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Aus Stadt und Land.

* Zur Erinnerung. Niemals war die Kurzsichtigkeit und Leicht- inzigleir der deutschen Fürsten der mittelalterlichen und nachmittclalter- litim Zeit größer, als wenn sie sich in ihren Rechten vom deutschen Kaiser Mrzr glaubend, mit den alten Feinden des deutschen Reiches gegen dieses W) intriquirten. Solch ein geradezu haarsträubender Fall liegt am ^Oktober 1551 vor. An diesem Tage schlossen zu Friedeuwalde die Ptsitantiichen Fürsten in Deutschland einen Vertrag mit Frankreich, laut kichern dieses seine Unterstützung gegen den deutschen Kaiser Karl V. zu- fggte. Natürlich thnt solches König .Heinrich TI. von Frankreich nicht um- iiilst, und also erreichte es der französische Gesandte Marillav, schlau wie jmksglcichen stets waren, daß die Fürsten das zu Deutschland gehörende Miet von Metz bis Cambrai einschließlich der Städte Toul und Verdun tau König von Frankreich zusicherten, formell unter Vorbehalt der Rechte H Reiches. Kann man sich wundern. Laß Frankreich stets Deutschland ili gute Beute betrachtete, wenn die Fürsten selbst sich so schamlosen Ver- rchks schuldig machten.

-o- Personal-Nachrichten. Dem Herrn Rechnungsrath Hötteke hin, seither Rechnungs-Revisor bei dem Landgericht in Limburg, ist an- liflich seines am 1. Octotier er. erfolgten UebertrittS in den Ruhestand d« Rolhe Adlerorden IV. Klasse verliehen worden. Herr K als, Wer Buchhalter bei der Justiz-Hauptkasse in Frankfurt a. M., ist zum Z!chM»gS-Revisor bei dem Landgericht in Limburg ernannt worden.

-o- Tnskvordnuug für die Si8ung der Stadtverordneten im Steinig, den 7. October d. I., Nachmittags 4 Uhr: 1. Ein Gesuch wnAnwohnern des Kaiser-Friedrich-Rings, betreffend chen Ausbau dieser Aich. 2. Antrag des Magistrats, betreffend die Erbauung eines Armcn- AdnHauseS. 3. Anträge des Bauausschusses, betreffend a. den Ausbau da Michen Ringstraße und der Westendstraße; b. das Gesuch des Bau- ««dmers Herrn Karl Cramer um Ermäßigung von Straßenkosten; e. den Äcrtrag mit den Erben Käßberger über den Ausbau einer Seiten- fafc zur Emserstraße und Gestattung des Ausbaues in geschlossener dichmihe; d. die gegen den Fluchtlinicnplan der Elisabethcnstraße von Messenten erhobenen Einwendungen; e. Festsetzung von Fluchtlinien ® eine Diagonalstraße nächst der Ricolasstraße zwischen Adolfsallee und Mgsüaße. 4. Antrag des Herrn Stadtverordneten Sanitätsrath k Lehman, die versuchsweise Beleuchtung zweier Straßenstrcckcn durch Gas- Michl betreffend. 5. Bericht des vereinigten Klärbecken- und Bau- Musses über das generelle Vroject für die Herstellung eines Haupt- Mli von der Kläranlage nach dem Rhein.

= Vortrag. Mittwoch, den 5. October, Abends Uhr anfangend, «Herr Paul im Vereinslokal des Skolze'schen Stenogravhen-Vereins, «Itber's Hof, einen Vortrag, über die Stenographie. Reform des Herrn le. E. Fleischer-Wiesbaden. Nichtmitglicder können eingeführl werden. . = Vorstcht. Der Referendar Schmidt in Berlin kaufte sich kürzlich E" Filz Hut. Obgleich der Hut durchaus nicht drückte, empfand er mddeftigen Kopfschmerz, und auf der Stirn bildete sich unter Geschwülsten «Ausschlag, dessen kleine-Geschwüre in Eiterung übergingen. Auch die WH entzündeten sich, schwollen zu und die Geschwulst theilte sich auch tu übrigen Theilen des Gesichts mit. Der Hut wurde einem Chemiker "tUntersuchung übergeben, und dieser stellte fest, daß das braune Schweiß- Mr mit gifthaltiger Anilinfarbe gefärbt war.

Dir Zchwalben. Unter allen Vögeln sind es besonders die Mulbeir, welche ihre Jungen sehr lieben und mit großer Sorgfalt WM. Und doch kommt cs zur Zeit der Herbstwauderung dieser Tbiere »dor,. daß die alten Schwalben nach Süden ziehen und fhre noch nicht R flügge gewordenen Jungen zurücklassen. Diese jungen Schwalben «en dann bei uns elendiglich zu Grunde, und man findet sie oft an "ügraphendrühten, Häusern u. s. w. tobt liegen. Auch in diesem Jahre, » die Schwalben ihre Wanderung nach dem Süden fo frühzeitig an= 'ti, find auf diese Weise wieder viele junge Schwalben zu Grunde Mtgen.

Uo. 466. Morgen-Ausgabe. Mittwoch» 5. Oktober. 40. Jahrgang. 1892.

