Abend-Ausgabe
Wiesbadener Tsgblstt.
40. Jahrgang. Verlag: Langgasse 27. . r ,. «''resgen-Preis:
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Ko. 272.
Frankreich und die Transsaharakahn.
Der „Figaro" hat ein literarisches Beiblatt heraus- zegeben, worin durch hervorragende Autoritäten die ftan- zösischen Besitzungen in Afrika und die Bestrebungen Frankreichs im dunklen Erdtheile eingehend und übersichtlich besprochen werden. Hauptgegcnstand der Erörterung ist die Transsaharabahn, welche als ein gewaltiges Verkehrsmittel der Zukunft behandelt wird. Der „Figaro" meint, man könnte es als Sache des Staates ansehen, diese große Verkehrsstraße zu bauen, welche die Grundlage der Colonisationsund Handelsunternehmungen bilden würde. Aber weit fruchtbarer erscheine die Gründung einer Kolonialgesellschaft mit einem Schutzbriefe und unter finanzieller Gewährleistung des Staates, welche sich mit privatem Unternehmnngsgeiste der Aufgabe widme, das wirthschaftliche und civilisatorische Eindringen der Franzosen in den Centralsüden zu gutem Ende zu führen. Eine große „Gesellschaft des schwarzem Indien", das sei die Lösung des Problems der Saharabahn. Eine derartige Gesellschaft werde vor Allem eine Handelsgesellschaft sein. Für sie sei die Eisenbahn nicht sowohl Zweck, als vielmehr Mittel zum Zweck, d. h. das Hauptwerkzeug des Unternehmens, das Werkzeug eines mächtigen Syndikats von Exporteuren und Fabrikanten, welche sich den Eingang zum Süden eröffnen, dort Manufakturartikel verkaufen und Rohprodukte für die französische Industrie ausführen wollen. Güteraustausch und Handel, darauf komme es an. Daß die Transsaharabahn ihre Kosten aufbringen wird, davon ist der „Figaro" überzeugt; und ein Gewinn dürfte nicht ins Auge gefaßt werden, denn das Hauptziel der Bahn müsse eine möglichst billige Beförderung bleiben, eine Beförderung mit so geringen Kosten, daß die Mitbewerbung der sogenannten billigen Wafferstraße des Benns und des unteren Niger nicht zu fürchten sei. Was ihre Schiffsflotte für die englischen und deutschen Gesellschaften von Westafrika sei, das würde die Eisenbahn für die französische Gesellschaft des Centralsüden sein. Allerdings mache die Saharabahn viel beträchtlichere Geldmittel erforderlich, dafür würden aber auch die Handelserfolge großartig sein, und diese Ansicht werde gethcilt von kompetenten Geschäftsleuten, denen die Erfahrung aus ähnlichen Ländern in Afrika zur Seite stehe. Der Artikel schließt: „Frei von jeder Ver- waltungsfessel werden wir unsere Bahn auf amerikanische, auf russische.Art bauen, mehr auf Schnelligkeit als auf Vollkommenheit bedacht. Wir werden, wenn möglich, 400 Kilometer jährlich bauen; so werden wir in weniger als 6 Jahren Air erreichen, wo der eigentliche Sudan beginnt, und in weniger als 8 Jahren den Tschad selbst. In gewissen Entfernungen von einander werden wir befestigte Bahnhöfe anlegen mit kleinen Besatzungen, verbunden mit fliegenden Kolonnen' 2000 Freiwillige im Ganzen, meist Eingeborene, werden genügen. Unser Vordringen wird machtvoll, aber friedlich sein. Der Friede sei unser Wahlspruch. Im Schutze unserer Posten wollen wir Ackerbaucentren schaffen; der artesische Brunnen und die Lokomotive werden unsere Eroberungs-
Morrtag, den 13.
