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Dienstag, 13. Dezember 1914.
Morgen-Ausgabe.
Nr- 583. ♦ 62. Jahrgang.
Die Fortschritte in Galizie
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Heftern und vorgestern 9000 russische Gefangene auf österreichischer Seite.
. W. T.-B. Wien, 14. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich ^ird vcrlautbart: Die Verfolgung der Russen in ^ e st g a l i z i c n wurde fortgesetzt und gewann abermals unter kleineren und größeren Gefechten allent Mlben nordwärts Raum. Nun ist auch Duka wie- in unserem Besitz.
Unsere über die Karpathen vorgerückten Kolon- ttttt machten gestern und vorgestern 9000 Grfan- " f *t und erbeuteten 10 Maschinengewehre.
Die Lage an unserer Front von R a j b r o t bis öst- ^ Krakau und in Südpolcn ist unverändert.
Nördlich L v w i c z drangen unsere Verbündeten im "agriff weiter gegen die untere Bzura vor.
Der Stellvertreter des Generalstabschefs: v. H ö f e r, Generalmajor.
Die Lage im Osten.
Eine russische Darstellung.
Sr. Ehristiania, 14. Dez. fElg. Drahtbericht. Ktr. Bin.) ^in „Daily Chronicle" wird aus Petersburg telegraphiert:
herrscht Ruhe auf der ganzen russischen Front, ausgenommen südlich von Krakau, wo die Russen Gegenangriffe un- ^whmen. In der Gegend um die masurischen Seen ~*ö)ten bte Preußen methodische Angriff« gegen die Russen, ^eue Kämpf« mit den Österreichern in den Passen der Karpathen südöstlich von Krakau lassen vermuten, daß die Deutschen durch die Angriffe auf den russischen rechten Flügel :) e Aufmerksamkeit von den Ereignissen in Krakau und ^tzemysl ablenken wollen. Die Russen haben ohne Schwierigkeiten dies« Angriffe abgeschlagen.
Die russischen Berlustc nach französischer Schätzung.
Das „Journal de Geneve" veröffentlicht eine Meldung °us Paris, wonach der „Temps" die bisherigen russischen Berate auf 1 600 000 Mann schätzt. Hiervon sollen 640 000 ^ete, mehr als 400 000 Gefangene und die übrigen Verwundete und Erkrankte sein. Der „Temps" meine, Rußland werde 'dum über genügende Reserven verfiigen, um die Lücken, Welche diese gewaltigen Verluste in den Reihen der Truppen ® e tutfadji hätten, ausfüllen zu können.
Französische Unterstützung der Russen in Ungarn.
. Pest, 10. Dez. Nach einer Meldung des „Az Est" wur- bei den in Ungarn gefangenen russischen Offizieren genaue Karten der Karpathen vorgefunden, die ihnen von seiten französischer Firmen, die dort über Grund- ®vkaufe verhandelt hatten, zur Verfügung gestellt ?°rden waren. Außerdem hatten die Offiziere genaue ^äne von Pest und Wien bei sich mit der genauen Einzeich- ""bg aller öffentlichen Gebäude.
Vom Zaren.
„ W. T-B. Tiflis, 13. Dez. (Nichtamtlich.) wieder verlassen.
Der Zar hat
Der günstige Stand im westen.
Pomcake in Reims.
hd. Genf, 14. Dez. Die vormittags von Südosten und s^chlnittags auch von Nordosten gegen U p e r n unternom» ®^nen deutschen Vorstöße erfüllten vollkommen ihren Zweck. ^ Von den empfindlichen Schlappen bei Apre» ffont und Fleury zieht die Joffresche Note vor, zu ichiveigen. Auch in den Vogesen hat die Lage der Fran- sich verschlechtert. Poincare ließ sich bei seinem "'fttigen Besuche in Reims über die Aufstellung der frain Loschen Batterien aufklären und sprach die Erwartung aus..
die Katbedrale bei einer etwaigen weiteren Beschießung et Stadt verschont bleiben werde.
