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Verlag Langgaffe S1

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stlontag, 21. Dezember 1914.

Kbend-ktusgabe.

Nr. 594. 62. Jahrgang.

Der Krieg.

Der Kaiser wieder an der Front.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 20. Dez. (Amtlich.) ^Kaiser hat sich, nachdem er vollständig wiederhergestcllt '**' aufs neue zur Front begeben.

Der Vormarsch in Polen.

Bis zu 50 Kilometer in einem Tag.

Berlin, 21. Dez. DaS Borrücken der dcutsch-östcrrcichisch- ''"garischen Truppen in Russisch-Polen vollzieht sich, wie von cm galizischen Kriegsschauplatz gemeldet wird, bewnn- rrnswert exakt. Die österreichisch-ungarische Armee Me bis zu 50 Kilometer an einem Tag zurück, att aeftdjtc- per russischen Wintrrvcrhältnissc eine stauncns- ^°«e Leistung.

Die Kricgsbcgeistcrniig der deutschen Freiwillige».

, Berlin, 21. Dez. Der nach dem westgalizischen Kampf­es abgezweigte deutsche Truppenteil kam gleich nach seiner ^ n Jünft in ein Gefecht. Unter der Mannschaft der betreffen- Regimenter befanden sich bis zu 60 Prozent Freiwillige. ll.Ese waren nicht zu halten und stürmten in der mehr- .^Rgen Schlacht von Lomanowa die von den Russen be- ^hten Abhänge von Mardarkar mit wahrer Tadesver- . ch t u n g. Die verwundet aus der Front gebrachten Deut- Mn genossen unterwegs liebevolle Pflege. In Saybusch be- ^rbcrgte Erzherzog Karl Stephan die verwundeten deutschen Offiziere auf seinem Schloß.

Oie Lage in Marschau.

, T. 17. London, 20. Dez. (Ktr. Bln.) Hiesige Blätter, un- ^ anderem derDaily Telegraph", vc.röfsentLchen Wer h^ersburg interessante Informationen von dem ^rugenblick- Leben in Warschau und Umgebung. Darnach dauert ^Flucht der Bevölkerung aus der Hauptstadt Polens un­terbrochen fort. Die wohlhabende Bevölkerung be- unerhörte Preise für A u t o m o b i l f a h r t e n von wenigen Kilometern vis zur nächsten Eisenbahnstation ,.!"'-ch Warschaus. Die direkten Linien nach Warschau sind Tätlich von den Militärbehörden besetzt, alle Bahnhöfe liegen Äer Truppen und für Zivilpersonen existiert keinerlei .^glichkeit mehr, aus der Stadt Warschau selbst mit der Bahn ^ ^UHzukommen. Die billigste Fahrt mit einem Kraft- ,^Sen zum ersten Eisenbahnanschlußpunkt, der für Zivilisten , häugig sssi stellt sich durchschnittlich auf 500 Rubel. Die ^ rn^e r e Bevölkerung benutzt jede nur Lenkbare Form, um J* Stadt zu verlassen. Man sieht zahllose von Hunden ^Kene Schlitten mit allerlei HauSgerät, das die Familien ä, Sicherheit zu bringen trachten. Außer von den Deutschen ^ aber Warschau noch von einem zweiten Feind bedroht, näm- $ einer Hungersnot. Durch die Flucht ded ganzen ^.^öevölkerung ist die Lebensmittelcinfuhr für die große h, M unterbrochen und für die einfachsten Nahrungsmittel S z, " Phantastische Preise bezahlt. Die Butter kostet zirka Vlto I» ® er ' dkilch usw. sind überhaupt nicht mehr zu haben. ^ "ermann in der Stadt ist der festen Überzeugung, daß die e schietzung der Autzenwerke durch die Deutschen ^ürittelbar bevorsteht, falls nicht die russischen Militärbe- ,>i?Ea ein Einsehen haben und die Stadt räumen, um sie den Schrecken der Belagerung.auszusetzen.

^ amtliche österreichssch-unoari ^ e Verich

Russen in den Karpathen weiter zurückqcworfen. Erfolgreiche österreichische Angriffe bei Krosno. d W-T.-B. Wien, 20. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich wird j, ^^Utbart: 20. Dezember, mittags: In den Karpathen wur- j/ 1 Sestern die feindlichen Bortruppen in dem Latorcza- ^ ü ck g e w o r f c n. Nordöstlich des Lnpkower Passes ent­min sich größere Kämpfe,

... Urtfer Angriff aus der Front KroSno-Zakliczyi ^aun überall Raum. Im Bialla-Tal drangen unsere n ^Spen bis T u ch o w vor. Die Kämpfe am unteren Dunajec ^ern fort.

