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Miesba-euee Tagblatt (Morgen-Aasgabe). Urrlag: Zaaggaffe 27
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Hamburg, 30. Sept. (Semelbct wurden heute 33 Erkranlungen md 24 Todesfälle; davon entfallen auf gestern 33 und 15. Die Transport, betrugen 42 und 5. ________
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Die Cholera.
Die „Times" veröffentlicht einen Brief ihres Specialberichterftattcrs in Hamburg über die Cholera. Derselbe weist zunächst darauf hin, daß keine der 14 Epidemien, welche Hamburg durchgemacht hat, so verheerend gewirkt habe, wie die gegenwärtige. Die Hamburger hätten eben die Lehren des Jahres 1873, wo die Cholera zuletzt dort war, nicht berücksichtigt. Eine Mitschuld trage ganz Deutschland, insbesondere die medicinische Fachpresse Deutschlands, welche Lärm hätte schlagen sollen. Die Hamburger Kanäle seien stagnirend und faulig, zumal es bet vielen an Lust fehle, da die Häuser unmittelbar an den Kanälen hoch aufsteigen. Die Elbe sei reiner als die Themse, was allerdings nicht viel sage. Die Alster sei schön, aber nicht gesund. Der Berichterstatter hat in Gesellschaft eines
Inspektors der Geheimpolizei Häuser in den ältesten Stadttheilen beiW und gefunden, daß die unteren Klassen „bemerkenswerth reinlich" (eien m « Allee i daß die niedrigste Lebenshaltung in Hamburg außerordentlich sei. Wirkliche Armuth sei bis zu der neuesten Calamität nicht Vorhand,, gewesen. Die Einwanderung russischer Juden habe vollständig ausgehön Bemerkenswerthc Fälle von Uebersüllung der Häuser seien ihm nicht tu» gekommen. Die Kanalisation sei gut, das Schlimmste aber sei Entnahme von Wasser aus der Elbe, welches thatsachlich nicht gereiM werde. Der Berichterstatter schildert dann eingehend die schlimmen Zuständ, Das Wasser im Flusse, sagt der „Times"-Berichteistatter, ist reiner al, i, den Wasserwerken. In einem Hamburger Haute fließen die Abwässer«™ dem Parterre ab und unter dem Dache fließen sie wieder hinein, nacht,» sie eine kleine Tour durch den Fluß und die Wasserwerke gemacht hab,« Dieser „kriminelle" Zustand der Dinge habe seit 15 oder 20 Jahren de standen. Altona, welches durch seine Lage mehr Abwässer uti schmutzigeres Wasser als Hamburg erhalte, sei einfach deswegen van di, Cbolera nicht so arg heimgesucht worden, weil es gute Wasserwerke W, Die Wasserwerke Hamburgs seien „nichts anderes als besonders schmatz» Fischteiche, welche trübes Wasser, Schlamm, Gewächse, eine besonder, widerliche grünlich-schwarze Ablagerung und eine Menge Fische, weit, sich von fauligen Substanzen nähren, enthalten." Ein Filtration bettel« nicht. Schlimm sei auch, daß die Abwässer durch die Fluth zurückgetriedir werden. In den Wafferröhren fändeit sich insbesondere im Früdich Würmer, Muscheln, kleine Aale, Schnecken, Krebse, Raupen, Säjlt Stachel- und andere Fische. „Ich weiß nicht," .so schließt der Bericht statter, „wer verantwortlich ist; wahrscheinlich Ntemand.
Ans KrmS und Leden.
* Volteravrri- bei Stephan. Staatssekretär des Rcichrpostami v. Stephan feierte am Donnerstag die Vermählung seiner ältesten Tochi mit dem Premier-Lieutenant v. Nnpolski. Am Dienstag fand d« Polterabend statt. Dabei wurde, nach der „Köln. Ztg.", ein reich w gestatteter Postzug vorqeführt. In getreuen Zeittrachten erschienen am dem Alterthum ein assyrischer Briefbote mit seinen Briefen, die nch Ziegelsteine waren, ein ägyptischer Landbriefträger mit seinen Papp« briefen, ein athenischer Hemerodrom, zwei Tabellarii aus der Zeit k römischen Republik und des Cäsareuthums, ein reitender Kurier des Kais« Augustus, und endlich ein römischer Postmeister. Dann kam ans ie Mittelalter ein würdiger Klosterbote mit einem fünf gute Meter Imp Notenzettel, ein Studenlenbote von der Pariser Universität, ein Mchn, ein Briefjunker des Deutschen Ritterordens und schließlich zwei Cochmp Stadtboten. Ans der Neuzeit erschienen sodann ein Turn- und TaxirM Postillon, vier kurfürstlich brandenburgische, vier preußische Postilim, je ’ mit Standarte, ein Schirrmeister und ein preußischer FeldpeAcher, weiter die Darstellerin der Telegraphie, vier norddeutsche Postill« ml den Abzeichen der Feldpost, endlich vier Reichspostillone in M mit der Neichsstandarte und Matrosen von einem NeichSpostdampser. Ti« ganze Vorführung dieses Postzuges, der in einer allegorischen, dm « postverein darstellenden Gruvve gipfelte,, wurde von Herolden cingdtiltl und erläutert, während musikalische Leistungen, darunter zwei Quarim auf Postillonshörnern, ihn begleiteten.
