26. Oktober 186«. Seite 3
Wiesbadener Tagblatt (Abend-Ansgabc). Verlag: Langgafse 27.
503. 40. Jahrgang.
Die heutige Abend-Ausgabe umfaßt 8 Seiten
werden mußte. Die Entlassung der Bergleute erfolgte allmählich, das vermindert aber nicht die üble Lage, in welche die Arbeiter gerathen sind. Das Attentat wird auf diesen Umstand zurückgefShrt.
Kleine Chronik.
Amtlicher Eholerabericht vom 24. October: Hamburg 6 und 0, Altona 1 und 2, Demmin 0 und 1, Fordon 1 und 0.
In Augsburg ist der Eomiuercienrath Fromme!, ein bekannter Industrieller, langjähriges Mitglied verschiedener deutscher Jndustrie-Eorporationeu, im Alter von 57 Jahren gestorben.
Die „Köln. Volksztg." meldet aus Trier: Durch den ersten starken Schneefall ist die Weinernte gestört; auch in der Eifel und in dem Hochwald ist seit Sonntag Schneefall emgetrcteu.
Hebet die Weiterführung des Waldsteinprozesses wird gemeldet: Betreffs des Allod sei der Finanzprocurator für da? Duxer Hospital zum Erben erkärt. Betreffs des Fideicommisses wird Graf Ernst Waldstein gegen den minderjährigen Gino Waidstein die Klage emreichen; betreffs der Schenkungen von 400,000 Gulden für Weinelt und Kleidoifer suchte Dr. Gollitschek Nicht- ausfolgnug an; Dr. Herold reemrirt.
In der lothringischen Greuzortschast Niederrentgen wurde gestern Morgen eine 70jährige Frau erwürgt in ihrem Wohnhause nufgefuudcn. Der Raubmörder, ein Luxemburger, der die ganze Baarschaft gestohlen, wurde ergriffen.
Geldmarkt.
-m- Coursverlcht der Frankfurter Körfe vom 26. Oct. Nachmittags 12V- Uhr. — Eredit-Acticn 263V», Discouto- Conimandit-Autheile 183.50, Galizier 182’/», Lombarden 840-, Egypter 99.20, Portugiesen 23.90, Italiener 91.—, Ungarn 94.90, Gotthardbahn-Actien 153.—, Nordost 110.80, Union 70.30, Dresdener Bank —.—, Laurahütte-Actien 102.50, Gelsenkirchener Bergwerks- Acticu 133.80, Bochumer 118.70, Harpencr 131.—, Berliner Handelsgesellschaft 133.50. Tendenz: matt.
Geschäftliches.
Die erste und älteste „Bodega“-Finna a. d. Continent ist nur The Continental Bodega Company, deren Port-, Sherry-, Madeira- &c. "Weine in Preis und Qualität ohne Concurrenz sind! Depot für Wiesbaden: Georg Hiieher IVhehf., Ecke der Friedrich- und "Wilhehnstrasse. 19911
(?) Flörsheim a. M., 25. Oct. Die Weinlese liefert im Ganzen bezüglich der Menge ein geringes Resultat. Etwas besser sieht es in dieser Beziehung im „Spieß", dem nach Bad Weilbach zu gelegenen Weinbergsdiftrictc aus, doch ist hier die Qualität etwas geringer. Was die Mite des 1892er aubelangt, so ist dieselbe eine vorzügliche. Der Most wiegt 100 bis 108 Grad nach Oechsle bei sehr wenig Säuregehalt. Dieser Tage kaufte ein Weinhändler aus dem unteren Rheingau die Crescenz bei kleineren Winzern auf und bezahlte das Pfund Trauben mit 30 Pf. Gestern begann die Lese in den Gemarkungen Hochheim und Wicker. — Trotz des nicht gerade sehr einladenden Wetters war unsere Kirchweihe am Sonntag und gestern sehr zahlreich von Answärts besucht. — Heute schneite es tüchtig drauf los. Der jetzigen Kindergeiieration war es wohl noch nicht vergönnt, sich am 25. October mit Schneeball- Werfen zu vergnügen, wozu ihnen heute Gelegenheit geboten war.