Die Russen haben sich somit in Galizien neuer» ^Fs gestellt. In Südpolen erreichten wir die Nid a.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. H ö f e r , Feldmarschalleutnant.

Bedrohung des linken Flügels des russischen Heeres.

17. Mailand, 10. Dez. (Ktr. Bln.) Die Zeitung .sslpa" erfährt aus Petersburg, daß das starke Vorschrei» ^österreichischer Kolonnen, die den Duklapaß über» Ij^^en haben, den linken Flügel des russischen Heeres süd- fekort Krakau stark bedrohe. Der amtliche Bericht ver- diese Tatsache, verzichtet aber auf jede Zusatzbemer-

Rn denMarschall vorwärts" des 20. Jahrhunderts.

* Breslau, 21. Dez. (Eig. Drahkbericht. Ktr. Bln.l d. ü "iegnitzer Regierungspräsident sandte an Feldmarschall j^Srvdenburg ein Danktelegramm, worin erklärt wird, Befreier Deutschlands vom R u s se n e i n- dem MarschallVorwärts" des 20. Jahrhun- He'« j 0 ' 6 ^der Stamm des Reiches das n i ed e r sch l e s i- ® e fÜTi'* n Dankbarkeit und Begeisterung mit den gleichen Aen huldige wie die Urgroßväter vor 100 Jahren ihrem

Blücher. Auch der Generaloberst v. W o y r s ch, der Führer der schlesischen Landwehr im Osten, erhielt ein Danktelegramm der Niederschlesier.

französische Militärkritikrer über den Zusammen­bruch der russischen Offensive.

. Br. Paris, 21. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die hiesigen Militärkritiker suchen den ungeheuren Eindruck der Berichte des deutschen Generalstabs über die russische Niederlage in Polen ab,zuschwächen. Die Taktik der Fachleute hat sich jedoch anscheinend auf ein von oben gegebenes Stichwort insofern geändert, als nicht mehr der Versuch gemacht wird, die Selbsttäuschung des Publikums über die Wirklichkeit der russischen Hilfe aufrecht zu erhalten. Es wird zu­gegeben, daß vor Ende des Winters keinerlei neue Offensive der Russen erwartet werden kann. Die Auffassung, die man den: Publikum beizubringen wünscht, spiegelt sich in folgender Auslassung des Petit Parisien" wider:Der russische Vormarsch ist

momentan zuni Stehen gebracht. Einen ungünstigen Einfluß auf die gesamte Lage hat dies nicht. Wir müssen nach der Parole handeln: Jeder für sich, Gott für uns alle."

Das erfolgreiche deutsch-österreichische Zusammenwirken.

W. T.-B Wien, 20. Dez. (Nichtamtlich.) Anknüpfend an das Telegramm, durch welches der schlesische Provinzial- ausschuz den Feldmarschall b. Hindenburg zu dem durch seine zielbewußte Führung und durch den heldenmütigen Kampf der österreichisch-ungarischen Truppen zusammenge­brochenen Ansturm der russischen Übermacht auf Schlesien dankbar beglückwünscht, sagt dasDeutsche Volks- blatt": Mit inniger Freude und lebhafter Genugtuung dürfen wir dieses Dokument deutscher Dankbarkeit verzeich­nen. Fürwahr, cs ist ein herrliches Bild der vollkommensten E i n i x> k e i t und der begeistertsten Bund es treue, das die Kämpfe in Polen und Galizien in jeder Phase gezeigt baben, in trüben Tagen und später, da die genialen Ent­schlüsse der verbündeten Völker die angestrebt en Früchte zu tragen begannen. So wie die österreichisch-ungarischen Truppen unter deutschen Heerführern heldenmütig, pflicht­eifrig und selbstlos kämpfen und nur darauf bedacht sind, den Absichten und Befehlen des sieggewohnten Generalissimus in jeder Hinsicht gerecht zu werden, so fechten mit der­selben Pflichttreue deutsche Truppen unter dem Kom­mando loher österreichischer Generale. Von H i n d e n- b urg und Hötzendarsf, vereint in der Ausarbeitung ihrer grandiosen Pläne, die dann von den österreichisch- ungarischen und deutschen Truppen gemeinsam in edelstem Wettstreite treuester Pflichterfüllung durchgeführt wurden, dieses Bild bietet die beste Gewähr dafür, daß die herrliche Harmonie zwischen den beiden verbündeten Heeren an Haupt und Gliedern auch in aller Zukunft bestehen bleibt bis zum ehrenvollen und, wie wir zuversichtlich hoffen, siegreichen ge­meinsamen Friedensschluß.

