No. 18
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Kett- 29
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Ao. 19
Pnnzeistn von Solms-Brannsels, geboren. Im Jahr 1858 trat er in die preußische Armee, und zwar zuerst in das Regiment der Gardes du Corps ein und stand später bei dem Westfälischen Ciirassier-Regiment No. 4 in Münster. Mit diesem Regiment beteiligte er sich an dem Feldzüge in Schleswig-Holstein im Jahre 1864. Auch an dem Kriege des Jahres 1866 nahm er in den Reihen der preußischen Armee tätigen Anteil und wohnte mit der Main-Armee den Gefechten von Aschaffenburg und Tauberbischofsheim bei. Nach dem Tode seines Vaters trat Fürst Georg am 26. November 1869 die Regierung des Fürstentums au. Im Jahre 1870 ä la suite des Füsilier-Bataillons des 7. Thüringischen Infanterie- Regiments No. 96 stehend, wurde er dem Stabe der 8. Division beigegeben und machte neben anderen Gefechten auch die Schlacht bei Beaumont mit. Gelegentlich der Manöver vor Kaiser Wilhelm I. wurde der Fürst im Jahre 1876 zum Chef des Füsilier-Bataillons des 7. Thü- siugifchen Infanterie-Regiments No. 96, einige Jahre später auch zum Chef des Magdeburgischen Dragoner-Regiments No. 6 ernannt. Er bekleidete in der Armee den Rang eines Generals der Cavallerie. Fürst Georg war unvermählt. Sein Nachfolger ist Prinz Günther, Sohn des verstorbenen Prinzen Adolf aus dessen Ehe mit der Prinzessin Mathilde von Schönburg-Waldenburg, Rittmeister im Garde-Cürassier-Regiment zu Potsdam. Fürst Günther hat die Regierung angetreten. Die Vereidigung des Militärs hat stattgefunden.
* Kitzbänke in vierter Mageirrlasie. Höheren Orts ist bestimmt worden, versuchsweise Wagen vierter Classe auf den preußischen Staatsbahnen mit Sitzbänken einzurichten, und zwar an den Seiten- und Querwänden entlang, während entsprechender Raum zum Aufstellen der von den Passagieren mitgesührten Traglasten, Kiepen u. s. w. und auch eine Anzahl Stehplätze verbleiben sollen. Die Einrichtungen der Wagen sind bereits im Gange, so daß dieselben in nicht langer Zeit in den Verkehr kommen werden. Auch die Rückfahrkarten für die vierte Wagenclasse sollen ebenfalls versuchsweise eingeführt werden.
* Rundschau im Reiche. Die auf Veranlassung der Hamburger Rhedereien von Antwerpen reouirirten Feuerleute weigerten sich, zu dem Lohne von 75 Mark die Arbeit aufzunehmen. Als sie von diesen Lohn- Verhältnissen Kenntniß erhielten, verlangten sie von den Rhedern freie Rückreise und Entschädigung. Auch die Reg er heiz er auf der „Ella Wörmann" striken ebenfalls und wollen nur bei einem Lohne von 85 Mk. anmnftem. Es fand eine allgemeine Versammlung der Stickenden statt. — Für die Rhein-Regulirung von Mainz bis Bingen nimmt der neue Staatshaushalts-Etat 148,000 Mk. in Aussicht. Ferner find Summen für die Rhein-Regulirung von Bingen abwärts ausgeworfen.
Die Denkschrift über dir Ursachen der Dergarkeiterkewegnng.