Waffen sein. An den Kreuzungspunkten der Hauptkarawanen- straßen werden wir Städte für Tauschhandel und Lebensmittel anlegen, bei denen bald das Vcrkehrsleben zusammcn- fließcn wird, welches sich jetzt über die weite Fläche der Sahara zerstreut. Die Eiscnbahnbeförderung wird die Preise aller Dinge derart herunterdrücken, daß sich eine wahre Umwälzung ergeben wird. Die Tuareg mögen wollen oder nicht, sie werden unwiderstehlich angezogen werden durch einen doppelten Magnet: unser Prestige und ihr Interesse." c
Congrrß für erziehlicheKrmkenhandarkeit.
h. Frankfurt, 12. Juni.
Der „Deutsche Verein für erziehliche Knabenhandarbeit" veranstaltete gestern und heute in unserer Stadt seinen 11. Congreß. Die Leser sind über Wesen, Zweck und Ziel des Handarbeitsunterrichts bereits hinlänglich unterrichtet und da sich mit diesen Dingen die Vcrhaudlnugeu der beiden Tage hauptsächlich beschäftigten, so ist eine dahingehende Berichterstattung überflüssig. Auch dürsten die Fragen über den inneren Ausbau des Unterrichtszwciges des allgemeine» Interesses entbehren. Ich beschränke mich daruni darauf. Einiges über die mit dem Congreß verbundene Ausstellung von Schülernrbeite» mitzntheilcn. Das erscheint um so berechtigter, da die Ausstellung auch ans dem Leserkreis des „Wiesbadener Tagblatts" beschickt ist. Das Knnstgewerbe-Muscum, Nene Mainzcistraße 49, hatte derselben seine Pforten geöffnet, ein Ilm- stnnd, in dem an sich schon die Anhänger und Vertreter der Knabcn- handardeit eine Auerkeiinuna ihrer Bestrebungen seitens des Kunst- gciverbes erblicken dürfen. Im Ganzen haben 47 Schülerwerkstättcn aus allen Theilen Deutschlands ausgestellt. Beginiieu wir mit Wiesbaden. Die Gewerbeschule sandte aus ihren Werkstätten Papp-, Hobelbank-, Metall- und Modellirarbeiten. Der Unterricht wird, wie ich höre, erst seit Februar d. I. ertheilt und es ist darum selbstverstäudlich, daß von besonderen Leistungen noch keine Rede sein kann. Die nahe bevorstehende Ausstellung, die mau aus leicht begreiflichen Gründen wohl gerne beschicke» wollte, scheint vielfach auf Kosten einer techuisch-richtigen, sauberen und cxacteuAusführung gewirkt zu habe». Letztere läßt namentlich bei den Papparbeiten noch manches zu wünschen übrig. Diese stehen im Dienste der Geometrie und lehnen sich an die Professor Kumper'schcn Lehrgänge an. Die übrigen Arbeite» scheinen nach eigenem Plan angefcrtigt zu sein und diese Abweichung von den in anderen Werkstätten gebräuchlichen Lehrgänge» ist mit Freuden zu begrüße». Leider ist aber von einem methodisch geordneten, vom Einfachen zum Zusammengesetzten fortschreitenden Unterrichtsplan wenig zu erkenne«. Es wäre sehr zu wünschen gewesen, wenn die Handarbcitslchrcr ihre selbst ausgearbeiteteu Lehrgänge, nach denen sie Vorgehen wollen, auch ausgestellt hättcu. Ohne diese Pläne wird man zu der Meinung gebracht, die vorliegenden Sachen wären für sich allem, ohne inneren Zusammenhang mit voransgegangenen Hebungen hergestellt worden. Es folgen dann Arbeiten aus der Kinderbewahranstalt in Wiesbaden und zwar Erzeugnisse des Pappens und der Kerbschnitzerei. Wie die ganze Ausstellung mit wenigen Ausnahmen den Stempel der Leipziger Lehrerbilduiigsaiistalt an der Stirne trägt, so auch die vorerwähnten Gegenstände. Mit geringer Abweichung ist nach de» Leipziger Lehrplänen gearbeitet, hier und da de» Bedürsuissen des practischeu Lebens etwas mehr Rechnung getragen, wie z. B. bei dem Heften und Eiubiuden von Büchern in der Papparbeit. Warum in der Holzschnitzerei das Buchen- und nicht das, weichere Linden- oder Erlenholz Verwendung findet, will uns nicht recht einlenchten; oder ist's nur der Billigkeit wegen? Uebrigeus sind die Arbeiten recht sauber ansgesührt und machen ihre» Urhebern alle Ehre. Aus Nassau sind noch vertreten die Werkstätten zu Altstadt, Langenhahn, Marienberg, Nister, Rüdes- heim und Diez. Die Arbeiten von letzterem Ort sind noch ganz besonders hervorzuheben. Die Realschule zu Bockeuheim
1892.