Erzherzog Karl Kranz Joseph in ver Vustowina.

W. T--B. Dornawatra, 20. Dez. (Nichtamtlich.) Erz­herzog Karl Franz Joseph besuchte ani 17. bis 19. Dezember die Bukowina, um die dort stehenden Truppen zu besichtigen, sich von den Kriegsschäden tu diesem durch die Kriegseretg- nisse schwer heimgesuchten Lande zu überzeugen und der Be­völkerung Trost und Hilfe zu bringen. Der Erzherzog begab sich auf die Westfront und die Ostfront der österreichisch- ungarischen Truppen bis in die vordersten Schützengräben und zu exponierten Feldwachen. Er sprach den Offizieren und Mannschaften seine vollste Anerkennung und sein für­sorgliches Interesse für das Wohlbefinden und die Bedürf­nisse der Truppen aus, was die Soldaten mit unbeschreib­licher Freude erfüllte. Überall wurden dem Erzherzog von der Bevölkerung begeisterte Huldigungen dargebracht. Der Erzherzog, der auf die Huldigungsan sprachen in deutscher und rumänischer Sprache erwiderte, eroberte durch seine von Herzen kommende, echte Leutseligkeit und sein gewinnendes Auftreten und die innige Teilnahme am Lose des durch den Krieg geschädigten Landes die Herzen der gan­zen Bevölkerung der Bukowina im Sturme. Die Kund­gebungen waren durchaus spontan, ha die Reise nirgends an­gekündigt war.

Oie revolutionäre Gärung in Rußland.

Neue Sozialistcnverhaftungeir.

1. II- Rom, 21. Dez. Wie dieVittoria" aus Bukarest erfährt, wurden in Petersburg 30 Sozialistenführer verhaftet, die sich nach der Hauptstadt begeben hatten, um gegen die Einkerkerung der sechs sozialistischen Duma» Mitglieder zu protestieren. Die Gärung im Reiche wächst. So soll ein revolutionäres Komitee Millionen auf­rührerischer Aufrufe im Volk und in der Armee verbreitet haben.

Haussuchungen bei der Gräfin Tolstoi.

T. U. Petersburg, 21. Dez. (Ktr. Bln.) In derNowoje Wremja" beklagt sich Gräfin Tolstoi, die 70jährige Witwe des Grasen Leo Tolstoi, daß in diesen Tagen die Polizei nachts auf rhrem Landgut Jasnaja Poljana eine Haussuchung abge­halten hat. Trotz der Proteste der Gräfin wurde das

ibliothekzimmer von unten bis oben durchsucht, da der Bibliothekar im Verdacht stehe, revolutionä­re n Bestrebungen ^ zu huldigen. Durch das Ilmstoßen einer Petroleumlampe wäre beinahe ein Brand ausgebrochen. Die Gräfin beklagt sich bitter, daß derartiges in ihrem Hause vor­genommen werde.

Die Zareufamilic in Woronesch.

_W. T.-B. Woronesch. 20. Dez. (Nichtamtlich.) Der Mörser ist gestern aus Nowotschenstc angekommcn. Die Kaiserin mit den Prinzessinnen Clga und Tatjana ist aus» Charkow hergekommen. Das Kaiserpaar besuchte die Lazn. rette, in welchen der Kaiser an die Verwundeten Auszeich» nungen verteilte. Um 6 Uhr abends erfolgte die Abreise.

Bulgariens Kreude über die Wendung in polen.

stck. Sofia, 20. Dez. Die letzten deutschen Siege machen hier starken Eindruck, wohingegen die serbischen Erfolge in nüchternen polttischen Kreisen auf das richtige Maß zu­rückgeschraubt werden. Weiß man doch hier, daß trotz allem nicht mehr ernstlich vom Vorhandensein einer serbi­schen Armee gesprochen werden kann und sogar serbische chauvinistische Kreise zugeben nrüssen, von der serbischen Armee keine weiteren Leistungen mehr zu er­warten, die übrigens vergeblich wären, da auch serbischen maßgebenden Kreisen einleuchte, daß die Entscheidung über Serbiens Schicksal auf den polnischen Schlacht­feldern fällt. (Franks. Ztg.)

