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Abend-Ausgabe

Bambusstäben zusammengefligten Häuser hatten der Erschüt- terung widerstanden; nur der Leuchtthnrm zeigte eine An­zahl größerer und kleinerer Sprünge. Die Malaycn um­standen in weitem Bogen den Ban, der, wie sie glaubten, jeden Augenblick einstürzen mußte, und bewunderten die Ruhe des Thürmers, der de Jong erklärte: „Ich gehe heute Abend doch wieder hinauf und wenn der Teufel auf Stelzen kommt."

An der Mündung des Grenzbaches gab es mehr zu sehen. Das Wasser, das durch ein heruntcrgestürztes Felsstück in seinem Laufe gehemmt, hatte das Hinderniß überstiegen und stürzte sich mit donnerähnlichcm Getöse in die Tiefe. Die braungelben Fluchen führten Baumstämme und Häusertrüm­mer mit sich, die im Sturze an den Felsen zerschellten, und in dem todten Wasser unterhalb des Falles drehten die Wirbel den Niesencadavcr eines Rhinoceros im Kreise.

Unweit des nun am äußersten Rande des über die Schlucht hängenden Felsens stehenden Wächterhäuschens standen ter Meer und Nino in eifrigem Gespräch. Die Beiden mußten über eigenthümliche Angelegenheiten reden, denn der Holländer war gegen seine Gewohnheit heftig er­regt und sagte, als de Jong sich ungesehen der Gruppe näherte, gerade mit erhobener Stimme: „Ich verbiete Dir das Spioniren in meinem Hanse ein für allemal! Aus Deiner Anhänglichkeit an meine Frau mache ich Dir keinen Vorwurf, wenn sie Dich aber dazu treibt, meine Gäste zu verdächtigen, jage ich Dich noch in Deinen alten Tagen fort." Der Malaye wollte noch etwas antworten, doch nun sah er de Jong hinter dem Gebüsch hervortreten und ent­fernte sich mit einem bösen Blick.

Im Laufe des Nachmittags traten keine neuen Ereignisse ein, sodaß sich die erregten Gemüther allmählich beruhigten. Die von Natur ans sorglosen Eingeborenen nahmen ihre gewohnte Beschäftigung wieder auf und nach Feierabend er­

klang bom Städtchcü herüber ihr monotoner Singsang wie am Abend zuvor. Auch das Licht des Leuchtthurms blinkte wie immer in die See hinaus, um den Schiffen den Weg zu zeigen, die mit ihren rothen und grünen feurigen Augen unten in der Meerenge auftauchten und wieder verschwanden.

Nur Anny erschien verändert. Entgegen ihrer gestrigen Lebhaftigkeit saß sie nach dem Abendbrod über eine Stickerei geneigt mit den beiden Herren auf der Veranda und ver­wandte keinen Blick von ihrer Arbeit. Einmal nur sah sie auf und richtete an de Jong die gänzlich unvermittelte Frage, warum er heute nicht abgereist sei?

„Ich bin zu den: Entschlüsse gelangt, mich nicht zu über­eilen," lautete die in fast gleichgültigem Tone hingeworfene Antwort: „Die Matschappy-Anction werde ich wahrschein­lich doch versäumen und so will ich mir wenigstens das hier in Aussicht stehende Geschäft nicht entgehen lassen."

Eine peinliche Stille folgte. Der Sprecher selbst mochte fühlen, daß seineAusrede als solche erkannt sei, und terMeer wollte nicht an den Schlußsatz anknüpfen, da den Tag über kein Wort über Geschäfte gefallen war. Seine Frau aber arbeitete noch eifriger als zuvor, bis sie sich plötzlich erhob und eiligen Schrittes die Veranda verließ. Bald darauf entfernte sich auch ter Meer, nm sich zu überzeugen, ob sie sich etwa krank fühle. „Ich bin im Augenblick wieder hier," sagte er noch im Weggehen.

