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Abend-Ausgabe.

Mesbildemr Sagblatt

Verlag: Langgasse 27.

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Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg.,— Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

40. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: än Wiesbaden und den Landorten mit Zweig- xpeditionen 1 Mk. 50 Pfg., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.

1892

Donnerstag, den 2. Inm

Ko. 236.

Koeales.

Wiesbaden, 2. Juni.

= Ans der Gesellschaft. Gestern Abend 6 Uhr unternahm S. D. Prinz Nicolaus von N a s s a n mit seinem Schwiegersohn und dessen Geniahlin, sowie dem Herrn Regierungs-Präsidenten von Tepper-Laski und andern distinguirtcn Persönlichkeiten auf dem bunt» bewimpelten Dampfboot „Alexander" eineRheinsahrtnach Eltville und zurück. Die Rückfahrt nach Wiesbaden

Karte) benutzbar, die zu Lande umgangen werden müssen, zu welchem Zwecke die Schleppkähne auseinander genommen werden können. Ver­mittelst des Shire gelangt die Expedition dann an die Südspitze des Njassa-Sees, und von hier aus werden die Kähne mit ihrer Ladung durch den Schleppdampfer „Peters" nach dein Nordende des Njaffa- Sees geschleppt. Wie unsere Karte erfernm licht, bewegt sich die Ex­pedition von Quilimane aus in portugiesischem bezw. englischem Gebiet. Die Erlanbniß zum Durchzuge der Expedition ist vor einiger Zeit schon bereitwilligst ertheilt. Von M b ampa an grenzt das deutsch-ostafrikanische Gebiet an den See.

Sobald Wißmann am Nordende desNyassa einen geeigneten

Wißmarm's Dampfer-Erpedttion.

Major v. Wißmann hat nun die Ausführung seiner Dampfer- Expedition in Angriff genonunen, und befindet sich auf der Reise nach Ostafrika. In Saadani, an der Küste des deutschen Ge­biets, lagert bekanntlich der Wißniann-Daiupfer feit dem vorigen Jahre im verpackten Zustande. Die von dem Autisclaverei-Aus- schuß der Deutschen Colonialgesellschaft ins Werk gesetzte Expedition verfolgte ursprünglich den Zweck, den Dampfer auf dem Vietoria- Nyanza, welcher in die deutsche Interessensphäre vom Norden hinein­ragt, zu stationiren. In Folge eingetretener Zwischenfälle (u. A. Niederlage derZeletvski'schen Expedition), welche die Gestellung der zur Bedeckung der Expedition erforder­lichen Begleitmannschaften aus der ostafrikanischen Schutztruppe unmöglich machten, wurde damals die Fortführung des Unternehmens fistirt und der Dampfer in Saadani gelagert. Jetzt soll derselbe nicht nach dem Victoria-See, sondern nach dem, den größten Theil der Westgreuze des deutschen Gebietes gegen den Kongo­staat bildenden Tang an i ka-See befördert werden, über den eine Anzahl der bedeutendsten Sclaventraus- porte vom Innern des schlvarzen Erdtheils in der gend von Kavele nach Osten durch das deutsche Gebiet geleitet werden. Hier wird der Dampfer, der mit leichten Revolvergeschützeu versehen ist, in sehr zweckdienlicher Weise Verwendung finden können.

Für den Transport nach dem Tanganika-See standen ztvei Wege offen, der bnecte, von Saadani nach Westen gerichtete Marsch über Land, in der Richtung von Tabora, bei welchem ein in der Luftlinie ca. 900 Kilometer breites Gebiet der deutschen Besitzung zu durchquere» war, welches gesicherter Straßen entbehrte; andererseits war die Möglichkeit gegeben, den Dampfer zu Schiff über See nach der Zanibefimündung, von hier den Zambefi aufwärts auf der Wasserstraße über den Njassa-See zu trausportireu und von dessen Nordende über Land nach dem Tanganika-See. Wißmann hat sich für diesen letzteren Weg entschieden, und die Expedition des Dampfers auf demselben ist nnnmehr in Angriff genommen, lieber die Art der Ausführung seien an der Hand unserer bcistehenden Kartenskizze folgeubc Mit­theil ungeu gemacht.

