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1892.
N-. 276.
Anzeigen-Preisr
Die einspaltige Petitzeilc für locale Anzeige« 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfa. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg..
40. Jahrgaitg.
Erscheint in zwei Ausgabe«. — Bezugs-Preis: In Wiesbaden und den Landorteu mit Zweig- Expcditicmen 1 Akt. 50 Pfg., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.
Verlag: Langgasse 27.
Abonnenten.
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Mittwoch, den 15. Ium
Korales.
W irsbaden, 15. Juni.
— A»rs der Mrseilschaft. In Homburg ipurbe gestern der Geburtstag I. K. H. der Kronpriazessiu von Griechenland, Sophie, welche mit ihrem Gemahl und dem Prinz Georg dort weilt, im Kreise der kaiserlichen Familie festlich begangen. Die Capelle des in Köln garnisonireuden lllunen-Negiments brachte am Morgen im Schlosse ein Ständchen. Mittags couccrtirte die Bataillonscapclle zur Tafel. Von allen Seiten trafen Glückwunschtelegramme und prächtige Vlumensträuste ein. Prinz Ernst von Sachsen war zur Feierlichkeit eingeladen und erschienen.
* Kurhaus. Das schwedische Damen-Quintett unter Leitung des Conservatoriiims-Lchicrs Herrn Brohmann-Pöt- tiuger aus Stockholm, welches morgen Donnerstag und Freitag dieser Woche in den Abend-Concerten im Knr- Aorten auftreten wird, hat bereits im Sommer 1890 au zwei Abenden mit vielem Erfolge hier gesungen. Die anmuthigen Schlvedinnen verfügten über sehr sympathische Stimmen, gute Schule und ein vortrefflich abgetöntes Znsammensingeli. Dieselben werden auch diesmal wieder schwedische und norwegische Volkslieder zum Vortrage bringen. Wir Machen auf diese beiden interessanten Abende aufmerksam mit dem Hinznsiigen, daß ein besonderes Eintrittsgeld auch diesmal nicht für den Kurgarten erhoben wird, daß jedoch sämmtliche Besucher ihre Kurhauskarten vorzuzeigen haben.
— Keil-Museum. Die Gemahlin unseres verstorbenen Lauds- mauns, des Bildhauers Professors Carl Keil läßt dem „Mainz. Anz." zufolge auf ihrem Besitzthnm bei Eltville eilt Museum errichten, in welchem die Kunstwerke Keils untergebracht loerden.
— Zur Krkiünpfuug von Vflnnzenschädlinge«. Die günstigen Erfolge, welche überall, insbesondere auch durch das vom Kgl. Laiidrathsamt im letzten Jahre veranlaßte, versuchsweise Bespritzen einzelner Weinberge mit der sogenannten Bordelaiser-Brnhe(Wasser, Kupfervitriol, Kalk), behufs Bekämpfung der Peronospora (Blattfallkrankheit) in den Gemarkungen Frauenstein, Hochheim, Schierstein und Wicker erreicht wurden, gaben Veranlassung zur vermehrten Anwendung dieser Vorbeugungsmaßregel. Es find z. B. in Hochheim mehrere Rcbspritzen im Gebrauche, auch die Gemeinde Schtersteiu hat sich auf Gemeindckosten zwei solcher Maschinen an- geschafft, nm damit die sämmtlichen Weinberge in der fraglichen Gemarkung nach Vorschrift zu bespritzen, was bis jetzt zum großen Teile geschehen ist. Um nun die Laudwirthe auch in den übrigen Gemeinden des diesseitigen Kreises von der Zweckmäßigkeit und den großen Vortheilen dieses Bespritzens zu überzeugen, werden auf Veranlassung und Rechnung des landwirthschaftlichen Wander- Casinos für" den Landkreis Wiesbaden unter Leitung des Kreisobst- baulehrers Herrn Reb Holz -Wiesbaden in den Gemarkungen Erbenheiin, Delkenheim, Fraueustein, Flörsheim, Weilbach, Naurod, Kloppenhcim, Igstadt, Nordcnstadt und Wildsachsen nicht allein Weinberge, sondern auch Kartoffelfelder, welche mit den verschiedenen gangbaren Sorten bestellt sind, vorschrtftsmäßig 2—3 Wal bespritzt. Dieses ist schon theilweise geschehen nnd hat sich dabei die Vermorel- sche Rebspritze, welche sehr gut functionirt, ausgezeichnet bewährt. Wir wünschen dem genanuteu Casino zu diesem zeitgemäßen, gemeinnützen und sicherlich löblichen Unternehmen recht guten Erfolg und kräftige Unterstützung seitens der Laudwirthe.
