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Donnerstag. 17 . Dezember 1914.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 388. » 62 . Jahrgang.
die Rußen in ganz polen au
Erfolgreiche Vefchietzung englischer Nüstenstüdte!
Der Tagesbericht vom 17. Dezember.
{}eue französische Angriffe überall unter grotzen Verlusten abgeschlagen. — völliger Zusammenbruch der russischen (Offensive gegen Schlesien und Posen. Oer Feind überall verfolgt.
W. T.-B. Großes Hauptquartier. 17. Dez., vormittags. (Amtlich) Bei Nicuport setzten die Franzosen ihre ^Stiffe ohne jeden Erfolg fort. Auch bei Z i l l e - 6 e l e und L a Bassee wurden Angriffe versucht, aber un-. s e h r starken Verlusten für den Feind abgewiesen. Die Absicht der Franzosen, bei S o i s s o n s eine Brücke ^er die Aisnc zu schlagen, wurde durch unsere Artillerie ^kettelt.
östlich Reims wurde ein französisches Erdwcrk zerstört. Bon der o st - und we st preußischen Grenze ist Nichts Neues zu melden.
Die von den Russen augekündigte Offensive gegen Schlesien und Posen ist völlig znsammengc- Zöchen. Die feindlichen Armeen sind in ganz Polen hartnäckigen erbitterten Frontalkämpfen zum ^ ** d ä u g gezwungen worden. Der Feind wird überall Erfolgt. Die Entscheidung bei den gestrigen und ^gestrigen Kämpfen in N-rdpolen brachte die Tapferkeit st preußischer und hessischer Regimenter. Die Züchte dieser Entscheidung lassen sich zurzeit noch "'cht übersehen.
Oberste Heeresleitung.
Der letzte russische Bericht.
r. W. T.-B. Petersburg. 17. Dez. Der Stab des Generalissimus teilt mit: Der Feind wurde m der "egend von M lawa zurückgeworfen. Auf dem l inen Weichselufer fanden den ganzen Tag über artnäckige Angriffe der Deutschen in der allgemeinen Richtung von Kemosin auf Sochüczew statt. Unsere Truppen waren gezwungen, diesen Angriffen J n ter ungünstigen örtlichen Bedingungen Widerstand leisten und gingen abends etwas zurück. u f den anderen Teilen der Front dauern die Gegen- ■^griffe unserer Truppen auf den Feind und seine Heilungen an und behindern dadurch seine Trup- ^verschiebungen in die Gegend, wo sein Haupt- ?. n 9 r i f f stattfindet. Unsere Truppenbewegungen .•'’ftbetrt weiter das Vorrücken der Österreicher, die von Iserts der Karpathen kamen. An den anderen Konten keine wesentlichen Veränderungen.
er österreichische Tagesbericht vom 16. Oez. Zeind in Galizien und Südpolen auf der ganzen Front verfolgt.
Tin neuer Ausfall aus przemysl.
^W.T.-B. Wien. 16. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich vcrlantbart: 16. Dezember, mittags: In Galizien in Südpolen wird der zurückgehende Feind f» u t der ganzen Front verfolgt. Bei Üisko, frosno. Jaslo und im Biallatal leisten starke russische ,.Ate Widerstand. Im Dunajetz-Tal drangen Mere Truppen kämpfend bis Zakliczyn vor. Auch ^ ° ch n i a ist wieder von uns genommen. j> vsn Südpolen muhten die feindlichen Nachhuten gerast nach kurzem Kampf vor den Verbündeten ^'ch e n.
t -,ßn den Karpathen haben die Russen die Dor- Mung auf das L a t o r c z a - T a l noch nicht aufge- Im oberen Tal der Nadwornaer Bystrzyca "»rtze em Angriff des Feindes zurückgewiesen.
„ Die Besatzung von Przemysl unternahm einen ^Uerl^chen großen Ausfall, bei dem sich ungarische Abwehr durch Erstürmung eines Stützpunktes mit ^htoindernissen auszeichnete. Wie gewöhnlich wur- q* Gefangene und erbeutete Maschinen- H e c f) r e in die Festung gebracht.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: ^ v. Käfer, Generalmajor.
entscheidende Schlacht im Süden von Krakau? tz. Mailand, 17. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr.
„Seccolo" erfährt aus Petersburg: Eine mach- ^ österreichische Gegenoffensive ist im Be
griffe. die Karpathenabhänge in der Richtung von Tolina südlich vom Fluß Stryj herabzusteigen. Auch der Londoner „Morningpost" wird aus Petersburg berichtet, daß dort in der nächsten Woche auf dem östlichen Kriegsschauplätze. im Süden von Krakau eine entscheidende Schlacht erwartet wird. (Dolina in Galizien liegt an der Eisenbahnstrecke Stanilow-Stryj, die nach Lemberg führt.)
