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Abend-Ausgabe

Wiesbadener Tagblstt.

40. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-PreiS: Sn Wiesbaden und den Laudortrn atrt Zweig- Erveditioiicn 1 Mk. 50 Pfg., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.

Verlag: Langgasse 27.

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Klo. 279.

Die InvaUdiMs- «nd Alters-Versicherung hat unter anderen auch durch denUmtausch der Quittungs­karten" neue Arbeit für Beamte und Versicherte geschaffen. Im dienstlichen Interesse erscheint es geboten, daß die mit dem Umtausch verbundene Arbeit mehr und mehr über das ganze Jahr vertheilt werde. Wenn auch diese Bertheilnng allmählig in gewissem Umfange von selbst eintreten wird, so empfiehlt es sich doch, dies Ergebniß durch geeignete Maßregeln thunlichst zu beschleunigen. Deshalb sollten, wie dieBerliner Neuesten Nachrichten" schreiben die Ausgabestellen und das betheiligte Publikum überall in ge­eigneter Weise darauf aufmerksam gemacht werden, daß Ouittungskarten nicht nothwendig so lange in Gebrauch be­halten werden müssen, bis sie mit Marken vollgeklebt sind. Nach § 102 Abs. 2 des Jnvaliditäts- und Altersverfiche- rungsgesctzes ist der Versicherte berechtigt, zu jeder Zeit die Ausstellung einer neuen Quittungskarte gegen Rückgabe der älteren Karte zu beanspruchen. Ferner wird in der An­weisung, betreffend das Verfahren bei Ausstellung der Quit­tungskarten, vom 17. Oktober 1890 vorgeschrieben, daß für die Ausstellung von Ouittungskarten nur bann von den Versicherten ein Kostenbetrag von 5 Pfennig erhoben wer­den soll, wenn der Umtausch verlangt wird, bevor die Karte mit mindestens 30 Marken gefüllt worden ist. Je mehr die Versicherten von der ihnen hiernach zustehcnden Befugniß Gebrauch machen, desto rascher wird der Umtausch der Quit­tungskarten sich auf das ganze Jahr verthcilen. Eine An­regung wird voraussichtlich dazu beitragen, die bei der Aus­führung des Gesetzes bisher hervorgetretenenUebelstände und Belästigungen" nach Möglichkeit zu beseitigen.

Vor uns liegt, so schreibt derOstd. Loc.-Auz.", vu umfangreiches Schreiben, das einen weiteren Uebclstand beleuchtet. Es enthält einen Beschluß, den das Oberlandes­gericht in Posen in einer Streitsache gegen einen Brom­berger Kaufmann gefaßt hat. Der Kaufmann sollte den § 151 des Reichsgcsetzes betr. die Jnvaliditäts- und Alters- Versicherung vom 22. Juni 1889 übertreten haben, denn er sollte in Versicherungskarten unzulässige Eintragungen ge­macht haben. Er hatte als Arbeitgeber nämlich auf mehreren Markenhandschriftlich Zahlen eingetragen", ferner auf die einzelnen Marken die Anfangsbuchstaben seines Vor- und Zunamens geschrieben und auf andere Marken den Stempel des Geschäfts gedruckt.

Das Oberlandesgericht hat aber darauf hingewiesen, daß diese Eintragungen nach den später erlassenen Vorschriften deL Bundesrathes gestattet seien (Beschlüsse vom 27. Nov. 1890 und 24. Dez. 1891); anderseits hätten sich in den vorliegenden Fällen keine Dhatsachen oder sonstige Umstände ermitteln lassen, welche die Annahme rechtfertigen könnten, daß die Eintragungen zu einem anderen Zwecke als zur Entwerthung von Marken gemacht wurden. Die Eintra­gungen enthielten kein Urtheil über Führung und Leistungen der Arbeiter. Die gegen den Kaufmann erhobene Be-