Der Zurückbleibende hörte den Hausherrn, den Namen seiner Frau rufend, durch die unteren Zimmer und endlich durch die in ihren Angeln knarrende Hausthüre in den Garten gehen. Eine unerklärliche Aufregung bemächtigte sich seiner; es war ihm, als stände er vor einem Wende­punkt seines Schicksals. Bevor er sich aber Rechenschaft über dieses Gefühl geben konnte, sah er Anny's schlanke Gestalt aus dem Dunkel des Gartens treten und die auf die Veranda führende Treppe ersteigen. Nachdem sie sich

Erlernte anfcdließt, lernen die Mädchen Stopfen, Stricken und Fersen eiustricken, Flicken ein weißer und bunter Wäsche und au Kleidern, Nähen nnd Zuschncideu von Schützen, Kinder-, Mannes- und Fraueuhenideu, Arbeitskitteln, Jacken, Beinkleidern, Nöcken, Kinder­jäckchen und einfachen Kleidern. Jedes an einem halbjährlichen Lehr- curstts, für den nur 2 Mk. zu entrichten finb, theiluehnteitde Mädchen hat wöchentlich au zwei Tagen je zwei Arbeitsstunden. Der Unter­richt wird Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 4—6 Uhr in der Elementarschule, Schulberg 12, erlheilt.

Die von den Herren Hauptlehrer Hölper nud Küster geleitete For tbildnngS'chule sucht die zur Führung eines Geschäftes uöthigen Kenntnisse zu vermitteln. UnterrichtsgegeitstaudesiudRechneu (Dezimalbriiche, Negeldetriaufgabeu, Waareuberechnnug, Prozent­rechnung in Anwendung auf Zius-Diseouto-Gewiitu und Verlust­rechnung, Contoeorrente- und Terminrechuung). Wechsellehre. Einfache Buchführnug. Geschäftliche Aufsätze sNech- ntingen, Quittungen, Empfang, Depositen, Schuld- und Bürgfchafts- scheiite, Reverse, Zeugnisse, kaufmännische Correspoudeuz). Der Unter­richt findet Montag und Donnerstag in der Elementarschule, Schulberg 12, von 4—6 Uhr statt. Das Schulgeld be­trägt für das Halbjahr 3 Mk. und ist innerhalb der ersten vier Wochen nach Beginn des Unterrichts zu entrichten. Anmeldungen nehmen entgegen für die: Koclstchule: Fran Spengler, Markt- straße 11. Flick- und Nähschule: Fräulein Victor, Emserstraße 34. Fortbildungsschule: Herr Hauptlehrer Hölper, Schulberg 10. — Möchten die gemeinnützigen Einrichtungen der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung immer lebhaftere Unterstützung seitens der Bürgerschaft finden. Der Segen wird nicht ausbleibeu.

Lorales.

Wiesbaden, 10. Mai.

* Zur GrUmeruug. Am 10. Mai 1774 starb König Ludwig XV. von Frankreich, ein Fürst, über den die Geschichte, gleichviel in welcher Darstellung, ein ebenso ver­nichtendes Urtheil gefällt hat, wie die Zeitgenossen und das französisch« Volk. Ludwig XV. war es, der durch seine Sittenlosigkeit, Verschwendung und schmachvolle Ntgierung die französische Revolution vorbereitete. Fortgesetzt von Weibern, behorrfcht, — namentlich w der berüchtigte Pom­padour und der noch schlimmern Gräfin Dubarry, — waren es Ihatsächlich diese, in deren Händen die Geschicke Frank­reichs lagen. So kam es, daß beim Tode Ludwigs XV. — er starb an den Kinderblattern, die er sich durch An­steckung zugezogen — Frankreich am Rande des Abgrundes stand. Der Staat war verschuldet, der Credit verschwunden und die Zerrüttung im Reiche so groß geworden, daß die Ordnung nur durch Polizei und Soldaten aufrecht erhalten werden konnte. Das Volk, obschon es sich bisher ruhig ver­halten, war durch Satiren, Pasquille und Spottlieder an Verachtung und Mißtrauen gegen die Regierung gewöhnt worden. Es war eine böse Erbschaft, die da Ludwig XV. seinem Nachfolger hinterließ nnd das furchtbare Schicksal, beut der unglückliche Ludwig XVI. entgegenging, war in erster Linie von Ludwig XV. verschuldet.

— Kerr Magdeburg, unser neuer Obcrpräsidcnt, ist in Cassel eingetragen und hat sein Amt übernommen.

