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§amstag, 19. Dezember 1914.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 592. ♦ 62. Jahrgang.
Die Bedeutung des Sieges in polen.
Fortsetzung der Verfolgung in polen!
Der Tagesbericht vom 19. Dezember.
Tine Reihe französischer Angriffe auf der Westfront. — Tin russischer ttavallerieangriff M Gstpreutzen zurückgeschlagen. weitere Verfolgung der Russen in Polen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 19. Dez., ?kMrttags. (Amtlich.) Im Westen erfolgte gestern jj! n . e Reihe von feindlichen Angriffen. Bei lcu Poort, D i x s ch o o t e und nördlich L a “ > I 6 c wird noch gekämpft. Westlich Lens, östlich ^ c rt und westlich Noyou wurden die Angriffe a ü- ^schlagen.
,, An der ostprcußischen Grenze wurde ein russischer "ballerieangriss westlich Pillkallen zurück- ^Nvicseu.
, 3n Polen wurde die Verfolgung fortge- ^ & Oberste Heeresleitung.
Siegesfeier im Großen Hauptquartier.
französischen Glocken als 'Verkünder des deutschen Sieges, ^ll- Der Kriegsberichterstatter der „Deutschen Tages- meldet aus dem Großen Hauptquartier: Der ge
wisse Sieg über die russischen Armeen in Polen wurde im iea P en Hauptquartier in den Abendstunden amtlich bekannt Jieoen und ries großen Jubel hervor. Auf dem ^ r k t p l a tz e sangen Offiziere und Mannschaften Deutschland.. Deutschland über alles". „Heil dir im Sieger- und die „Wacht am Rhein". Die Einwohner des I«? ^ öffneten die Fenster und betrachteten erst Verständnis- zö Und alle tief niedergeschlagen die gewaltige ^udgebung, da sic mit der baldigen Eroberung Berlins /ech die Russen gerechnet hatten. Unter Hochrufen auf den grler, Hindenburg, Ludendorsf und die österreichischen Heer- h blieben die Truppen noch bis in die späte Ra ch i bj/luigt. Stile Glocken erklangen irrt Siegesgeläut
| ..! n die lRittcrnacht hinein, jjr unte auf. und so pflanzte erall französische Uen verkündeten.
>ie Nachbarorte nahmen das es sich überall fort, so daß Glocken den deutschen Sieg im
Donk der Provinz Schlesien an hindenburg.
^ Berlin, 19 . Dez. Der in Breslau tagende Provinzial- ^ ^chuß der Provinz Schlesien hat die Slbsendung folgenden ^gramms beschlossen: „Feldmarschall v. Hindenburg! Unter h,ss. Exzellenz zielbewußter Führung und durch die helden- ^"öen Kämpfe der deutscheu und österreichisch-ungarischen Hippen ist mit Gottes Hilfe der Ansturm der russischen erinachf auf Schlesien zusammengebrochen. Namens der - Uzen “ *
lE Provinz Schlesien sendet Ew. Exzellenz und Ihren ^reichen Llrmeen in tiefgefühlter Dankbarkeit jubelnde Uckivünsche der Proviuzialausschuß von Schlesien."
Ei» schulfreier Tag in Baden.
„ E . W. T.-B. Karlsruhe. 18. Dez. (Nichtamtlich.) Wegen Jj: herrlichen Sieges in Polen hat das Großherzogliche »'Ulsterium des Kultus und des Unterrichts angeordnet, daß | t .®am»tag, den 19. Dezember, in allen Schulen des f,^öherzogtums der Unterricht ausfällt und in ein- Schulfeiern aus die Größe des Kampfes, die Bedeute? öes Sieges, die Tapferkeit des Heeres und die Geniali- leiner Führer hinzuwcisen ist.
Die Glückwünsche des türkischen Senats.
'c W. T.-B. Konstantinopel, 18. Dez. (Nichtamtlich.) Der :j-)ut richtete an das österreichische Herrenhaus, das unga- Magnatenhaus und den deutschen Bundesrat Tele- in welchen seinen brüderlichen Wünschen für den folg ihrer Armeen Ausdruck verliehen wird.
Die Entscheidung im Osten.
Von ©euerer! d. Inf. z. D. v. Blume.
'j Den 18. Dezember 1914. Würfel sind gefallen. An der vereinten Kraft isj.Heerscharen Deutschlands und Österreich-Ungarns Ansturm des R i e s e n h e e r e s zerschellt, von i-z Unsere zahlreichen Feinde noch gestern erhofften, uns zermalmen werde. Naturgemäß W ?jllr Stunde noch an näheren Nachrichten über rj^kotze Ereignis. Können doch auch die Früchte des e r st in den nachfolgenden Tagen ge- werden. Wir müssen das Weitere mit Geduld tzj^rten, wie es ja auch geboten war, über die Entzug der Verhältnisse in den letzten vierzehn Tagen it^^gen zu beobachten. Das kann nun so weit gell werden, daß dadurch das Verständnis der ^vartenidM weiteren Nachrichten erleichtert wird.