* Nädesheim, 25. Oct. Bei dem Binger Hafenbau brannte gestern Nacht eine Baggermaschine ab. Der Baggermeister und dessen Fran soivic ein Maschinist konnten sich nur mit Lebensgefahr und uothdürftig bekleidet retten.
* Uiederlahnftein, 25. Oct. Neulich hatten wir von einer versuchten Brandstiftung zu berichten. Wie die „Kobl. Zig." hört, wurde gestern an derselben Stelle ein neuer Versuch gemacht, aber noch rechtzeitig vereitelt. Hoffentlich gelingt es, den Brandstifter baldigst zu entdecken und unschädlich zu machen.
□ Ems, 24. Oct. Die alljährlich int Herbst hier stattfindende Conferenz von Vertretern der Regierung, der Kur- commissiou, der Gemeindebehörden und Badeärzte, die sogenannte Herbsteonferenz fand heute Nachmittag von 2 — 4 Uhr im Kurhause statt. Es nahmen an derselben von auswärts die Herren Regierungsrath Westphalen ans Wiesbaden und Banrath Hehl aus Diez statt. Da die Verhandlmtgen vertraulich geführt werden, verlautet nichts über die dort vorgebrachten Wünsche. Wegen Bc- th^ligung des Stadtverordnetenvorstehers Tb. Binger als Kur- commissionsmitglicd an dieser Conferenz und Abwesenheit des Vor- sttzenden-Stellvertreters Quehl mußte die auf gestern angesagte Stadtverordnetensitzung um acht Tage verschoben werden. Es gelangt in diefer Sitzung der hier viel erörterte Frank'sche Antrag, betreffend eine Denkschrift über die wirth schriftlichen Verhältnisse der Gemeinde Ems, welche der König!. Negierung vorgelegt luerben soll, zur Sprache.
— Limburg, 25. Oct. Das Schwurgericht erkannte in der Strafsache gegen den 22-jährigen noch nitbestraften Bergmann Carl Bender von Wir betau, welcher am Abend des 17. Juli er. der Ehefrau Kohl in Wirbclau einen Messerstich in den Unterleib versetzte, an dessen Folgen die Frau starb, auf 5 Jahre und 11 Tage Zuchthaus. — Wegen Sittlichkeitsverbrechens wurde der Saudformer Heinrich Bastian von Wissenbach zu 2 Jahren Gcsängniß verurtheilt.
*■ * * Weilburg, 25. Oct. Herr Lehrer Friedrich Eppstein zu Lützendorf ist zum Lehrer an der Elementarschule zu Drommershausen mit dem 1. November l. I. ernannt worden.
* Wz, 25. Oct. Die Kammfabrik dahier, Inhaber Keller n. Co., ist nm die Smnme von 200,000 Mark käuflich in den Besitz einer Firma in Worms a. Rh. übergegangen. Die neue Besitzerin der Fabrik will Letztere noch bedeutend vergrößern lassen und mehr Arbeiter ein stellen.
Gdertttfel, 25. Oct. Einem au einem Neubau in Frankfurt beschäftigten jungen Arbeiter von hier spritzte vor einigen Tagen Kalk in die Augen. Trotz sofortiger ärzlicher Hülfe konnte er von der vollständigen Erblindung nicht gerettet worden.
* Mainz, 25. Oct. Den Mittheilungen des Vereins zur Ab- Irchr des Antisemitismus ist zu den Gratulationskarteu mit dem Porträt Buschhoff's vom „Israelit" die Benachrichtigung znge- gangen, daß das Inserat ohne Wissen der Redactiou aufgenommcn worden sei. Der „Israelit" selber sei der erste gewesen, der sich gegen das Inserat gewandt hätte, In der Nummer vom Ist September dieses Blattes finde sich eine scharfe Verurthetlung der Starten. Die Mittheilungen versichern schließlich, es sei ihnen eine aufrichtige Eenugthuung, die gleiche Gesinnung beim „Israelit" conftntiren zu können.
* Simmern (Hunsrück), 25. Oct. Den eigenen Sohu hat in d m Dorfe Steinbach der Wirth Kasper erschlagen. DerWirth geriet!) mit {einem 42-jährigen Sohne, einem jähzornigen Manne, Der den Baker schon mehrfach mißhandelt hatte, in Streit. Der Sohn drang auf den Alien ein, und dieser, neue Mißhandlungen fürchtend, versetzte mit einer schnell ergriffenen Feuerzange, dem Sohne einige wuchtige Hiebe auf den Kopf. Der Sohn brach zusammen und verschied nach kurzer Zeit. Der bedauernswertheVater hat sich selbst dem Gerichte gestellt.