Die Denkschrift über die Untersuchung der Arbeiter- und Betriebsverhältnisse in den Steinkohlenbezirken ist nunmehr durch den „Reichs- Anzeiger" veröffentlicht worden. Sie umfaßt 114 Quartseiten. Hiervon entfallen 43 auf die Denkschrift selbst, das Ucbrige auf die Anlagen. Die Deuffchrift zerfällt in einen allgemeinen Theil von 9 Seiten und in 19 Abschnitte über einzelne Punkte der Untersuchung. Die Untersuchung bat sich bekanntlich über die Bezirke des Ruhr-Reviers, des Aachener Reviers, des niederschlesischen und des oberschlesischen Reviers erstreckt. Die gelammten Untersuchungs-Verhandlungen, welche aus 221, zum Theil mjbtere hundert Seiten umfassenden Actenheften bestehen, sind nicht veröffentlicht, einmal wegen des erheblichen Umfanges, sodann auch, weil die Verhandlungen zum Theil persönliche Verhältnisse berühren oder Mittheilungen enthalten, die nur unter Vorbehalt der Nichtveröffentlichung abgegeben sind. Die Schrift verdient in den weitesten Kreisen, vor Allem bei bm Arbeitgebern und Arbeitern, wie bei den Behörden die vollste Beachtung. Sie ist an der Hand eines großen und zuverlässigen Materials mtt reicher Sachkenntniß verfaßt, bestrebt sich offenbar der größten Istiparteilichkeit und Mäßigkeit und giebt in einer Reihe wichtiger, einschlägiger Fragen ein vollständiges und wahrheitsgemäßes Bild der wirklichen Sachlage zur Zeit des Ausstandes und zu der unmittelbar nach demselben liegenden Ausgleichszeit; auf die neueren Vorkommnisse, die allmählich aber stetig gestiegenen Löhne, die Aufhebung der Sperrmaßregel, die neue Arbeiterbewegung geht fie selbstverständlich nicht ein. Der Bericht spncht sich unzweideutig dahin aus, daß die Löhne dor dem Ausstand „auskömmlich" gewesen. Vor dem Ausstande haben 79,6 pCt. von der gelammten Belegschaft über 3 Mk. und 69,4 pCt. über 2 Mk. 50 Pfg. täglich verdient. Hiervon zu unterscheiden ist freilich die andere Frage, inwieiveit Lohnerhöhungen zweckmäßig waren; die Arbeitgeber haben in dieser Hinsicht zweifellos die Bewegung, welche sich nach oer Denkschrift schon monatelang vor Ausbruch des Strikes kundgegeben nno welche am 22. April in einer Gelsenkirchener Versammlung nach ruhiger Verhandlung zu bestimmten Fordeningen gelangt war, mcht ge- fMrw beachtet; aber auch hier betont die Denkschrift nut Recht, daß für etne Erhöhung des Lohnes der jüngeren Arbeiterklassen, der Schlepper, oie am meisten zum Ausstande geschürt haben, am allerwenigsten eine Swingende Veranlassung vorliege. Es dürfte nicht zu bezweifeln sein, daß h ;Ie,e 31Im größten Theil unverheiratheten Arbeiter die Lohnsätze auch nD? °em Ausstande hoch gestanden und den betreffenden Personen eine Zevens Haltung ermöglicht haben, welche Unordnungen hervorgebracht hat. E Denkschrift entzieht sich der erschöpfenden Beantwortung der Frage, 00 Die einzelnen Bergwerksbesitzer nach Lage der Ergebnisse des Bergbau- °uch im Stande waren, den Forderungen auf Lohnerhöhung zu entsprechen. Sie weist aber darauf hin, daß, abgesehen von einigen, besonders
günstiger Betriebs- und Absatz-Verhältnisse sich erfreuenden Zechen, em großer Theil der Bergwerksbesitzer erst nach und nach in die Lage kommen wird, für die Abstoßung der während der für den Bergbau ungünstigen Jahre erwachsenen Zuschüsse Sorge zu tragen und, daß im Frühjahr 1889 die Erhöhung der Kohlenpreise, schon wegen der vielfach über den 1. Juli hinaus zu den früheren niedrigen Preisen abgeschlossenen Kohlenlieferungsverträge, noch nicht diejenige Wirkung auf die finanzielle Lage der Bergwerke ausüben konnte, welche in der Erhöhung der Börsen- cursc damals bereits vielfach zum Ausdruck gekommen war. Die Deiik- schrift erachtet es nicht für zweckdienlich, daß auf einzelnen Gruben für einen unreinen Wagen 4, 5 ober 6 vorschriftsmäßig beladene zur Strafe gestrichen oder neben dem Nullen noch regelmäßig Geldstrafen verhängt werden. Die vielen hochinteressanten Einzelansführuiiaeu des Berichtes enthalten vor allen Dingen für die Arbeitgeber, welche das gute Verhält- niß zu ihren Arbeitern wieder hergestellt und gekräftigt zu sehen wünschen, eine Reihe höchst dankenswerther Winke, die sich ohne Schwierigkeit befolgen lassen. Es ist kein Zweifel, daß auch bei dem jüngsten Ausstande eine große Anzahl von Arbeitern die Arbeit niedergelegt hat, die, wie sie selbst zugestanden, keinen Grund zur Unzufriedenheit hatten; aber das ist eine Thatsache, die bei jedem Ausstande so lange vorkommt, als der Einzelne die Hoffnung hegt, durch seine Theilnahme am Ausstande seine an sich nicht schlechte Lage noch zu verbessern. Jeder Mensch hat das Streben, sich zn verbessern und mehr zu verdienen, und die Bethätigung dieses Strebens ist nicht strafwürdig. Sache der ruhigen und vernünftigen Arbeitgeber ist es, dieses Streben nach Kräften zn unterstützen und zu befriedigen, und je mehr sie den einzelnen kleinen Wünschen der Arbeiter auf Beseitigung von Unzuträglichkeiten Gehör geben, um so sicherer werden sie dazu beitragen, das gegenseitige friedliche Verhältniß, das für die Entwickelung einer jeden Industrie besonders nothwendig ist, zu fördern und zu fräftigen. Hoffen wir, daß auch die Darlegungen in der gegenwärtigen Denkschrift dazu nicht unwesentlich beitragen werden.