Kleine Chronik.
Bei Mannheim im Rheine wurden gestern die zusammengebmid« Leichen eines dortigen Liebespaares gefunden.. Die W Leute hatten gemeinsam den Tod gesucht, weil ihrer Verehelichung HM nisse im Wege standen.
In den letzten acht Tagen sind in Hamburg über 100 Wnr- am Typhus gestorben. ..
Bei den am Samstag beendeten Herbstmanövern der 22. DmM stürzte in der Nähe des Dorfes Massenhausen der Flügel-Adjuten Major v. Apell, welcher das waldeckische Fürstenpaar begleitete m Pferde. Da der Vorfall nicht bemerkt wurde, blieb der ScrunM längere Zeit bewußtlos in dem Straßengraben liegen, wo er blut«« strömt anfgefunden wurde. Die Verletzungen sind schwerer Art und M das Schlimmste befürchten. ™
Das Schwurgericht in Ostrowo i. Pr. verurtheilte am 23.8.» den Wirth Andreas Trzeziak aus Kucharki, der am 22. Mai ben V barmen Krüger daselbst durch das Fenster vor dessen Wohnung (M
beiden genannten Herren Lehrer gethan. Die erzielten günstigen Resultate sind nicht zt>m wenigsten dem hingebenden Eifer dieser beiden Herren zu verdanken. Rach Beendigung der Prüfung ermahnte da« Curatormms- mitglied, Herr Kaufman Leicher, die Schüler in längerer eindringlicher Rede, auf dem betretenen Wege unbeirrt fortzuschreiten und von der ihnen gebotenen günstigen Gelegenheit, ihre Kenntnisse zu erweitern und sich für ihren Beruf weiter ausznbilden auch fernerhin ausgiebigen Gebrauch zu machen; als Zeichen der Anerkennung des Schulvorstandes überreichte er gleichzeitig den hier besten Schülern (Knhts, Ries, Seel und Nagel), die denselben von dem „Kauf- mäunischen Verein" qestisteten Prämien, in schönen fachwissenschaftlichen Werken bestehend. Der Prüfung wohnten die Mitglieder des Schul- Curatoriums (dessen Constltnirung vorher stattgefunden), mehrere Vorstandsmitglieder der „Kaufmänmschen Vereinigung" und des „Kaufmännischen Vereins", sowie einige Familienangehörige der Schüler bei. Das neue Wintersemester, für welches eine Vermehrung der Lehrfächer voraeseheu, beginnt am 10. October er. und wird das Nähere noch durch die'Tagesblätter bekannt gegeben.
