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Wiesbadener Tagblatt.
N». 150
Gatten lebte Makrena Stankobics in stetem Unfrieden, nnd einigen Nachbarinnen gegenüber rühmte sie sich, ein Papier zu besitzen, mit welchem man jedem Menschen das Lebenslicht ausblasen könne. Die Verhandlungen werden voraussichtlich längere Zeit dauern.
* Rauchloses Pulver. Die „Triester Zeitg." enthält folgende Zuschrift: „In den verschiedenen Tagesblättern kann man sehr lange Artikel über das rauchlose Pulver lesen. Dies ist aber keine neue Erfindung. Schon vor meiner Assentirung im Jahre 1872 oder 1873, als ich mich titel mit der Jagd befaßte, erzählte mir mein Freund, er habe in Erfahrung gebracht, daß Wilddiebe auf eine Weise das gewöhnliche Schießpulver präpanren, wodurch dasselbe gänzlich rauchlos wird, und auch der Knall beiweitem nicht so stark ist, tote sonst. Nachdem er den genauen Vorgang erfahren, unternahm er einige Proben, die sich sehr gut bewährten; die Proben aber machte er immer mit kleinen Quantitäten. Das Pulver wurde in einen Tülllappen eingebunden, sodann in eine dicke Schichte Teig (gewöhnlich aus Gerstenmehl) eingeknetet und wie Brod im Backofen gebacken, darauf wieder aus dem Brodlaib herausgeuommen, aufgebunden und, ohne es zu mischen, an der Luft getrocknet, bis es wieder brauchbar wurde. Ich selbst schoß mehrere Male mit solchem Pulver und überzeugte mich, daß selbes gänzlich rauchlos ist. Auch an Kraft schien dasselbe nicht verloren zn haben, doch kann ich dies nicht mit Bestimmtheit behaupten, da ich nie mit Pro- jectilen, sondern nur mit Schrot auf kurze Distancen, wie es eben bei der Jagd vorkommt, geschossen habe. Mit aller Hochachtung ergebenst Franz Marn, Südbahn-Conducteur."
* Der: Aussatz ist seit dem Mittelalter aus dem westlichen Europa ganz verschwunden; doch im Orient hat sich dies schreckliche Uebel erhalten. So gießt cs in Konstantinopel über 400 Aussätzige jeden Geschlechtes und Alters; die meisten davon sind arme Juden, bei welchen diese Krankheit durch die in den von ihnen bewohnten Stadttheilen (Hasköi, Kusgundschnk u. s. w.) herrschende Unreinlichkeit verursacht wird; etn anderer Grund ist die von diesen größtentheils dem ärmsten Stande angehörenden Leuten gebrauchte ungesunde Nahrung, wie fette Oelspeisen und in Salz eingemachtes Fleisch und Fische. Es existirt im Stadtviertel Scutari ein Asyl für Aussätzige; doch dort werden nur Muselmanen angenommen. Ein anderes Asyl hat Dr. Zambako Pascha gegründet, wo täglich 30 — 40 Kranke unentgeltlich behandelt werden; manche von ihnen machen bis dorthin einen Weg von zwei bis drei Stunden. Doch das menschenfreundliche Unternehmen laugt nicht für die große Anzahl der Unglücklichen. Man hofft in nächster Zeit ein geräumiges Hospital für diese vou der Welt verachteten und gemiedenen Geschöpfe errichten zu können.
