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G*peditro«: Zarrggssse

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klagen. Aus Chicago wird Dorn' 11. d. M. gemeldet: Gestern Abend verrichtete ein hiesiger Gedankenleser ein seltenes Kunststück. Er ging mit einer Binde vor den Augen durch die belebten Straßen und sand im

Ia§Ä Mrd Sport.

* Die Stepponrvorft-. In der letzten Sitzung der Allg. Deutschen Ornithologischen Gesellschaft in Berlin sprach Herr Dr. Reichenow über eie Steppenweihe (Circus macrurusl;. Dieselbe, verschieden von den in Deutschland brütenden Weihenarten, ist erst in diesem Herbste auf einem Wanderzuge von Südrnßland bei uns cingekehrt und bereits in der Mark, Pommern und Westpreußen beobachtet worden. Die Ornithologie steht Vier vor einem jener rüthselhaftcn Einfülle östlicher Gäste in'deutsche Auren. So erregte im Jahre 1885 der berühmte Taunenhäherzug all­gemeines Staunen, so fesselten im Frühjahr 1889 die Steppenhühner die Aufmerksamkeit der Vogelkuiidigcn, so wurden die Rosenstaare im ver­gangenen Herbste eifrig beobachtet. Jetzt gilt es, jeden einzelnen Fall der Erlegung einer Steppenweihe festzustellen, damit möglichst viel Material Mr wissenschaftlichen Zusammenstellung des Verlaufes dieser Invasion guiani men getragen werde. Es ergeht deshalb an alle Jäger und Forstleute die Bitte, Nachrichten über erlegte Steppen weihen an Dr. Reichenow, Berlin N 4, König!. Musenm für Naturkunde, gelangen lauen, unter genauer Angabe von Fundort, Geschlecht, Datum der Erlegung und Beschreibung des Kleides, ob einfarbig oder gestrichelt. -veUlmmungstabelleu möge man von Dr. Reichenow erbitten. Das beste unterichetduiigsmerkmal der Steppenweihe von der Wiesenweihe ist: Winkel- mischnitt der ersten Schwinge auf der Jnnenfahne ungefähr 2 Zentimeter oon ben Deckfedern de? Fittigs: Wiesenweihe. Winkeleinschnitt der ersten Schwinge ans der Jnnenfahne dicht bei dem Ende der Deckfedern des SUttgs: Steppenweihe. Dieser Einschnitt ist bei der Steppenweihe niemals weiter als 1 Zentimeter von den Deckfedern entfernt

Vermischtes.

Nft» T-rge. Aus dem Schweuiuger'schen Sanatorium LS« T,t, eilt» oder vielmehr sind zwei Hotels geworden. Die

er*amm<un9 der Actieu - Gesellschaft Profesfor SchweningerS genehmigte cinitimmig die Auflösung des Vertrages mit llnb die Umgestaltung der Gesellschaft in die Firma di? Hotel Bellevue, Actien-Gesellschast. Hoffentlich betreiben

tnpS»^eilen ^J^ctoren das Entfettungs-Geschäft nicht weiter und geben eoer den Gasten, noch den Actionären Anlaß, über magere Zeiten zu i

Fremdenbuch eines Hotels einen Namen, dessen Auffindung ihm von dem Prüfungs-Ausschuß aufgegeben war. Bald nachher aber verfiel er in eine Starrsucht, ähnlich der des verstorbenen Gedankenlesers Irving Bifhop. Anfangs glaubte man, der Mann fei tobt,, es gelang jedoch den Aerzten, ihn ins Leben zurückzurufen. Man schreibt aus Ratibor: Unter der fltrchrbaren Anklage, durch Fahrlässigkeit 43 Personen um ihr Leben gebracht zu haben, stand dieser Tage der Ueberfährknecht Franz Czogalla vor der hiesigen Strafkammer. Der Angeklagte hatte in Thurze hiesigen Kreises die Oberfähre zu leiten. Am 15. Juni d. I. hatte er einen Kahn so stark mit Menschen (Stabern) überlastet, daß ber Stabil kenterte und 43 blühende Menschenleben in den Fluthen der Oder einen schrecklichen Tod fanden. Der Gerichtshof erkannte mit Rücksicht auf die frevelhafte Fahrlässigkeit des Angeklagten auf das höchste zulässige Strafmaß, und zwar aus 5 Jahre Gesangniß. Aus Würzburg wird folgendes Zeichen der Zeit gemeldet: Vor einigen Tagen wurde hier, ein Dienstmädchen ausgepfändet wegen einer Schuld von etlichen 20 Mark für Parfümerien! Die Ravensburger Staatsanwaltschaft dementirt die telegraphisch weiter verbreitete Nachricht dexUlmer Ztg.", betreffend Ver­haftung eines Nachtwächters in Friedrichshafen, sowie daß der ge­stohlene Po st beutel Untersuchungs-Acten enthielt. In Mühl­heim a. Rh. ist eine aus fünf Köpfen bestehende Familie infolge Genusses giftige.r Muscheln derart erkrankt, daß trotz schleunigst angewandter ärztlicher Hilfe nur wenig Hoffnung besteht, das eine oder andere Familien­glied dem Leben zu erhalten.