Freitag, den 17. Irrni

schwerde wurde also als unbegründet zurückgewiesen und die Kosten fallen der Staatskasse zur Last". Dieser Be­schluß ist dann auf bestem Papier mit dem Siegel des Ge­richts versehen und mit schwarz-weißem Faden geheftet dem Kaufmann zugestellt worden. Und da drei Vernehmungen des Arbeitgebers stattgefunden hatten, erhielt derselbe seine drei gleichlautenden Beschlüsse, die nur besagten, daß außer ihm noch 9 andere Arbeitgeber in gleicher Weise zu ihrem Recht gekommen seien. Wie viel Schreibcwerk in diesen 10 Fällen nöthig war, kann sich der Unbetheiligte kaum vor­stellen, der erwähnte Kaufmann hat 5 Bogen Papier mit mancherlei Riesensätzen und mancherlei Unterschriften vor sich liegen. Und durch wie viele Hände mögen die einzelnen Bogen gegangen sein! Wir glauben, daß der Staat durch Vereinfachung des ganzen Mechanismus noch manchen Groschen sparen könnte!

Zorales.

W ierbaden, 17. Juni.

Aus der Gesellschaft. I. K. H. die Fürstin Marie zu Wied, Prinzessin der Niederlande, ist mit Prinzessin-Tochter hier eingetroffen, um die Prittzessin von Herrn Dr. Mezger be­handeln zu lassen. Die Damen haben auf derDictenmühle" Wohnung genommen. Der brasilianische Gesandte am deutschen Hofe, Baron d'Jtajuba, ist mit vierzehntägigem Urlaube znmBesttche seiner Mutter hier eingetroffen. Herr Oberbürgermeister Dr. von Jbell hat die von nns bereits gemeldete Reise nach Berlin zu den Verhandlungen des Herrenhauses gestern Abend angetreten. Seilte Excellenz der Ministerial-Tirector im Ministerium der geist­lichen, Unterrichts- und Medizinal-Angclegeuheiten, Wirkliche Geh. Rath Dr. de la Croix hat unsere Stadt wieder verlassen und ist rrach Berlin zurückgekehrt.

Personal-zlachrichten. Der Lehrer Emme zu Hom­burg v. d. H. ist gestorben. Dem seitherigen Kanzlei- Diätar Heinrich Topf hier ist eine Kanzlistenstelle bei der hiesigen König!. Regierung vom 1. Juli er. ab übertragen worden. Dem sertherigen commissarischen Hülfsvollziehungs- beamten Röll ist vom 1. Juni d. I. ab die Hülfsvollziehungs- beamtenstelle bei der Königl. Sten erlasse zu Rennerod definitiv über­tragen worden. Postanwärtcr Klciir in Diez ist als Postassistent angestellt. Die Postassistenten Bay in Biedenkopf und Haiuz in Limburg (Lahn) sind zu Ober-Postassistcnten ernannt. Post- sccretär Emmermann in Diez ist gestorben.

* Kurhaus. Wir machen darauf aufmerksam, daß morgen Sonnabend Reunion-dansante int weißen Saale des Knrhanfcs stattfindet.

Auszeichnung. Bei der kürzlich in Berlin stattgehabten internationalen Hundeausstellung hat der kurzhaarige Beruhardincr- hund des Herrn Louis Klett hier neben verschiedenen höchst lobenden Erwähnungen den 2. Preis erhalte».

= 80. Geburtstag. Herr Lesezimmer-Aufseher Wilh- Schäfer im städtischen Curhause vollendet am 2. Juli fein 80- Lebensjahr. Herr Schäfer, der bereits mehr als 30 Jahre lang seiner Stellung im Curhause vorsteht, war noch niemals erkrankt und versieht seinen Dienst in fast jugeitdlicher Rüstigkeit. Möge dem geachtelett und traten Beamten noch manche frohe Geburtstagsfeier beschieden sein.

= Der nächstjährige Delegirteutag derDeutschen Fuhr-Berufsgenossenschaft" wird, dem einftinnnigeit Be­schlüsse der dieser Tage in Hamburg abgehaltetien Dclegirlen-Ver- sammlungfür 1892zufolge,hierin Wiesbaden abgehaltenwerden.