* Eine neue Regimentstochter, die sechszehnjährige wunderschöne Marie Keksholni, deren Vater das russische Grenadier-Regiment des Kaisers von Oesterreich „Keksholm" ist, hat im Alexander-Marien-Jnstitut zu Warschau ihre Erziehung abgeschlossen, ein Ereigniß, welches vom ganzen Regiment durch ein großes Fest gefeiert wurde. — Im letzten türkischen Kriege fanden einige Soldaten des Regiments „Keksholm" in einem von seinen Bewohnern verlassenen Dorfe ein hübsches vierjähriges Mädchen, welches seine beim Heranrücken der Russen geflohenen Eltern in der allgemeinen Verwirrung mitzunehmen vergessen hatten. In einer Be- rathung beschlossen die Soldaten, ihre kleine Gefangene, die nur türkisch verstand, und von der nicht einmal der Name zu erfahren war, seitens des ganzen Regiments als Tochter anzunehmen, worauf eine ans Vertretern der einzelnen Compagnien gebildete Abordnung den Findling an den Oberst des Regiments, den jetzigen Chef der elften russischen Infanterie-Division General Panjutin, mit der Bitte ablieferte, das Türkenkind in seinem Hause aufztinehmen und es auf Regimentskosten erziehen zu lassen. Jetzt ist die namenlose kleine Mohamedanerin zu einer schönen, hochgebildeten jungen Dame herangewachsen, die beim Verlassen des Alexander-Marien-Jnstituts zur Erinnerung und aus Dankbarkeit ihrem Vater, dem Regiment, mit Hilfe einiger Jnstitutsfreundinnen ein prachtvolles Kissen stickte. In einer Ecke dieses Kunstwerkes befinden sich die Worte: „Mascha Keksholm, Tochter des Grenadier-Regiments Kaiser von Oesterreich, Keksholm, 12. Januar 1878 — 5. Juni 1890". Mit dem Abschluß der Erziehung „ihres Kindes" glauben die Keksholmer übrigens keineswegs ihrer freiwillig übernommenen Vaterpflichten los und ledig zn fein. Vielmehr wird im Standguartier des Regiments jetzt die Frage eifrig erörtert, ob es nicht an der Zeit wäre, der Maschenka für ihren weiteren Lebensunterhalt eine reiche Aussteuer zu geben.
* Untergang der Blondinen. Nach der Statistik eines englischen Physiologen ist in berechenbarer Zeit das vollständige Verschwinden des blonden Haares zu befürchten. Er weist nach, daß bei allen Erwachsenen die Haare bedeutend nachdunkeln, besonders beim männlichen Geschlecht, wo die nachträgliche Dunkelung des Haares 55 pCt. betragen soll. Bei den Frauen ist das Verhältniß, vielleicht infolge des Minderbedarfs an Fettstoffen zur Glättung des Haares, ein geringeres, gleichwohl nimmt auch bei ihnen die Dunkelung so weit zu, daß bei den Kindern das stärkere Hervortreten des dunkeln Haares ziffermäßig fest- gestellt werden konnte. Es kommt aber noch der Umstand hinzu, daß sich die Blondinen weit weniger verheiratheu als die Brünetten. Derselbe Physiologe stellte die Farbe des Haares von 5000 Frauen über dreißig Jahren tjt einer mittleren Stadt Englands fest, wobei sich das Ver- hältniß der Hellen zn den Dunkeln wie zwei zu drei stellte. Von 100 Blondinen aber waren nur 55 verheirathet, dagegen von 100 Brünetten 79. Dieser Statistiker meint deshalb, daß nach etwa 200 Jahren in England die Blondinen fast verschwunden sein würden. Man wird jedoch auch zugeben müssen, daß auch in Deutschland das blonde Haar der Germaninnen, von dem iTacitcus berichtet, ebenfalls schon merklich im Ver- fchwiuden begriffen ist.
* Alma Tadema, der als Anecdotenerzähler fast ebenso hervorragend ist, wie als Maler, gab bei seinem jüngsten Besuch in Berlin seinen Breimbeit nachstehendes Geschichtchen aus der englischen Gesellschaft zum esten. Ein würdiger Professor wird von einer Aristokratin zum 3tuet geladen. Der Tag ist heiß, der Wein kühl, der Durst des Professors groß und die Nachbarin, mit welcher der Gelehrte sehr angeregt plaudert, füll! dessen Glas, so oft es nur immer geleert wird. Als sich die Gesellschaft vom Tische erhebt, merkt der Professor zu seiner Bestürzung, daß er unsicher auf den Füßen steht. Aengstlich bestrebt, seine Würde zu bewahren, begießt sich der leicht Beneßelte in den Salon, wo die Hausfrau, welche zwei Monate vorher einem Zwillingspaar das Leden gegeben, dem Verlangen ihrer Freundinnen nachgiebt und die Bonne mit den Zwillingen hereinrnft. Die beiden Kinder liegen neben einander im Stechkissen und die Bonne präfentirt dieselben zuerst dem ihr zunächst stehenden Professor. Dieser betrachtet das Pärchen sehr genau und sagt dann mit schwer« Zunge: „Wahrhaftig, ein ganz allerliebstes Kind!"
