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Wiesbadener Tagdlatt.
Na.
Vom Büchrrtifch.
* Rennsport und Pferdezucht erfreuen sich in Deutschlauo noch nidil jenes allgemeineren, nationalen Interesses, wie in anderen Ländern, J. Ä 'N England und Frankreich. Ein Buch, das solches Interesse in weiter» Kreisen zu wecken sucht, ist der bei Carl Krabbe in Stuttgart « der bekannten flotten Ausstattung dieses Verlags erschienene SportroM „Auf und Nieder" von H. Vogt. Mit Sachkenntniß schildert uns d-- Autor das Treiben des norddeutschen Turf mit all seinen Licht- uri Schattenseiten, seinen Höhen und Tiefen, er führt uns auf die Güter N Landadels, wo die Pferde gezüchtet werden, über die Rennplätze, wo st um den Preis mit einander kämpfen, in die Clubs und Boudoirs, wo do Preis nicht selten wieder verspielt wrrd, und enthüllt uns in spannend« auf Selbstanschauung beruhender Weise die mancherlei ernsten und heiter« Beziehungen, mit welchen dieser Sport in das Leben seiner Priester, M einzelnen sowohl, wie auch ganzer Familien, eingreift. Hervorragend, tt»5 die typische und individuelle Charakterisirung von Menschen und Thiel» betrifft, sind die in den Text gedruckten Illustrationen, 100 an der ZaK mit denen H. Albrecht'S Künstlerstift das Buch geschmückt hat, dess« billiger Preis (3 Mk.) für die Leistungsfähigkeit des Verlags neues ZeugiÄ ablegt. _____________
schichtsmaler hat nun auch in diesem Jahre das Schicksal fein^T" ganger. Die Farbenskizze nach dem gegebenen Thema war von den nehmern am Dienstag Abend beendet worden und der Senat tmt * Beschlußfassung zusammen. Das Ergebnis war wiederum, daß der drei Bewerber zur, Ausführung des Gemäldes zu««!»!;" werden könne. Damit nt die Concurrenz zum fünften wlal, ■* Saude verlausen sie hat nun schon seit zehn Jahren immer negativen Erfolg gchaöt. In den Kreisen der jüngeren Künstler hmÄ darüber nicht geringe Mißstimmung, und man glaubt die Ursachen bin* leidigen Affaire nicht sowohl in den Bedingungen des Wettbewerbe» Ä M «blicken, als vielmehr in dem wenig freundlichen Verhältnih 2 Zwischen maßgebenden Mitgliedern des Senats und der Leitung der
* Im Reichssaal des Kaiserhauses zu Goslar arbeitet Wislicenus aus Düsseldorf an einer Reihe von Gemälden, welches Geschichte des deutschen Kaiserthums barstellen. Von denselben sind d, Hauptbilder, welche sich an der Langwand befinden, nunmehr bis auf h. Schlußgemälde vollendet. Das Mittelbild zeigt Kaiser Wilhelm I S, Wtedererrichter des Deutschen Reichs, umgeben von seinen Paladin, jubelnd begrüßt von den deutschen Fürsten. Auf beiden Seiten sind bar. gestellt: Die Krönung König Heinrich IU. in Rom, sein siegreicher Heim,» über die Alpen, und Heinrich IV. im Schutz der Bürger von Mai«» gegenüber: Kaiser Friedrich Barbarossa mit Heinrich dem Löwen S Schlacht bet Antiochia und Friedrich's II. Hofhalt in Palermo. ' % Bilder find von reichen ornamentalen Rahmen umschlossen und erhalw ihre historische Vervollständigung durch reihenweise angebrachte, grau ii grau gemalte Sockeldarstellungeii, sowie durch eingeschaltete Zwischenbild!: Erstere schildern politische Vorgänge aus derselben Zeit, letztere b-ziehi sich auf die Geschichte des Kaiserhauses selbst. Auf den Schmalseiten d« Saales werden die Bilder nach vorwärts und rückwärts bis zum Eintritt ber Reformation ergänzt werden. Auf Veranlassung des Cultusminist»! ist ein kleiner übersichtlicher Führer angefertiqt worden, welcher Rühm, über ^Geschichte, Wiederherstellung und Ausschmückung des Kaiserhaus!»
* Von d-n Oochfchul-n. Professor Bernstein ist als Recht der Universität Halle bestätigt worden.