hat sämmtliche Schülerarbeiteu, gute und geringe, ausgestellt. Die Anstalt blüht auch in dieser Beziehung schön empor; die Leistnugen sind nach kaum anderthalbjährigem Bestehen der Werkstätte ganz vorzügliche und der Eindruck, den die Cougreßbesucher von dem Unterricht bekamen, der ihnen am Samstag zugänglich war, schien überall ein befriedigender zn sein. Ausznsetzen wäre ebenfalls, daß die Knaben die Zeichuimgen znm Kerbschnitt nach Vorlagen machten, während doch freien Entwürfen der Vorzug gebührt. Die Ein- richtmig der Bockenheimer Werkstätte ist eine mustergiltige. Weniger günstig war der Eindruck, den Ihr Berichterstatter bei dem Besuch der Werkstätten in der Weißfraneuschule erhielt. Diese Lehrprobe wäre wohl besser ungehalten geblieben. Ansgestellt hatte diese Werkstätte nicht. Doch, damit mir nicht Geringschätzung gegen die engere Heimath vorgeworfen wird, will ich gleich hier fchon die Leistungen der Frankfurter Knaben- und Lehrlingshorte hervor- hebe». Die Menge der angefertigten geschnitzten Tischchen, Stühle, Schränkchen, Bilderrahmen, Albumdeckeu ec. mit ihrer geschmackvollen Ausführung zu fchildern ist nicht möglich. Auch hier heißt es: „Kommt und sehet!" ManchrrFachmann der die Schwierigkeiten der Herstellung kennt, schüttelte ungläubig das Haupt über all der Kunst, die von Kinderhand stammen sollte. Doch kann auf das Bestimmteste versichert werden, daß keine Täuschung des Publikums vorliegt. Die Gruppe Frankfurt, die allein ein Zimmer füllt, ist ein Beweis von Ausdauer und Fleiß und ein schönes Zeichen für die aus dem Knabenhort hervorgehenden Lehrlinge, die der Schnitzwerkstätte auch nach der Schulzeit noch treu bleiben. Aus der Menge des Gebotenen heben wir für etwaige Besucher der Ausstellung als besonders sehenswerth noch hervor: Die Abtheilnng der Tanbstuniincnanstalt zn Würzburg, des Gemeinnützigen Vereins zu Dresden, der Leipziger Werkstätten, des Seminars in Bensheim (physikalische Apparate), ferner die Gruppen Berlin und Darmstadt, den Lehrgang für Modelliren von Bildhauer Sturm in Leipzig und dieLehicrarb.ite» im Obergeschoß des Hauses. Im Große» und Ganzen liefert die Ausstellung, die bis zum 20. In ui unentgeltlich geöffnet ist, den Beweis, daß die Knabenhandarbeit überall festen Fuß faßt und in gedeihlicher Fortentwickelung begriffen ist. — Der Congreß war von vielen hundert Schulmännern und Freunden der Sache aus allen Grenzen Deutschlands und darüber hinaus besucht. Mit der Aufnahme in unserer Stadt werden unsere Gäste wohl auch zusrieden fein. Ihnen zu Ehren veranstaltete man am Sainstag Abend ein großartiges Sommerfest int zoologischen Garten, bei dem auch der Sängerchor des hiesigen Lehrervereins mitwirkte und am folgenden Abend war Festvorstclluug im Opernhause.
Locales.
Wiesbaden, 13. Juni.
