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No. 52 GxprdMsrn Ganggassr 27. Sette 45

schäfte geführt habe, ohne dazu berufen und ohne vereidet zu fein. Sämmttlche van ,hm vollzogenen Acte wurden für ungiltig erklärt. Der Vorfall wird noch recht unangenehme Folgen haben. Wie wir be­richteten, hat der Führer der hessischen Socialdemokratie, Schreiner Jöst anr Mainz, m einem Briefe an dieFranks. Ztg." seine in Bingen aus­gesprochene Aeußerung über Elsaß-Lothriugen und die Franzosen abge- lengnct. Demgegenüber constatirt ein Correspondent derK. Z." mit aller Bestimmtheit:Jöst erklärte es für einen politischen Fehler, daß Deutsch- lalid 1871 Elsaß-Lothrigen annectirt habe; es sei dies die Ursache unserer fortgesetzten Rüstungen und hohen Steuern. Die Franzosen seien im Gegensätze zu uns sehr liebenswürdige Leute und durchaus keineChauva- nisten"; sie seien uns in jeder Hinsichtüber"; Deutschland könne in 100 Jahren noch keine solche Ausstellung zu Stande bringen, wie die letzte Pariser Weltausstellung. Carnot habe gesagt, keine französische Mutter wolle rhren Sohn opfern für die Wiedergewinnung Elsaß-Lothringens; dies sei em Beweis von Frankreichs Friedensliebe. Der deutsche Bourgeois sei der Feind der deutschen Arbeiter, die französischen Arbeiter seien ihre Brüder. Es müsse immer ein mächtiges Frankreich geben, Frankreich sei der Hort der Freiheit; wir verdankten der französischen Revolution alle unsere frecheitlichen Errungenschaften."

Ausland.

* Lrankrrich. Im Monat Januar hat lautVoss. Z." das Pariser UntcrsuchungSamt 614 Weinproben untersucht und nur 197 gute darunter befunden. Von 30 eiugesandlcn Bierproben wurde keine einzige als schlecht oder gefälscht bezeichnet. Einer Meldung der Blatter zufolge ist in Nizza ein angeblich höherer Officier Namens Della Eroce unter dem Verdacht der Spionage verhaftet worden. Selbst die orleanistischen Blätter müssen zugeben, daß der junge Herzog von Orleans in der Strafanstalt Clairvaux sich einer außerordentlich nnldcn Behandlung erfreut. Er bewohnt vorläufig ein großes Zimmer außerhalb des eigentlichen Gefängnisses und kann in dem weiten Parke Spaziergänge unternehmen. Bis auf Weiteres darf der Gefangene den Besuch seiner Angehörigen täglich, seiner intimen Freunde zwei Mal wöchentlich und den der übrigen Personen, die einer besonderen Er­mächtigung bedürfen, einmal wöchentlich empfangen. Die Herzogin von Chartres wird das zwei Stunden von Clairvaux liegende Schloß Arc, Eigenthum des Prinzen von Joiuville, beziehen, um von dort aus mit ihrer Tochter ihren Künftigen Schwiegersohn besuchen zu können. Das boulangistische (omite erhebt imJntransigeant" Einspruch dagegen, daß. em Vertreter Frankreichs auf die Berliner Confereuz geschickt werde. DieCocarde" und diePatrie" schreien über Verrath". TieNation" will gar nicht glauben, daß die Regierung die Tycilnahme Frankreichs be­schloßen habe; sie werde sich dadurch dem allgemeinen Tadel des Volkes vussetzen. DieLanterne" schlägt vor, Taubstumme nach Berlin zu schicken. Dieselben würden wenigstens die Ehre Frankreichs nicht blosstellcu.

* Italien. Wegen des bereits gemeldeten Eisenbahnraubes wurden in Palermo mehrere Bahnbeamte unter dem Verdacht der Thaterschaft verhaftet. Vor dem Assiscn-Gericht in Rom, wo der Proceß gegen die Theilnehmer der vorjährigen Februar-Unruhen verhandelt wurde, fand eine Demonstration von 250 Arbeitern statt, welche Hochs auf die sociale Revolution ausbrachten. Die Polizei trieb die Demon­stranten auseinander. In den letzten Tagen wurden übrigens in Paris gedruckte Flugschriften anarchistischen Charakters in großen Mengen in Rom und Mailand beschlagnahmt. Der Verlauf des Processes bestätigt, daß seinerzeit die Verhaftungen sehr willkürlich vorgenommen wurden. Eni Theil der Angeschuldigten, welche ein ganzes Jahr in Untersuchung gesesjen haben, find fünfzehnjährige Knaben.

