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Srrte ». SV. Juni 1893. Wiesbadener Tagdlatt (Abend-Ansgabe). Verlag: Langgafse 27.

40. Jahrgang. No. 301.

der deutschen Aerzte und Johanniter nicht hoch genug ge­dankt werden kann, und welche ihre Feuerprobe glänzend bestanden hat. Die Neu-Oi^anisation umfaßt:

1) Die Genfer Convention oder das Rothe Kreuz, mit deren Einführung die Hohenzollern mit erhabenem Beispiel vorangegangeu sind; welche angeregt von dem Menschen­freunde Dunant den Rücktransport der Schwerverwundeten bald nach der Schlacht, bei welchem viele derselben umkamen, zum großen Thcile unnöthig macht.

2) Die Einführung practisch ausgebildeter Krankenträger, welche Preußen schon 1855 in's Leben rief.

3) Die Organisation der mobilen Fcldlazarethe, welche den Truppen bis fast in die Schlachtlinie zu folgen ver­mögen und dadurch befähigt find, den Verwundeten bald den ersten Beistand zu leiste«.

4) Dazu kommt die Unterbringung der Blessirten in ge­sunden luftigen Baracken und die bessere Ventilirung der Lazarethe, Dinge, in denen in der letzten Neuzeit wieder große Fortschritte gemacht wurden.

5) Auch der Rücktransport der Verwundeten und Kranken in die Heimath hat Verhältnisse angenommen, die man früher nicht kannte, und stehen dazu die leeren Rückzüge, welche Material und Personal auf den Kriegsschauplatz brachten, zur Verfügung. Auch will man die Fluß- und Canalschiffe für solche Zwecke einrichten. Im Jahre 1870/71 wurde fast die Hälfte sämmtlicher Lazarethkranken zur Heiniath zurückbefördert. Wenn man bedenkt, daß noch 1854 114,000 Franzosen von der Krim nach der Türkei transportirt wurden, von denen wegen nachlässiger Behand­lung schon auf dem Transport täglich 200 als Leichen in das Meer geworfen werden mußten, und nur geringe Theile derselben jemals die Heimath wieder sahen, so kann man die Rührigkeit der deutschen Hceres-Lcitung nur lobend anerkennen.

Zu all diesen D'ugen ist nun noch die bessere Organi­sation der freiwilligen Krankenpflege, welche sich organisch in das große SanitätLwesen einrciht, zu rechnen. Ihr zu- gcsellt hat sich die Samariter-Arbeit der deutschen Frauen und Jungftauen, und die Liebesthäligkcit des Volkes, welche sich allerdings der ganzen Organisation anschmicgen muß, wenn sie wirklich Nutzen bringen und den kämpfenden und verwundeten Kriegern zum Segen gereichen soll.

Nicht zu unterschätzen ist übrigens die ZwangS-Pockcn- impfung. In dem französischen Kriege, in welchem die Pocken sehr grassirtcn, hat z. B. die kleine nur 15,000 Mann starke Besatzung von Langres in 7 Monaten ebenso viel Todte an Pocken eingebüßt, als die ganze deutsche, 1,150,000 Mann starke Armee in einem Jahre.

Allerdings haben wir in jenem Kriege Glück gehabt. Der Herr der Hcerschaaren hat seine Flügel über der Armee gehalten, daß die schrecklichen Epidemien, wie Pest, Cholera u. a., gegen welche die Menschenhand noch machtlos ist, unsere Truppen verschont haben. Möge Seine Gnade uns auch in den zukünftigen Kriegen beistchcn. Was aber Menschenkraft zu leisten vermag, das hat die hingehende Arbeit, besonders des deutschen Sanitäts-Corps, geleitet von hochherziger Fürstenhand, geleistet, um den Verwundeten ihr Geschick zu erleichtern.

Die deutsche Armee kann deshalb gekost den Ereignissen entgegensetzen. Wenn nicht alles täuscht, werden die Gc- scrmmtvcrluste geringer fein, als in allen früheren Kriegen. Nichts wird bekanntlich so heiß gegessen, wie es gekocht wird. (Kreuz-Ztg.)

Loralrs.

Wiesbaden, 30. Juni.