-o- Zeririio-Ausschntz. Sitzung vom 13. Juli unter dem Vorsitze des Herrn Verwaltungs-Gerichts-Directors Geheimen Regieruugsrath vo n Reichenau. In der ersten Verhandlnng bildet der Aich Pfahl der Hammer müh le den Streitgegenstand. Derselbe ist im Jahre 1846 gesetzt und ein Protokoll darüber auf genommen worden. Die Stadtgeuieinde Wiesbaden hat im bongen Jahre bei dem Kreis-Ansschuß des Landkreises Wiesbaden eine Vervollständigung dieses Protokolls beantragt, welche eine bessere Auffindung des Aichpfahls zum Zweck haben sollte. Der KreiS- AuSschnß hat diesem Anträge durch Beschluß vom 25. August v.J. ftattgegeben. Die Firma B. May auf der Hammermühle hat gegen diesen Beschluß Widerspruch erhoben und gerichtliche Ent- scheidnng beantragt. Der Kreis-Ausschuß 'erkannte auf Abweisung der Klage. Gegen dieses Urtheil hat die Klägerin Bernfnng an den Bezirks-Ausschuß erhoben. Die Klägerin, durch Herrn Rechtsanwalt A. von Eck vertreten, macht insbesondere geltend, daß das Gesetz dem Kreis-AnSschuß nur die Befugniß gebe, auf Antrag über Setzung von Aichpfählen an bereits besteheuden Triebwerken zu beschließen. Im vorliegenden Falle handle es sich aber nicht nm eine solche Setzung; der Aichpsahl sei vielmehr schon in 1846 gesetzt und völlig intakt, so daß eine Vervollständigung des Proto-
(11. Fortsetzung.)
Klinke Kieke.
Novelle von Konrad Telman».
„Das will ich," gab er dumpf zur Aniwort, „deshalb kam ich ja. Sie sollen hören, wie cs kam, und Sie sollen richten." Er athmete ein paar Mal tief und schwer, wie um sich zu sammeln, dann fuhr er fort und stierte während des Sprechens irr vor sich hin: „Ich war ein Bursch, wie die Anderen, Herr, nicht besser und nicht schlechter. Vielleicht doch ein Weniges schlechter, weil ich mich leichter hin- reißen ließ, aber wirklich etwas Schimpfliches hott' ich noch niemals gethun. Meine größte Freude war immer das Schmuggeln. Das betrieb ich aus Freude zur Sache, Herr, nicht etwa aus Gewinnsucht, denn was es mir eintrug, war nicht eben der Rede werth. Aber ich setzte eine Ehre darein, den Zollwächlern ein Schnippchen zu schlagen und der Regierung eine Rase zu drehen. Denn Sie müssen wissen, Herr, daß die Regierung, die es so gut mit uns meinen soll, uns aussaugt Ibis zum Letzten. Und wir armen Leute hier oben in den Bergen, wir haben ja ohnehin kaum so viel, uns das Bißchen mühselige Leben zu fristen. Und nun auch noch von jedem Ei, von jedem Barrila Wein, von jedem Stück Ziegenrücken, das man von einem Ort in den anderen trägt, um es auf den Markt zu bringen, etliche Quattrini an die Grünröcke abzahlen, nein, Herr, das geht über den Spaß. Da ist's Pflicht und Gebot, die Regierung um das zu prellen, was sie sich vom sauren Schweiß der Armen erpressen will, und wer das am Geschicktesten versteht, der gilt bei aller Welt hier als ein richtiger Galan- tuoma und steht in Ehren. Und was mich anging, ich that's nicht, weil ich selber zu schwer unter dem Zoll der Grünröcke gelitten hätte, — nein, Gott sei Dank, ich hatte