* ScÄdorf, 25. Oct. Roch ist die Untersuchung über ein im Ium gegen den Obersteiger der Grube der West Prussiau Mining Co. in Fischbach verübtes Dynamit-Attentat nicht abgeschlossen, da trägt schon wieder ein gleiches Bubenstück Aufregung in Misere Gegend. Zn AnfckNg dieser Woche wurde auf der Krupp'scheu Grube „Bindweide" ein von zwei Steigern bewohntes Haus durch die Explosion von zwei Dynamitpatronen beschädigt; die Patronen waren in die Fensternische gelegt worden. Auf die Thätcr, die zweifellos unter den auf der Grube beschäftigten Berg- Icutcn zu fachen sind, wird eifrigst gefahndet. — Die Grube „Bindweide" ist die größte des hiesigen Bezirks, sie beschäftigte noch im vorigen Jahr über 1000 Arbeiter. Die schlechte Geschäftslage hat es mit sich gebracht, daß diese Zahl um 300 Mann verringert
(Krieg im Frieden) in seinem neuesten Lustspiele kaum noch wieder z» erkennen fei; es fei arm an Handlung, die Zeichnung der Charactere sei gänzlich mißlungen, der Dialog witzlos i.nb langweilig.
* Trimql-n's Nachlaß. Wie „Truth" mittljei’t, hat der- verstorbene Lord Tennyson noch kurz vor feinem Tode ferne ge- sammien Papiere durchgesehen und eine Menge Briese und Mannscripte mit eigener Hand vernichtet. Den Dichter hatte die Judiscretion, welche sich der Geschichtsschreiber Fronde in seiner Biographie Carlyle's zu Schulden 6at kommen lassen, unangenehm berührt. Er befürchtete stets, sein eigener litterarischcr Nachlaß möge in die Hände eines iucompetenteu Herausgebers gelangen. Deshalb verbrannte Lord Tennyson Alles, was er für die Veröffentlichung ungeeignet hielt. Wie schon mitgetheilt, wird Hallam Tennyson, der einzige lebende Sohn, das Leben seines Vaters beschreiben.
♦ drei kleinen Schiffe des Columbus, mit welchen dieser 1492 aus Pa los zur Entdeckung Amerikas aussegelte, waren in Huelva während der Feierlichkeiten gelegentlich der 400-jährigen Entdeckungsfeier Amerikas in getreuer Nachbildung zu sehen. Die „Santa Maria", das größte Schiff, wurde am 26. Juni im Arsenal von Carrara vom Stapel gelassen, wo cs auf Kosten der spanischen Regierilng erbaut worden war. Die andern beiden, die „Nina" und „Pinta", sind auch in Spanien, jedoch im Auftrage der Vereinigten Staaten, erbaut worden. Die „Santa Maria" ist 17 Meter lang, saßt 125 Tonnen und das einzige gedeckte Fahrzeug, welches ursprünglich 70 Mann als Besatzung hatte. Die „Pinta" hat 50 und die „Nina" nur 40 Tonnen; jedes Schiff führte nur 20 Mann. Die „Santa Maria" ist nach den Festlichkeiten in Huelva mit einer spanischen Besatzung und geleitet von einem spamsche« Kriegsschiffe nach Havana abgegangen. „Pinta" und „Nina" sollen ihr im nächsten Jahre folgen. Von Havana geben die vereinigten Schiffe nach New-Fork, wo sie im Mm 1893 an der großen internationalen Flotten schau theilnehmen sollen, und dann durch den 21. Lorenz- stroni und die canadischen Canäle in den Michigansee zur Welt- Ansstelluuz in Chicago, wo ste den Vereinigten Staaten „als Reliquien" übergeben werden. Die Reffe von Montteai nach Chicago wird drei Wochen in Anspruch nehmen und wohl nicht ohne Schwierigkeiten verlaufen, da keiner der Canäle zwischen Montreal und de» Seeen tiefer Äs 3 Meter ist. Dabei sind 53 Schleusen zu passiren.