Wir haben das gewaltige Ringen, das Mtte des vorigen Monats mit der H i n d e n b u r g s ch e n Ge ge n offensive gegen den rechten Flügel des von der Weichsel in Polen vorrückenden russischen Heeres begann, bis zum Anfang Dezember verfolgt. Zu dieser Zeit stand die zu drei Armeen angewach- sene Nordgruppe der Russen auf der Linie Gornbin- Alexanürow-Lask stark oerschanzt im Kampfe mit der vom General v. Mackensen geführten, durch Zuführung einiger anderer Truppen verstärkten deutschen Armee; südlich davon, etwa auf dem Bogen
N o w o r a d o m s k - K o n i e c p o I - P i n t s ch o w, die m. zwei Armeen gegliederte russische Südtruppe im Kampfe mit einer starken, aus österreichisch-ungarischen Korps unter Eingliederung unseres schlesi- s ch e n L a n d w e h r k o r p s und einiger anderer deutscher Truppen gebildeten Streitmacht. In Galizien lowie auch in dem ungarischen Karpathengebiet befanden sich überlegene russische Kräfte im Vorrücken einer anderen österreichisch-ungarischen Armee gegenüber, zu der sich bei Krakau ebenfalls deutsche Truppen gesellten.
Die hiernach zwischen den beiden russischen Heer- gruppen in Polen vorhandene Lücke war dadurch entstanden, daß die rusiische V. Armee sich nordwärts an die bedrängte II. Armee zu äderen Unterstützung herangezogen hatte. Die Sübgrnppe suchte diese Lücke üurch Verlängerung ihres rechten Flügels auszusüllen. Das führte zu mehrfachen Gefechten bei Nowovadomsk und gelang nur teilweise.
Dagegen hatten die fortgesetzten deutschen Angriffe gegen den linken Flügel der russischen N o r d - gruppe den Erfolg, daß dieser Flügel sich am 5. Dezember genötigt sah, in die zwei Tagesmärsche östlich, hinter der M i a z g a liegende, stark befestigte Aus- nahinestellung zurückzuweichen, auch Lodz preiszugeben. Er erlitt hierbei durch die verfolgenden deutschen Truppen ungewöhnlich schwere blutige Verluste. Überdies fielen 5600 Gefangene und 16 Geschütze in die Hände des'Siegers. Versuche der russischen Südgruppe, unter Heranziehung beträchtlicher Kräfte von Süden. Anschluß an den neuen linken Flügel der Nordgruppe zu gewinnen, vielleicht auch den diesem gegenüber stehenden Flügel der Deutschen zu bedrohen, stießen bei Pietrikow auf energischen Widerstand, an dem sie scheiterten. 1
Inzwischen haben die Verbündeten ihre Angriffe auf der ganzen Front in verstärktem Maße fortgesetzt. Schon seit einigen Tagen machte sich ein Erlahmen des feindlichen Wider st an des bemerkbar. Insbesondere gewann der deutsche Angriff im Bzuratale und nördlich davon an Boden. Auch wurde seit einigen Tagen erfolgreiches Vordringen gegen den linken Flügel der Russen in Galizien, wo sie bis nahe an Krakau herangekommen waren, gemeldet. Beide Nachrichten sind für die Beurteilung der Rückzugs aussichten der Russen nicht unwichtig. Noch mehr konrmt hierfür in Betracht, daß die im Rücken der Russen fließende Weichsel aus der Strecke zwischen der Narew- und der Sanmündung feste Brücken nur bei Warschau (zwei, unter Hinzurechnung einer Eisenbahnbrücke) und Jwangorod (eine) hat, und daß, wenn der Strom, wie zu hoffen, Eis treibt, Schiffsbrücken nicht ge- s ch l a g e n w e r d e n k ö n n e n. Mit um so größerer Spannung sind die Ergebnisse der Verfolgung in den nächsten Tagen zu erwarten. Erst dann kann über die B e d e u t u n g des erfochtenen Sieges für die militärische und politische Gesamtlage zutreffend geurteilt werden.
Der an sich bedauernswerte Rückschlag, den die Operationen unserer Verbündeten soeben in Serbien erlitten haben, ist unter den eingetretenen Umständen nur als eine schnell vorübergehende Episode zu betrachten. Es werden bald ausreichende Kräfte stet sein, um den Schaden zu heilen.
Oie nächsten politischen Zolgen.
Berlin, 18. Dezember.