Sine Gffensivbewegung der Verbündeten bevorstehend.
i stck. Kopenhagen, 14. Dez. Nach Pariser Zeitungsmel- .^gen scheint alles darauf hinzudeuten, daß die Verbün- ,"en «ine große Offensivbewegung vorbereiten, die gegen das r-.^tsche Zentrum gerichtet ist. Die Deutschen verölen im Hinblick auf einen eventuellen Rückzug (?) die ^ststigungen von Brügge und Gent. Und auch die Ant- ^pener Linie Lierre-Fort ist vollständig neu ausgebait Mit deutschen Kanonen versehen, ebenso die Forts an , ^ Unteren Schelde, westlich Antwerpen.
Beschießung von Armentieres durch die Deutschen. H, W. T.-B. Paris, 13. Dez. (Nichtamtlich.) Nach einer ^ldung des „Temps" wird das Gebiet von Armentieres seit ^Untag von den Deutschen wieder heftig beschossen. Die ^stchoss« gehen besonders in die Orte Houplines und Le Wie der „Matin" meldet, wurde auch Furnes be
schossen. Vier Granaten fielen in den Bahnhof, der ziemlich stark beschädigt wurde. Zwei Personen wurden getötet.
Die gestrigen französischen Tagesberichte.
W. T.-B. Paris, 14. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet: Der gestrige Tag verlief besonders ruhig. Die Tätigkeit des Feindes bestand hauptsächlich in einer zeitweilig aussetzenden Kanonade an verschiedenen Stellen der Front. Der Feind unternahm im Gebiet südöstlich D p e r n drei heftige Jnfanterieangriffe, welche abgewiesen wurden. — Im Preire-Wald rückten lvir merklich vor. In den Vogesen griff der Feind verschiedentlich das Signal de la Mere Henri nordwestlich S e n o n e s an, wurde jedoch zurückgeschlagen. — 11 Uhr abends: Von beiden Fronten wird ein Mißlingen deutscher Angriffe gemeldet' einer erfolgte nordwestlich D p e r n, ein anderer gegen den Bahnhof A s p a ch.
AuS Roubaix.
„Daily Telegraph" meldet aus Bcmlogne: Es ist einem Bewohner von Roubaix gelungen, hierher durchzukommen. Er erzählt folgendes: Sobald die Deutschen in die Stadt eingezogen waren, nahmen sie Geiseln fest, die für das Wohl- verhalten ihrer Mitbürger verantwortlich sein sollten. Es wurden fünf Fabriken ausgesucht, die ihre Produktion fortsetzen mußten; ferner wurden 5 Millionen Kriegssteuer auferlegt, Petroleum, Kaffee und Kohlen wurden unter deutsche Aufsicht genommen. Als Kälte eintrat, durften die Kohlen verkauft werden, ©ic deutsche Fahne weht auf dem Rathaus. Der öffentliche Dienst ist fast regelmäßig; die Elektrizitätswerke arbeiten und auch die Straßenbahn verkehrt, aber jeder Wagen ist von einem deutschen Soldaten begleitet. Auch die Gaswerke sind in Ordnung. Wöchentlich einmal ist Gerichtstag. Soldaten und Bürger. kommen sehr gut miteinander aus. Die Offiziere hoben in den Läden: viel Juwelen erstanden und bar bezahlt, nicht ein einziger Fall von Plünderung ist vorgekommen. In den Schulen wird Unterricht erteilt. Die Cafes und die Tanz- lokale sind geöffnet. Täglich verkehrt ein Zug zwischen Brüssel und Roubaix-Tourcoing-Lille. Man erwartet, daß die Deutschen in der Stadt überwintern werden.
Die Lage an der belgischen Küste.
bä. Amsterdam, 14. Dez. „Telegraaf" meldet aus Sluis: Gestern herrschte wieder starker Nebel an der Küste. Die Deutschen verstärkten daher ihre Wachtposten. Bei Zeebrügge wurde wiederum geschossen. Auch in der Richtung Dpern war schwerer Kanonendonner zu vernehmen. An der Dfer herrscht anscheinend Ruhe. In Heyst ist Kavallerie eingedrungen. Die Bevölkerung von Ostdünkirchen, das von den Deutschen bombardiert wird, ist nach Frankreich und England zurückgekehrt.
Genevalaoirvernerkr v. Nrssina über sein Kmt.