* Großbritannien. Stanley hat dem Londoner Stadtrath angGeigt. daher gegeii Mitte April in der englischen Hauptstadt eintreffen werde. 77 ytn «nef,an dieTimes" bestätigt und ergänzt die letzten Berichte Uber die sibirischen Greuel. Im Gefänginß in Kara nahmen die weiblichen Gefangenen dreimal ihre Zuflucht zum freiwilligen Hungertode, Um durch das Äufsehen, welches die Sache bei den Behörden erregen wurde, die Absetzung des Directors Mazukow herbeizuführen, wurden über am Sterben durch gewaltsame künstliche Ernährung verhindert.

* Spanien. Die Königin-Regentin hat den Gnadenerlaß zu Dunsten des Herzogs von Sevilla, der sich als dienstthuender Mhcier ber Schloßwache vor einigen Jahren gegen die Königin ver­gangen hatte, nunmehr unterzeichnet.

_ * Rußland. Der Zustand dcs deutschen Militärbcvollmächtigtcn, hatte sich etwas gebessert. Die Donnerfiag Abend ms letztes Mittel zur Rettung anberanmt gewesene Operation ist vorläufig «och aufgeschoben worden. Seitdem ist keine Verschlimmerung eingetreten. 7-Gerüchtweise verlautet in Petersburg, Kaiser Wilhelm werbe be- «eitsim Laufe des Monats März zur Auerochsen-Jagd im Wald- «rrain von Bjalostok erwartet. Für die diesjährigen russischen «erbst-Mauover sind besonders grotze C.avalleric-Uebnnqcn in Äus- Mst genommen, die sich von Kraßnoje Sselo bis Narva ausdehncn werden, h- »Daily Chrouicle" geht von privater Seite aus St. Petersburg "ic Nachricht zu, daß eine neue Disharmonie zwischen dem undl einemBrnder, dem Großfürsten Alexis, ausgebrochen n, well der Zar den Sohn des Großfürsten nicht in die russische Armee Mltreten laßen will. Der Großfürst wurde vor etwa 20 Jahren einem Thookofisky heimlich angetraut. Ter dieser Ehe entsprossene

. gcgeittoätiig in Dresden. Der Zar wünscht, daß mn Bruder Alexis eine neue Ehe emgeht, der Letztere hängt aber so sehr «n seiner ersten Frau, daß er sich weigert, dem Ersuchen des Zaren Folge

Sande!, Industrie, Statistik.

-m- Coursbericht der Frankfurter Korse vom 1. März Nachmittags 3 Uhr Min. Kredit 269"/«, Disconto-Commaudit 2287«, Staatsbahn 191, Galizier 167, Lombarden 1137«, Egypter 95, Italiener 937-, Ungarn 887-, Gotthard 16, Schweizer Nordost 135, Schweizer Union 120, Gelsenkirchen 175171, Laura 153155. Die Börse eröffnete in Snlich fester Haltung, indes schlug die Tendenz bald um und entwickelte erneute Baisse für Bank-Actien und Bergwerke, die sämmtlich zu niedrigsten Coursen schließen. Käufer sind zurückhaltend und Berlin giebt anhaltend ab, weshalb weiterer Rückgang wahrscheinlich. Geldstand willig. ________________

Geldmarkt.