Kehle Nachrichten.
Berlin, 26. Oct. In den Kreisen der deutschen Regierung wird die vorzeitige Veröffentlichung der Militär-, Vorlage der Kanzlei eines mitteldeutschen Staates zug eschriebeu, zum Zwecke, die Vorlage zu Fall zu bringen. — Das „B. T." erfährt aus Rom, Erzbychof v. Stablewski sei für den Cardinalshnt in Aussicht genommen unter Umgebung des Fürstbischofs Kopp. — Der Vor. stund der „Neuen frei en Volksbü hne" verlangt die Ablieferung der Kasse nach Abzug der während des Strikes gedruckten Annoncen und Flugblätter und 600 Mk für etwaige Prozeßkosten.
Kerlin, 26. Oct. Der „Vorwärts" veröffentlicht ein Dankschreiben des Maires von Carmaux, Calvignac, für die von: Parteivorstlmd den Sirikendeu überfanbten 500 Francs; in dem Schreiben heißt es, die Bergleute beanspruchten mit den sozialistischen Arbeitern Deutschlands eine internationale Bereinigung der Arbeiter und die soziale Revolution, die ihre Klaffe befreien solle.
MSnche«, 26. Oct. Der Präsident des Münchener Ober- laudesaerichts, Freiherr v. Stengel, tritt mit dem 1. November in den Ruhestand. Zn seinem Nachfolger ist der Oberstaatsanwalt Ncichsrath v. Küffner ernannt worden.
Paris, 26. Oct. Der „Figaro" pnblizirt heute eine Depesche seines Madrider Corrcspoudenten, wonach der Zustand des Königs von Spanien sich verschlimmert habe.
Paris, 26. Oct. Die Bergwerksgesellschaft von Carmaux unterwirft sich Loubet's Schiedsspruch, erklärt indessen, Loubet habe sich den Schiedsspruch durch das Comitö der Ausländischen dictiren laffeii.
Saini Keuler (Aveyron), 26. Oct. Durch ein Dynamit - Attentat wurde das Hans des conservativen Canditaten Sch illae theilweife zerstört. Vier benachbarte Häuser wurden be.chad gt. Die Ursache ist politische Rache.
Kan Kebastian, 26. Oct. Bei einem Znsammeustoß von Deutschen mit Navarresen wurde ein Deutscher schwer verwundet.
Urm-UorK, 26. Oct. Aus Caracas kommt die Nachricht, der letzte Rest der Regierungstruppen sei zn Crespo, Barcelona habe capitnlirt, säuimtliche Führer der gestürzten Regierungspartei seien gefangen in den Händen des General Crespo.
Kuenas Aires, 26. Oct. Tas Gerücht von dem Ausbruche eines Aufstandes in der Provinz Corrientes ist durchaus unbegründet; es herrscht daselbst überall Ruhe. In der Provinz Santiago del Estero (siehe Pol. Tages-Rnndsch.) ist eine Veränderung der Lage nicht eiugetreten.
a Mai, den 5. Herr M. Müller. Prämien erhielten k^Äandfcheibe: 1. Herr G. Nö lker, 2. Herr F. Mark!off, cwr a Stoffel, 4. Herr F. Mai; ansFeldscheibe: 1. Prämie 4 Mai, 2. Herr F. Markloff, 3. Herr C. Eichhorn, Rossel; auf Hasenscheibe: 1. Prämie Herr C. Eich- * o Herr I. Hecker; auf Mldschweiuscheihe: 1. Prämie -"g Eichhorn, 2. Herr A. Thomas.
= Sesiinoechsel. Herr Friedrich Christian Rossel hier i Morgen 99 Ruthen 15 Schuh Ackerland im Biebricher District "p-r," "2 Gewann, znm Preise von Pik. 12,944.75 (Mk. 65 pro -Lünb'i au Herrn TüuchermeisterFranz Schranz dahier verkauft. Kerr Bäckermeister Wilh.Wols hat fern Hans Schwalbacherstr.51 St 62,000 Mk. an Herrn Bäckermeister Jacob Milz hier verkauft.