_. == Aus der Gesellschaft. Zur kaiserlichen Tafel waren am Dienstag Graf und Gräfin Oriola von Dietesheim, sowie Frau Excellenz v. Snv-tgny geladen. Die kaiserlichen nnd krouprinz- uchen Herrschaften waren am Mittwoch nach Jugenheim an der Bergstraße gefahren und kehrten Abends nach Homburg zurück. — General Hobe Pascha wird morgen zu mehrtägigem Aufenthalte hier ankoimuen. Der türkische Würdenträger, welcher jüngst vom Kaiser in Audienz cnipfangcii worden ist, um dem Monarchen im Namen des Sultans Erinnerungsmünzen an den Aufenthalt des deutschen KaiscrpaareS in Constantiuopel zu überreichen, hat hier Berwandtc. — Herrennieisicr des Johanniter-Ordens, Prinz Albrecht

doch nicht mit jener Sicherheit entgegen, die ihn sonst aus- zeichnetc. Während er bei Besuchen in der Nachbarschaft, die mein Vater jetzt häufig machte, einem Jeden mit männlichem Selbstbewußtsein, doch ohne jede Spur von Anmaßung be­gegnete und in heiterem wie ernstem Gespräch rückhaltlos den Inhalt seiner Ideen und Anschauungen darlegte, ohne Ansehen der Person und Verhältnisse, so war er mir gegen­über schweigsamer und schien mit einer gewissen Befangen­heit zu kämpfen, die mir nicht entging. Sein Auge senkte sich oft, ivcnn ich mit einer Frage oder Bemerkung an ihn herantrat, und das Blut trat in seine Wangen; erst im weiteren Verlaufe des Gespräches gewann er sich selbst ganz wieder und wurde fest und sicher, wie sonst. Ich ließ es an achtungsvoller Höflichkeit gegen ihn nicht fehlen und ge­wann ihn lieb wie einen Freund, eine andere Empfindung kannte ich nicht und hatte ich in meinem Herzen nie gefühlt. Ein gewinnendes Entgegenkommen war mir bei aller Hoch­achtung für ihn unmöglich; meine ganze Vergangenheit hatte einen zu starken Druck aus meine Seele geübt, als daß sie frei und leicht ihre Schwingen hätte entfalten können. Noch lagen die eisernen Fesseln um sie, welche die liebclecre Er­ziehung meines Vaters geschmiedet hatte und welche Frau Werner mit aller mütterlichen Sorgfalt nicht hatte lösen können. Und nun," fuhr die Gräfin fort, indem Sie auf­stand und einen kleinen Schrank öffnete, „nun folgen Sie weiter der Zeil meines Glücks und meines Leidens. Diese Zeilen, die ich in stillen, oft so sonnigen Stunden schrieb, werden Ihnen sagen, was mir das letzte, große Jahr meines Lebens gebracht hat. Hüten Sie dieselben wie Ihre eigenen tiefsten Geheimnisse und legen Sie sie morgen wieder in meine Hand. Nur die treuen Augen meiner treuen Werner haben sie bis jetzt gelesen. Morgen erwarte ich Ihren Rath, der mich aus den bangen Qualen des Zweifels und der Unryhe erlösen soll. Leben Sie wohl!" (Fortsetzung folgt.)

von Preußen, hat dem Ehrenritter des Johanniter-OrdenS Kammer- hernr und Landrath a. D. Gustav von Hochwächter dahier, am 24. Juni er., in der Johannitcr-Ordens-Kirche zu Sonnenbnrg den Ritterschlag und die Investitur ertheilt.

.. — Personal-Uachrichteu. Pfarrer Enders zu Nochern ist auf sein Ansuchen zum 1. August d. I. in den Ruhestand versetzt worden. — Pfarrer Bindewald zu Dexbach ist seinem Anträge eusprecheud zum 1. October d. I. in den Ruhestand versetzt worden. — Pfarramts-Candidat Heinrich Wolfs aus Weyer bei St.GoarS- hausetl ist vom 1. August d. I. ab zum Pfarrvicar der Pfarrei Nochertl mit dem Dienstcharacter eines Pfarrers ernannt worden. — Herr Pfarrvicar Schmidtborn von Brandoberndors ist vom 1. Juli ab zum evangelischen Pfarrer in Nied bei Höchst ernannt worden. — Gestorben ist am 10. d. M. Pfarrer Kröck zu Selters bei Weilburg.