* Humoristisches. Im Kurhaus. Wirth: „O, ich erinnere mich noch recht gut, Sie waren ja auch voriges Jahr mit Ihrer Frau Gemahlin da, aber ich finde die Dame sehr verändert, sie ist jetzt fchlanker." „Ja, ein wenig." „Und sie war auch größer." „Unmerklich." „Und dann trug sie nicht helleres Haar?" „Ja, ja, übrigens unter uns gesagt, es ist ja auch nicht dieselbe!" — Zur Landeskunde. „Nun, Herr Baron, was hat Ihnen denn in der Schweiz am besten gefallen?" - „Hm! — die schönen Engländerinnen." — Auf der Jagd. „Was ist denn das! Der junge Doctor schießt ja einen Treiber nach dem andern an?" „Nun ja, der schießt sich Patienten." — Richter: „Wie all sind Sie?" Zengin: „Muß ich diese Frage beantworten?" Richter: „Sie müssen." Zengin: „Und mein Anwalt behauptet, man könne mich nicht zwingen, gegen mich selbst auszusagen!" — Anzeige. „Ein armer Student bittet edel denkende Menschen um ein größeres Darlehen zur Anschaffung eines Velocipedes behufs einer Entfettungskur. Gefl. Adresse unter H. H. u. s. w."
Setzte Drahtnachrichten.
(Nach Schluß der Redaction etngegangen.)
* Dlom, 30. Juni. Die „Agencia Stefani" meldet aus Massanah: Die Derwische sind in das italienische Schutzgebiet eingefallen. Bein- Amer, der Commandaut von Keren, sendete ihnen einheimische Truppe» entgegen, welche die Derwische überrumpelten und in die Flucht schlugen. Die Derwische verloren 150 Todte, 100 Gewehre und mehrere Fahnen, die Compagnie von Einheimischen hatte 2 Todte und 4 Verwundete.
* Madrid, 30. Juni. Ans Gandia werden vom 29. Juni drei Erkrankungen und drei Todesfälle an Cholera gemeldet.
* Lredenstzorg, 30. Juni. Bei der gestrigen Tafel verlieh der Kaiser dem Prinzen Christian von Sänemart den Schwarzen Adlerorden.
* Nrteratzurg, 30. Juni. Das „Journal de St. Petersbourg" bespricht die Hinrichtung Panitza's und bemerkt dazu: Prinf Ferdinand verließ vor derselben das Land, ans das ihm allein znstehende Begnadigungsrecht verzichtend. Der Prinz hat hierdurch bewiesen, daß er nicht allein nicht herrsche, sondern, daß er sogar nicht einmal in Bulgarien^ regiere, daß vielmehr Stambnloff dort zugleich Herrscher und Regent fei. Stambuloff hätte wahrlich nicht eines neues Actes der Graufamkeit bedurft, um die Art seiner Herrschaft kenntlich zu machen, die eine Schreckensherrschaft sei.
* Kosta, 30. Juni. Anläßlich der Bestätigung des Todesurtheili über den Major Panitza hielt der Lager-Cornmandant an die Truppe» eine Ansprache, worin er das Verhalten Panitzas, der zum Umstürze der gegenwärtigen Regierung eine Verschwörung angezettelt habe, auseinandersetzte, auf die daraus im Falle des Gelingens für das Vaterland hervor- gegangenen Gefahren hinwies und das Urtbeil über Panitza billigte. Ei» solches Ende erwarte alle Vaterlandsverräther.
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* Schiffs-Nachrichten. (Nach der „Franks. Ztg.".) Angekomme« in New-Jork D. „Nevada" von Liverpool, D. „Rotterdam" derNiederl.- Amer. Co. von Rotterdam. Der Hamburger D. „Scandia" von New- Dork passirte Scilly.
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FÜR TAS IRF Eine Person,welche durch ein einfaches Mittel vo»
• 23-jähr.Taubheitu.Ohrengeräitscheit geheilt wurde,
ist bereit, eine Beschreibung desselben in deutscher Sprache allen Ansuchen! gratis zu übersenden. Adr.: 1. II. Xieholson, Wien IX.; Kolingctsse4
Durch rationelle Pflege und Reinhaltung des Mundes mittelst des antiseptischen JLLODIN wird Ansteckungen vorgebeugt. Flac. Mk. 1.25 und Mk. 2. Depots: Victoria- und Wilhelm-Apotheke. (F. a. 158/5) 8
Theater «. Coacerte
Frankfurter Ktadtttzeater.
Dienstag, 1. Juli: Opernhaus: Der Proceßhansl.
pF" Die heutige Nummer enthält 44 Seiten nnd eine Sonder-Keilage.