= Militärisches. Mit dem Obcrcomin and o des 11. Artueecorps au Stelle des Herrn v Grolmamt, welcher aus Gesundheitsrücksichten einen zweimonatlichen Urlaub cugftreten hat, ist Herr Gouverneur v. Neibuitz in Mainz auf die Dauer der Beurlaubung betraut.

— Schninachrichten. Nachdem, wie gemeldet, Herr Lehrer Fischer von der Mittelschule an der Lehistraße auf seinen Wunsch an die Schule an der Bleichstraße versetzt wurde, ist die erledigte Stelle Herrn Lehrer Rudolph übertragen worden. Als Stellver­treter für den beurlaubten Herrn Breidenstein trat Herr Schulantts- eandidat Jos. Harinianu ein.

— Eisenbahnverkehr. Zur Beseitigung von Zweifeln macht die Bahnverwaltiuig darauf aufmerksam, daß auch den Ein­jährig-Freiwilligen bei Urlaubsreifen auf Grund des Urlaubspaffes Militär-Fahrkarten zu verabfolgen find.

— Rnstav Travers f. Unser, wie gemeldet, in Gersan am Vierwaldstätter See kürzlich verstorbener Landsmann, Minister- resident a. D. Gustav Travers, gehörte zu Deutschlands ange­sehensten Consnlar-Beamten. Er war 1839 in Höchst am Main geboren und nach bestandenem Assessor-Examen im Jahre 1868 in den auswärtigen Dienst eingetreten. Er fungirte zunächst als Kanzler bei dem Biee-Confnlat in Kairo, wurde 1869 als solcher an das General-Consnlat in London versetzt und im Jahre 1871 zum Viee-Consul daselbst ernannt. Noch in demselben Jahre kehrte er als Vice-Consul nach Kairo zurück und wurde 1875 zum Cousul daselbst befördert. Von 1879 bis 1881 war er als Cousul in Canton und London thätig und wurde gegen Ende 1885, nachdem er längere Zeit die Functionen eines eomnnssarischen General- Coufuls in Sansibar wahrgenommen hatte, zum General- Conful in Shdney und im Juli 1887 znut Minister- Residcntcn für Marokko ernannt. Mit Rücksicht auf seinen leidenden Gesundheitszustand sah er sich anfangs 1889 genöthigt, feine Abberufung nachzusuchen und wurde in Folge dessen im März 1889 iit den einstweiligen Ruhestand ver­setzt. In einem Nachruf fügt der „Reichs-Anzeiger": „Travers war einer der hervorragendsten Beamten des auswärtigen Dienstes, der sich durch treffliche Kenntnisse, praktische Erfahrung und tactvolles Auftreten auf jedem Posten und unter den schwierigsten Verhält­nissen wohlbewährt hat. Wenn er auch seit drei Jährest deut aetiven Dienst nicht mehr angehörte, so wird doch sein Ableben tut Aus­wärtigen Amt schmerzlich empfunden und ihm ein ehrendes Andenken stets bewahrt bleiben."

— Der Mai, welcher unter Schneeschanern und Eislüften fänen Einzug gehalten, will nun doch endlich feinem Namen als Wonnemonat gerecht werden. Seit mehreren Tagen lacht die Sowie und wehen warme Fruhlingswtnde. Aber das schöne Wetter soll, wett» anders Falb, der bekannte Wetterprophet Recht behält, nur von kurzer Dauer sein. Der Wiener Gelehrte sagt nämlich Folgendes voraus: „Aut 11. Mai, der zwar nur ein frischer Tag 3. Ordnung ist, findet eilte Mondfinsterniß (ein starker Fluthsaetor) statt. Es .dürste daher mit diesem Termine, wahrscheinlich des vor- ansgehenden Hochdruckes wegen, mit einer Verspätung von zwei Tagen, die Menge der Niederschläge (auch Schneefälle nicht ausge­schlossen) wieder neuerdings zunehinen und dann ein Riickscltlag auch um den 18. Mai eintreten." Sintemalen aber sich die Herren Meteorologen überhaupt und ihr Hauptmann Falb insbesondere schon oftmals in ihren Weissagungen verrechnet haben, so hoffen wir auch diesmal das „Beste", d. i., daß der „wunderschöne IDioiiat Mai" wie er in den letzten Tagen sich zeigte, andauert, uns den Genug der herrlich erblühten Natur erhöht und verschönt.

