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der Kaiserin am Bahnhof empfangen worden. — Zum Besuch des Großherzoglichen Paares trafen in Mainau der Großherzog von Oldenburg und der König von Rumänien ein.
* Bestich beirn Fürsten Wsrnarck. Die von Heilbronn nach Klsstngen gereisten Mitglieder der deutschen Partei — etwa 50 — wurden am 23. d. M. vom Fürsten Bismarck anf's Liebenswürdigste empfangen und bewirthet. Fürst Bismarck bemerkte u. 31., das jetzige beschauliche Leben bekomme ihm vortrefflich, er fühle sich so wohl, wie seit Jahrzehnten nicht. Die Ausfälle dcr Zeitungen gegen ihn betrachte er als Staub, den eine Bürste abwische. Er vertraue auf das Urtheil der Geschichte. Ein gute Grabschrift sei sein einziger Ehrgeiz. Schließlich ermahnte der Fürst die Schwaben bei etwaigen Wirren an das vor Paris vergossene Blut der Württemberger zu denken, das sei der festeste Kitt zur Einheit des Reiches. Der Besuch dauerte eine halbe Stunde.
* Generast-NrrfaAmrltmg der Katholiken Deutschlands. In der zweiten öffentlichen Katholiken - Versammlung zn Koblenz sprach D. Müller aus Wien über das katholische Priesterthum. Reichstags- Abgeordneter Schädler (Landau) sprach in packender, volksthümlicher Sprache über die katholische Presse, indem er in scharfe/Weise sich gegen dte schlechte und farblose Presse wendet und die Unterstützung der bewährten, von dem Bismarck'schen Vorwurf der Feigheit nicht berührten, katholischen Presse verlangt; er verurtheilt die Nörgelsucht gegen diese im eigenen Lager und wünscht einen engeren Anschluß der Priester an die Presse. Pfarrer . Schmitz (Trier) bespricht die Aufgaben gegenüber der Socialdemokratie und verlangt angesichts der veränderten Lage vom 1. October ab eine neue Organisation in der Bekämpfung derselben. Er schlägt vor: Verbreitung billiger socialpolitischer Schriften, Belehrung von der Kanzel, Beachtung der populären, fachvereinlichen Gedanken bei Gründung von Arbeiter-Ver- einen. Oberpfarrcr Schmitz (Crefeld) spricht zum Schluß über die christliche Schule und den achten deutschen Lehrertag, indem er sich scharf gegen die Dittes'sche Rede wendet und mit der Versammlung gegen die confessions- lose Schule protestirt.
* Girr Kolderteubrief. Nachstehenden Brief, der ein Bild von den Uwn erwähnten, durch die Hitze veranlaßten Truppenunfällen zwischen Wurzburg und Marktbreit gießt, ist dem „Berl. T." aus Marktbreit zur Veröffentlichung übergeben worden. Wir geben ihn unverändert wieder: »Llebe Eltern! Wir sind gestern von Würzburg abmarschirt zum Manöver. Der Weg war 5 Stunden weit und eine Hitze ist gewesen, daß bald Niemand mehr fort konnte. Einige von den Gefallenen sind gleich wieder nach Würzburg gefahren, wovon auch schon 3 gestorben sind. Von der 11. Compagnie fehlen noch 5 Mann, von welchen heute früh 3 Gewehre im Getreide gefunden sind: aber die Soldaten fehlen noch; es wird angenommen, daß sie in den Main, welcher dicht neben der Straße fließt, gesprungen sind. Von der Musik ist ausuahmsweise unterwegs keiner umgefallen, außer dem Capellmeister, welcher eine halbe Stunde vor Marktbreit liegen geblieben tft. Es war aber auch die höchste Zeit, als wir hier ankamen; denn es konnte fast kein Mann mehr vom Fleck. Vor der Hausthür sind noch die Meisten zuiammenaestürzt, da haben die Leute dcu Soldaten das Gepäck abgenommen und Wein und sonstige Belebuugsmittel gebracht, und viele wgar die Treppe 'raufgetragen. Das war ein wirklich trauriger Anblick, als wir hier ankamcn und immer einer nach dem anderen umfiel, viele Leute haben geweint. Alle Leute hatten was zum Erholen: Schnaps, Wem, Wäger, Tropfen und was sie überhaupt nur thun konnten. Das find hier aber auch sehr gute und reiche Leute. Wenn die Hitze aber so bleibt, weiß man nicht, wie viel wieder nach Würzburg zurückkommcn. Freitag über vier Wochen ist erst das Manöver aus. Morgen Nachmittag werden die zwei Tobten, die hier liegen, mit Musik beerdigt. Einer davon ist Reservist, verheirathet und Vater von drei Kindern.' Wenn ich das Manöver glücklich überstehe, werde ich wohl in Urlaub kommen."