= Dao Rcichsgrfttz über die Unterstützung von Famtlien der zu Frledeusübuugen einberufenen Mannschaften vom 10. Mai d. I. tritt nunmehr am 1. Juli d. I. in Kraft. Nachdem der BundeSrath Ausführungsvorschristen erlassen hat, ist für die preußischen Behörden noch eine besondere Anweisung der Minister des Innern und der Fitianzeir ergangen. Es sind hieraus folgende Punkte hcrvorzuhebeu: „Die Gemeinde­behörde, welche die Anmeldung des Anspruchs auf Unterstützung eutgcgenuimutt, hat fcstzustellcu, zu welchem Zeitpunkt und auf welche Dauer derjenige, für dessen Familie Unterstützung nachgesucht wird, zur Uebung einberufen ist. Zu diesem Zwecke wird in der Regel der Gestellungsbefehl oder der Militärpaß des Einberufenen einzusehcn fein. Nach Anordnung der Militärbehörde werden die Mannschaften des Beurlanbtenstandes bei den Controlversamm- lungeu darüber belehrt werde», daß — wenn derartige Unterstütz- ungSanträgc vor Beginn der Uebung gestellt werden, der Ge­stellungsbefehl, — wenn sie nach beendigter Uebung gestellt werden, der Militärpaß als Answeis vorznzeigen ist. lieber die Stelle, welche die Auszahlung der angewiesenen Unterstntzungsbeiträge zu bewirken hat,, sind tveder in dem Gesetze vom 10. Mai 1892, noch tu den Ausführungsvorschristen des Bundesraths nähere Anord- nuugen getroffen. Es wird dies nach den besonderen Verhältnissen so zu regeln , sein, daß die Unterstützungsberechtigten schnell und leicht das ihnen Gebührende in Empfang nehmen können. Nach § 6 des Gesetzes vom 10. Mai 1892 sind auch für die ganz oder theilweise in der Zeit vom 1. April bis 1. Juli 1892 abge- leistetcn Hebungen nachträglich Unterstützungen zu gewähren, sofern der Anspruch innerhalb einer Frist von vier Wochen bei der Ge­meindebehörde angemeldet wird; die Frist beginnt, wenn die Uebung vor dem 1. Juli 1892 bereits beendet war, mit dem 1. Juli 1892, andernfalls mit dem Tage der Beendigung der Uebung.

— Das Königliche Theater bleibt Ferien halber vom 1. Juli bis iucl. 13. August er. geschlossen.

— Die Uaeanzen-Listr für Militär-An,värter Ito. S6 ist in unserer Expedition unentgeltlich eiuzusehen.

* Kodrustedt-Denststrin. Der Aufruf zu Beiträgen behufs Errichtung eines Denksteins für Friedrich v. Badenstedt wird nicht bloß in Deutschland, sondern auch in Rußland freundlichst aus­genommen. Wie man dem „Fr. I." aus Petersburg schreibt, nimmt der „Regierungs-Anzeiger" davon Kcuntniß, daß sich in Wiesbaden ein Ausschuß zur Entgegennahme von Sammlungen gebildet hat. „Anläßlich der Verdienste Bodenstedt's nm die russische Literatur wird der Aufruf des Comitö's wahrscheinlich auch in Rußland sympathischen Wiederhol! finden."

* Dom Kterneu Himmel. Der Planet Mars bietet augen­blicklich außerordentlich günstige Sichtbarkeitsbcdingungen, welche sich bis zum Arignff noch besser gestalten werden. Am 4. August kommt er nämlich in die Opposition zur Sonne, steht also derart, daß die Erde in der Mitte zwischen Sonne und Mars sich befindet. Die Beobachtungs-Bedingungen find jetzt so vorthcilhafte, wie wir sie seit 17 Jahren nicht mehr gehabt haben, weshalb wir hier, namentlich im Jutckcssc der Leser, die auch nur über kleinere Fern­rohre verfügen, darauf aufmerksam mache».

— Dem Thirrschutzverrin ist von einer ungenannten Wohl- thäterin, die über die seitens einzelner Fuhrhalter hier leider öfter zum öffentlichen Aergerniß geübte Thierschinderei in gerechte Ent­rüstung gerieth, ein Geschenk von 140 Mark gemacht worden. Der rührige, leider mit Mitteln nicht sonderlich gesegnete Verein kann derartige Unterstützungen sehr wohl gebrauchen und hoffentlich wirkt die großherzige Spende als Nachahmenswerthes Beispiel. Wenigstens sollten Freunde des Thierschutzes nicht versäumen, dem Verein (Jahresbeitrag nur 1 Mk.) beizutrcten.

— PfarrsteUe. Die Pfarrei Selters bei Weilburg ist neu zu besetzen; competenzmäßiges Einkommen 1200 Mk. neben freier Woh­nung. Bewerbungen sind bei dem Königlichen Cousistorium dahier cinzurcichcu.