’ — Miesbaden, 25. Oct. In den vor einigen Tagen statt- «ebobteii Sitzungen des Landesausschusses wurden folgende Be- »jie von allgemeinem Interesse gefaßt: Der Herr Oberpräsideitt rMzebeten werden, höheren Orts dahin zu wirken, daß die bei sEiupinrtirunaen gewährten Servissätze mehr den jeweils in kwzclnen Bezirken herrschenden Preisen augeinessen festgesetzt £Xg. Aus der ständischen Hiilfskasse werden Darlehen ver- WMt: er Gemeinde Hof zur Bewilligung von Vorschüssen an rtgrfme Haaelbeschädigte 5500 Mk. unverzinslich und in drei gleichen rückzahkbar, der Gemeinde Dienethal 8000 Mk. für Sich Schulhausbau, Schmitten 1000 Mk. zur Deckung von Wege- dankostcu, Ettersdorf 5000 Mk. zum Ankäufe und Einrichtung eines SchulhauscS gegen 1 pCt. Verzinsung. Aus dem Melioraüous- fouds erhalten zur Beschaffung von Wieseneggen die Gemeinden GöiSroth, Oherroßbach, Wallmerod, Kölbingen nud Waldmühlen unverzinsliche Darlehen in Höhe der Aiischasfuugskosien, zur Beschaffung von Saalreinignngsmaschiiien ebenso die Gemeinden Simbad), Eschcnhahu, Gershasen, Reichenborn und Zürbach, zur Beschaffung einer Viehwaage die Gemeinden Aumeuan uud Berndroth geb zur Beschaffung einer Trauheupresse die Gemeinde Langenscheid. Xu einer auf 7600 'Mk. geschätzten Wiesenmelioration erhält •’iis Gemeinde Hof einen Zuschuß von 3000 Mk. und ein Darlehen sitzon 4600 Mk., welches die ersten drei Jahre unverzinslich, dann mit 2 pCt. zu verzinsen und mit 10 pCt. zu tilgen ist, unter der Mdinguug, daß entweder Seitens dcr Gemeinde ober Seitens der ' Wiesengeuossenschaft ein Wiesciiwärter bestellt wird, welcher für die Instandhaltung der Anlage sorgt. Zur Melioration der Viehweide i jä Marienberg werden 30 PCt. Zuschuß, bei Obcrsain 50 pCt. Zuschuß und ein mit 2 pCt. Zinsen und 5 pCt. zu tilgendes Darlehen uoit 1500 Mk. bewilligt. Den Gemeinden Niederscheld, Sonnenberg imd Lixseld werden Darlehen zu FolgeeinrichtungS-und Zusaimncu- lcgnngskosten gewährt. Um Laudwirthen, welche ans eigenen Mitteln feine vorschriftsmäßigen Jauchegruben anzulegen im Staude sind, dies zu erleichtern, wird beschlossen, Gemeinden »«verzinsliche, innerhalb fünf Jahren rückzahlbare • Darlehen bis zur bestimmten Höhe zu gewähren, tvelche dieselbett zu dem bemerkten Zwecke an geringbemittelte Landwirthe ausleiheu wollen. Aus dem Kreise Westerburg sind bereits zahlreiche hieraus gerichtete Gesuche von Gemeinden eingegaugen. Zu Vicinal- ive gebauten werden nachträglich verwilligt: der Gemeinde Attenhausen 2600, Weinähr 2592, Springen 2660 Mk. und den Gemeinden Kroppach, Püschen und Hardt Beiträge zu den Mehrkosten der Abwalzung von mit ständischen Zuschüssen gebauten Strecken. — Ernannt werden die Wegemeifter-Aspiranten Fröhlich, Gimtrum und Preißer zu provisorischen Wegemeistern. Die Orts- Wjllgsstraßeustrecke von Montabaur soll in ständische Unterhaltung Äemommen werden. Zur Bert Heilung an diejenigen Gemeinden M Kreises Westerburg, welche ihre Vicinalwege durch solche Wärter Nbgutem Stande erhalten lassen, die unter Zustimmung des Lbudes- Wwnspeetors angenommen und demselben bezüglich des technischen Weils untergeben find, werden dem Kreisausschusse 50 pCt. der dafür aufgetoenbeten Kosten zur Vertheilung überwiesen. — Aus bn«ffaüischeuBrandkasse wurden für ausgezeichnete Löschhülse ysgtoe Prämien geliefert: an Schieferdecker H. Stillger zn WWerdrechen 30, .Handelsmann I. Schaumberger zu Gemünden 30, Ämtermann Ph. F. Kreizsel und K. Kreusel zu Hennethal je 10, Za:. Noll zu Dorchheim 20, Joh. (Sorg zu Elgendorf 15, Nachtwächter Pfeiffer zu Sinn 10, P. Lück zu Todtenherg 20 uuj) Wilh. velSper zu Notzcuhahu 10 Mk. Zur Verbesserung von Löfchein- näjtinigcu, insbesondere zur Herstellung von Wasserleitungen Welpen den Gemeindet! Bergnaffau und Cbcrrctfenberg Darlehen zu billiget! Sclinguugeit gewährt. — Bezüglich der Unterbringung Epileptischer ans Grund des Gesetzes vom 11. Juli 1891 wird der zwischen dem Weirn Landesdirector und dem Vorstand der Anstalt Bethel bei eiciefclb abgeschlossene Vertrag genehmigt.