* Aachsttzrnde Schulkinder sind ,,Gefangene" im Sinne des Gesetzes. Das ist das Neueste aus dem reichen Capitel der Gesetzes-Auslegung. Nach 8 120 des Reichs-Strafgesetzes wird' mit Gcfängniß bis zu drei Jahren bestraft, wer „einen Gefangenen aus der Gefaugenen-Anstalt oder aus der Gewalt der bewaffneten Macht des Beamten oder Desjenigen unter befielt Beaufsichtigung, Begleitung oder Bewachung er sich befindet' vorsätzlich betreu oder ihm zur Selbstbefreiung behilflich'ist". Dieser Bestimmung hat das Obcrlandcsgcricht in München die Anslequng gegeben daß eui tm Schul-Arrest befindlicher Knabe „Gefangener" im Sinne des § 120 sei. Em Mann hatte feinen sechsjährigen Sohn, welcher nachsitzen mutzte, aus dem nicht verschlosienen Schulzimmer ohne Erlaubniß des Lehrers abgeholt und war deshalb unter Anklage gestellt worden Das Landgericht zu Bayreuth lehnte die Verfolgung ab, auf die Beschwerde des Staatsanwalts ordnete aber das Oberlandesgericht in München die Erhebung der Anklage an, weil der Schul-Arrest sich als eine in gesetzlich gebilligter Form aus Gründen des öffentlichen Interesses verfügte Ent- ziehnng der persönlichen Freiheit darstelle, der Schüler also als Eemngener iin Sinne des 8 120 des St.-G.-B. zu betrachten sei! In der darauf stattgehabten Verhandlung blieb das Landgericht Bayreuth bei seiner Ansicht daß das Zurückbehalten fauler Schulkinder zum Zwecke der Nachholung ihrer mangelhaften Schnlarbeitcn nicht als Gefangenschaft im Sinne des Strafgesetzbuches angesehen werden könnte. Da der Staatsanwalt welcher eine Gefängnißstrafe von einem Tag beantragt hatte, wohl Revision ein» legen wird, so wird sich, demnächst das Reichsgericht mit der Frage zu beschäftigen haben, ob es in der Lage ist, der Ansicht des Münchener Öber- landesgerichtes beiznpflichten.
* Zer-lin, 27 3li,g., Die „Post" hatte unter starkem Zweifel die Mel^ing gebracht, Emin Pascha habe bei seiner Begegnung mit vr. Peters diesem em Schreiben an den deutschen General-Consul in Sansibar mitgegeben worin er diesem mittheilt, er wolle ein eigenes Reich :m Innern Slfrikas gründen. Dies wird von Dr Peters in d°r „Nat.-Ztg." ausdrücklich als aus der Luft gegriffen bezeichnet —
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Der Streit unter den SseinldeMokrnten nnd soeialistrsche Ausschreitungen.
Die Rede, welche Bebel am Dienstag vor etwa 7000 Zuhörern in der Brauerei Friedrichshain bei Berlin hielt, dauerte au zwei Stuuden. Redner wandte sich mit großer Scharfe und Erregtheit insbesondere gegen den anwesenden Dr. Wille. Bebel meinte, das Socialistengesetz sei nur auf Probe gefallen; denn die bürgerlichen Parteien warteten nur auf Ausschreitungen der Socialdemokratie, um einen Ersatz für dasselbe zu sch""?". Die Socialdemokratie habe es aber nicht uöthig, in revolutionären Phrasen zu machen, welche in sehr maßgebenden Kreisen mißfielen. Dem Reichstage ein socialistisches Programm entwickeln, hieße Perlen vor die Saue werfen. Dr. Wille, welcher alsdann ausführlich erwidern wollte, wurde niedergebrüllt, behauptete sich aber doch eine ganze Stunde lang, auf der Redner-Tribüne. Er warf der Fraction vor, daß sie sich an einer Socialreform betheilige, welche nichts weiter als Bauernfängerei lei. Singer vertheidigte die Fraction, während Baginsky und Werner in dem Sinne Willes sprachen. Zwischen den Genannten kam es zu lebhaften personltcyen Austritten, welche beinahe zu Thätlichkeiten führten. Niemals zuvor war bei einer Versammlung ein wüsteres Durcheinander und Gejohle gewesen. Die Versammlung hat die Gegensätze noch erheblich verschärft, so daß eine Einigung nun erst recht undenkbar ist. Kenner der socia- listischeii Lage meinen, Bebel habe trotz der großen Mehrheit, welche