O Die Industrie der „Andenken". Die Industrie der „Andenken" ist in den letzten Jahren mit der Steigerung der Reise-- mode zu ganz bedeutender Entfaltung gelangt. Auf den höchsten
Die Finanr-Uerhaltnijfe des Deiches
für 1891/92.
Vergleicht man die nunmehr endgiltig festgestellten Jst- einnahmen der in dem EtatLjahr 1891/92 vereinnahmten Beträge an Zöllen, NeichZstenern und Betriebseinnahmen in den Verkehrsanstalten des Reiches mit dem Etatsanschlag für 1891/92, so ergeben sich folgende Ziffern:
Jsteinnahme Etatsanschlag Plus, Minus Mk. Mk. Mk.
Zölle....... 378,470,328 314,620,000 + 63,850,328
Tabaksteuer..... 11,481,686 10,535,000 + 946,686
Zuckermaterialsteuer. . 9,805,652 8,306,000 4- 1,499,652
Zuckerverbrauchssteuer . 55,139,614 52,513,000 + 2,626,614
Salzsteuer..... 42,866,198 40,986,000 + 1,880,198
Maischbottichsteuer . . 19,336,321 18,876,000 + 460,321
Dranutweiuverorauchsst. 99,504,868 110,170,000 — 10,665,132
Brausteuer .... ■ 24,772,015 22,709,000 4- 2,063,015
Summe der Zölle n.
Verbrauchsabgaben 611,376,682 Spielkarteustempel . . ' 1,245,431
Wechselstempelsteuer . . 8,175,592
Stempelsteuern auf:
Wcrthpr.piere .... 4,583,617
Kauf- und Anschaffungs
geschäfte .....11,021,162
Brivätlottcrien . . . 1,473,201
Staatslotterien . . . 7,327,267
Post- und Telegraphen
verwaltung .... 234,997,962
Reichsciseubahiwerwalt.. 57,496,525
578,715,000 + 62,661,682
1,185,000 + 60,431
6,704,000 + 1,471,592
7,262,000 — 2,678,383
11,433,000 — 411,838
497,000 V- 976,201
6,808,000 + 519,167
236,005,220 — 1,007,258
54,962,000 4- 2,507,525
Wir bemerken zu vorstehenden Ziffern, daß bei den Börseusteuern, der Wcchselstempelsteuer und den Einnahmen aus den Verkehrsanstalten nur die angeschriebenen Beträge, noch nicht die Ist-Einnahmen zusammengestellt sind; doch durften die ersteren von den letzteren nur unmerklich abweichen.
Aus den jetzt über den Reichshaushaltsetat für 1891/92 insgesammt bekannt gewordenen Ziffern ergiebt sich: Uebcr- weisungen an die Einzelstaaten. Aus Zöllen, Tabaksteuer, Branntwein-Verbrauchsabgabe und Börsensteuern erhalten dieselben gegen den Etatsanschlag ein Plus von 52,547,119 Mark, welches sich indeß in Folge der nachträglichen Erhöhungen der Malriknlarbeiträge durch den Nachtragsetat aus dem März dieses Jahres um 10,134,338 Mk. ermäßigt, so daß den Einzelstaaten aus ihren finanziellen Beziehungen zum Reich gegen die ursprünglichen Etatsanschläge ein Mehr von etwa 42^8 Millignen Mark zu Theil wird. Für den Ueberschuß des Reichshaushalts selbst ergiebt sich aus den bekannt gewordenen Ziffern ein Betrag von etwa 11'/- Millionen Mark. Dieser Betrag erhöht sich noch um etwa 6 Millionen Mark, welche die Reichsbank über die etats- mäßigen Anschläge hinaus an die Reichskasse abzuliefern hat. Dagegen komnien in Abzug die Mehrausgaben der Reichsverwaltungen. Dieselben wurden abzüglich der durch die nachträglichen Erhöhungen der Matrikularbeiträge gedeckten Antheile im November v. I. geschätzt auf 7 Millionen Mark. Es würden hiernach verbleiben etwa 10'/z Mill.