Br. Hamburg, 14. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Einem Berichterstatter des „Hamburger Korrespondenten" gegenüber äußerte sich der Generalgonverneur Belgiens, von Bissing, folgendermaßen: Viele Leute glauben, daß mit dem neuen Generalgouverneur ein neues System in Belgien ans Ruder trete. Das ist ein Irrtum. Mein Vorgänger hat alles so praktisch und zweckmäßig angelegt, daß ich vorläufig nur in seinem Fahrwasser weiter segeln kann. Die Belgier sollen sehen, daß ich ein über alle Maßen' gerechter Feind bin. Und ich hoffe, daß die Belgier mir Vertrauen entgegenbringen werden. Ordnung und Ruhe sollen gelten in diesem Lande, das zur Basis der Operationen unserer Truppen geworden ist. Unser Heer soll wissen, daß in seinem Rücken Ordnung herrscht, damit es jederzeit ffei den Blick nur nach vorwärts zu richten braucht. Mit Milde hoffe ich auszukommen, aber wenn sie nicht genügen sollte, werde ich mit harter Faust zugreifen. Ich habe mich für die allgemeine wirtschaftliche Lage immer besonders interessiert. Darum hoffe ich auch, Hand in Hand mit der Zivilverwaltung viel für die wirtschaftliche Lage erstreben zu können. Als Se. Majestät mich zum Generalgouverneur ernannte, legte er mir mit ganz besonderem Nachdruck ans Herz, alles zu tun, um den Schwachen in Belgien zu helfen und sie auszurichten.
Der Urieg in Serbien.
Der hartnäckige widerstand der Serben.
W. T.-B. Wien, 14. Dez. (Nichtamtlich) Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich verlaukbart: Die von der Drina in südöstlicher Richtung vorgetriebene Offensive stieß südöstlich von Va Ij ew o auf einen st ar k überlegenen Gegner und mußte nicht allein aufgcgeben werden, sondern veranlaßt« auch eine weiterreichende rückgängige Bewegung unserer seit vielen Wochen.hartnäckig und glänzend, aber verlustreich kämpfenden Kräfte. Diesem steht die Gewinnung Belgrads gegenüber. Die sich hieraus ergebende Gesamt l a g e wird neue operative Entschlüsse und Maßregeln zur Folge hüben, welche zu der Verdrängung des Feindes führen müssen.
4000 Serben auf bulgarisches Gebiet übcrgctreten.
hd. Konstantinopcl, 13. Dez. Rach dem Kampfe an der Kolubra flüchteten zahlreiche Serben auf bulgarisches Gebiet
und wurden von den Bulgaren in Widdin interniert. 4000 serbische Soldaten bulgarischer Nationalität traten bei Stru- m i tz a aus bulgarisches Gebiet über.
Das Programm des neuen serbischenMinisteriums.
W. T.-B. Wien, 14. Dez. (Nichtamtlich) Die „Sonn- «nd Montagszeitung" berichtet aus Bukarest: Rach einer Meldung aus Risch hat sich das neue serbische Kabinett der Skupschtina mit der Erklärung vorgestellt, daß die Neubildung des Ministeriums den Zweck verfolge, bis zum Ende des großen Krieges eine Vereinigung des Willens und der Kräfte aller Parteien des Landes herbeizufühven. Die neue Regierung betrachte als erste Pflicht, sich vor den großen, dem Vaterland gebrachten Opfern zu verneigen, sie habe Vertrauen, Bewunderung und Dankbarkeit für die Armee. Die Regierung kenne die Leiden und Schwierigkeiten, die die Armee ertragen habe, man werde schnell energisch alle Maßnahmen ergreifen, um die Armee zu verproviantieren und den Sanitätsdienst zu verbessern. Die Erklärung schließt: So lange der Feind sich auf serbischem Boden befindet, ruft die Regierung: „Vorwärts, auf den Feind, in den Kampf gegen den Feind".
Serbischer Gesanbtenwechsel in Petersburg?
hd. Moskau, 13. Dez. Wie der „Golos Moskwy" aus Petersburg erfährt, soll der serbische Gesandte Spalaido- w risch in kurzer Zeit abberufen werden. Dem Diplomaten wird zur Last gelegt, die russische öffentliche Meinung betreffs der Lage am Balkan irregeführt zu haben. Daß Spalaikowitsch seine diplomatische Aufgabe in der Frage der Abtretung Mazedoniens an Bulgarien nicht zu erfüllen vermochte, ist bekannt, die zwingende Ursache seiner Kaltstellung dürfte aber doch darin zu suchen sein, daß er sich in einer Audienz mit dem Zaren in der serbisch-bulgarischen Angelegenheit nicht verständigen konnte.
