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No. 117. Wiesbadener TagblE (Morgen-Ausgabe). Nerlag: Kanggaffe 27. Kette 27.

Im Zuchthaus zu Werden hat ein Sträfling einen Mit­gefangenen beim Wechseln der Wäsche durch einige Schläge auf dem Kopf gelobtet.

Etwas zu verdienen! Eine Belohnung von vierzigtausend Mark verspricht ein Herr C. Lehmann in Blasewitz Demjenigen, der ihm den Aufenthalt des Kapitäns Sander nachweist, der am 15. Mai 1872 Befehlshaber des deutschen Dampfschiffes „Amalie" war.

In Dolny-Tuzla legte Fräulein Dr. Bayer den Beamteneid als an- gestellte erste Staats-Aerztin in Oesterreich ab.

Der Wechselstubcnbesitzer Eduard Lustig in Pest ist feit einigen Tagen verschwunden. Man glaubt, daß die ihm ühergebenen Depots nicht mehr vorhanden sein werden.

Bei Semendria wurden hart am Ufer der Donau die Neste eines Vers chütteten Tempels entdeckt.

In Uokohama feuerte am 13. Februar der Lieutenant des dort liegenden Vereinigten Staaten Kriegsschiffes „Marion", Hetherington, zivei Revolverschüsfe auf den jungen Bankier Georges Gower Robinson auf offener Straße ab. Dern Verbrechen lag Eifersucht zu Grunde. Der Lieutenant glaubte, daß Robinson ein geheimes Verhältniß mit seiner Fran unterhielt. Robinson ist gesährlich verwundet. Lieutenant Hetherington befindet sich an Bord der „Marion" in Gewahrsam.

Der Fakir Soliman in Wien veranstaltete Aussehen erregende Pro- duetionen, wobei der Professor der Chirurgie, Mosetig, die Zunge des Fakirs mit einer längeren Nadel durchbohrte, wobei dieser kein Unbe­hagen zeigte. Nach Entfernung der Nadel war keine Spur der Wunde. (Vor wenigen Tagen erst wurde conftatirt, daß ein junger Israelit, 6er ähnliche Produetionen ansiührte, von seinem Vater, einem Arzte, künstlich präparirt war, indem er, ähnlich wie bei den Öhringen tragenden Frauen, die Wangen, die Zunge und den Hals des Sohnes mit ‘ Löchern durch­bohrte, die ausgeheilt waren und durch welche der „Fakir" ohne Schaden Nadeln, Holzstückchen u. dgl. steckte. D. R.)

Die bekannte große Brillenfabrik von Stephan Scheidig und Sohu in Fürth ist niedergebrannt.

Aus dem Gerichtssaal.

-o- Miesbads», 9. März. Vor dem Schwurgericht stand in dessen heutigen dritten Sitzung die 26 Jahre alte Dienstniagd Karoline Klees aus Kirn, zuletzt in Wiesbaden, welche des Kindesmords beschuldigt wird. Das Verbrechen, über welches das „Wiesbadener Tag­blatt" s. Z. berichtete, soll die Angeklagte am 7. Januar d. I. in einem Hause am Michelsberg hier begangen haben. Als öffentlicher Ankläger fungirt Herr Staatsanwalt Caspar, als Vertbeidiger der Angeklagten Herr Rechtsanwalt Bojanowsri. Im Interesse der guten Sitte wer­den die Verhandlungen unter Ausschluß der Oeffeutlichkeit geführt. — Unter Zubilligung mildernder Umstände wurde die Angeklagte wegen Kindesmords zu 4 Jahren Gesängniß verurtheilt. — Heute Verhandlung gegen den Zimmermann Mathias Buff von Fischbach, AmtSgerichtS- dezirks Langeuschwalbach, wegen gefährlicher Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. ______________

Handel» Industrie, Erfindungen.

* Marktbericht.Fruchtmarkt zu Limburg vom9.März. Die Preise stellten sich pro Malter: Rother Weizen 19 Mk. 70 Pf., weißer St'VspT ~ Korn 16 Mk. 75 Ps., Gerste 10 Mk. 10 Pf., Hafer

Nachtrag.