Mark. Davon aber kommen noch in Abzug die bisher unbekannten Mehrausgaben der Post- und Telegraphenverwaltung und der Eisenbahnverwaltung. Der Ueberschuß des Reichshaushaltsetats dürfte also in keinem Falle dieSumme von 10 Millionen Mark übersteigen, während er für 1890/91 den Betrag von 15 Millionen Mark erreichte.
Bergspitzen finden wir allerlei „Ansichten", Bijouterien, an denen ' schöne Ansichten in irgend einer Weise angebracht sind, einzelne Restaurants nnd Hotels gaben für sich allein sogar als Reclame für ihre Etablissements ihren Gästen derartige Ansichten gratis zu. Und in jedem Jahre werden neue derartige Erinnerungszeichen von einer eigens für diesen Zweig arbeitenden Industrie hervorgebracht. Die vorhandenen Artikel sollen den Bedarf nach ihnen Hervorrufen, genau so wie seit einigen Jahren die Ostereiindiistrie die Ostergescheuke eingeführt hat. Das Ungesunde aber solcher Industriezweige liegt darin, daß diese Geschenkartikel meist recht unnützer Art sind. Gute, brauchbare Reise-Geschenke findet man als „Andenken"-Ariikel nur sehr selten, die Verfertiger dieser Artikel speeuliren eben auf die Generosität der Reifenden, die ja in der That, wenn sie sich einmal erst auf der Vergnügungsfahrt befinden, nicht erst jeden Goschen dreimal umdrehen, den sie vorausgaben. Da werden denn planlos Gläschen und Kästchen als Andenken für die Lieben daheim mitgebracht, allerlei Dinge, die wenig Zweck haben, allerdings auch wenig kosten. Sollte mau sich nnu nicht lieber auf nützlichere Dinge bei der Fabrikation derartiger Artikel legen. Wenn das Bild einer Gegend vervielfältigt werden soll, so kann es doch viel besser-auf dem Deckblatt eines Notizbuchs geschehen, das der Empfänger benutzen kann, als durch ein kleines Bildchen, das sich im Verlogne befindet, welches der Empfänger nach zwei Tagen verliert. Auch die Litteratnr könnte von der Aiideukenindustrie Nutzen ziehen, vielleicht indem man heimische Dickster in billigen Ausgaben erscheinen läßt mit Deckelumschlägen, welche dem Zwecke der Erinnerung an die Sommerfrischen entsprechen. Nur nicht diese plan- und wahllose Fabrikation von Dingen, die man nur kauft, weil nützlichere Dinge nicht vorhanden sind!
— Gmsrr Urgalta. Zn der am Sonntag, den 3. Juli, in Bad Ems statisindenden Kaiferregatta haben sich gemcllel: I. Begrüßungspreis. Einser. 1) Bonner Ruderverein, 2) Gießener Rudergesellfchaft, 3) Mannheimer Ruderverein „Amicitia", 4) Wetzlarer Ruderclub. II. Mittelrheinpreis. Vierer. 1) Kölner Ruderverein, 2) Wetzlarer Ruderclub. III. Damenpreis. Einser. 1) Frankfurter Rudergesellfchaft „Germania", 2) Gießener Rudergesellschoft, 3) Mannheimer Ruderverein „Amicitia". IV. Preis der Kurverwaltung. Junior-Vierer. 1) Akademischer Ruderverein „Rhenus" in Bonn, 2) Diisseldorser Ruderverein, 3) Frankfurter Rudcr- gesellschast „Germania", 4) Gießener Rudergesellfchaft. V. Preis “ von der Lahn. Juniör-Dollenzweier. 1) Bonner Ruderverein, 2) Kreuznacher Ruderverein, 3) Düsseldorfer Ruderverein, 4) Kölner Ruderverein, 5) Ruderverein Münster in Wests. VI. Preis der Stadt EmS. Vierer. 1) Kölner Ruderverein, 2) Frankfurter Ruderverein, 3) Frankfurter Rndergesellschaft „Germania", 4) Wetzlarer Ruderclub. VII. Malbergpreis. Dollenrweier. 1) Kölner Ruderverein, 2) Kreuznacher Ruderverein. VIII. Kaiserpreis. Frankfurter Rudergesellfchaft „Germania". Die Regatta luirb diesmal schon Nachmittags um 27a Uhr, also so zeitig beginnen, daß das Publikum nach Beendigung derselben noch bequem in die ferner gelegene Heimaih zurückkehren kann, wenn man es nicht vorzieht, der am Abend stattfiubenden Bäderlcibeleuchtnug lvegen über Rackst in Ems zn bleiben. Die Vorrennen finben nu bemselben Tage Vormittags statt, so daß auswärtige Besucher auch diesem beiwohnen können.