* Ein erfreulicher Tag ist für den „Katholischen Gesellen- und Lehrliugs-Veretn" gekommen. Am morgigen Sonntag verläßt er jein seitheriges ungenügendes Vereinshaus und siedelt nach der Dotzheimerstraße 24 in sein neues Heim über. Wohl ist dasselbe noch nicht völlig allen Ansprüchen des Vereinslebens entsprechend; doch ist das Terrain so groß, daß hoffentlich in naher Zukunft durch Neubauten allseitig für das Blühen des Vereins Raum geschaffen werden kann. Zur Feier des Festes findet am Sonntag Morgen um 91/» Uhr ein Festzug von der Schwalbacherstraße 49 zur katholischen Pfarrkirche und von da nm 12 Uhr zum neuen Hause statt. In der Pfarrkirche ist beim.Hochamt Festpredigt durch Herrn Pater Alphons aus dem Kavuzinerkloster zu Mainz und gemeinschaftliche hl. Kommunion der Mitglieder. Nach 12 Uhr findet die Einweihung des Hauses statt. Abends ist festlicher Verelns- abenb im großen Saale des „Lese-Vereins". Die Mitglieder und Ehrenmitglieder sind freundlich zur Theilnahme eingeladen. Möge der Verein im neuen Hause seine Zwecke: die Förderung des ehrsamen Handwerk desto wirksamer erreichen. ______________
o* Kiedrich, 30. Sept. Morgen Nachmittag 3 Uhr findet die Ei ii weihnng der neu en Sch» le an der Wald st raße statt und am Montag wird mit dem Unterrichte daselbst begonnen. Die Jubiläumsfeierlichkeiten der hiesigen Unt erofsiziersch ule beginnen heute Abend 9 Uhr mit dem Zapfenstreich und Beleuchtung der festlich geschmückten Kaserne. Morgen früh um 11 Uhr wird auf dem Kasernen- plae eine Parade abgehalten. Es ist bereits eine große Anzahl höherer Offiziere hier anwesend. Der Kasernenhof, sowie die Turnhalle, in. der das Festessen ftatlfinbet, werden in freundlicher Weise von der Firma W. und E. Albert hier eleetrisch beleuchtet.
* Frankfurt 30. Sept. Im Centrumswahlverein erklärte der Vorsitzende, was die hiesige Landtagswahl in nächster Woche angehe, so müsse auch diesmal wieder die Parole für die Centrumswähler auf Unterstützung der demokratisch-fortschrittlichen Liste lauten, nicht weil die Katholiken für Herrn Reichstagsabgeorduelen Funck etwas Besonderes übrig hätten, vielmehr nur, weil er das kleinere liebel, als der Nationalliberale, Herr Stadtrath Grimm, sei.
* Siedenkopf, 29. Sept. Die Ersatzwahl für das Abgeordnetenhaus im hiesigen Wahlbezirk, welche durch die Mandatsnicderlegung des Landgerichtsraths Bork in Marburg nothwendig geworden ist, findet am 14. November statt. _______
Deutsches Deich.
* Mrgsn Masestätoveleidigung ist der sozialdemokratische Redakteur Pens, den das Landgericht in Magdeburg zu 2 Jahren Gefängniß und fünfjährigem Ehrverlust verurtheilt hatte, in erneuter Verhandlung vor dem Landgericht zu Stendal zu 1 Jahr Gefänguiß verurtheilt worden, welche Strafe mit den übrigen gegen Peus verhängteil in eine Gesammt- ftrafe von 1 Jahr 3 Monaten zusammengezogen wurde.
* Tklearaphenbrnmte für (Ystafrittn. Sie für die nunmehr fertig gestellte deutich-ostafrikanische Telegrapheulinie Tanga-Dar-es-Salaain bestallten Leitungsrevisoren erhalten in ihrem neuen Wirkungskreise außer 2000 Mk. Egnipirungsgelderii und freier Fahrt nach dem Bestimmungsorte ein Jahresgehalt von 7000 Mk. Dieselben haben, den Bestimmungen entsprechend, den Nachweis führen müssen, daß sie völlig gesund, unver- heirathet und der englischen Sprache mächtig sind. Bei der Auswahl unter den zahlreichen Bewerbern hat das Reichspostanit die Aspiranten aus der höheren Karriere, d. h. die das letzte Examen bestanden haben, bevorzugt.
Bei Jnowrazlaw (Posen) brannte ein Arbeiterwohnhans M nieder; zwei Kinder erlitten so schwere Brandwunden, daß sie st» Durch Spielen mit Streichhölzern war das Feuer veranlaßt worden.
Vor dem Reichsgericht wurde, wie die „Kreuzzeitnng" meldet, « erste Strafsache aus De utsch-Ostafrica verhandelt. Es sich um einen Hausfriedensbruch und groben Unfug, der von einem fw" Angehörigen der deutschen Schutztruppe, Charet de la gretnotn' Zanzibar, begangen war. Die Revision wurde verworfen, nur die üblichen Rupien in deutsche Reichsmark (325 Mk. Geldstrafe) uitigeman»«
Der österreichische Lloyddampfer „Thebe", von Sglomchi^nach« PyräuS fahrend, ist auf dem Felsen von ßefteria bei Cap » scheitert. Die Besatzung und die Passagiere sind unversehrt. Al-° .
Wasser in das Schiff eindrang, ließ der Capitän die „Thebe auf® ntzni Strand anflaufen. Das griechische Kriegsschiff „Aktion" ist nach der IW teegen ftätte abgekämpft. '• :