Das Feuilleton der Morgen-Ausgabe

,ithält beute in der

1. Krilagr: Ans lieferen Urgionrn. Raman van Adolf Streckfuß. (1. Fortsetzung.)

Kinter den Coulissen der» Wucherer. Die wegen Wuchers unter Anklage gestellten Banguiers Seemann und Rosetiberz in Hannover sind flüchtig geworden. Begreiflicher Weise wird die Aufmerksamkeit des Publikums auf die bedauernswerthen Opfer derselben gelenkt, welche vor­nehmlich unter den jungen Offizieren der Garnison Hannover zu suchen sind. Das Geschäft wird denHannov. Neuesten Nachr." zufolge in der Regel derartig betrieben, daß die Biedermänner nicht selbst die Darlehen her­geben, sondern gegen eineProvision" von gewöhnlich 6 pCt. für drei Monate gegen Äccept das Geld von einem Hiutermnnne vermitteln, der felbstverständlich auch wieder einen den Verhältnissen des Offiziers an­gemessenen hohen Zins für sich verlangt und erhält. In der Regel kostet ein derartiges Darlehen für drei Monate 12pCt., die im Voraus abgezogen werden, also jährlich 48 pCt. Dabei werden nicht selten Lotterieloose, namentlich die hier verbotenen Braunschweiger Loose, und andere Geld- toerthe zu hohen Conrsen in Zahlung gegeben. Die Entdeckung und straf­rechtliche Verfolgung dieses Wuchers ist selten. Die Verwandten des einem Wucherer äuheimgefallenen Offiziers decken in der Regel, wenn die Roth am höchsten ist, die Wechsel, um dem jungen Offizier nicht die Lauf­bahn zu verderben.

* Anonyme Pettkcrien. Man schreibt ans Stuttgart: Folgender Fall möge als Warnung vor beleidigenden anouvmen Zilschriften dienen. Der Reisende M. aus C. hatte an ein Geschäftshaus in Tübingen ano­nyme Postkarten stark beleidigenden Inhalts geschrieben. Seine Autor­schaft wurde nachgewiesen und er von dem Schöffengericht in Tübingen zu 150 Mk. Geldstrafe?(im Nichteinbringungsfall zu 15 Tagen Gefängmß) verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte 3 Wochen Gefängnis; beantragt. Weitere gerichtliche Verhandlungen gegen M. wegen anonymer Zuschriften beleidigenden Inhalts stehen noch in Stuttgart, Cannstatt und Heil­bronn bevor.

= Arl-eiterversammlnng. Der Christliche Arbeiterverein hält am Donnerstag, den 6. Oct., Abends8ffs Uhr, Hellmnndstraße 33 (Turnhalle) eine Bezirksverfammlung für die Sectionen III und IV ab. Auf der Tagesordnung steht ein Referat des Herrn Dr. Stamm mit nachfolgender freier Discnssion. Gesinnungsgenossen sind als Gäste willkommen. Am Sonntag veranstaltet der Verein einen Familienausflug nach Dotzheim.

Lahnen schleife. Eine von Frauen und Jungfrauen des Vereins demMänne rquarrett H ilaria" zum 10-jährigen Stiftungsfeste gewidmete Fah nenfchleif e ist für kurze Zeit ün Schaufenster der Vietor'schen Kunstanstalt, Taunusstrnße 13, ausgestellt.

-o- Der Unfall, welcher gestern Nachmittag durch das Herabfallen eines Flaschenzuges an einem Neubau in der Tauuusstraße passirte, hat zwei Schlosser, nicht Maurer, betroffen und zwar den 21 Jahre alten Jacob Muth aus Offheim und den 22 Jahre alten Leonhard Schlund aus Leutehausen. Ersterer bat eilte schwere Kopfverletzung sowie einen Bruch des linken Knöchels, Letzterer eine Contusion des linken Fußge­lenkes erlitten.

- o- Wegen Sittlichlteitsuerbrechens, verübt an seinen eigenen Töchtern, ist der schon bejahrte Taglöhuer Will). St. von hier in Haft genommen worden.

- o- Der Lotterieschwindler Krüger hatte, wie s. Z. mitgetheilt, gegen das ihn wegen schwerer Urkundenfälschung zu 2Vi Jahren Zucht­haus verurtheilende Erkenutniß des hiesigen Schwurgerichts Revision bei dem Reichsgericht erhoben. Dieselbe ist verworfen und Krüger zur Ver­büßung seiner Strafe in das Zuchthaus zu Wehlheiden abgeführt worden. Er wird sich aber demnächst noch wegen 36 Betrugssälleu, die aus dem erledigten Verfahren ausgeichieden worden find, vor der hiesigen Straf­kammer zu verantworten haben.

- o- Kcsttzrnechlel. Geschwister Port haben 8 Ar 82,50 Quadrat­meter AckerWeinreb", 5. Gew., an die Handelsgesellschaft A. Web er u.Co., Kunst- und Handelsgärtnerei hier, verknust. s

Uereins - Nachrichten.

* Am letzten Sonntag stattete der TurnvereinVorwärts" in Bocken» heim dem hiesigenMännerlurnverein" einen Besuch ab. DieBocken- heimer Turner waren Abends vorher nach Hochheim gefahren und hatten von hier ans einen Nachts-Turnmarsch hierher' auSge- fübrt. Am Sonntag Vormittag unternahmen die Mitglieder des Männerturnvereins" mit ihren Gästen einen Rundgang durch die Stadt