— Wiesbaden als Densionovolis. Unsere schöne Stadt ist bekanntlich nicht allein das besuchteste Bad bet Welt, fonbern es lassen sich auch viele Pensionäre, Rentner u. s. to. zu bauerndem Aufenthalte hier nieder, weßhalb Wiesbaden vielfach auch Pensionopolis genannt wird. Am stärksten sind unter den im Pensionszustaude befindlichen Herren die Offiziere vertreten. Das vor Kurzem im Verlage von Carl Schnegelberger erschienene „Adreßbuch von Wiesbaden und Umgegend für 1892 93“ enthält ein besonderes Verzeichnis; der hier lebenden Offiziere, Sanitätsoffiziere, Militärbeamten u. s. w., dem wir Folgenoes entnehmen. Die Gesammtzahl diefer Herren beziffert sich auf 315 und verthfilt sich auf die einzelnen Chargen wie folgt: Es flieht 4 Generäle der Infanterie bezw. Cavallerie, 16 Generallieutenaists, 1 General v. d. Armee, 28 Generalmajors, 1 Contre-Admiral, 49 Obersten,
(13. Fortsetzung.)
Klinke Liebe.
Novelle von Konrad
Sobald ich nur erst wieder auf meinen Füßen stehen konnte, ging ich, um mich zu erkundigen, was ouS dem kleinen blinden Mädchen geworden war, das ich durch meinen verbrecherischen Leichtsinn zur Waise gemacht hatte. Die war bei Verwandten in Vela untergebracht und hatte es gut, wie man mir sagte, nur könne sie immer und immer noch jene Schreckensnacht nicht vergessen und könne deshalb auch nicht wieder fröhlich werden, sondern brüte stumm und steinern vor sich hin und lasse sich von Niemandem zureden. Das griff mir recht an's Herz, Herr. Ich hatte aber lange Zeit gar nicht den Muth, vor das Kind hinzutreten; denn wenn ich ja auch wußte, daß es mich mit seinen armen, blinben Augen nicht würde sehen können, so fürchtete ich mich doch vor ihm und ich meinte immer, weil ich von dein feinen Tastsinn der Blinden gehört halte, sie würde mich nur zu berühren brauchen, um herauszufühlen, daß ich der Thäter fei, den sie damals beim Blitzleuchten eine Secunde lang gesehen; denn an der Stimme, die sie niemals gehört hatte, konnte sie mich ja nicht erkennen. Zuletzt aber trieb es mich doch zu ihr. Ich mußte diesem ungewissen Schwanken zwischen Furcht und Hoffnung wohl ein Ende machen, denn so hielt ich cs nicht mehr aus und wollte lieber der Gefahr freiwillig gerade entgegen gehen, als immer in Angst schweben, das Mädchen könne mit durch Zufall einmal in den Weg treten und dann mich entdecken. Ich weiß den Tag noch ganz gut, Herr, als ich nach Vela hinaufstieg. Es war mitten im Winter, die Luft klar und ftisch und man sah den beschneiten Gipfel des Feuerbergs weit drüben in die blauen Luft tagen und das kleine, feine Rauchwölkchen darüber. Und beim Steigen mußte ich immer denken: viel
leicht kommst du hier nicht mehr herunter als ein freier Mann! Hub vor jedem Heiligenbild und vor jedem Crucifix auf dem Wege hielt ich an und betete. Mir war beinahe so zu Mnthe, als wenu ich in eine Kirche träte, Herr, wie ich nun zu dem Kinde kam, dessen Vater ich wider meinen Willen gemordet hatte, so feierlich und so beklommen auch; denn nun mußte sich's ja entscheiden, ob ich erkannt wurde oder nicht. Einen Moment hindurch war's wohl, als ob bei meiner Anrede und Annäherung ein Zucken, ein ganz seltsames Zucken übet ihr Gesicht hinlief, — zumal meine Hand wohl ein Weniges zittern mochte, als ich die ihrige gefaßt