* Schmanlrnngen der Evdaec. Dr. Klein berichtet im lch-i Heft der „Gaea : Durch die Betrachtungen der Sternwarte ist nunmck die in Fachkreisen lange vermuthete, aber sonst wohl ganz neue Thatsch Miet naebgeroiejen, daß die geographische Breite mehreret Städte starken Aenderungeu unterworfen ist; so hat bit ^$rat'rtH,d,e Breite in Berlin und Potsdam im zweiten Halbjch 1889 erst ein Wachsthum, daun eine Abnahme um ungefähr eine Halit Bogenfecunde gezeigt. Da die Uebercinstimmung verschiedener Wahi- nehmungen zu groß ist, um die Ursachen dieser Abweichungen in Fehlm
Beobachtung oder der Instrumente zu suchen, so muß mau ausante Erklärungen denken. Die eine geht dahin, daß infolge der unter btt Wirkung der Sonnenenergie stattfiudendeu fortwährendeil unregelmäßisti Maffenverschiebungen auf der Erde (selbst wenn man teilte Veränderung« des unbekannten Innern annimmt) der Erdkörper gegen die Rokatio»» axe Schwankungen unregelmäßiger Art ausführeu muß, während die Ast selbst ihre Stellung im Raume nahezu unverändert beibehält. Gegenstand wird die Versammlung der Permanenten Commission btt Internationalen Erdmessung zu Freiburg i. B. im September d. I. erneut beschäftigen.
Deutscher Reichstag.
20. Sitzung vom 20. Juni.
In sehr gründlicher Weise wird jetzt Tag für Tag die Vorlage iiN die Gcwerbegerichte berathen, bereit Wichtigkeit infolge ihrerEigeM!> freilich größer ist, als das im Allgemeinen recht geringe Interesse, welch» dafür von der Mehrzahl der Abgeordneten wie des zeitunglesend» Publikums an den Tag gelegt wird. Immerhin fehlt es bei den raUjungcii nicht an einzelnen interessanten Auftritten oder Reden. W E ber t y (freis.) und Cuny (ul.) sprachen am Freitag gegen die Innung genchte. Abg. Biehl (Centr.) bekämpft die freisinnigen und socialdew^ kratischen Anträge auf Streichung der Zuständigkeit der Jnnungsgerich" Em conservattver Antrag auf Schluß der Debatte wird in namentlich," Abstimmung mit 124 gegen 112 Stimmen abgelehnt. Der socialdemokratisch'
wie denn wiederum der Bonifaeins-Verein für die Kanzel sorgte. Das Geläute, bestehend ans 3 Glocken, ist dasselbe, was Herzog Wilhelm der Gemeinde mit der Kirche von Bornhofen schenkte. Die Glocken tragen die Jahrzahl 1440. Die Kirche, welche ihrem Erbauer, Baumeister Hoffmann, alles Lob spricht und die heute eine Zierde unserer Kurstadt ist, konnte daraufhin am 18., 19. und 20. Juni 1849 eingeweiht werden. Am Abend des 18. fand in der neuen Kirche ein Coucert zum Besten des Baufonds statt, während am 19. die kirchlichen Feierlichkeiten, verbunden mit Festzug, sowie ein gemeinschaftliches Mittagsmahl im „Adler" ihren Verlauf nahmen. Der 20. Juni war der Spendung der hl. Firmung geweiht. - Dies in wenigen Worten die Entstehungsgeschichte des erhabenen Gotteshauses auf dem Luiseuplatz, das der katholischen Gemeinde um so mehr an das Herz gewachsen ist, als es eine Zeit gab, in der man ihrer hehren Pracht nicht sich erfreuen konnte, sondern mit dem freien Himmel und später der Nothkirche sich begnügen mußte. Doch Gottlob, jene Zeiten sind vorüber!
K««st» Wissenschaft, Literatur.
