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Icgene kleine lothringische Städtchen Sierck, womit der Krieg tatsächlich eingetreten war. Eine große Heldentat war die Besetzung dieser kleinen Grenzstadt nicht, allein sie sollte auch nur der Anfang der folgenden Heldentaten sein.

-o- Zur Besprechung über die definitive Regelung der Zalzbachangetegeuheit hatte der Herr Regierungs-Präsident die Ver­treter der Städte Wiesbaden und Biebrich in dasRathhans zu Biebrich cingeladen. Behufs endgültiger Beseitigung aller Beschwerden über Be­lästigungen durch den Salzbach hat die Stadt Wiesbaden die Erbauung eines Haupt-Canals von der Kläranlage nach dem Rhein in Aussicht ge­nommen. Um den geäußerten Wünschen der Stadt Biebrich Rechnung "zu tragen, hat der hiesige Magistrat geplant, die Ausführuiig dieses Canals, sowie dessen Ausmündung in den Rhein unterhalb Biebrich den Stadt­verordneten vorzuschlageu, sofern seitens der Aufsichtsbehörde mit der Inbetriebsetzung dieses Canals die Einführung einer mechanischen Klärung der Canalwässer in der Wiesbadener Kläranlage gestattet werde und die Gemeinde Biebrich die Durchführung des Canas« durch ihr Gebiet in ent­gegenkommender Weise gestattet. Behiiss Regelung dieser Fragen hat der Herr Negierungs-Präsident die erwähnte 'Besprechung an- berannit. Die Gemeinde Biebrich forderte, daß die Stadtgemeinde Wiesbaden den Haiiptkanal auf ihre Kosten so groß hcrstclle, daß er auch für die Biebricher Kanalisation benutzt werde» könne. Mau gelangte aber im Lause der Besprechung zu der Ueberzciigung, daß einer geineinschast- lichen Ableitung der Kanalwässer mehrere diirchschlagende Bedenken cnt- aegcnstehcn dürften und es wurde deshalb beschlossen,' daß die Gemeinde Biebrich unter Berücksichtigung des bereits ausgearbcitetcn Wiesbadener Kanalprojekts ihrerseits das Projekt für eine besondere Kanalisation Her­stellen lasse. Auf Grundlage beider Projekte soll dann Entscheidung dar­über getroffen werden, ob es bei der derzeiiigen getrennten Ableitung der Kanalwässer, welcher von beiden Städten der Völlig zn geben sein dürfte, sein Bewenden haben soll, oder ob eine gemeinschaftliche Ableitung als zweckmäßig ins Auge zu fassen ist.

-o- Die Ringstraße, bezüglich deren Anlage vor wenigen Jahren noch so Mancher geglaubt habe» mag, daß er deren Ausbau nicht er­leben würde, hat i» letzter Zeit schon so erhebliche Fortschritte gemacht, daß der Ring nun bald den ganzen Sladttheil zwischen Biebricher- und Wellritzstraße einschließen wird. Der Theil, von der Wellritz- bis zur Dotzheimerstraße, Bismarck-Ring, und von da bis zur Schierste,»erstraße Kniscr-Friedrich-Ring benannt, wird jetzt bis zur Biebricherstraßc fortge­setzt u»d erhält hier einen vorläufigen Abschluß, da der weitere Ausbau »ach dieser Richtung bis zur Regelung der Äahnhofsfrage verschoben wer­den wird. In dem Theil zwischen Biebricher- und Moritzstraße haben die Herren Krcizner und Hatzmann, sowie Herr Rentner Ph. I. Becker, Frau W. Roos Wittwe und Herr Kaufmann W. Ballmann das zur Anlage einer Allee erforderliche Gelände bereits an die Stadt abgetreten, sodaß mit der Anpflanzung der Bäume alsbald vorgegaugen werden dürfte.

* Reber den Anzug der Schülerinnen schreibt der Director der König!. Elisabethschute zn Berlin, Professor Dr. Wätzoldt, in dem jüngsten Jahresberichte der Anstalt:Es ist wünschenswerth, daß die Schülerinnen aller Klassen in möglichst einfachem und bequemem Anzuge zur Schule kommen. Putz, Schmuckgcgenstände und auffallend moderne Trachten ge­hören nicht in bie Schule. Sie reizen zu Vergleichen, zum neidischen Betrachten und fördern die Eitelkeit und die Oberflächlichkeit des Urtheils. E« ist leider vorgekommen, daß eine Schülerin zweinial im Unterricht ohnmächtig wurde, weil sie zu fest geschnürt war, und daß anderen aus ähnlichem Grunde manche Turnübungen unmöglich oder doch beschwerlich wurden.

(öritert LoialnoUzcn gehe Nachtrag.)

Vereins - Nachrichten.

* Zu den hier bestehenden Vereinen ist ein neuer, der , Unifor- mirte Krieger-und Mi l i r v ere i n Wiesbaden", getreten dessen Ziel es ist, die Kameraden in treuer Liebe zu Kaiser und Reich zu vereinigen, die Kameradschaft zu pflegen und in schwierigen Lagen de« Lebens die Kameraden durch Rath und Thal kräftigst zu unterstützen Der Verein besteht aus einer uniformirten und einer nicht uniformirten Ab- theilung. Derselbe steht unter der Leitung eines König!. Lieutenants der Landwehr, besitzt ein eigenes Musikchor, und versügt schon jetzt über eine stattliche Zahl Mitglieder. Kameraden, welche gesonnen sind, diesem pcitri- otischen Verein belzutreten, belieben ihre Gesuche nebst Militärpapieren an

Uo. 372. Morgen-Ausgabe. Donnerstag, 11. August. 40. Jahrgang. 1892. $

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Das Feuilleton der Morgen-Ausgabe

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1. Keitage: Unter Halbmond und Kreuz. Roman aus unseren

Tagen von Christian Benkar d. (39. Fortsetzung.)