hielt, — aber das ging ganz rasch wieder vorüber, und das Kind verfiel in seine alte, stumpfsinnige Traurigkeit zurück, und nahm keinerlei besonderen Antheil an mir. Mich jedoch rührte ihr Anblick so, daß ich keine Worte dafür finden könnte, es anszndrücken, und ich nahm mir in jener Stunde alsbald fest vor, mein ganzes Leben diesem armen, unschuldig leidenden Wesen zu widmen, nm ihm das traurige Loos, das ich ihm bereitet, zu erleichtern, so viel ich nur irgend vermochte. Und dies Gelöbniß habe ich gehalten, Herr, — ich glaube es wenigstens. Wenn das also ein Milderungsgrund fein kann — aber ich will Ihnen nur das Letzte noch erzählen, Herr. Die Untersuchung über den Mord hatte also keinen Erfolg gehabt. Wenn das Kind nicht gewesen wäre, das den Zollwächter Antonio Marini kannte, hätte man am liebsten den für den Mörder gehalten, weil er der Einzige gewesen wat, der in jener Nacht nachweislich in der Nähe des Thatorts gewesen, und sein Leugnen hätte ihm vielleicht wenig geholfen, da es ja nahelag, daß er den Alten ittthümlich konnte für einen Schmugglet gehalten und über den Haufen geschossen haben. So aber sprach ihn das blinde Mädchen frei, das da beschwören wollte, der Thäter sei ein Fremdet gewesen, den sie vorher niemals gesehen. Und Antonio Marini Deinerseits behauptete mit
allen Eiden, der Mörder sei allein unter den Schmugglern der Gegend zu suchen und die Kugel, die Checco Strazzeri getroffen, habe eigentlich ihm selber gegolten und er habe den Uebelthäter mit seinen eigenen Augen gesehen, wenn auch bei der herrschenden, lichtlosen Finsterniß nicht zu erkennen vermocht, und ihm sogar eine Kugel nachgesandt. Das war nun glaublich genug, führte aber auch zu keiner Entdeckung, da mau wohl bald diesen, bald jenen verdächtigte. Keinem aber seine Schuld nachweisen konnte. Auch mich hatte man eine Weile in Verdacht, und von - meinen ehemaligen Kameraden glaubte wohl Mancher im Geheimen an mein Verbrechen, aber beweisen konnte mir es ja Keiner.
So schlief die ganze Untersuchung rasch wieder ein. Und als ich mich nun so ganz sicher fühlte und der ©ebenebeiten für meine gnädige Rettung danken konnte, ward aus meinem Mitleid mit dem blinden Kinde im Laufe der Zeit eine große und heiße Liebe, und als ich mich in Geduld und Theilnahme unablässig um sie mühte, die scheu und verschlossen und argwöhnisch geworden war seit ihrem Unglück, gewann ich langsam ihr Herz, und sie vertraute mir und neigte sich mir zu. Und als sie in die Jahre kam, wo sie sich als Weib fühlte, wurden wir ein Paar. Und wir wurden ein glückliches Paar, Herr. Ich will mich gewiß nicht rühmen, und was ich ge- than habe, war ja immer nur ein Geringes an Gutem gegen das Schlimme, was ich verübt, aber ich meine, ich hab' es an Sorge und Liebe für die Angioliiia nicht eine Stunde meines Lebens mehr fehlen lassen. Sie war ja freilich auch eine Heilige, Herr, und trug ihr Loos mit einem Frohmuth, wie ihn keine Frau mit sehenden Augen und die nie ein Unglück erlebt hat, größer besitzen könnte. Und auch ich war ein ganz Anderer geworden. Immer war ich am liebsten allein mit der AngioUna und sie wollte ja auch nichts Besseres für sich auf der Welt, als das, und ich selber bin glücklich gewesen, wie es nicht zu sagen ist, — viel zu glück-
