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Abendausgabe.

irsbdihwr TilgdlÄ

Verlag: Langgasse 27.

3.3,000 Abouueufen

1892.

Frriiox, de» 26. Februar

zi«. 96

(Fortsetzung folgt.)

geben, ist kein Mangel.

Nachdruck verboten.

ibe: der Abschätzung der kleineren Einkommen sich geltend gemacht haben wird. Zwar hat das neue Einkommensteuer- ^Gesetz auf diese strengere Gerechtigkeit bereits Rücksicht ge­nommen und die Steuersätze ermäßigt. Dennoch läßt sich Voraussehen, daß die beteiligte Bevölkerung die Strenge in der Einschätzung, weil sie ungewohnt ist, unangenehm empfinden und in ziemlichem Maße zu reelamiren versuchen wird.

Den zahlreichen Steuerpflichtigen mittleren oder kleineren Einkommens, welche angesichts der neuen Veranlagung die

halb geschehen? Hatte er stumm gemacht werden sollen? Oder handelte es sich um ein ehrloses, schamloses Attentat, das er gegen die gewagt, die er einst geliebt haben mochte, und das sie mit einem Schuß in's Herz ihm erwidert aus Nothwehr? In der Ausübung ihrer berechtigten Ver- theidigung? Welch eine Fülle von ungelösten Fragen, die mir da durch den Kopf schwirrte! Aber mar es den über­haupt, mußte es denn wirklich geschehen sein? Und dann kam es au mich, das Grauenhafte, nicht AnSzudenkende, und warf mich in den furchtbaren Conflict zwischen meiner Pflicht und meiner Liebe, machte mich zum Ankläger Der­jenigen, für die ich alles höchste Glück der Erde begehrte nnd zu erringen trachtete! Unmöglich! Unmöglich! Es wäre ein Conflict gewesen, in dem ich hätte zu Grunde gehen muffen.

Aber das Alles war ja doch nur ein Fiebertranm, konnte nicht mehr sein als das. Meine Nerven waren überreizt, meine Phantasie nur gebar so gräßliche Wahngebilde, die wieder zerflattern würden wie Frühnebel vor der sieghaften Sonne. Daß jene Zuchthäuslerin und Planck's Mörderin miteinander identisch sein sollten, war ja doch nicht mehr als eine vage Bermuthung meinerseits gewesen, auf die ich meine Nachforschungen gestützt hatte, um nur überhaupt in diesem Dunkel irgend einen Anhalt, irgend einen festen Punkt zu finden, von dem aus sich weiter agireu ließ. Nun nahm ich es schon als unumstößlich an, bloß weil mir die Entdeckung, daß jene Helene Halm Frau Helene Häseler war, mit einem Male die Sinne verwirrt, den Kopf ver­rückt hatte. Darauf beruhte ja der ungeheuerliche Jrrthum, der mich um den letzten Rest meiner Ruhe brachte, vollends um meinen Verstand bringen würde, wenn ich ihn nicht von mir abzustreifen vermochte. Aber wie trefflich ließ sich auch auf diesem Grunde weiter bauen! Wie lückenlos fügte sich da Stein auf Stein, und dann stand das Ganze vor mit

Anzelgeu-Preisr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Ncclamen die Petitzeilc für Wiesbaden 50 Pfg^ für Auswärts 75 Pfg.

40. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». Bezugs PreiS: Sn Wiesbaden und den Landorten mit Zweig- Erveditioncn 1 Wk. 50 Pfg., durch die Poff 1 Mk. GO Pfg. für das Vierteljahr.

Die kaiserliche Dede

auf dem brandenburgischen Provinziallandtog wird natürlich von fast allen politischen TageMättern eifrig zu deuten gesucht. Die

Nachdruck verboten.

Ueker Sleuer-KeejamaLione».