seine Resolution annahm, doch nur einen Pyrrhus-Sieg errungen. Die 1"ß Alle austoben, und so konnte denn ein charakteristisches Bild emcr großen, socialdemokratischen Versammlung entstehen. Die Resolution, welche gegen etwa 60 Stimmen angenommen wurde, lautet: „Die Versammlung erklärt die von verschiedenen Seiten ausgestellte Behauptung, die socialdemokratische Reichstags-Fraction sei corrumpirt, sie beabsichtige, die Partei zu vergewaltigen und sei bestrebt, die freie Meinungsäußerung in der Parteipreffe zu unterdrücken, für eine durch Nichts bewiesene schwere Beleidigung der Fraction beziehentlich der Parteileitung. Die Versammlung erklärt ferner die gegen die bisherige parlamentarische Thätigkeit der Fraction gerichteten Angriffe für ungerechtfertigt. Die Versammlung ersucht die Parteigenossen, alle und jede persönliche Polemik in der Presse und in Verfammliingen einzustellen und die Streitfragen der Entscheidung des Parteitages zu unterbreiten." — Während der Versammlung ist es natürlich auch „draußen" zu wilden Excessen ge- kominen, und die Gerüchte, daß die Polizei zu den Waffen greifen mutzte, dte im Sitzutigsfaale laut wurden, haben sich bestätigt. . Eine Berliner Local-Correspondenz schreibt darüber: Um 5 Uhr war der Zugang zur Brauerei schon gesperrt, doch die Zuzügler, die infolge eines Nachschubes doch noch Einlaß zu erlangen hofften, wichen nicht von der Stelle. Die Menge wuchs immer mehr an, bis sie gegen 8 Uhr wohl 10,000 betrug. Als gegen 8 Uhr Bebel in einer Drofchke erschien, durchbrach die Menge unter brausenden Hochrufen die Schutzmannskette. Die Polizei ließ jedoch nur Bebel ein und drängte die Menge wieder zurück. Um 9 Uhr nahm die Polizei die Verhaftung von zwei Männern vor, die sich ganz besonders renitent verhielten. Kanm hatte dies die Menge gesehen, als sie sich unter furchtbarem Lärm auf die Schutzleute stürzte, so daß sich schließlich die bedrängten Beamten der drohenden Masse gegenüber gezwungen sahen, blank zu ziehen. Darauf schienen die Unruhstifter nur gewartet zu haben, denn dieselben beantworteten nunmehr die letzte nochmalige Aufforderung der Schutzleute, sich zu entfernen, mit einem Stein-Bombardement, wozu sie das Material dem Platz am KönigSthor, der zur Zeit umgepflastert wird, entnahmen. Mehrere Schutzleute wurden wiegt. Alsbald gingen die Beamten rücksichtslos zum Angriff über; mit der flachen Klinge schlugen dieselben in die Menge hinein, welche sich zum Theil widersetzte, und nur nach großer Mühe gelang es, die Schaarcu nach dem Friedrichshain, dem Königsthor bezw. nach der Friedcnstraße bis zur Georgenkirchstraße zu treiben. Leider konnten nur wenige der Rowdies verhaftet werden, da dieselben in den Büschen des Friedrichshains reichlichen Schutz fanden. Die Anfragen bei der Polizei bezüglich der vorgekommenen Verletzungen wurden dahin beantwortet, daß mehrere Schutzleute durch Steinwürfe verletzt feien. Bezüglich der Verwundeten auf der anderen Seite war nichts Sicheres festzustellen, doch beruhen die Gerüchte, welche von Todten und Hunderten von Schwerverletzten sprechen, auf Unwahrheit. Eine größere Anzahl leichter Verwundungen kamen allerdings bei den Attaquen vor; auf der Sanitätswache in der Linien- firaße mußten die Personen, welche Säbelhiebe erhalten hatten, verbunden werden. In der Versammlung hatte man von diesen Ruhestörungen, die uiu 11 Uhr ihr Ende erreichten, keine Kenntniß. Gestern Abend setzte die Sraction ihren Versuch zur Beilegung des Zwistes fort, indem Liebknecht B ewe polizeilich genehmigte Versammlung im Osten Berlins abhielt.
Deutschss Reich.
* Kos-und Neufonal-Uachrichtert. Die kaiserlichen Prinzen j nnd Dienstag Abend 83y« Uhr von Saßnitz in Berlin eingetroffen und von e