* Dnr Warnung. Ein glücklicher Weise gut verlanfener Fall von Masscnvergiftnng hat sich in Birkesdorf bei Düren er­eignet. Die ans sechs Personen bestehende Familie des WirtbeS Fr. Küpper erkrankte kurze Zeit nach dem Mittagessen plötzlich heftig; sie stiirzten alle bewußtlos zu Boden. Der Arzt stellte eine Vergiftung durchSchierliugskrant fest, das die Familie mit Petersilie vermischt geuoffeu hatte. Durch sofort augeorduete Gegen- mittel konnte die Lcbenkgefahr bei sämmilichen Erkrankten befestigt werden. (Die Hundspetersilie, Gartenschierliug, sicht bekanntlich der gewöhnlichen Petersilie ähnlich, wcsbalb man, nm ganz sicher zu gehen, mir die sog. „gekaufte" Petersilie verwenden sollte. D. R.)

Aus Knust uud Heben.

* Grabdenkmal für Ludwig Eichrodt. Am 2. Februar d. I., feinem 65. Geburtstage, starb, wie wir s. Z. berichteten, zu Lahr in Laden der Oberamtsrichter Ludwig Eichrodt, weiteren Streifen als einer der beste» deutschen Humoristen vortheilhaft be­kannt, der Schöpfer der komischen Gestalt Gottlieb Biedermaiers und zahlreicher populärer Studeuteulieder, aber auch als ernster Lyriker beachtenswerth. Eichrodt aber hat nicht nur Tausenden fröhliche Ltunden bereitet, er hat auch einen der Steine behauen, die jetzt das sichere Fundament des Deutschen Reiches bilden. In dieser Erwägung wendet sich ein Comitö angesehener Persönlichkeiten und bekannter Schriftsteller an die Freunde Eichrodts und seiner Werke, an die badischen, die süddeutschen Landsleute des Verstor­benen, an alle deutschen Patrioten, vor allem auch an die akademische Jugend, der Eichrodts Herz immer zugeneigt blieb, seitdem er in dem schönen Heidelberg mit Schfffel seine glücklichsten Tage verlebt, mit der Bitte, ein Scherflein beizutragen zu einem dem Dichter zu errichtenden künstlerisch ausgesübrten Grabdenkmal, dar er sicherlich verdient hat, und das in Lahr, wo er die letzten zwanzig Jahre seines Lebens rastlos thätig verlebte, am Fnß der grünen Schwarz­waldberge, den angemessenen Standort finden würde. — In Lahr im Breisgau nimmt die Verlagsbuchhandlung von Moritz Schauen­burg Besträge in Empfang.

* Gabriel Mar arbeitet gegenwärtig an einem großen Werke, dessen Grundgedanken ihm Goeche's „Braut von Corinth" eiuge- gebeu hat. Der Künstler stellt, so schreiben die „Münch. N. 9t", oie Vermählung des Gespenstes mit dem athenischen Jüngling dar, den Vcunpyrkutz, der ans dem blühenden Körper des Lebendigen Blut überführt in die starren Adern der Tobten. Des Morgens allererste Zeichen melden sich an: dämmerige Lichtreflexe, die mit dem gelblichen Schein der mistät flackernden Lampe streiten. Zwischen den Vorhängen, die den Hintergrund abschiießen, wird schattenhaft ein Weib sichtbar: des Mädchens Mntrer. Eine dämo- nifche Sttmmung spricht aus dem Silbe. Ein zweiter Entwurf des Werkes saßt den Gegenstand anders auf: Da liegt der Jüngling tobt auf dem Bette, die geisterhafte Frauengestält aber sitzt ihm zur Seite, das Haupt dem Beschauer entgegengekehrt, und ein Tropfen Blut hängt an ihrer Lippe.

* 5tmtff<r-S<rn über Lcnbach. Ans Briefen des ver­storbenen Malers Karl Stanffer-Beni, die derzeit in der „Deutschen

— Wichtige Entscheidung f«r Vermiether. Ein Bau­unternehmer hatte eine Wohnung auf längere Zeit an einen Ge­schäftstreibenden vermiethet. Nach einiger Zett kam eine Verein­barung dahin zu Stande, daß das MiähberhAtniß vor Ablauf de» Vertrags aufgelöst wurde, in Folge dessen der Miether dieWohuuna räumte. Bald nach erfolgter Räumung trat nun der Vermiether an den Miether mit einer Forderung von 700 Mark für nach der Räumung vorgenomwene Reparatnren heran. Dieser weigerte sich zu zahlen, sodaß er schließlich zur Klage kam. Im Verhandlungs- tennrae wendete der Anwalt des Beklagten em, die Reparaturen seien zwar, wie angegeben, vorgenommen worden, die Klage mLsst aber dessen ungeachtet abgewiesen werden, weil der Miether zur Vormahme der Neparadrren durch den Vermiether nicht ausgesordett wordeu sei, bevor die Räumung erfolgte. Das Gericht trat dieser Auffassung bei und wies die Klage kostenfällig ab.