W. Königliche Schauspiele. „Der Troubadour", große Oper in vier Acten von I. Verdi. Zweite Gastdarstellung der Donna Teresina Singer de Gimeno vom Scala-Theater in Mailand als Azucena. Wesentlich neue Züge haben wir dem dramatischen Gesänge, sowie dem Spiele ber Frau Singer in btefer zweiten italienischen Oper nicht abgewinnen können, beschränken uns baher im Ganzen uub Allgemeinen auf das hinzuweisen, was wir bereits über die Schwächen sowohl, wie über die Vorzüge des Gastes nach der Darstellung der Amneris zu bemerken für nöthig sanden. Allerdings ist es ja nicht zu leugnen, daß die Azucena der Künstlerin wenn auch nicht eine größere, so doch eine wirkungsvollere Leistung war als diejenige der Amneris, daß Frau Singer in der ersteren Rolle dramatisch als die bedeutendere Künstlerin erschien, und auch im Gesangsvortrage der ihr zu Gebote stehende Farbenreichthum mehr zur Geltung gelangte und die noch immer sehr ansehnliche metallene Kraft ihres Organs stärker hervortrat als in der letzteren. Diesen Umstand müssen wir jedoch der dramatisch sowohl, wie gesanglich überhaupt dankbaren Partie ber Azucena zuschreiben; ob ber Frau Singer noch andere Accente zu Gebote stehen, wird die Darstellung der Fides im „Propheten" ergeben. Jedenfalls aber muß hier bei ber Besprechung ber vorgestern dargestellten Rolle neben der hochdramatischen Gesangsleistung das außerordentlich lebendige, ber Rolle so ganz angemessene Spiel hervorgehoben werben, welches dem Gesänge ber Künstlerin zur Seite staub, unb wesentlich zu der Gesammtwirkung beitrug. Besonders erwähnen wollen wir hier die Erzählung der Azucena in der ersten Scene des zweiten Actes, die dritte Scene des dritten Actes uub bie Schlummerscene im vierten Acte als musikalisch dramafische Musterleistungen; ber im buftigften piano gefangene Schluß ber zuletzt erwähnten Scene, in welchem Herr Krauß vortrefflich secuudirte, war von gerabezu poetischer Wirkung. Wie übrigens eine solche Darstellung so ganz anders wirkt, wenn dem Temperamente und der Auffassung ber Sängerin bas Tempo sich angemessen gestaltet, so ganz ber süblätlbischen Lebendigkeit btefer Rolle entsprechend, davon lieferte gerade die Darstellung der Azucena ganz besonders eclatante Beweise. — Das Publikum nahm bie Darbietungen bes Gastes mit großem Beifalle auf; aber auch bie Mitglieder unserer Oper, Fräulein Baumgartner als Leonore, Herr Müller als Luna unb Herr Krauß als Manrico würben wohlverdienter Weise bedacht. Herr Krauß errang sich wieder durch den Vortrag der stretta im dritten Acte, bekanntlich die trivialste Nummer ber ganzen Oper, einen da oapo-Rus.
— Königliche Schauspiele. Frau Teresina Singer be Gimeno wirb als letzte Gastrolle heute Sonntag, den 22. d. M., bie »Fides" im „Propheten", unb zwar in beut sch er Sprache, finge».
* Schauspiel. Gustav von Moser hat nunmehr ben für das „Wallner-Theater" m's Deutsche übertragenen und bearbeiteten Schwank „feu Toupinel“ von Bissau, welcher zu Beginn ber Wintersaison in Scene gehen wirb, beenbet, unb legt mit feinem Compagnon Vollrath Schuhmacher bie letzte Haub an die Operettenposse „Der Sontmer- lieuUnaiit". Die erste Ausführung wird am 15. Juli am „Wilhelm- Theater tn Berlin stattfinden; alsdann wird dies Stück am „Carl Schultze-sheater" in Hamburg zur Aufführung gelangen. In nächster Woche wird m Görlitz eine Schauspiel-Novität von Schumacher: „Zwei Zettel" gegeben werden. — Die „Freie Bühne" in Berlin beabsichtigt, im nächsten Jahre mit einzclncn ihrer Vorstellungen Gast reisen zu unternehmen. Hiernach scheint es, daß auch das Engagement eigener Schauspieler in Aussicht genommen ist.
-t-Personalie». Der Nestor der österreichischen Dichter, Karl Gottfried Ri tter v. Leitner, starb in Graz am Freitag Mittag nach kurzem Leiden im 90. Lebensjahre.
* Bildend- Kunst. Professor Anton v. Werner in Berlin hat nach einer Unterbrechung seine Arbeit au dem großen Gemälde ber ersten Relchstags-Eröfsnung burch Kaiser Wilhelm II. wieber ausgenommen, sein Atelier in ber Akademie wirb bamit von Neuem bas Renbez-von» für bie aristokratische unb parlamentarische Welt. — Der Berliner Wettbewerb um den großen Staatspreis für Ge