1892.

Lehrerstellen. Die Lehrerstelle zu Oestrich i. Rhg. mit einem nach dem Dienstalter der Lehrer sestziisetzenden Gehalte soll bis zum 1. August d. I. anderweitig besetzt werden. Anmeldungen für dieselbe sind bis zum 1. Juli d. I. durch die Herren Schul- Jnspectoren bei Königl. Negierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen, hier einzureichen. Ebendaselbst sind auch Anmeldungen bis 1. August zu machen für eine an der allgemeinen Bürgerschnle zu Homburg v. d. H. zu besetzende Lebrerstelle mit einem nach dem Dienstalter des Lehrers festzusetzenden Gehalte.

Martthurmfest. Von den vielen Schöpfungen de?Vcr- schönerungsvereius", welche berevtes Zengniß feiner Thätigkeit ab­legen, ist wohl die Anlage an der Bierstadter Warte die best- gelungene. DerVcrschöncrungsverein"' hat cs verstanden ein Stück schattenloser Hochebene in einen anmuthigen Hain nmzuwandeln, aus einer zerfallenen Ruine einen Ausfichtsthnrm mit entzückendem Blick über weite Laude herzustellen und trotz bescheidener Mittel dort ein stattliches Wirthschaftsgebäude zn errichten, in welchem er­frischender Labetrunk und gute Speisen geboten werden, so daß die Bierstädter Warte jetzt einer der beliebtesten Ausflugsorte der Kur­gäste nnd der Wiesbadener geworden ist. Wie schon seit einer Reihe von Jahren wird derVerschönerungs-Verein" auch dieses Jahr und zwar nächsteii Sonntag, den 19. d., sein Wartthitrmsest abhaltcn, es ist dies das einzige allgemeine Volksfest Wiesbadens, zu welchem Jedermann freien Zutritt hat. Volksspiele, wie Wettlauf, Reitbock, Sacklauf, folgen in rascher Abwechslung mit Musik und Gesaugs- vorträgen. Sogar von Kamerun sind 6 Negerkuaben angemelbet, welche im Wettlauf mit linieren deutschen Jungen nm die schönen Preise ringen werden. Die von der Kurverwaltung gestellte aus­gezeichnete' Musik ladet zum Tanze, und auch die an Volksfesten unvermeidlichen «chaubudcu, Tombolas und Caroussels werden nicht fehlen. Abends 9 Uhr erfolgt festlicher Heimzug in die Stadt mit bengalischer Beleuchtung, Lampions und Musik. Der Fest-AuSschutz wird sich bemühen, 'gute Ordnung zu halten. Möge der Himmel dem Feste gnädig sein und gutes Wetter spenden.

Wilitär-Conrrrt. Wie man uns mitgetheilt, findet heute Freitag im Garten des GasthanscSZum Nassauer Hof" in Sonnenberg von 6 Uhr Nachmittags ab großes Militär-Coucert, ausgeführt von der vollständigen Capelle des 3. Großherzoal. Hess. Jnsanterie-Leibregiments No. 117 ans Mainz, unter persönlicher Leitung ihres Herrn Musikdireciors Fischer statt. Das Concert erfolgt auf Weisung des Herrn Regiments-Commaudeurs mit Rück­sicht auf das gute Benehmen seitens der Gemeinde Sonnenberg gegen die Militärbehörde bei den sünswöchigen Schießübungen und den damit verbundenen Einquartirungen. Freunde guter Militär­musik und Gönner Sonnenbergs werden hierauf hingewiesen.