-o- MeichshaUrn-Thratrr. Wie sehr die Directiün bestrebt ist, die Vorstellungen möglichst abwechselungsreich zu gestalten, durste am Besten wieder aus dem Umstande hervorgehen, daß das soeben engagirte Personal am Dienstag durch Miß Palmer und Mr. Hnberty noch recht vortheilhast vermehrt wurde. Die schwierigen Produetionen derselben anbei! römischen Ringen sind ebenso graziös als sicher in der Ausführung und werden von eleganten Costümen recht wirksam unterstützt. Die „Kraftübungen" des Mr. Huberty werden stets mit besonderem Beifall ausgezeichnet. Die Groresk- und Tanz-Duettisteu Gebrüder Schwarz verfügen über ein so reichhaltiges Repertoir, daß sie sich fast allabendlich von einer neuen Seite zeigen und dabei z. B. als Reckturner ebenso Vorzügliches wie als Gesangs- und Tanz-Humoristen leisten. Sie sowohl wie der Humo­rist und Darsteller moderner Typen, Herr F. Steidl, haben sich die Gunst des Publikums in reichem Maße erworben und werden stets mit stürmischem Beifall ansgezeichiiel.

-o- Eine Vferde-Vormnsterung, welche die Aushebung von Pferden für den Kriegsfall zum Zweck hat, findet, wie im Jnseratentheil der gestrigen Nummer d. Bl. des Näheren ersichtlich ist, morgen und über­morgen in der Weise auf dem großen Exerzierplätze an der Schiersteiner Chaussee statt, daß diePferde aus den ©tragen mit ben Anfangsbuchstaben A. bis L. incl, morgen und diejenigen aus den Straßen mit den Anfangsbuch­staben M. bis Z., sowie bie aus den außerhalb der Stabt gelegenen Häusern übermorgen Samstag, jedesmal Vormittags 8 Uhr, vorzustellen sind. Die- lenigen Pferbebesitzer, deren Pferde getrennt von der Wohnung in einer anderen Straße stehen, werden gut thuu, im Rathhause in den Listen nach­zusehen, in welchen Straßen ihre Pferde eingetragen sind, indem sie sonst Gefahr laufen, den richtigen Termin zu versäumen und sich Strafen aus­setzen. Im Ganzen werden etwa 1000 Pferde zur Gestellung kommen.

Telegramme.

(Depeschen-Bureau Wolff.)

Keeli», 9. März. In der gestrigen Sitzung des deutschen Landwirth- schaftsrathes erklärte Staatsseerctär v. Bötticher, der Bundesrath habe sich, bereits mit einer Korrektur des Gesetzes über den Unterstütznugswohnsitz beschäftigt. Die preußische Regierung und die Reichsregierung seien über« einftimmenb der Meinung, daß das Priucip des Gesetzes gewahrt werden solle. Die Frage sei noch unreif, ob man das bei der Ilnterstützuugspflicht in den Einzelstaaten herrschende Heimathsrecht auf das gelammte Reich, oder ob man die sonst im Reiche geltenden künstlichen Unterstütznugs-Wohn- sitze auf die Einzekstaaten ausdehnen solle.

Charlottrnburg, 9. März. Der Kaiser und die Kaiserin, sowie die drei ältesten Prinzen befmbten heute Vormittags um 10'/» Uhr anläß­lich des Todestages des Kaisers Wilhelm das Mausoleum; ebenso er­schienen dort im Laufe des Vormittags die Kaiserin Friedrich und die Generalität.

Darmstadt, 9. März. Ein Bulletin von heute früh 7 Uhr bezeichnet das Befinden des Großherzogs als unverändert. Prinz Waldemar von Preußen, der Enkel des Großherzogs, ist hier eingetroffen.

(Depeschen-Burcau Herold.)