Von Dr. Zastrow, Privatdoccnt an der Universität Berlin.

f- Im Laufe der Monate Februar und März werden die Ergebnisse der ersten Veranlagung nach dem neuen Ein­kommensteuer-Gesetz mitgetheilt werden. Es wird viel darüber gestritten, ob die Zahl der Reclamationen in diesem Jahre eine größere oder geringere sein wird, als in dem Vorjahre. Wir glauben Voraussagen zu können, daß das Ergebniß bei den großen Vermögen einerseits, bei den mitt­leren und kleinen andererseits verschieden anfgenommen werden wird. Die großen Vermögen im Lande werden durchweg be­deutend höher veranlagt lverden, als in früheren Jahren, und trotzdem sind Reclantationen dagegen in irgendwie erheblichem Umfange nicht zu erwarten. Denn nach Allem, was bti? jetzt darüber bekannt geworden ist, haben die Inhaber der großen Einkommen in ihren Steuererklärungen sich selbst so bedeutend höher eingeschätzt als bisher, baff, die Behörden wohl nur in den seltensten Fällen Veranlassung haben werden, darüber noch hinauszugehen und einen Widerspruch seitens des Betheiligten hervorzurufeii. Erheb­lich anders liegt die Sache schon bei den mittleren Ein­kommen. Hier hat vielfach eine straffe Heranziehung der Steuerpflichtigen stattfinden müssen. Eine ganze Anzahl streitiger Fragen sind während der Veranlagung aufgetaucht (wir erinnern nur an dieNormalsätze" auf dem Lande, in den Städten an die Besteuerung der Hauswirthe), und haben sicher nicht überall unter Zustimmung des Betheiligten ent­schieden werden können. Für die kleinen Einkommen end­lich hat die Festsetzung wenigstens ganz ohne Zustimmung der Betheiligten stattgefunden. Das Gesetz macht die Selbst- Mnschätznng obligatorisch für die Einkommen über 3000 Mk.; Diejenigen, welche bisher mit einer geringeren Summe ver­anlagt waren, sind zur Selbsteinschätzung berechtigt, ver­pflichtet aber nur, wenn sie eine ausdrückliche Aufforderung erhalten. Solche Aufforderungen sind zwar in der ganzen Monarchie allen Denjenigen zngegangen, die bisher von 2400 bis 3000 Mk. steuerten. Aber Alle, welche bisher mit weniger als 2400 Mk. veranlagt waren (nnd dies ist die große Mehrzahl der Bevölkerung) haben bei dem dies­maligen Veranlagungsgeschäft fich nicht selbst eingeschätzt, sondern find eingeschätzt worden. Hier ist uns kein Zweifel, fdaß die strengere Gerechtigkeit, welche in den oberen i Massen durch die Selbsteiuschätzung erzwungen wird, auch

Absicht zum Reclamireu haben werden, ist der Aufsatz ge­widmet, welcher in nächsten Nummern desWiesbadener Tagblatt" beginnt.

Dieser Aufsatz beabsichtigt nicht blos eilte Anleitung zum Reelamiren zu sein, er möchte den Leser namentlich auch in den Stand setzen, die Frage, ob er reelamiren soll, richtig zu benrtheilen. Mit unnützen Reclantationen be­lästigt der Bürger nicht blos die Behörden, sondern schadet auch dem eigenen Ansehen und der eigenen Glaubwürdig­keit in zukünftigen Fällen; ganz abgesehen davon, daß unter Umständen den unnützen Reelamanten ans Ver- nehmnng von Zeugen und Sachverständigen auch erhebliche Kosten erwachsen können.

Darum soll Jeder, der aus dem neuen Steuerzettel mit Unwillen vernimmt, daß er höher als bisher eingeschätzt ist, in Ruhe die Frage prüfen, ob nicht die höhere Einschätzung die gerechtere ist.