-o- Unter de» Eichen hatte sich gestern Nachmittag eine vieltausendköpfige Menschenmenge eingefunden, um, wie alljährlich am Frohnleichuamstage, an den auf tiefem schönen Platze veran­stalteten Festlichkeiten Theil zu nehmen. Bei Herrn Ries, Restau- rateur desBürgerschützeu-Corps", hatte derKatholische Kirchen­chor", bei Herrn Seebold, Restaurateur desSchützeu-Verein", derKatholische Gesellen- und Lehrlings-Verein", sowie derWies­badener Musik-Verein" seine Mitglieder und Freunde oerfammelt Zn den Festgästen der ersteren Vereine zählte auch die katholische Geistlichkeit mit Herrn Prälat Dr. Keller an der Spitze. Die schönen Gesang-Vorträge der beiden katholischen Vereine nnd das beifällig angenommene Concert desMusik-Verein" hielten die F-st- theilnehmer bis zu vorgerückter Abendstunde beisammen.

Gendarmerie-Inspektion. Im Bereich der 11. Gen­darmerie-Brigade finden gegenwärtig Jnspectiouen statt und zwar durch den Ches der Landgendarmerie, Se. Erccllenz den General der Infanterie v. Rauch, in Begleitung seines ersten Adjutanten Cbcrfttieutenaiit v. Kalkreuth aus Berlin, den Chef der 11.Gen­darmerie-Brigade Oberst Rothenbircher ans Kassel und den Districts-Offizier Hauptmann Sasse von hier.

-o- Rsteinfastrt. Der hiesigeJuristen-Verein" veranstaltet am nächsten Sonntag eine Festfahrt auf dem Rheine nach Bacharach.

(15. Fortsetzung.)

KUnde Kielte.

Novelle von Konrad Uekniaun.

Und in der Wonne, wieder sehend zu werden, wird sie um Ihres unseligen Jrrlhums wegen Sie nicht von sich stoßen sondern Ihrer großen Liebe während all' der Jahre gedenken. Es war ja kein Mord, den Sie begingen, ein tückischer Zufall ließ Sie einen Unschuldigen tobten. Angiolina wird das begreifen und dann aber auch nur dannkann Alles wirklich noch einmal wieder gut werden. Sonst sehe ich keine Rettung."

Tobia hatte mir gespannt zugehört, und es kam mir vor, als wenn seine Gestalt immer mehr in sich zusmnmensinke, wie wenn er die Bürde dessen, was ihm auferlegt ward, nicht mehr zu tragen vermöge. Und dann sagte er in völlig hoffnungslosem Ton:Das ist unmöglich, das verlangen Sie nicht von mir. Sterben könnt' ich für die Angiolina, wenn es sein muß, jeden Tag, aber ihr eingestehen, daß ich sie alle die Jahre hindurch belogen habe, nein, das nicht. Den Mörder ihres Vaters darf sie nie sehen, nie"

Ich empfand das innigste Mitleid mit dem Manne, der da wie gebrochen vor mir auf einem Sessel kanerte, aber ich ersah kein Heil für die Beiden. Er erhob sich bald.Ich danke Ihnen, danke Ihnen von Herzen", sagte er.

Ich aber ließ ihn so nicht von mir, sondern fragte ihn, was er nun zu thun gedenke.

Da zog er die Schultern in die Höhe und entgegnete, ohne mich anzusehen:Ich weiß noch nicht, Herr. Ich muß mir selber noch erst darüber klar werden. Ihr Versprechen hab' ich, daß Sie die Angiolina nicht eher operireu, als bis sie Ihnen sagen kann, daß ich damit einverstanden bin. Vorher will ich aber noch sehen, ob sie wirklich nicht ertragen kann, blind zu bleiben. Und dann muß ich mich eben entscheiden, so oder so. Vielleicht würde sie mich nach so langer Zeit wirk­

lich nicht wiedererkennen. Vielleicht hat Sie dcm Uebelthäter auch schon im Stillen vergeben oder ist doch bereit dazu, wenn sie Alles erfährt. Ich muß es eben auf die Probe ankommen lassen. Leben Sie wohl, Herr!"