* Ein fcltfantcr Ausstand. Zur großen Verwunderung der Ein­wohner von Wittlich in der Rheinprovinz erschienen Ende vongerWoche die verschönernden Figaros nicht zur gewohnten Stunde. Diese Verwun- deruiig steigerte sich, als die zur Nachfrage ausgesandten Boten die Nach­richt brachten, an ber Atelierthür der Haarkünstler seien große Placate angeheftet mit der Aufschrift:Strike der Ra- und Frisirer. Honorar-Aufschlag 100 pCt. Vermittler wollen sich nach der Griebler'schen Bierbrauerei bemühen, wo das unterzeichnete Strike-Comilü während des ganzen Tages zu sprechen ist." Dieser ganz uuvermuthet ausgebrochene Ausstand versetzt natürlich die Einwohnerschaft in nicht geringe Bestürzung. Die Ausständischen erklären, daß sie um keines Haares Breite weichen werden, und ihr scharfes und schneidiges Auftreten läßt vermuthen, daß es sich nicht um bloßes Schaumschlagen handelt, sondern daß man ihnen schließlich glatt Alles bewilligen müssen wird. DüsKreisblatt", welchem diese inhaltschwere Meldung entnommen ist, fügt tröstlicher Weise hinzu, daß Ruhestörungen bis jetzt noch nicht vorgekommen seien.

* UedeI die Feueedestattung des Dichters Gottfried Keller in Zürich bringt die illustrirte ZeitschriftUeber Land und Meer", folgende Mittheilung:Der schlichte Tannensarg (des in Zürich verbrannten Dichters G. Keller), von Blumen überdeckt, wurde in das edel gehaltene Colmn- bartum getragen. Eine Klingel ertönt. Von unsichtbarer Straft geschoben, gleitet er leise vor eine eiserne Tbüre; sie öffnet sich. Eine sonnenähnliche Gluth umloht die Umrisse des Sarges einen Augenblick, und unhörbar schließt sich die Pforte. Ein furgcS Flammenbad und alle Schauer der Vernichtung sind aufgehoben. Ein erhabenerer, majestätischerer Eindruck ist undenkbar. Gewiß, der Vorgang dieses bedentenden Menschen bat der Sache der antiken, poetischen Feuerbestattung gegenüber dem prosaischen Verscharren viele Freunde gewonnen."

* Gin poetisches Dienst-Zengniß wurde in Heldrungen in Thüringen von einem dortigen Bauern-Gutsbesitzer einem abgehenden Knechte in folgender Form ausgestellt:

Inhaber dessen war ehrlich und treu, Und nicht zu vergessen auch ruhig dabei, Moralisch, gebildet, tugendhaft. Ein Feind von Branntwein, musterhaft; Fort ist er gegangen ans eigenem Willen, Mehr Lohn zu empfangen, den Beutel zu fällen."

* Spielereien eines Millionärs. Aus New-Aork wird ge­schrieben :Der -bekannte Millionär Alois Petcler, ein geborener Heidel­berger, hat vor Kurzem ein Bauwerk vollenben lassen, bas in seiner Art einzig dastehen dürfte. In Herrn PetelerS ausgedehntem Parke zu New- Dorp auf Skaten Island, etwa hnndert Schritte von.dcr Villa des Millio­närs entfernt und von den Fenstern der ersteren bequem zu überschauen, erhebt sich eine vollkommene Stadt, bei deren Anblick man sich in das Traumland Gullivers versetzt glaubt. Dieses moderne Liliput, welches sich im Parke zu New-Dorp vor den Augen des Beschauers ausbreitet, stellt die Heintathstadt des Millionärs, Heidelberg, bat. Die ganze Stadt, jedes einzelne Hans, die Tbürme, die Brücken, die Alleen sind mit geradezu photographischer Genauigkeit aufgefübrt und bestehen nicht etwa aus Papp­deckel oder Holz, sondern ans denjenigen Stoffen, die zur Aufführung wirklicher Städte benutzt werden: Stein, Mörtel und Eisen. Es waren I feine Anfertiger plastischer Kunstwerke, sondern Maurer, Schlosser, Zimmerleute, Erdarbeiter und Straßenpflasterer, welche das neue Heidelberg in Amerika unter der Oberleitung Mr. Petelers . auf­führten. Ueber die Dächer und Thürme, über die Zinnen des Heidelberger Schlosses und die grünen Baumkronen hin­

wegsehend, gewahrt man die Wasser des Neckar, die schäu­mend vorbeiztehen und die Täuschung vollkommen machen. Zum

Untergründe hat die Stadt einen fteineren Wall von 5 Fuß Höhe. Die Höhe der Häuser schwankt zwischen 1 und d'/z Fuß, die der Thiirme zwischen 8 und 11 Fuß, und die Grenzen der Stadt selbst umschließen fast den fünften Theil einer (englischen) Ouadratmeile. Von den Fenstern der ! Villa ans und besonders während des Abendsonnenscheines gesehen, soll das

Geldmarkt.