Wer freilich nach ruhiger Prüfung findet, daß ihm Unrecht geschehen ist, dem wollen wir nicht davon abrcdett, feilt Recht zu suchen. In unserem Staate ist dafür ge- sorgt, daß Jeder, der Recht sucht, auch Recht findet. Nur muß er wissen, wann, wo und wie er sein Recht zu suchen hat. Wer diese drei Dinge nicht beachtet, der kann, selbst wenn er Recht hat, nicht auf Erfolg rechnen. lind der Belehrung über diese drei Dinge will unser nachfolgender Aufsatz dienen.

I.

lUev soll mrhiutiveu ?

Die Commission, welche die Steuerveranlagung besorgt, hat nicht die Absicht, einem Bürger Unrecht zu thun. Aber die Mitglieder der Commission sind Menschen, und Menschen können irren. Darum sind in unserem Staate höhere Be- Hörden bestimmt, welche den Jrrthum der niederen wieder gut machen sollen.

Wer also glaubt, daß bei seiner Veranlagung die Commission sich in einem Jrrthum befunden hat, der soll reelamiren.

Die Commission hat vielleicht geglaubt, daß Du mehr Geldeinnahmen beziehst, als in Wahrheit der Fall ist. Oder sie hat zwar Deine Geldeinnahmen ganz richtig ge­wußt, aber sie hat übersehen, daß auf ihnen viele Unkosten lasten, oder daß Du nach dem Gesetz berechtigt bist, gewisse Abzüge zu machen. Auch kann es sein, daß die Commission Dein Einkommen ganz richtig angesetzt hat; aber Du glaubst, daß Du bestimmte besondere Ermäßigungsgründe hast, und daß diese nicht berücksichtigt seien.

Wie Du siehst, ist für diese Dinge nöihig, daß Du die hauptsächlichsten Grundsätze des neuen Gesetzes einigermaßen kennst. Aber an kleinen Büchern, die darüber Belehrung

Aufforderung an die Unzufriedenen, den deutschen Staub von ihren Pantoffeln zu schütteln, wird übercinftimmenb abgelehnt. Die Natioual-Zeitung" (uat.-lib) bemerkt, ans einem Lande mit öffent­lichen Einrichtungen brauche inan nicht auszuwandern, wenn man mit der Negierung unzufrieden sei; die Verfassung gebe allen Staatsangehörige» das Recht, durch die Wahlen, die Presse, Ver­sammlungen ec. auf denjenigen Gang der öffentlichen Angelegen­heiten hinzuwirken, den sie für den richtigen erachten. DasBerl. Tageblatt" (freif.) dnickt einfach den Artikel 27 der Verfassung ab (tvmiad) jeder Deutsche das Recht hat, in Wort oder Schrift seine Meinung frei zu äußern). DerVorwärts" (sozial.) er­klärt:Die Aufforderung, ansznwandern, lehnen wir kühl ab, mau nimmt das Vaterland nicht an den Schuhsohlen mit. Deutschland wäre längst eine Wüstenei, wenn seit dem Bestehen des Reiches alle Unzufriedenen ausgewandert wären." DieGermania" (ultram.) sagt u. A.: Unsere Stellung zu kaiserlichen Reden über actnclle Tagessragen haben wir bei früheren Anlässen wiederholt gekennzeichnet und unter Anderem betont, daß Aeußeruugen, die nicht klar und bestimmt lauten und daher leicht einer Mißdeutung unterliegen können, vielleicht besser unterbleiben würden. Auch einzelne Stellen der neuesten kaiserlichen Ansprache sind zweifellos geeignet, Bedenken wach zu rufen, sowohl von staats­rechtlichem wie allgemein politischem Standpunkte aus, und wir möchten uns dieselben daher nicht aneigueu. Daß die bezüglichen Worte aber gesprochen wurden, ist durchaus erklärlich, angesichts der von gewisser Seite in den letzten Monaten systematisch be­triebenen Verhetzung des Volkes und des Verhaltens einer Anzahl Mißvergnügter und einer verlogenen, anscheinend durch keinerlei Regungen des Gewissens gehinderten Presse. DerReichsbote" (cons.) schreibt u. A.: Für jeden Verständigen liegt es auf der Hand, daß der Kaiser mit seinen Worten von denNörglern" nur seinem Unmuth über die maßlose Verbreitung von Unzufriedenheit im Lande, wie sie seit längerer Zeit professiyusmäßig in einer ge­