i = Wiesbaden, 26. Oct. Das „Militär-Wochenblatt" meldet Liccfeldwebel Euler vom Landw.-Bezirk Glatz zum Sec.-Lt. der Sei. des 2. Nass. Jnf.-Regts. Nr. 88, Aiceseldwebcl Meister vom -«Uidw.-Bezirk Hannover znm Scc.-Lt. der Res. des 1. Nass. Jus.- RegtS. Nr. 87, Sec.-Lt. Kühne von der Inf. 1. Aufgebots des Mndw.-Bezirks Oberlahn stein zum Prem.-Lt., die Vicefeldwebel Dang old, Schoenfeld vom Landw.-Bezirk Wiesbaden zu Dc-Lts. der Res. des Füs.-Regts. v. GerSdorff (Heff.) Nr. 80, «iceseldwebel Keßler vom Landw.-Bezirk Marburg zum Sec.-Lt. der Res. des 1. Nass. Jnf.-Regts. Nr.87, Vicewachtmeister Schrohe ®pni Landw.-Bezirk Mainz zum Sec.-Lt. der Iles, de« Naff. Feld.- -Htt.-Regts. Nr. 27. — befördert. Tiebel, Sec.-Lt. von der Ins. L Aufgebots des Landw.-Bezirks Oberlahnstein ist der Abschied bewilligt worden. Dr. Krause beim 1. Naff. Juf.-Negt. Nr. 87, M. Eberling beim 2. Nass. Juf.-Rcg. Nr. 88, — zu Unterärzten «no.nnt.
* Der Nachfolger von Doberl Frans. Als Ergänzung ■ imferem gestrigen Artikel über Robert Franz können wir noch Mben, daß als Nachfolger in feinen Aemtern — Dirigent der Mgacademie und Univerfitäts-Musikdirector — schon seit Jahren trr Otto Rcubke fungirt. Dieser tüchtige Musiker ist ein Sohn P berühmten Orgelbauers Adolf Rcubke und Bruder des leider t früh verstorbenen genialen Compouisten und Claviervirtuosen "ins Renbke (Schüler von Liszt).
g * In dem Befinden Dessofsfs, des von einem Schlaganfall ►offenen Kapellmeisters am Frankfurter Opernhause, ist eine Kam fortschreitende Besserung eingetreten. Das Sprachvermögen xwiedergekchrt, und auch die sonstigenLebenserscheinnngen berech- *1 zu einer Hoffnung auf Genesung.