Die Beförderung des Danipfers von Saadani nach Quilimane ist Ausgabe des Premier-Lieutenants v. Eltz, der am 11. Mai die Ausreise von Neapel nach Ostasrika angetreteu hat. Der Reichspostdampfer „Kaiser" führt an Bord den zur Beförderung der Theile des Wiß- manu-Daiupfers auf dem Shire und Njassa erforder­lichen Schleppdampfer „Pfeil". Der Wißmann-Dampser bleibt in Theile zerlegt und wird in vier eisernen, zum Theil wasserdicht gedeckten Schleppkähnen befördert; zwei dieser Schleppkähne sind mit dein Reichsdauipser „Kaiser", die beiden aildercii am 12. Mai von Marseille aus mit einem anderen Dampfer abgegailgen. Der Transport der Schiffsgefäße geht mittelst Reichspost- dampfers nach Mozambique, wohin sich auch Wißmann dircct begiebt, und von dort per Küstendampser nach Quilimane an der Zambesimündung. Unsere Leser finden auf der Kartenskizze die Route über See durch eine Strichlinie angedeutet.

In Quilimane wird sich Wißmann über die im Bette des Zambefi einznschlagende Route entscheiden; der Fluß hat hier vier Mündungen: bei Oiiilimane, dann die Tfiude, Muselo- und Zambesimündung. Der Küfteudampfer Peters überbringt von Saadani aus den in Theile zerlegten Wißmanndampfer.

Ter Wasserweg den Zambefi und Shire auf­wärts ist zunächst bis zu den Murchisoiifällen (vgl.

Platz auf deutschem Gebiet findet, soll mit dem Stationsbau begonnen und die Schutztruppe dort ziisammeugezogen werden. Der mit einem der Schnellseüergeschühe armirte Dampfer Pfeil und die Schleppboote verbleiben aus dem Nyassa und werden der Station ziigetheilt, die zugleich den Stützpunkt für den Weiternrarsch der Expedition nach Taganyika und für die am Nordende des Nyaffa errichteteil deutschen Mifsiousstatiouen zu bilden bestinimt ist.

Besonderes Gewicht legte Major v. Wißmann darauf, in den von den Sklavenjägern augenbicklich beherrschten Gegenden am Nyaffa und zwischen'dem Nyaffa und Taganyika so stark nnftreicn zu können, daß er nicht nur feine Expedition gegen bereit Angriffe zu vertheidigen, fonbern auch deren Macht zu brechen und ihrem schändlichen Treiben ein Ende zu machen im Stande fei. Zunächst wird er eine aus Sudanesen und einigen Somalis bestehende Schutztruppe von etwa 100 Mann, die unter der Hand augeworben sind und sich zum Theil auf dem Wege dorthin befinden, mit sich führen, zudem einen Artilleriepark von vier 3,7 Cen- timeter Schnellseuergeschützeti — bereit eins der Com­mission von dem Grnsonwerke in Buckau für die Expedition geschenkt worden ist — mit reichlicher Munition an Kartätschen und Granaten und zwei Maxim- Geschützen. An Europäern werden sich bei der Expedition folgende Herren befinden, die mit dem Dampfer „Kaiser" bereits unterwegs sind: Dr. Theodor Bttmiller, Frhr. Arnold von Eltz, Kapitän Max Prager, Rechnungs- beamter Horst V- Tippelskirch (mit bis zum Aufbruch ins Innere), Proviantmeister Jllich (bereits in Ost­afrika), Maschineuconstructeur Hermann Spacker, Steuer­leute Alfred Gerloff und Heinrich Griebel, Unteroffiziere Arthur Krause und Andreas Bauer, Schiffsbauer Rudolf Zander, Maschinist Wilhelm Engelke, Schiffszimmerleute Ferdinand Riemer und Gustav Ottlich, Kesselschmiede fiermatm Knuth, Karl Griinhagel und Otto Dotmanit; ferner die Besatzung des Dampfers „Pfeil" sowie eilt Arzt und ein Geologe.