* Ein sehr brnchkenswerthes Drtheii hat das Reichs­gericht erlassen, nämlich: Das Spielen mit einer Flinte in einem offeutlichenSchanklokal und das Anlegen derselben auf das daselbst be­findliche Publikum ist als grober Unfug zu bestrafen, wenn auch der Thäter die ernstliche Absicht, zu schießen, gar nicht gehabt hat Es ist sehr zu begrüßen, daß die einfältige, gemeingefährliche Spielerei mit Schießgewehren endlich einmal mit Strafe belegt wird.

— Nester Särge eines «««en System« schreibt bet „Schwäbische Merkur": Die Versuche Pettenkofer's in München thnn dar, daß die Ueberreste, die im „Tachyphag" der Erde über­geben werden, weit schneller und weit säuberlicher verzehrt werden als jene Ueberreste, welche dem Holzsarg überantwortet werden' Der Hauptbestandtheil des Tachyphags ist Gips, ein Stoff voc hervorrageuder Bildsamkeit, der sich zu Ornamenten uni) zur Figureudarstellung besonders eignet. Die Schärfe des Gusses der Ornamente wird insbesondere den Fachmann in angenehmer Weise berühren.

-o- Krsthwrchsel. Herr Kaufmann Eduard Kräh hat sein Haus „Zum Chinesen", Marktstraße 6, an die Herren Privatier Daniel Benz uud Schloffermeister und Weinhändler G. Steige: hier verkauft. Die Käufer werden auf diesem Grundstücke einen der Neuzeit entsprechenden Neubau aufführen. — Herr Daniel Benz verkaufte sein Haus Göthestraße 9 an Herrn Eduard Kräh. Der Abschluß beider Geschäfte erfolgte durch die Immobilien-Agentur der Herren W. Schüßler uud Th. Thomas hier.

VrsvinpeUes.

-r- Grbeuheim. 28. Juni. Der Knecht Heinrich Roos von Niederseelbach, welcher hier in Diensten steht, wollte gestern Abend noch einen mit Heu beladenen Wagen nach Hause fahren. Dabei wurden die vor den Wagen gespannten Pferde scheu und Roos fiel in Folge beffcit so unglücklich vom Wagen vor die Rader, daß er bedeutende Verletzungen am Kopf und den Armen davon trug. _ -r-No« der hohe», Kanzel, 29. Juni. In der letzten Woche fiel m der hiesigen Gegend viel Regen. Derselbe wuhde meistens durch Gewitter herbeigeführt, welche diesmal dem Taunus­höhenzuge nach, also von Rüdesheim zum Feldberge, zogen. In anderen Gegcudeii, an der unteren Aar und dem oberen Main, soll es in der letzten Zeit fast gar nicht geregnet haben. — Die Heu­ernte ist in der hiesigen Gegend in vollem Gange. Sie geht bei der prächtigen Witterung rasch von statten und liefert eine gute Mittelernte. Das Heu ist von vorzüglicher Qualität. — Wenn in Folge von Muttermangel das Rindvieh billiger geworden ist, so läßt sich von den Schweinen das Gegentheil Berichten. Dieselben sind in der letzten Zeit wieder sehr im Preise gestiegen und werden eben fette Schweine int Gentner mit 60 Mk. bezahlt. — Zn unseren Wäldern giebt es in diesem Jahre nur wenig Erd- und Heidel­beeren, was sckr zu bedauern ist, weil dadurch viele arme Leute um einen Verteilst kommen, der ihnen sonst um diese Zeit ziemlich sicher war.

* A,,a der Umgegend, Gestern Wend gingen an der Festenburg zu Frankfnrt a. M. die Pferde eines Fuhrwerks der Brauerei „Essighaus" durch. Der Kassirer, Herr I. Berg, der sich auf dem Wagen befand, soll hierbei zu Tode gekommen, der Kittscher schwer verwundet worden fein.