* Mio viel eiserne Kreuze sind noch in der Armee? Nach Ausweis der Rangliste für 1892 hat die Zahl der eisernen Kreuze ganz erheblich abgettonimen. An Großkreuzen ist nur noch eins vorhanden, Kreuze erster Klaffe giebt es noch 183, zweiter am schwarzen Bande 3306. Von den Kreuzen zweiter Klasse am schwarzen Bande sind 2660 in der arliven Armee, 66 in der Reserve und 580 in der Landwehr. Eiserne Kreuze am weißen Bande zweiter Klasse giebt es noch 405 in der aetiven Armee und 59 in der Landwehr.

(* *) Dir Sliitheupracht hat der Mai in diesem Jahre in ungeheurem Maßstabe entfaltet. Noch prangen Sauerkirschen und Birnen in ihrem Schmuck, da find auch schon die Knospen der Aepfelbäume ausgebrochen. Tas zarte Roth der jungen Aepsel-

Wiesbadener Tagblck

40. Jahrgang.

Uo. 218

Dienstag, den 10. Mai

1892.

Erscheint in zwei Ausgaben. — BezngS-Prek-: In Wiesbaden und den Landorteu mit Zweig- Expeditionen 1 Mk. 50 Pfz., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.

Nnzeigen-Preisr

Dir einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Altzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg» für Auswärts 75 Pfg,

(4. Fortsetzung.)

Ein versunkenes Paradies.

Novelle von ßhrillran Menltard.

t „Spürten Sie denn nicht den heftigen Erdstoß heute Nacht?" fuhr ter Meer fort. „Ich wollte zuerst nicht daran glauben, dann kam aber Rino und meldete, daß ein Stück des Felsens, auf dem sein Häuschen steht, in den Bach ge­stürzt sei. Der alte Bursche hatte also doch recht mit seiner Warnung. Auch der Leuchtthnrm zeigt große Risse nnd Sprünge und aus dem Inneren der Insel traf die Nachricht von vulkanischen Ausbrüchen ein."

„Mache Herrn de Jong nur nicht ängstlich," bemerkte Anny, den beiden Herren winkend, Platz zu nehmen; „vor seiner Abreise wird wohl schwerlich eine Katastrophe eintreten I und wir müssen unser Schicksal ertragen wie seither. Bitte, B bedienen Sie sich."

Mit diesen Worten reichte sie dem Gast ein Körbchen mit kleinen Thee-Bisquits. Wieder zitterte ihre Hand ein wenig und zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger war eine kleine Narbe sichtar; Nino hatte es ja damals gleich gesagt, daß die Wunde zwar heilen, aber eine Spur zurück- i lassen würde. Damals hätte er Alles darangesetzt, die i Schmerzen des bleichen Kindes zu stillen; sollte jetzt der ge- i keifte Mann fliehen angesichts der Gefahr, die dem schönen V Weibe drohte? Sie hielt ihn, wie ans ihrer Rede hervor- ging, dessen fähig, doch er wollte ihr beweisen, daß er kein Feigling sei.

V | Der Vormittag verging, ohne daß Wilson's Abreise noch einmal erwähnt wurde. Da er ein Alleinsein mit Anny bermciden wollte, ging er nach Anjcr hinunter, um sich zu überzeugen, ob der Erdstoß bedeutende Schäden verursacht । habe. Dies war nicht der Fall, denn die aus Balken und

Verlag: Langgasse 27.

ZIMGO Abmmenterr

Für Uolkslnldung

ist in den letzten Jahren sehr vieles geschehen und besonders hier in Wiesbaden haben die betreffenden Bestrebungen, Dank dem kräftigen und verständnißvollen Eingreifen des Herrn Stadtraths Kalle und anderer gcmciufittuiger Männer, einen guten Boden ge­hn den. Es dürfte angebracht sein, auch an dieser Steile einmal im allgemeinen Interesse über die Ziele und Zwecke des Zweig- vereins Wiesbaden der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung verfolgt, Mittheilung zu machen.