Köln, 9. Marz. Der „Köln. Volks-Ztg." zufolge ist es richtig, daß ein Abkommen mit dem Herzog von Cumberland abgeschlossen worden ist. Dasselbe enthält jedoch nur eine Regelung des vermögensrechtlichen Frage. Die Nachfolge des Sohnes des Herzogs hon Cumberland in Braunschweig ist darin nicht berührt. Infolge des Abkommens beantragt die preußische Regierung demnächst bie Aushebung der Beschlagnahme des Welsenfonds.

Dortmund, 9. März. Am 1. April sollen 1000 Manu am Dort- mund-Ems-Canal beschäftigt werden.

yiiticn, 9. März. Die Vertrauensmänner der natiouaUiberakn Partei beschlossen, am 3. April eine Bismarck-Feier für den Wahlkreis Bochtim-Witten zu veranstalten.

Ktnttgart, 9. März. Freiherr v. Starkloff, General der Infanterie z. D., ist heute im Atter von 81 Jahren hier gestorben. Derselbe war in hervorragender Weise an der Schlacht bei Wörth beteiligt.

Kremen, 9. März. Der englische Dampfer „Jnsertros" mit 2800 Tonnen ist auf der Fahrt von Philadelphia nach Kalkutta untergegangen. Die Hälfte der Mannschaft ertrank.

Prag, 9. März. Die gelammte Belegschaft des Wilhelmschachtes des Duxer Kohlcuvereins streikt, weil 39 Mann gekündigt worden sind.

Dom, 9. März. Einer Meldung zufolge ist es unwahr, daß Graf Neventera, der österreichische Botschafter beim Vatikan, wegen persönlicher Mißhelligkeiten abberufen worden ist. Graf Reventera wurde heute vom Papste empfangen.

Krombery, 9. März. Ein neues russisches Regiment aus dem Wolgagebiele ist hart an der Grenze bei Jnowrazlaw dngelaiigt.

Farmtten-Nachrichien.

(Auszug aus auswärtigen Zeitungen.)

Geboren: Ein Sohn: Herrn Regiermigsrath Dr. Dieren, Berlin. Herrn Hauptmann Lauff, Köln. Herrn Gerichts-Assessor Hibben, Leer. Herrn Regierungsrath Donath, Berlin. Herrn Pastor Petersen, Hitzacker. Herrn Landrath Dr. Lotz, Leer. Herrn Bergrath Dr. M. Busse, Coblenz. Eine Tochter: Herrn Amtsrichter Hasenelever, Lennep. Herrn Legationsseeretär Freiherrn Hans von Wangenheim, Kopenhagen.

Verlobt: Gräfin Wanda zu Eulenburg mit Herrn Lieutenant Freiherrn Werner von Senden II., Prassen-Berlin. Fräulein Marie Roberts van Son mit Herrn Freiherrn G. von Maltzan, Wien-Göttin.

Verehelicht: Herr Lieutenant von Seydlitz-Kurzbach mit Fräulein Mia Robenacker, Danzig. Herr Hauptmann Oelye mit Fräulein Maria Beutner, Potsdam-Bromberg.

Gestorben: Herr Kömmerzienrath Theodor Stein, Kirchen a. d. Steg. Herr Königlicher Amtsrath Richard Cleve, Grauhof. Herr Major Hermann Nickel, Metz. Herr Oberhofmeister a. D. Hans Alben von der Gadelentz-Linsingen, Weimar. Herr Gerichtsrath a. D. Jul. Ricke, Min­den. Herr Kömmerzienrath I. B. Behring, Wismar. Herr Regierungs­referendar Dr. Max Köllermann, Berlin. Herr Stabsarzt Dr. Oskar Egger, Cleve. Herr OherlanbesgerichtSratb Adolf Rachner, Breslau. Herr Oeconomie-Jnspektor Hermann Wobith, Zeblin. Herr Forstmeister Sigis­mund Kleinhans, Berlin. Fran Major Marie Voß geb. Simon, Frank­furt a. O. Frau verwittwete Kömmerzienrath Florentine Volckart geb. Schoppe, Berlin. Frau General-Lieutenant Marie von Röhl geb. von Enckevort, Potsdam.

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