Der wahukranke König Peter.
Sofia, 11. Dez. Hiesige Blätter wissen allerlei Geschichten vom serbischen Königshofe zu erzählen, aus denen hervorgeht, wie niedergedrückt und verzweifelt dort die Stimmung ist. So ist König Peter, der bekanntlich schon seit einer Reihe von Jahren an Arterienverkaltung leidet, unter dev Wucht der Ereignisse auch nervenkrank geworden, er leidet an Wahnvorstellungen, wobei er sich von den Schatten des ermordeten letzten serbischen König Paares aus dem Geschlechts der Obrenowitsch verfolgt sieht. Er verfällt dann in Weinkrämpfe und tiefe Ohnmächten. Lange Zeit versuchte man, dem König dre traurige Lage der Armee und die bittere Notwendigkeit, Belgrad räumen zu müssen, zu verheimlichen. Als man ihm aber endlich die Wahrheit sagen mußte, da verfiel der Monarch in einen derartigen Weinkrampf, daß sein Leibarzt bereits einen Schlaganfall befürchtete.
Ein russisches Urteil über die österreichische Uriegoführung in Serbien.
In sehr bemerkenswerter Weise äußerte sich, wie tott der „Wiener Reichspost" entnehmen, der Militärberichterstatter der in DroSkau escheinenden „Rußkia Wjedmnosti" über die östed- reichisch-ungarische Armee in Serbien: So sehr wir den Zusammenbruch Serbiens beklagen müssen und so sehr wir den Mut der Verzweiflung bewundern, mit dem sich unsere Freunde gegen den Eroberer wehren, verdient dieser ein Wort der Anerkennung. Was General P o t i o r e k im Süden leistet, ist nicht ein überrennen seines Gegners durch das numerische Übergewicht, sondern ein strategisches Kunststück, welches in 'der Kriegsgeschichte studiert werden wird. Sein entschlossenes Vorgehen in deutschem Stile hat den beispielgebenden Borzng, daß er nach Möglichkeit Malerial schont. Er hätte wohl die von ihm berefls besetzten Punkte weit rascher einnehmen können, wenn es ihm nur darum zu tun gewesen wäre. Wenn wir seine opferfreudig losstürmcnden Truppen täglich um ein gewaltiges Stück borrücken sehen, so geschieht dies teilweise im schroffen Felsgebirge, teilweise in grundlosen Sümpfen, bei Frost, Schnee und Kälte, und zwar gegen ein heroisch kämpfendes Heer, welches bereits in früheren Kriegen reiche Gffa-hrungen gesammelt und jeden Fuß breit seines Landes zur Verteidigung hergerichtet hat. Potrorek ist ein Feldherr, welchen die österreichische Heeresleitung auf dem südlichen Kriegsschauplatz ruhig nach Ermessen schalten und walten lassen kann, und das bedentet gegenwärtig ein um so höheres Lob, als der serbische Kriegsschauplatz unter den herrschenden Verhältnissen seine Bedeutung als Neben- kriegsschauplatz immer mehr verliert, ©r können unserer Armeeleitung nur den dringenden Rat erteilen, den Serben, wenn nur irgendmügllch, sei es diplomatisch oder militärisch, eine ausreichende, energische Unterstützung zukommen zu lassen, bevor die Bedauernswerten, die ihr Geschick mit dem unseren verbanden, ausgeblutet aus dem Boden liegen.
Wiederum österreichische Flugzeuge über Ccttinje.
stet. Zürich, 14. Dez. Uber Cettinje wird berichtet, daß neuerdings zwei österreichische Flugzeuge die Stadt überflogen und Bomben abgeworfen haben. Der Triester „Piccolo" berichtet, daß drei Schiffe mit Munition für Serbien bei Rustrick auf Minen gerieten und sanken. Die ganzen Besatzungen ertranken.