Lin sachverständiges schwedisches Urteil.
Deutschlands unbesiegbare Kraft noch „in stetiger Steigerung".
W. T.-B. Stockholm» 16. Dez. (Nichtamtlich) Der Chef der schwedischen Kriegsschule für Offiziersaspiranten, Oberstleutnant Bouveng, der sich 21/2 Monate lang auf den Kriegsschauplätzen auf deutscher Seite aufgehalten hat. hat dem „Aftanbladet" seine Erfahrungen und Eindrücke mitgeteilt. Er sagt: Deutschlands militärische Hilfsmittel halte ich für fast unerschöpflich. Es ist unmöglich, daran zu zweifeln, dc.ß die deutsche Armee imstande wäre, noch schwerere Aufgaben als diejenigen, vor denen sie heute steht, zu lösen. Diese bestimmt borgetragene Auffassung des Oberstleutnants beruht aus seiner Kenntnis von der Organisation des Ersatzwesens und der Ausrüstungsmöglichkeit der deutschen Armee. Er meint: Anstatt der Ermattung, die alle nach den fortdauernden Kämpfen dieser vier Monate zu erwarten geneigt wären, befindet sich die Kraft der deutschen Hilfsmittel zu Wasser und zu Lande in stetiger Steigerung. Er ist fest überzeugt, daß Deutschlands gegenwärtige Feinde es militärisch nicht besiegen können. Zu dieser Auffassung des Oberstleutnants trägt zum Teil die V o l k s st i m- m u n g, die er in ganz Deutschland bemerkt hat, bei, zum Teil der Umstand, daß man sich in Deutschland auch aus vorübergehendes Mißgeschick für die deutsche Armee gefaßt machte und Maßregeln getroffen hat, daß ein solches nur von kurzer Dauer sein könnte.
Ein Vorstoß an die englische Oftküste.
Beschießung der Küstenfestungen Scarborough und Hartlepool.
. IV. T.-B. Berlin, 17. Dez. (Amtlich.) Teile unserer Hochsecstreitkröftc machten einen Vorstoß nach der englischen Qstküstc und beschossen am 16. Dezember früh die beiden befestigten Küstenplätze Scarborough und Hartlepool. über den weiteren Verlauf der Unternehmung können zurzeit noch keine Mitteilungen gemacht werden.
Der Chef des Admiralstabs: v. Pohl.
Der nngerichtete Schaden. Die Bevölkerung flieht ins Innere.
W. T.-B. Berlin. 17. Dez. (Nichtamtlich.) Nach englischen Meldungen wurden in H a r t l c p o v ! über 26 Personen getötet und 86 verwundet sowie beträchtlicher Schaden angerichtet. Der Gasometer brennt. Die Beschießung der Festung W c st h a r tI c p o o l begann zwischen 8 und 9 Uhr früh. In Scarborough wurden zwei Kirchen beschädigt, mehrere Dächer sind eingestürzt. In Whrtbh soll die historische Abtei teilweise zerstört sein. Die Bevölkerung flieht ins Innere des Landes.
Die erste englische amtliche Meldung.
W. T.-B. London, _ 16. Dez. (Nichtamtlich.) Die Admiralität teilt mit: Eine wichtige deutsche Fl o t t e n b e w e g u n g fand heute früh in der Nordsee statt. Scarborough und Hartlepool wurden beschossen. Unsere Fottrllen sind an verschiedenen Punkten in Kämpfe verwickelt. Die Aktion wird fortgesetzt.