Vom Nordende des Nyaffa findet der Ueberla nd- tranSport des Dampfers statt. Der Nyaffa liegt 480 Meter, der Taganyika 800 Meter über dem Meere, das zu letzterem überleitende Hochland ist an der Grenz­linie des deutschen Gebiets von der früher englischer- feits angelegten Stevenson-Road (vergl. Karte) durchzogen, ;edoch hat diese Straße kaum den Anspruch auf den Namen einer solchen. Major v. Wißniann kennt, und zwar als einziger Deutscher, dieses GeÄct, da er auf feiner zweiten Afrika-Durchquerung, vom Taganyika kommend, das Hochland überschritt; aber trotzdem werden auch ihm große Strapazen und Fährnisie erwachsen. Sehr zu statten wird der Expe­dition der Unistand kommen, daß dieselbe fast aus­schließlich durch Gegenden ihren Weg nimmt, die im Bereich von Europäern liegen, so daß nöthigenfalls Hülfsleistungen in Anspruch genommen werden könnten.

Die Vorbereitungen zu dem nun ins Werk gesetzten humanitärcivilisatorischen Unternehmen sind in so um­sichtiger Art getroffen, daß mau gutes Vertrauen in das Gelingen desselben fetzen darf.

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(3. Fortsetzung.)

Klinde Liebe.

Novelle von Konrad Eckman«.

Es war eine wehmüthige Freude für mich, ihr znzu- hören und fiel mir kaum mehr auf, daß sie davon sprach, mich zu sehen und daß sie voller Dankbarkeit von ihrem dauernden Gesundsein redete. Ihr schweres Siechthum schien ihr gar nicht mehr zum Bewußtsein zu kommen und rührend war es mir, wie glücklich und zufrieden sie sich zeigte, als sei ihr das beneidenswertheste Loos von der Welt gefallen. Ich wurde nicht müde, ihr zuzuhören. Aber während ich es that und ihr dies und jenes erwiderte, wie der Augenblick es mir eingab, betrachtete ich unermüdlich die blinden Augen der jungen Frau, um mir klar darüber zu werden, ob sich meine ärztliche Kunst wohl erfolgreich an ihnen würde versuchen können oder nicht, daß es ein Frevel fein würde, in diesem Weibe Hoffnungen zu erwecken, die sich nachher vielleicht nicht verwirklichen ließen, ein noch größerer Frevel, als bei irgend einem anderen Menschen, stand in mir fest. Tenn Nichts redete bei ihr davon, daß sie durch den Mangel ihres Augenlichts wirklich Etwas ent­behre; wohl aber mußte dies der Fall werden, wenn sie sich Wunderdinge von der Wiedergewinnung ihrer Sehkraft ver­sprach und diese dann vereitelt ward. Ich wagte selbst kaum, von ihrer Blindheit zu ihr auch nur zu sprechen, ich fürchtete, daß der mildfreundliche Ausdruck ihrer Züge dann einem schmerzlichen weichen würde. Aber doch mußte es geschehen, wenn ich allmählich zum Ziel gelangen wollte und der Gedanke, es könne mir gelingen, dieser blühenden, anmuthigen Fran eines der höchsten Güter des Lebens wiederzuschenken und so ihr und ihres Gatten wohlverdientes Glück noch au erhöben, regte mich schon jetzt mächtig auf.

„Ihr seid nicht blind geboren, nicht wahr?" fragte ich sie endlich in theilnahmsvollem Ton, der mir von Herzen kam.

Der Fuß, der das Rad des Spinnrockens in Bewegung setzte, stockte für ein paar Sekunden, aber ich hatte mich umsonst gefürchtet, kein schmerzlicher Zug war in dem schönen, stillen, friedvollen Antlitz erkennbar. Nur ehrliches Erstalinen klang ans ihrer Frage auf, während das Rädchen schon wieder fummle: „Haben Sie es denn gleich bemerkt?" Nicht einmal eine Enttäuschung lag in dem Ton.