ja zum Leben, was ich brauchte, und mein Vater galt immer noch als einer der Reichsten im Ort. Ich that's einzig und allein nm der Sache willen. Es wurmte mich, daß es so ungerecht in der Welt zuging, und für mein Recht hielt ich's und für eine gute That, was der Herr Pfarrer auch davon denken und darüber reden mochte. Wir waren unser eine ganze Bande, Herr, und wohlorganisirt, wie ein Trupp Carabinieri. Und wenn wir den Grünröcken wieder einmal so recht schlau auf der Rase herumgespielt hatten, daß sie Nachsehen behielten und ihre Gesichter vor Aerger so grün wurden, wie ihre Uniform, das gab jedes Mal ein Freudenfest, Herr, daß die Zollwächter bersten wollten in ohnmächtiger Wuth. Und ich war immer einer von den Kecksten und Tollkühnsten, immer bereit und immer voran. Keiner kannte die Wege durch's wilde Gefelse besser, als ich. Wie eine Katze könnt' ich klettern trotz meines schweren Packens auf dem Rücken und so geräuschlos, daß die Grünröcke schon andere Ohren hätten haben muffen, wenn sie mich hätten entdecken wollen. Natürlich konnten wir nur Nachts unser Gewerbe treiben, und zumal, wenn der Himmel mit Wolken überdeckt war. Dann aber spähten sie uns auch bei all' ihrer Wachsamkeit nicht aus, und maitchmal bin ich so dicht an ihnen vorbeigeschlichen, daß ich die Bajonette an ihren Gewehren blitzen sehen konnte, wenn sie irgendwo ein Lager aufgeschlagen hatten, um uns zu überrumpeln, und sic haben uns doch nicht entdeckt. Nun, daß ich's kurz mache, Herr. Also allmählich kamen sie doch auf unsere Spuren, denn wir trieben's ein Bißchen arg und thaten, als gäb' es gar keine Zollwächter mehr, und tanzten ihnen nur so auf der Nase herum. Unsere Erfolge hatten uns ein Bißchen zu sicher gemacht, Herr. Eines Tages faßten sie uns ab, und da wir uns nicht gutwillig ergeben wollten und auch nicht stehen blieben, als sie uns anriefen, sondern theils niederduckten, theils davonliefen, gaben sie
alsbald Feuer. Es soll ja wohl ihre Instruction so fein. Und dabei ward einer von uns über den Haufen geschossen, der das Aufstehen für immer vergaß. Das war Beppo Ricci, ein guter Kamerad und ein treues Herz, das ich lieber gehabt hatte, als jeden Andren. Wir Uebrigen kamen so ziemlich mit heiler Haut davon. Seit dem Tage aber, wo das geschehen war, schworen wir den Grünröckcn Todfeindschaft. Und weil wir nicht wußten, wer den braven Beppo erschossen hatte, stand es fest bei uns, daß sie Allesammt daran glauben müßten. Einer, wie der Andre, und daß für Jeden die Kugel fchon gegossen war. Von da au galt es nicht mehr bloß einen Sack voll Salz, das nicht in den Siedereien der Regierung gesotten worden war, oder sonst einen Packen mit steuerpflichtigen Marktwaaren über die Zollgrenzen fortzuschmuggeln, sondern es galt auch vor Allem, den Grünröckcn, die uns einen so wackren Kameraden erschossen hatten, eine Kugel zwischen die Rippen zu jagen. Mir selber lag sogar ausschließlich daran. Ich hatte eher keine Ruhe mehr, als bis ich mindestens Einem von ihnen zum Lohn das Lebenslicht ausgeblasen hätte. Tag und Nacht dachte ich an nichts Andres mehr. Mir war's immer, als ob Beppo Ricci Nachts zu mir käme und zeigte mit dem Finger mir seine blutige, klaffende Wunde gerade über dem Herzen in der Brust, wie auf nuferem Altarbild in der Kirche der heilige Rochus auf fein verwundetes Bein deutet, und dann dachte ich mir, er fände gewiß keine Ruhe im Grabe, bis sein Tod an seinem Mörder gerächt worden fei, wie es unsere Sitte verlangt. Darüber gericth ich allmählich in eine förmliche Raserei, Herr. Es schwamm mir immer ganz roth vor den Augen und ich konnte nichts mehr thttn, als im Gebirge Herumstreifen, die Büchse in der Hand, und lauern, ob mir nicht endlich Einer von den verhaßten Grün- röcken in die Schußlinie käme. Manchen Tag, manche