Ausland.
feankreich. Die Einfuhr Frankreichs überstieg im Jahre 1889 es Vorjahres um 68, die Ausfuhr die des Vorjahres um 362 Mill. Francs. Erstere belief sich auf 4175, letztere auf 3608'/- Mill. Francs. Die Zunahme der Einfuhr betrifft Rohstoffe, Halb- und Ganzfabrikate, während die von Nahrungsmitteln um 81'/- Mill, zurückgegangen ist. Die Ausfuhr nahm auf allen Gebieten zu, namentlich aber bei fabrigitten Maaren, von welchen 1888 für 1638, im letzten Jahre aber für 1793 Mill. Francs ausgeführt wurde.
* Belgien. Den Ausstand der Kohlenbergleute im Gebiete von Charleroi betreffend, verlautet einerseits, daß Minister Beernaert am Dienstag in der Kammersitzung eine Depesche erhalten habe, wonach der Ausstand, Dank der Vermittelung von Sabatier und Smeysters, seinem Ende nahe fei. Die Zahl der Ausständischen hat um mehr als 20Ö0 abgenommen. (Rach einer anderen Mittheilung soll sie sich von 12,000 auf 8350 vermindert haben.) Dagegen wird andererseits behauptet, daß ein ein enbgiltiger Beschluß vor Mittwoch nicht möglich gewesen sei. Die Ausstänöischen erwarteten die Antwort auf ihr gestelltes Ultimatum Dienstag Abend. Zahlreiche Arbeiter, die des langen Feierns müde sind, wollen die Arbeit selbst in den Gruben wieder aufnehmen, wo die Vereinbarung seitens der Verwaltungen nicht innegehalten worden ist.
* Italien. König Humbert ist von dem schweren Schicksalsschlag, der ihn so jäh betroffen, noch immer derartig niedergefchrnettert, daß man für feine Gesundheit Befürchtungen hegt. Das Ansfehen des Königs ist völlig verändert, fein Gesicht Dom Gram förmlich entstellt, die Augen vom heftigen Weinen geröthet. Montag Nacht schloß sich der König mit den Söhnen seines verstorbenen Bruders im Sterbezimmer ein und hob im Verein mit den Letzteren die Leiche in den Sarg. Eine rührende Scene spielte sich auch gleich nach dem Tode des Prinzen ab. Schluchzend ging der König auf den Priester zu, der dem Sterbenden bis zuletzt seinen geistlichen Beistand geliehen, und drückte ihm lange und innig die Hand. Nachdem Prinz Jerome Napoleon, der Schwager und zugleich Schwiegervater des verewigten Herzogs von Aosta, in Turin eingetroffen, kam auch Prinz Victor Napoleon dort an; Vater und Sohn umarmten sich weinend. — Das fast gleichzeitig mit dem Tode des Prinzen Amadeo erfolgte Ableben des französischen Botschafters Mariani hat auf die diplomatischen und politischen Kreise der Hauptstadt einen schmerzlichen Eindruck gemacht. Herr Mariani erfreute sich zumal in der offiziellen italienischen Gesellschaft einer großen Beliebtheit.
* England. Im Königreich England sollen nach den Army Estimates für 1889/90 von der regulären Armee mit Einschluß aller Depot-Truppen, der Verwaltung (6110 Mann), sowie der höheren Stäbe, der Bildungs-Anstalten und Central-Werkstätten (2024 Mann) 117,778 Köpfe stehen; doch waren am 1. Januar 1889 nur 115,175 Mann, 13,238 Pferde und 282 bespannte Feldgeschütze wirklich vorhanden.
* Kpanien. Die Krankheit des Königs von Spanien war nicht eine Gehirn-Entzündung, wie man anfänglich annahm, sondern nur eine von starkem Fieber begleitete Unverdaulichkelt. Der König ist zwar noch nicht ganz genesen, aber außer Gefahr. — Das neue Ministerium Sagasta findet eine sehr ungünstige Aufnahme, selbst bei den Freunden Sagasta's, da es weniger Autorität besitzt, als das abgetretene Ministerium. Die ganze Krisis ist resultatlos verlaufen, die Aussöhnung auf der ganzen Linie einschließlich Gamazo gescheitert. Das Programm des neuen Ministeriums ist die Aufrechterhaltung des früher eingebrachten Budgets und die gleichzeitige Berathung der Vorlage über die Einführung des allgemeinen Stimmrechts.