„Ich bin ja ein Arzt," sagte ich, „ich wäre ein Stümper, wenn ich es nicht gleich gewahrt hätte, so gut Sie sich auch mit Ihrem feinen Tastsinn einznrichten verstanden haben. Andere würden es nicht wahrnehmen können, wenn sie es nicht wissen. Und Sie sind noch nicht lange blind, nicht wahr?"

„O doch, — ich glanbe, es werden zwölf Jahre fein, daß ich's bin."

„Zwölf Jahre! Sie waren ein Kind damals."

„Freilich. Und ich bin durch einen Blitzstrahl erblindet, der dicht neben mir einschlug. Es war die schrecklichste Nacht meines ganzen Lebens und ich rede nicht gern davon. In derselben Nacht starb mein Vater, mein armer, lieber Vater." —

Es legte sich bei ihren letzten Worten nun doch ein trauriger, ja sogar ein düsterer Zug über ihr Antlitz, aber es war ersichtlich, daß ihr Gram nicht ihrer Erblindung, sondern allein dem Tode ihres Vaters galt. Ich glaubte selbst einen Ausdruck finsterer Entschlossenheit in ihren Mienen zu gewahren, der mir plötzlich dies schöne, fried- fame Gesicht wunderlich entstellte. Ich hätte gern weiter gefragt, aber ich wagte es nicht; sie hatte mir ja gesagt, daß sie nicht gern davon rede, und vermuthlich handelte es sich hier um ein dunkles Geheimniß, das nach zwölf Jahren noch immer schwer auf der Seele des jungen Weibes lastete

und dem ich nicht weiter nachforschen durfte. So setzte ich nach einer Weile das Gespräch nur mit der Frage fort: „Haben Sie einmal daran gedacht, daß eine Heilung für Ihre so jäh erblindeten Augen möglich fein könne?"

Sie schüttelte jetzt wieder mit einem rührend-harmlosen Lächeln den Kopf. „Wie sollte ich wohl?"

„Es giebt doch berühmte Augenärzte an der Universität zu Catania."

„Aber wenn man ganz blind ist." —

„Auch die ganz Blinden können manchmal wieder sehend werden. Gott halt einigen Menschen die Kunst und Ge­schicklichkeit verliehen, ihren Mitmenschen solche fegensreiche Wohlthat zu bezeigen. Wußten Sie das nicht?"

„Nein," erwiderte sie mit dem Ausdruck höchsten Erstau­nens. „Davon hat mir nie Einer etwas gesagt und es klingt ja auch wie ein Wunder. Uebrigens hätten wir auch gewiß kein Geld dafür gehabt; denn es würde sicherlich ein Vermögen gekostet haben, — ein ganzes Vermögen, und wir find arm und spielen nicht einmal im Lotto." —

„Von den Armen verlangt ein rechter Arzt keinen Soldo für seine Kuren. Es kommt ihm nur darauf an, Gutes zu thun. Und wenn Ihre Augen wirklich zu denen gehörten, die noch zu retten sind — zu spät wäre es noch immer nicht. — Möchten Sie denn Ihr Augenlicht gern wieder haben, Sora Angiolina?"

Sie hatte bei meiner letzten Frage die großen, erloschenen, schwarzen Augensterne wieder gerade auf mein Gesicht ge­richtet und auf dem ihrigen malten sich hintereinander Zweifel, Schreckfrende und Betrübniß. Dann mußten die ihr aufsteigenden Bedenken doch wohl die Oberhand gewin­nen, denn sie schüttelte leise den Kopf, ließ die Spindel ruhen, und kreuzte die Arme über der Brust. „Ich weiß nicht," sagte sie sinnend, wie zu sich selber, den Kopf hängen lasiend, „ich kann mir das gar nicht mehr denken. Manch«