Bl. Frankfurter Körfrn-Mochenbericht. Die Alles mit sich fortreißende Haussefluth hat sich seit Veröffentlichung der Bilanz der Dresdener Bank etwas verlaufen, und es muß constatirt werden, daß das Publikum, seitdem es Einblick in die ungewöhnliche Anschwellung der Außenstände und Verbindlichkeiten dieses so rührigen Instituts genommen, sich mit vielleicht übertriebener Scheu gegenüber denBanken" überhaupt verhält, obwohl ihm bekannt ist, daß das Jahr 1889 eine lange nicht ge­sehene Periode des Aufschwunges bedeutet. Schaden kann eine gewisse Zurückhaltung im Allgemeinen gar nichts, aber andererseits hat sich auch gezeigt, daß die Angstverkäufe in Dresden überstürzt waren und man die 50 Millionen Reports doch auch wieder in Händen kleinerer Provinz- Banquiers resp. deren Privat-Kundschaft weiß, die doch auch im schlimmsten Falle durch Depots Sicherheit bieten. Wenn die überaus günstige, 17 Gulden Dividende ergebende Bilanz der Oesterr. Creditanstalt unter obigen Eindrücken seitens der Speciilation ebenfalls nicht unangefochten blieb und dies namentlich von Berlin aus, wo eine möglichst pessimistische Auffassung bald über den angeblichen Rücktritt Bismarck's, bald über den Ausfall der Wahlen in Gang gehalten wird, so stellt sich dies eben nur als Interesse der Berliner Contremine, die Haiisselust dcs Wiener Platzes darnieder zu halten, dar. Wien betätigte schließlich bedeutende Käufe und nach dem glatten Verlauf dcs Ultimo dürfte die Tendenz auch in Berlin wieder eine zuversichtlichere werden. Specicll dem österreichischen Trans- vortactien-Markte scheint eine Hausse-Aera dadurch, daß Mancher wieder die alten Lieblinge für steigerungsfähig hält, zu erstehen, die letzten Tage zeigten besondere Kauflust für Oesterreichische Staatsbahn-Actien und Galiz.-Carl-Lndwiasbahn, auch Prag-Duxer Stamm-Actien waren auf das Gerücht von 2 fl. Dividende gefragt. Eisen- und Kohlenwerthe werden von erster Seite gekauft und erfuhren Preiserholungen. Die Einzel­heiten der Woche ergeben: Oesterreichische Crcdit - Aktien gegen vorigen Samstag ca. 2 fl., Disconto-Antheile 5 pCt., Dresdener Bank 12 PCt., Darmstädter 3 PCt., Berliner Handels-Gesellschaft 6 pCt., Deutsche Bank 3 pCt., Deutsche Reichsbank 1,20 pCt., Mitteldeutscher Kredit 1,50 PCt., Länderbank und Wiener Bankverein sehr fest, Oester­reichische Staatsbahn-Actien auf Personal-Nachrichten ca. 4 fl. steigend, Lombarden 1 fl., Buschtehrader 3 fl., Duxer ca. 13 fl., Localbahn 4 fl., Nordwest und Elbthal je 27- fl.. Böhmische Nord- und Böhmische Westbahn je 37» fl. niedriger. Galizier gefragt und höher. Schweizer Bahnen, besonders Nordost und Union, auf Fusionsgerüchte von erster Seite gekauft. Deutsche Bahnen ziemlich unbeachtet, Mainzer preis- halteno, Bisbacher, Lübecker Marienburger und Mecklenburger nachgebend. Von ausländischen Staatsfonds Russen, Türken, Spanier, Staliener fest, dagegen Egypter, Portugiesen und Ungarn gedrückt, eutsche Reichsanleihe, Preußische Consols behauptet. Oester­reichische und sonstige Prioritäten stabil. Türken-Loose und Oesterreichische Loosgattnngen billiger erhältlich. Gelsenkirchener Bergwerks-Actien ca. 11 pCt., Laura 5 pCt., Alpine 2 pCt., Riebcck 3 pCt. matter. Brauereien fest. Norddeutscher Lloyd 6,50 pCt., Allge­meine Elektricität 5,80 pCt., Guano 5 pCt., Wesel 8 pCt., Siemens 3,20 pCt., Deutscher Verlag 2,80 pCt., Badische Anilin 50 pCt., Perlag Richter 1,60 pCt. unter Samstag-Notiz. Privat-Disconlo 37» pCt. ____________

Garten-Kalender

für dasWiesbadener Tagblatt".

März. (Nachdruck verboten.)

.3bt Gemüse-Garten konnte bis jetzt wegen des hatt gefrorenen Bodens Nichts geschehen; es giebt daher, wenn der Boden austhaut und trockenes Wetter eintritt, alle Hände voll zu thun. Vorerst säe man alle Gemusepflaiizen, wie Salat, Blumenkohl, Weiß- und Rolhkraut, Wirsing, Kohlrabi und rothe Rüben, um sie recht früh zum Aiispflanzeu zu Haden; ferner werden jetzt gesäet: Kerbel, Petersilie, Portulak, Sauerampfer, Spinat, gelbe Rüben, Erbsen, Schwarzwurzel, Kresse, Zwiebeln rc. Die Spargelbeete müssen umgegrabeu und gedüngt werden; es ist dabei zu be­achten, daß die weitausgreifenden Wurzeln nicht beschädigt werden. Erd- becrbeetc, welche im vorigen August angelegt und die Zeit über fest ge­worden find, werben nun gelockert und ausgeharkt; dabei sind die vom H-rost gehobenen Pflanzen wieder eiiizudrückcn. Mit Vorthcll lassen sich auch im Anfang dieses Monats neue Erdbeerbeete anlegen, sie gerathen oft besser, als die im August angelegten, geben aber im ersten Jahre nur einen ganz geringen Ertrag. Monats-Radies und Sommer-Rettige können in der ersten Hälfte des Monats schon gesäet und alle 14 Tage kann damit fortgefahren werden. Zu der ersten Aussaat der Rellige im Freien wähle mau ein möglichst sonnig und warmgelcgenes Beet, am Besten eine Mauer-