W T.-B. Sofia, 20. Dez. (Nichtamtlich.) Das Mait Kambana" bespricht die große russische Niederlage und sagt: Die bloße Möglichkeit eines Sieges Rußlands er­regte ein Z i t t e r n bei allen Neutralen vom Süden bis zunr Norden. Glücklicherweise sind die russischen Kerntruppen bereits besiegt. Damit entschwebt diese Gefahr. Besonders wir Bulgaren sind erfreut über die rustische Nieder­lage, weil auch Rußland sich über das Unglück Bulgariens gefreut bat, und weil nunmehr das größte Hindernis für die Verwirklichung der Ideale des bulgari­schen Volles beseitigt worden ist. Der Zusammenbruch der russischen Armee ist nicht nur ein Segen für die ganze Kultur­welt, sondern bedeutet auch eine Befreiung des russischen Volkes von den Ketten des Zarismus.

Die Lage im westen.

voNständiga Absperrung der belgisch- holländischen Grenze.

T. U. Düsseldorf, 20. Dez. (Ktr. Bln.) DerDüsseldorfer Generalanzeiger" empfängt von seinem Brüsseler Vertreter ans zuständiger Quelle die Mitteilung, daß zur künftigen Ver­minderung vorgekommener Spionage von jetzt ab die bel­gisch-holländische Grenze vollständig g e s p e r r t ist. Für den Auslandsverkehr bleibt. der belgischen Bevölkerung nur mehr die deutsch-belgische Grenze offen. Passier­scheine zum überschreiten der belgischen Grenze werden aber auch nur deutschen Reichsangehörigen und den Angehörigen von nicht im Kriegszustand befindlichen Staaten ausgestellt, wenn der Zweck der Reise genügend begründet weüden kann. Pässe an Angehörige feindlicher Staaten wer» den nicht ausgeliefert.

Auf der Wacht vor deutschen Flugzeugen.

T. II- Stockholm, 21. Dez. (Ktr. Bln.) Nach einem Privattelegramm desSvcnÄa Dagbladet" befürchtet man einen nächtlichen Angriff von deutschen Flugzeugen auf Paris. Französische Flieger haben in den letzten Nächten ständig über Paris patrouilliert, um etwaige Über» raschungen zu verhindern.

Fortgesetzte Kämpfe an der pser.

Br. Amsterdam, 21. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) DerTelegraaf" meldet aris Sluis: Der Kamps an Her Äser wird bei ungünstigem Wetter hef­tig fortgesetzt. Die Gerüchte von der Besetzung von Ostende sind natürlich falsch. Viele Küstenorte sind von der Bevölkerung verlassen worden. Auch bei Dir- muiden und Apern wird gekämpft. Daß Rousselaer von den Verbündeten besetzt ist, ist nicht wahr. Der Kampf tobt noch immer zwischen dieser Stadt und Apern.

Reue heftige veschietzung von Rrmentkvres.

T. U. Paris, 20. Dez. (Ktr. Bln.) Nach Blättermeldun- gen aus der Front sind in der Nacht vom Freitag zum Sams­tag von neuem eine ganze Anzahl deuffcher Granaten nach Avmentisres und Umgebung gesandt worden. Die Geschosse müssen aus Geschützen größten Kalibers gesendet worden sein, deren Standort aus mindestens 12 Kilometer Ent­fernung geschätzt wird. - Ebenso wurden die französische!: H ö h e n b e f e st i g u n g e n bei Houplines und Bezer be­schossen. In Armentieres . wurden mehrere Häuser v o l l- k o m m e it z e r st ö r t. Die Bevölkerung ergriff eine Panik, und Hunderte versuchten, die Stadt zu verlassen. Die Militär­behörden ergriffen energische Maßnahmen, da sonst das plan­lose Umherlaufcn der Zivilbevölkerung die Truppenbewegun­gen^ sehr erschwert hätte. Gleichzeitig wurden Maueranschläge airgeklebt, die die Bevölkerung beruhigen sollten, und in denen erklärt wurde, daß es sich um keine planmäßige Beschießung handeln könne, sondern nur uni sogenannte Blindgänger. über den deutschen Stellungen in Dixmuiden wurde zum erstenmal seit langer Zeit wieder ein Zeppelinluft-