über verschiedene
Wintersanfang.
Wer mrf die Minute genau wissen will, wenn der Winter anfängt, der frage bie Astronomen. Sie sagen: am 22. Dezember, uni 6 Uhr 23 Min. nachmittags, gelangt die Sonne in ihrer scheinbaren Jahresüahn aus dem Sternbilde des Slorpimis in das des Schützen, und damit beginnt der Winter. Der 22. Dezember ist für uns der kürzeste Tag, dagegen für die Bwoohner der Südhalbkugel der längste Tag. Bis zu dem Wintersanfang nimmt die Tageslänge stetig ab, darnach wieder stetig, wenn auch vorerst noch langsam, zu^, und zwar entfällt die Zunahme bis zum Jahvesschluß ausschließlich aus den tltachmittag, an dem die S ö n n c schon vom 20. Dezember an täglich wieder später u n t e r g e h tftwogegen sie Vormittag noch bis zum Jahresschluß täglich später auft- geht; erst mit dem Beginn des Januar erscheint die Sowie morgens früher über dem Horizont.
Von Interesse ist die Frage »ach dem wahr schein»« lichen Charakter einer b evor steherrd««