Die ungeheure Bedeutung des Sieges in Polen wird sich politisch alsbald zeigen müssen, und zwar in doppelter Hinsicht, Mit dem Zusammenbruch der französisch-englischen Hoffnungen aus die Tätigkeit der „russischen Dampfwalze" wird sich die Kriegslage im Westen ändern müssen, wird also auch die Stellung der Westmächte zu der Frage, was in dieseni Kriege
noch erreicht werden kann, gewissermaßen automa- t l sch verschoben werden. Denn unsere Feinde sind ia kerne Narren und keine Kinder,'sie führen doch den Krieg nicht um seiner selbst willen, sondern zu unserer Vernichtung. In dem Augenblick, wo ihrem abwagenden Urteil dies Ziel ins Leere entschwin- den muß, wird ihr Kriegswille naturgemäß ge- l a h ni t .werden. Dieser Vorgang braucht nicht heute und morgen schon Wirklichkeit zu werden aber der Tag wird ko m m en, an dem er sich vevwirklicht. Alle L e I b st b e t ä u b u n g der Franzosen und der Engländer kann ihnen nicht über die Erkenntnis hinweghelfen, daß, wenn bisher schon die Zurückdrängung unserer Heere unmöglich war, die Ausgabe vollends aussichtslos sein wird, sobald wir im Osten reinen Tisch gemacht haben. Die zweite sichere Folge des Sieges in Polen wird es sein, daß die bis dahin immer noch vorhanden gewesene Gefahr des Hinzutritts neutraler Mächte M unseren Feinden wesentlich verringert sein .wird. Wir denken hierbei vor allem an Rumänien, wir denken aber auch an Italien. So peinlich es ist, immer wieder die Frage zu behandeln, aus welche Seite sich Italien stellen würde, wenn es seine Neutralstät ausgäbe, so sorgen zum inindesten die unausgesetzten Treibereien des Dreiverbands, seine Lockungen und Werbungen um italienische Hilfe, seine Verhetzungen und Drohungen dafür, daß diese Frage im Vordergründe ble-idt. Wir Haben uns längst daran gewöhnt, bei der Betrachtung des Verhältnisses Italiens zum Weltkriege olle Gefühlsmomente a n s z u s cha lten, und die de-ltsche Objektivität ist bereit, die am Tiber zu fassenden^Entsclstüsse als Ausdruck der italienischen Interessen Politik auMvrkennen. Wenn hiernach nicht wegen des „Bündniffes", sondern eher trotz des eigentümlichen Charakters, den es unter dem Druck einer uns imstemMichen Gesinnung angenommen hat, das Vertrauen auf die Fortdauer der italienischen Neutralität und aus den jedenfalls guten Willen des Königs und seines Ministeriums unverändert geblieben ist, so muß dies Zutrauen jetzt durch die große Wendung, die der Krieg durch Hinden- burgs Erfolge genomnren hat, noch fester werden Unser und unserer Verbündeten Sieg in Polen schasst eine Klarheit, wie sie im ganzen Verlaufe ides Krieges bisher nicht bestand und auch nicht bestehen konnte. Gewiß ist n o ck v i c l zu tun, aber die Aussicht ist jetzt frei, und sie richtet sich auf nabe und herrliche Ziele. Es ist eine Schicksalswendung, dis wir erschütternd und dankbar erleben.
Lin Urteil aus der Schweiz.
Br- Basel, 19. Dez. iEig. Drahtberichr. Ktr. Bln.) Zu
dcm Krieg in Polen schreibt der militärische Mitarbeiter der „Basler Nationalzeitnng", dieser Sieg werde ans alle Fälle in der ganzen Welt einen enormen Wider-- ball finden. Italien und Rumänien wüssten nun, woher der Wind weht. Den F r a » z o s r n, die 25 M i l l i a r- den Fr an k e n in russischen Werten stecken hätten, stünden schlaflose Nächte bevor; die Engländer würden daran denken müssen, .sich nach neuen Bundesgenossen um- zutnn, die geeignet seien, ihnen für Geld und gnte Worte die heiße» Kastanien aus dem Feuer zu holen. In Rußland selbst, wenn einmal das Volk die Wahrheit kenne, drohe'eine S t a a t s u m w ä l z » n g. .
Noch eine bemerkenswerte Stimme.
^ W- T.-B. Wien, 18. Dez. (Nichtcmrtlich.) Die „Allgen meine Zig." schreibt zu dem Zusammenbruch d-er großen russischen Offensive gegen Schlesien und Posen: Noch läßt sich zur Stunde das ganze Slusmatz des Sieges/die voll« Bedeutung der auf den polnischen Schlachffeldern gefallenen Eistscheiüung nicht ganz überblicken. Slber so viel stcht fest, daß der Widerstand der russischen Hauptmacht gebrochen ist. Damit ist eine ganz neue Situatis« geschaffen, die geiv-s; noch sehr viel schwere Arbeit den verbündeten Mächten Mitteleuropas auferlegen wird. Slber sie berechtigt durchaus zu der sicheren Annahme, daß es den ge- schlagenen Armeen nicht mehr möglich sein wird, einert ähnlichen Änsturm gegen den Westen zu wagen. Mit dev Zürückdrängung der wilden Horden des Ostens habest unsere braven Truppen ein Kultur werk von weltgeschichtlicher Bedeutung geleistet. Als Retter der Kultur müssen dies« Helden gepriesen werden. Dieses stolze Bewußtsein geleite! die ruhmreichen Armeen zu neuen Erfolgen und neuest Siegen, aus daß es die letzte Schlacht werde, die der Ostest gegen den Westen gewagt. Europa wird von den Segnungen^ mongolischer Khane, deren Nachfolger der MaskM