Der Verein erkennt seine vornehmste Aufgabe darin, die Erwerbs­fähigkeit der wenig Bemittelten durch Zuführung geeigneter Bildungs- Mittel zu steigern. Dadurch erstrebt er nicht nur dte Besserung der materiellen Verhältnisse, sondern auch die Förderung der sittlichen, geistigen und culturellen Anlagen im Volke. Der Verein sucht seiner Aufgabe geredjt zu werden durch die Einrichtung und Unterhaltung einer Volksbibliothek, einer Kochschule, einer Flick- und Nähschule und einer Fortbildungsschule für Mädchen. Ans seiner 2577 Bände zählenden Bibliothek (Casteltstraße 11, Ziiumcrl6, geöffttek Sonn- tags von 10—1 Uhr, Mittwochs von 12-1 Uhr und samstags von 1—3 Uhr) leiht der Verein unentgeltlich Schriften zur Belehrung und Unterhaltung an Jedermann, in erster Linie aber an die wenig bemittelten Klassen des Volkes, um einerseits dein vorhandenen Lesebedürfniß auch da zu genügen, wo die Mittel zur Befriedigung desselben fehlen, und um audernseits und hauptsächlich die geringer gestellten Familien vor werthlosem, schädlichem, nur Unzufriedenheit und Jrrthum erzeugendem Lesestoff zu bewahren. Tendenziöse, poli­tische, überhaupt Parteischriften sind ausgeschlossen. Auf diese er­ziehliche Wirksamkeit richtet der Verein fein Hauptaugenmerk. Auch an dieser Stelle spricht der Verein seine Freude darüber aus, daß die Bestrebungen der Gesellschaft seitens der verehelichen Ein­wohner Wiesbadens durch Schenkungen von paffenden Schriften leb­haft unterstützt wurden; er giebt sich der Hoffnung hin, daß dieses Wohlwollen ihm auch ferner zur Seite stehe. Vielfach scheint im Publikum noch die Ansicht verbreitet zu fein, als dienten jenem Zwecke nur Zeitschriften für den Familienkreis. Thatfächlich sind auch andere Werke willkoimnen und von dem Lesepnblikum begehrt. Die Bibliothekseommission unterzieht sich gern der Mühe, eingehende Schriften auf ihre Brauchbarkeit gewissenhaft zu prüfen.

In der Kochschule sollen diejenigen Mädchen, welche nicht in der Lage sind, im Elternhause das zu erlernen, was sie wissen und können müssen, um dereinst in einem bescheidenen Haushalte ihren Familien eine schmackhafte, gesunde, kräftige Nahrung zu bieten, mit den hierzu uöthigen Kenntnissen und Fähigkeiten ausgerüstet werden. Der Unterricht ist vorwiegend praetisch, doch wird bei der Eintragung der Kochrezepte und der Berechnung de« Herstellungs- l Preises der Mahlzeiten auch der Gehalt an Nährstoffen ausgerechnet, um die Mädchen allmählich au eine den Anforderungen der Er­nährungslehre besser entsprechende Zusammenstellung i'er Nahrung iit gewöhnen. Die Schülerinnen lernen nicht nur die Herstellung : 5er für einen mit beschränkten Mitteln arbeitenden Haushalt ge- ' rigneten Speisen, sondern auch die beim Einkauf der Nahrungs­mittel zu beobachtenden Regeln, die Behandlung des Herdes, die Steinigung der Küche, sowie der Koch- und Eßgeräihe und das An­richten kennen. Auch zum Bügeln wird, soweit möglich, die erste Anleitung gegeben. Für die der Schule entwachsenen Mädchen findet der Unterricht in den Abendstunden von 7 bis 10 Uhr statt und zwar für jede Schülerin dreimal wöchentlich. An Schulgeld sind für den 4 Monate dauernden Kursus 3 Mark zu entrichten, außerdem sind an jedem Unterrichtsabend 10 Pfennige für das Essen zu zahlen. Bei nachgewiesener Bedürftigkeit kann die Ver- aütnng für das Essen auf den zu diesem Zwecke von Gönnern der Kochschnle gebildeten Fonds übernommen werden, so weit dessen 'Mittel reichen. Der Kursus für Schülerinnen der obersten Klaffen der Volksschulen — Mittwochs und Samstags von 2 resp. =, 3 bis 6 Uhr — dauert ebenso lange wie das Schnlsemester. I, Die Bedingungen sind dieselben tote für die Abend - Shtrfe. In der Flick- und Nähschnlc, die an das im Handarbeitsunterricht