In Oberlahnstein rettete der Bahnarbeiter M.Landsrath im Hafen einen Knaben vom Tode des Ertrinkens.

Bei einem Preisbewerb, den der „Practische Rathgeber in Obst- und Gartenbau" (Frankfurt n. O.) für aus einer Sorte ge­kelterte Apfelweine ausschrieb, erhielt Herr G. K. H. Wilhelm Kahl in Massenheim bei Flörsheim den 4. Preis (Mark 50) für den aus der Sorte „Großer Bohnapftl" gekelterten „Hohen­astheimer".

Dentfchrs Reich.

* Zof- «nd Personal Uachrichtcn. Gestern um 6 Uhr Abends trat der Kaiser feine Rordlandsreise an. Die Flotte falutirtc. Das Panzerfahrzeug „Siegfried" folgte unmittel­bar der Uacht „Kaiseradlers

* Für und gegen Zisrnarck. In dem durch den gestrigen Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." eröffneten Kampfe gegen die Bis- marck'schen Auslassungen stellen sich die meisten freisinnigen Blätter auf die Seite der Regierung. Eine ruhige Haltung nimmt die „Nationalzeitung" ein. Sie giebt zu, daß die Regierung schwer ge­reizt sei, findet aber ihre Abwehr stellenweise zu scharf. Bismarck sei mit Recht gereizt, weil man seine Audienz bei dem österreichischen

Rundschau" veröffentlicht werden, heben wir folgende, interessante Stelle heraus: „Gegenwärtig ist hier (in Berlin) eine Ausstellung von Lenbach'schen Portraits bei Schulte, etwa dreißig Stück, lauter berühmte Leute. Man staunt ob dem reichen Talent; er ist wirft sich ein außerordentlich begabter, von der Natur verschwenderisch ausgeftatteter Mensch, der es aber doch fertig gebracht hak, gründ­lich zu versimpeln. Zu viel Saloutirolcrei und zu wenig Selbst- kriük bei, bem Mann, beziehungsweise zu wenig künstlerische Weis­heit. Ist cs schon ein Skandal, daß er, dem doch die Menschen sitzen, wie er es verlangt, dem kein Wort gesagt werden darf, was nicht wie eine Schmeichelei klänge, — baß er nicht einen Strich macht ohne Photographie (wo man Hinsicht immer Photo­graphie und Manierirtheit). so ist es vor Mem nicht zu ver­zeihen, daß er die Menschen immer durch die Brille dieses ober jene« alten Meisters ansteht. Wir verstehen bas heute nicht mehr. Seine Verdienste solle» ihm übrigens von mir nicht geschmälert werden; er ist eine der bedeutendsten Erscheinungen der Gegenwart, aber was will das heißen? Tas steht feit, was nicht der Natur abgelauscht ist (ich meine nicht nur sklavisch kopirt) und mit ihr im Verhältnis; steht von Ursache und Wirkung, ist Virtuosenthuni, nicht Kunst im wahren Sinne, und Lenbach's letzte Werke neigen stark ins Virtuosenhafte. Nicht seine früheren Arbeiten, darunter sind solche, die wahrhaft erste» Ranges sind. Seitdem er aber nur mit Kaisern, Königen und Päpsten zu ihun hat und sie immer auf den Bahnhöfen begrüßt, fehlt ihm die Zeit zu ernster Thätigkeit. Er ist eine Pagode geworben unb hat seine Zukunft schon gerannte Zeit hinter sich." Dies Urthcil eines Malers über den berühmten Porträtisten hat ungemein viel Wahres.

* &vtr und Musik. In der Buchhandlmtg von Keppel u. Müller (Bossong) hier find die Werke des französischen Musikers Lacombe ausgestellt, welche seine Wittwe auch in deutscher lieber» fetznng herausgibt. Besonders erwähuenswerth ist der ClavierauS- zua der Oper „Winkelried". die ft. Zt. eine glänzende Auf- fübruiig m Zürich erlebte. Im Uebrigen finden sich viele uralte französische Volksweisen vor. Die Uebersetzung und Nachdichtung eines großen Thrils berfeiben ist dem Secretär de« „Nassauischen AlterthumSvereins", Herrn Pemierlieutenant a. D. Hoffman», von Frau Lacombe übertragen worden.

* Personalien. Zn Cobura ist am 24. Juni der als Dekorationsmaler rühmlich bekannte Heinrich Brückndr im nahezu vollendeten 86. Lebensjahre gestorben.