t * Neben den vielen fürstlichen Geschenken, die das Wßherzogliche Jubelpaar von Weimar zur Feier der goldenen ächzest erhielt, ist auch ein Geschenk eines „Landeskindes" zn ®äbneu, das um feiner Seltenheit und seines historischen Werthes ■bet wohl mit mancher königlichen Gabe rioatifiren kann. Herr W. Hof- und Justizrath Dr. Sille überreichte als Festgabe in Privataudienz S. K. Hoheit dem Großherzog ein Glas, das
®>t Goethe dem Vater des Herrn Gille, mit dem er sehr Pciindet war, unter Begleitung folgender Zeilen verehrte:
BeykomniendcS freundlich Kunstwerk ist Ew. Wohlgeboren nicht rfformt; Sie haben es als Zierde in dem wohlgeschmückten ^wisr gesehen, wohin der werthe Freund nicht wieder zurück- ®brt ist. Stellen Sie es bet; sich auf nnb gebenfen mit den Ptlicn Ihrigen liebevoll eines jungen Mannes, der Ihnen so an- ^S>ich war und welchem Ihre nachsichtige Freundschaft über Wck>e getrübte Stunde hinaus geholfen. Auch erinnern Sie Sich ®0j desjenigen, der sich dankbar nitterzeichnet
Ew. Wohlgeboren
ergebensten Diener
W«- . 3- W. Goethe.
Weimar, den 12. December 1830.
L^er erwähnte „Freund" istGoethe'sSohn August, welcher mit ^vesdirectionsrath Gille sehr befreundet mar und bekanntlich im 1830 in Italien verstarb.
L* <8iu junger Tlar-i»r Kirtuose ans Neuß hat dieser E,1» Berlin einen hübschen Erfolg errungen. Es ist ein drci- W^hrjger Gymnasiast, Eduard van Dooren, der jetzt als Lntcr-
t er trauer mehr an den Julius Cäsar, als au die Klaviatur denken muß, und so feit zwei Jahren gar nicht mehr in die Oeffentlichkeft getreten war. Derselbe hat die Ferien benutzt, um in Berlin bei der von der Hochschule für Musik ausgeschriebenen Concurrenz für das Staat?stipendnun, in welcher er vor zwei Jahren sich schon einen Preis erworben, nochmals fein Glück zu versuchen. Nicht weniger als 17 Bewerber um den Preis hatten sich gemeldet und traten in den Wettkampf ein. Preisrichter waren die Proiefforeu Joseph Joachim, R. Nadecke und Bargiel. Auch diesmal bestand der kleine Künstler die Probe mit Glanz. Unter den vier, welche von den 17 mit einem Preise ausgezeichnet wurden, befindet sich auch er wiederum, und zwar als einziger preisgekrönter Clavier- spieler, obschon Schüler der besten Meister, so von Clara Schumann, mit ihm concurrirtcn. Von den anderen drei Preisen fielen zwei an Violinspieler, Schüler von I. Joachim, und einer an eine Sängerin. Eduard van Doorcn spielte das L-moU-Concert von Chopin.
* Lothar Meggendorfer's „Kumoristische glätter“ (Eßlingen, I. F. Schreiber) haben durch eine allerliebste, von drolligstem Humor beseelte Titelkopfzeichnnng von F. Reiß ein viel aumnthigeres Gesicht bekommen, wie denn jener Künstler, ein Seiten= stuck zu Carl Gedrts, überhaupt der hervorragendste Illustrator dieser bunten Wochenschrift ist. Die gemüthvollen und hübsch com- ponirtcu Blätter von Engl, der in der jüngsten Nummer eine geradezu entzückende Storchendotschast brachte, dienen dem Ganzen ebenfalls als besondere Zierde, während Koystnud'S Jllustradoneu durch ihre Eleganz uub ihren sichern Strich interefftren. Auch sonst finden wir treffliche und echt humoristische Zeichiinugen immer häufiger in letzter Zeit, so in der jüngsten Nummer eine anßerordentl ch groteske Geschichte einen künstlerischen Giraffe. Die steifen und ledernen Beiträge werden immer mehr verdrängt, and) der Text, der früher oft sehr naiv war in Vers wie in Prosa, gewann an Reiz. Verbefferungsfäbig ist er, trotz einiger Prei«- hnmorcskcu, immer noch, aber das Ganze zeugt von bestem Streben und wir können die eben so reichhaltige, wie billige ZeiffchristJedem empfehlen.
* Der „Lebemann", Gustav v. Mofer'S Lustspiel, wurde am 21. October im Teatro (Serbino zu Turin ausgepfiffen und mußte sofort vom Spielplan abgesetzt tverdeu. Die „Gazetta Piemontese" sagt in ihrer Kritik, daß der auch in Italien zu großer Berühmtheit gelangte Verfasser von „Gnerra in tempo di pace“