Er redete das Alles so hin, als ob er selber weder zu dem einen, noch zu dem andern Vertrauen habe und mich nur zur Ruhe sprechen wolle, damit ich mir keine trüben Gedanken mehr mache, und ich entließ ihn nicht ohne ge­heime Besorgniß. Möglich aber auch, daß sich nur in mir selber etwas wie das Gefühl einer unwissentlichen Mitschuld an einem schweren Conflicte regte und daß ich mir sagte, es sei im Grunde nichts als meiuc Pflicht, eine befriedigende Lösung desselben herbeizuführen, nur daß ich eben nicht wußte, wie das hätte geschehen können.

Padre Martino berichtete mir am Abend dieses Tages, er fei abermals heute bei Tobia gewesen, um demselben zu­zureden, auf seinen Abwegen wieder umzukehren, nachdem er gestern seinen priesterlichen Ermahnungen einfach entlausen sei und zwar geradeswegs in die Schänke; und heute habe er den Mann völlig verändert vorgefundcii, reumüthig und zerknirscht. Was da geschehen sei, begreife er ganz und gar nicht, auch die Angiolina habe es ihm nicht erklären können. Unter solchen Umständen habe er Gnade für Recht ergehen lassen müssen, weil es seines Amtes fei, und dem bekehrten Sünder verziehen. Von der Operation fei weiter jedoch nicht die Rede gewesen, und er habe sich auch wohl gehütet, davon anzufangen; die Beiden würden wohl nunmehr diese Ange­legenheit unter sich auch in Ordnung bringen und einen ein­trächtigen Entschluß darüber fassen. Wie sie sich entscheiden wollten, sei einzig ihre Sache.

Ganz so leicht zu Muthe war mir freilich nicht, wie dem allzeit optimistischen Padre, der nun für das so traurig ent­zweit gewesene Paar wiederum eine ungetrübte Glückszeit voranssah, aber das, was mir der nächste Morgen bringen

sollte, ahnte ich doch nicht. Da erschienen nämlich Angiolina und Tobia Hand in Hand bei mir, und Angiolina bat mit freudezitterndcn Worten, ich möge doch die versprochene Operation nun an ihr vornehmen, nach der sie sich schon lauge gesehnt, denn ihr Mann sei endlich zur Vernunft ge­kommen, nachdem er eingesehen, daß sie anders keinen Frieden und kein Glück mehr finden könne auf Erden. Und dabei sah sie so verschämt und glückstrahlend zugleich aus, daß es eine rührende Freude gewährte, sie anzublicken. Dennoch war mir nicht wohl um's Herz bei diesem völlig unerwar­teten Auftritt, nnd ich schaute besorgt auf Tobia, der ganz still dabei stand nnd immer noch die Hand seiner Frau in der seinigen hielt. Sein Ausdruck war ruhig und gefaßt. Als er meine Augen auf sich gerichtet sah, warf er mir einen be­schwichtigenden Blick zu und sagte sehr leise, was nur ich verstehen konnte und sollte:Angiolina wird den Mörder ihres Vaters nicht wiedererkennen. Sie will ihn nicht roieberedennen."

Damit mußte ich mich begnügen. Wahrscheinlich, hof­fentlich sollten seine Worte bedeuten, daß er Angiolina Alles gesagt nnd sie ihm Alles verziehen hatte. Ich machte mich nochmals an eine Untersuchung von Angiolinas Augen; die Operation war gefahrlos, verhältnißmäßig sogar leicht und ein günstiger Erfolg ließ sich verbürgen. Ich konnte auf der Stelle dazu schreiten. Und dennoch zauderte ich. Ein Etwas, über das ich mir keine Rechenschaft zu geben ver­mochte, hielt mich zurück, lähmte meinen freudigen Eifer. Ich hatte mich wohl in meinem ganzen Leben noch nie mit so schwerem Herzen an eine Operation gemacht, die so viel Aussichten auf ein glückliches Gelingen bot.

Weshalb fangen Sie nicht an?" fragte mich Angiolina endlich mit ihrer dunklen, weichen Stimme.Sie denken doch nicht, daß ich mich fürchte? O nein. Und Sie sagten ja auch, es wäre nur ein ganz kurzer Schmerz. Und nach, her dieses unaussprechliche Glück nachher, Herr!"