Rl. Frankfurter Körfrn-Mschsuvericht. Die Tendenz hat in den letzten Tagen.zu verschiedenen Malen umgeschlagen, indem sich ver­mehrtes Realisationsbedürfniß geltend machte, woraus das Publikum, jeden Preisrückgang ausnützend, immer wieder eingriff, so -daß der Wiederstand von dieser Seite eine eigentlich ernstliche Verflamuig, wie Mancher sie sich Angesichts, der näherrückenden Steuerreform ausgemalt hatte, nicht durch­brechen ließ. Was die neue Miguel'sche Gewerbesteuervorlage be­trifft, von der die Geschäftswelt, d. h. eigentlich nur das Groß-Capital in erhöhtem Maße Belastung durch stärkere Heranziehung befürchtet, so liegt darüber z. Zt. Authentisches noch nicht vor. Herr Mauel soll aber bereits genügend beruhigende Erklärungen abgegeben haben. Nicht 8 pCt., sondern 1 PCt. des Ertrages ist für die ersten Betriebe geplant. Die probeweise Veranlagung für Berlin .soll gegenüber den jetzigen Steuer­sätzen, da Alles unter 4000 Mk. befreit von Gewerbesteuer bliebe, einen erheblichen Ausfall gegen den alten Modus ausgewiesen haben, womrt die Frage der Durchführbarkeit nach gedachtem System noch sehr aus Zweifel stößt. Wenn aber dennoch nach dieser Richtung hin etwas geschieht, braucht die Börse darin keine anhaltenden Baissemotive, so wenig wie dies bei Einführung der procentualen Börsenumsaysteuer der , Fall war, zu erblicken, denn die Banken und sonstigen Jndustrie- Actiengesellschaften werden deswegen kaum merklich weniger Dividenden Vertheilen. Hauptsache ist und bleibt eine friedliche Entwickelung von Handel und Wandel, das Geld, dies zu bewirken, kann der Staat nicht missen, der kleine Mann ist bereits überlastet, der große findet bei ungestörtem Wirken tausendfach Gelegenheit, sich schadlos zu halten und die letzten Jahre hasten gerade dem deutschen Volke zur Genüge gezeigt, wie der nationale Reich- thum zunimmt, wenn die Welt vor Beunruhigungen bewahrt bleibt. Was die innere Situation der Börse betrifft, so lag bisher Alles nur auf einer Seite, d. h. nach oben, die Contremine hatte daher leichtes Spiel, Mitläufer für die infeenirte Rückwärtsbewegung, die sie für Banken, Oesterr. und Schweizer Eisenbahnactien und Bergwerksactien forcirte.zu finden. Die Conrs- verluste in Disconto-Antheilen, Oesterr. Creditactien, Berliner Handelsgesell­schaft, Dresdener Bank, Nationalbank f. D., waren erhebliche. Erholiingen folgten aber auf dem Fuße. Noch mehr trat dies bei Schweizer Centralbahn, Gotthard, Nordostbahn und Union hervor. Oesterreichische Staatsbahn, Galizier und Westböhmen waren beliebt und höher, Lomharden, Duxer und Elbthal matt. Deutsche Bahnen wenig verändert. Die Nähe der israelitischen Festtage hat auch mancherlei Realisirung in ausländischen tfonbs wie Zolltürken, Egyptern, Ungarn, Jtalieiiern bewirkt. Neue Mexikaner beliebt und höher, ebenso Serben. Gelsenkirchener BergwcrkSgesellschaft, Alpine, Westeregeln, Türkischer Tabak, Guano, Allgemeine Elekiricität, Internationale Elektricität gedrückt. Laura erholt, Höchster und Hauscner Brod steigend. '.Brauereien preisbehauptend. Deutsche Staatsfonds, Oesterreichische Prioritäten und Amerikaner fest. Türkische Loose, 1858er, 60er, 64er, Ungarische und Oldenburger Loose billiger. Als nächste Finanz- Operation ist die Conversioii 6 pCt. Rumänier, wegen welcher Herr von vausemann gegenwärtig in ber rumänischen Hauptstadt weilt, in Aussicht stehend. Privatdisconto 3^3'/s pCt.