. Zum zweiten Male schon donnern die Geschütze der deutschen Flotte an der Nordseeküste des „meerbeherr- schcnden England, hämmern sie mit ehernen Schlägen dem Britenvolk, das seine Riesenflotte bisher scheu vor unseren Unterseebooten in seinen Häfen verbarg, die Erkenntnis davon ein, wie es denn nun wirklich mit dem „Britannia rules tlie waves" steht. England „beherrscht die Wogen" des Weltmeeres draußen auf den weiten Ozeanen zwar insofern annähernd wenigstens wieder, als es nach 4 Monaten des Schreckens, die ihm unsere ohne jeden Stützpunkt draußen auf verlorenem Posten mit unvergleichlichem Schneid tätigen Auslandskreuzer bereiteten, die meisten von diesen mit dem Aufgebot einer ungeheuren Übermacht zur Strecke
gebracht hat; aber es .-beherrscht die Wagen" des Weltmeeres an seine ne igenen Küsten nicht einmal soviel, daß es sie mit einer um mehr als das Doppelte überlegenen Macht vor der Beschießung durch unsere Kreuzer zu schützen vermag! Und das ist mm schon üaS zweite Mal in den letzten Wochen — der erste Fall war der von Aar m o n t h am 4. November, alle die fortgesetzten erfolgreichen Vorstöße unserer Unterseeboote nicht mitgerechnet —, daß unsere Nordsee f l o t t e, welche die Engländer ja eigentlich schon nach einigen Tagen auf den Meeresgrund befördert zu haben hofften, und die sie nun, nachdem das nicht ern- traf, aus ihrer „Rattenfalle" nicht herauslocken zu können behaupteten, an ihrer eigenen Küste a n g r e i f t. Vielleicht ist der unmittelbare militärische Erfolg des neuen deutschen Vorstoßes — obwohl der amtliche oben erwähnte Bericht der englischen Admiralität selber von einer wichtigen deutschen Flottenbewegung spricht — nicht einmal so hoch einzuschätzen, wenngleich unsere Granaten offenbar gut gezielt gewesen sind: die Hauptsache ist und bleibt jedenfalls wie bei Darmouth der moralische Eindruck, die Beeinträchtigung des englischen Ansehens, seiner Seegeltnng in den Augen der ganzen Welt, die die neue Tat unserer Schiffe schon jetzt, bevor man.weiteres weiß, als einen h o ch erfreulichen Erfolg erscheinen läßt. Mit frohem Stolz und heißen Wünschen — das Land der Briten mit der Seele suchend — blickt darum auch heute wieder „ganz Deutschland nach der Wasserkante auf seine heldenmütige Flotte, von der es noch so viel erhofft. Der neue Vorstoß wird in England wieder einen heiligen Schrecken Hervorrufen; das Jn- v a s i o n s g e s p e n st nimmt in der „Pest" der deutschen Unterseeboote unter dem Wasser, den gefürchteten Zeppelinluftschiffen, vor denen London sich in scheuen Schleier hüllt, über ihm und nun gar ivieder in un- seren schneidigen Kreuzern ans dem von England vermeintlich „beherrschten" Wasser selber immer greifbarere drohende Wirklichkeit an. Der Donner der deutschen Schiffe vor Scarborough und Hartlepool wird weit über Englands Gestaden hinaus seine Wirkung ausüben. Für den todesmutigen heldenhaften Geist aber, mit dem unsere Blaujacken sich würdig unseren Streitern zu Lande und in der Lust an die Seite stellen, ist die Beschießung der drei englischen Küstenplätze am gestrigen Mittwoch ein neuer — in seiner Wirkung einem gewonnenen Seegefecht wie dem von Coronel gleicher — glänzender Beweis und eine Hofftinng für die Zukunft. Ist doch unsere Marine init in erster Linie berufen, den Wunsch und Willen zur Wahrheit zu machen, der uns allen im Herzen brennt: Gott strafe England!
Oie Panik in den beschossenen Grten. *4 lid. Rotterdam. 17. Dez. Das Bombardement von Scarborough durch die deutsche Flotte rief dort die größte Panik hervor. Die Bevölkerung stürmte den Bahnhof, wo ein bereits dicht besetzter Zug zur 1= fahrt nach Hüll bcreilstand. Die kopflose Menge stürmte diesen Zug und es spielten sich nnbeschreib- liche Szenen ab. Hunderte wild d n r ch e in a n d e r schreiender Menschen hielten die Trittbretter der Eisenbahnwaggons besetzt und verteidigten ihre Plätze, indem sie sich an die Waggons anklammer- 1 e n, nm sich gegen die anstürmende Menge behaupten zu können. Das Bombardement scheint seine Wirkung nicht verfehlt zu haben. Der Heizer dieses Zuges erklärte, er habe gesehen, daß kurz nacheinander drei Schornsteine großer Fabriken crngestürzt seren.
bä. Rotterdam. 17. Dez. In Hartlepool entstand eine Panik, die nm so größer war. als die Engländer die Schrecknisse des Krieges zum ersten Male am eigenen Leibe spürten. Der Kanonendonner war in der ganzen Umaeacnd vernehmlich. Die F en erw ehr mußte an verschiedenen Punkten eingreifcn.
Wertere Einzelheiten nach englischen Quellen. Drei deutsche Kreuzer beteiligt?
W. T.-B. London. 16. Dez. (Nichtamtlich.) Meldung des „Reuterscherr Bureaus": Nach weiteren Nachrichten über die Beschießung von Scarborough war das