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* Zur Erinnerung. Das unglückselige Manifest des Herzogs Ferdinand von Braunschweig, des Führers der gegen Frankreich verbün­deten preußisch-österreichische» Truppen, jenes von einem französischen Emi- qranten entworfene hochmüthige, drohende, die französische Natioualver- sammlung beleidigende Manifest hatte, anstatt der Sache König Ludwig XVI. zu nützen, den entgegengesetzten Erfolg. Diese hochmüthige Sprache machte auf das für die neue Ordnung begeisterte und für Freiheit und Unabhängigkeit glühende Volk einen unbeschreiblichen Eindruck. Es erkannte darin die dünkelhafte Gesinnung des ausgewanderten Herren- ilandes, der wieder in de» Besitz seiner Vorrechte, seines Eigenthums und seiner Macht treten wollte und wurde mit dem größten Ingrimm erfüllt gegen die Emigranten, die durch ihre Sittenlosigkeit den französischen Namen im Auslande schändeten, gegen ihre Schützer, die soeben Polen ge- Iheilt und gegen den Hof, der ihren Besttebnnge» fördernd entgegenkam. Tiefe Stimmung benutzten die Jakobiner zum Sturz des Königs. Ter Beschluß der Nationalversammlung,das Vaterland sei in Gefahr" wurde non diesen Leuten, die nichts zu verlieren und Alles zn gewinnen hatten, benutzt, um zur Zeit des Fettes der Bastillenerstürmung Schaaren des derivorsensten Pöbels, selbst Galeerensklaven nach Paris zu berufe» und ein Aufstands-Comitö nieder zu setze», das die rohe» und handfesten Be- tooijner der Vorstädte für den große» Sturm gegen das Königthum bearbeitete. Am 10. August 1792 um Mitternacht erschallte die Sturmglocke. Der Auswurf beriseeftäbte, an ihrer Spitze Danton, Camille Desmoulins unb Carra unb ber Pariser Pöbel, von Westermann unb Santerre geführt, rückten zuerst gegen bas Rathhaus, um eine neue, aus den furchtbarsten Demo­kraten zusammengesetzte Munieipalverwaltnng zu bilben, ehe sie ben Sturm gegen bie von 900 Schweizern unb ber Kaiser-Nationalgarbe vertheibigten Tuilerien unternahm. Die Nationalgarde, deren Führer Mandat hinter­rücks ermordet wurde, wußte bald nicht mehr, was sie gegen die immer stärker gegen das Königsschloß andriiigenden Volksmasse» thun solle und zerstreute sich. Immer drohender wurde die Volksmenge. Kanonen waren auf bas Schloß gerichtet; bie Pikenmänner drangen zu allen Eingängen ein; laut verlangte das Volk bie Entsetzung be-3 Königs. Da ließ sich König Lubwig voii dem Synbikus Röderer bereden, mit seiner Familie in dem Sitzungssaale der Nationalversammlung Schutz zu suchen. Sechzehn Stunden brachte sie hier in einer engen Seitenloge zu, indeß durch bie Vertreter ber Nation bie Krone von Frankreich vor ben Augen des Königs zerbrochen warb unb bas Volk außen bie letzten Vertreter bes Throne« hinmor- dete. Kaum hatte nämlich ber König bas Schloß verlassen, so brang bie wogende Menge heftiger vor; bie Schweizergarbe leistete tapferenWiberuanb und wahrte bie Eingänge des Schlosses. Als der Donner ber Geschütze in der nahen Nationalversammlung gehört wurde, zwangen die erzürnten Dcputirten den eingeschüchterten König, seiner Garde das Feuern zu unter­lagen. Dadurch wurden die treuen Beschützer des Monarchen dem Unter- gaiige geweiht. Kaum merkte der über den Fall einiger Stürmer wiitbcnde Pöbel, daß die feindlichen Gewehre ruhten, so erstürmte er das Schloß, mordete die Anwesenden und zerstörte allen HanSrath. Gegen 5000 Menschen, darunter 700 Schweizer, blieben im Kampfe ober fielen nachher als Opfer ber Volkswulh. Mittlerweile faßte bie Nationalversammlung ben Beschluß,bie königliche Gewalt zu suspendiren, ben König mit seiner Sumilie unter Aufsicht zu stellen, bett Prinzen einem Erzieher zu geben und einen Nationalconvent cinzuberusen", von beffett Entscheidung bie künftige Verfassung Frankreichs ausgehen sollte. Bald empfing ber Tentple, ein Don bett Tempelherren erbautes festes Schloß, bie königliche Familie Jl8 Gefangene. Hier verlebte sie, ohne bie Tuilerien je wieder zu sehen, bittere, kummervolle Tage, bis ber Tob sie erlöste. Während so bie Er- NMisje, wie vorher beschrieben, in Frankreich unb Paris ihren verhängtüß- bollen Lauf nahmen unb bas Königthum, trotz aller großsprecherischen feindlichen Manifeste, über Nacht gestürzt würbe, eröffnete König Friebrich «llhelm II. von Preußen bie Feindseligkeiten gegen Frankreich. Am kl. August 1792 besetzten preußische Truppen das an der Mose! ge-