wissen Presse und Broschüreu-Literatur betrieben wird, einen drastischen Ausdruck hat geben wollen. Hat man doch neulich so­gar mit Auswandernna gedroht, wenn das Schulgesetz eiugesührt würde. Daß der Kaiser nicht daran denkt, ein absolutistisches Regiment zu führen und sich in absolutistische Isolirtheit ein­zuspinnen, beweist sein so reichlicher persönlicher gesellschaft­licher Verkehr mit den Volks-Vertretern, wie ihn kaum je ein anderer Monarch geführt hat; aber daß es ihm bei seinem starken Willen und feiner lauteren Absicht, das Wohl des Landes zu fördern, tief schmerzlich berühren muß, wenn er sieht, wie seine Maßregeln in Bausch und Bogen bekrittelt und verdächtigt werden, ist begreiflich Andere haben wohl gerade so gedacht, wie er, haben es nur nicht so vor aller Welt ausgesprochen, sondern haben sich darauf beschränkt, nach der Ueberzenguug:Mein Cnrs ist der richtige, und der wird weitergesteuert" zu handeln. So hat sein königlicher Großvater 1862 auch gedacht und Fürst Bismarck hat erst recht diesem Grundsatz gehuldigt, und jeder Regent, der es gewissenhaft nimmt mit seinem Amte, wird so sprechen; denn nur ein starker Wille ist überhaupt im Staude zu regieren. Vielleicht ist es rathsamer, so zu handeln, statt es auszusprechen und dadurch den Widerspruch zu provoeiren, der die Worte einseitig und fälschlich zu deuten sucht." DieVoss. Ztg." (freif.) hebt hervor, es sei nicht klar erkennbar, an wen der Kaiser den Rath zur Auswan­derung gerichtet habe und führt weiter aus, daß sehr verschiedene Parteien im deutschen Reiche mißvergnügt seien:Man solle dem Worte nicht eine Bedeutung geben, wie sie dem Sprecher selbst un­erwünscht wäre. Der Kaiser kann nicht gemeint haben, daß alle Mißvergnügten ober Nörgler auswanderu sollen, denn gerade jetzt liegt eiii Gesetzentwurf dem Reichstag vor, der die Auswanderung zu «schweren bestimmt ist. Die deutsche Nation in allen ihren Par- * 1 leien und Schichten kann dem Vaterlande und dem Kaiser nicht besser dienen, als durch rückhaltlose, djaraeterfefte und würdige Ver­tretung ihrer geprüften Ueberzeugnugeu. Sie wird damit ihre Pflicht sicherer erfüllen, als durch blinde Unterwürfigkeit unter den Willen der wechselnden Nathgebcr der Krone." -

dies Lachen klang mir unnatürlich fremd, wie das eines Anderen. Meine Gedanken jagten wüst durcheinander. Ich sah Helene mit dem dürren Reisig in der Hand bei der fahlen Blitzbeleuchtung des Gcwitternachmiitags unter den Föhrenstämmen an der Stelle auftauchen, wo Planck er­schossen worden war, ich hörte ihre Worte:Nun ver­haften Sie mich nur gleich aber gleich!" Ich sah sie den schmalen, kleine» Fuß auf das Papier setzen, das die Zeichnung der in der Nähe des Thatortes augefundcnen Fußspur enthielt, und dachte daran, wie genau dieser Fuß dazu gepaßt hatte. Ich hörte sie am ersten Nach­mittag unseres Beisammenseins auf Cartlow sagen, daß der Ermordete vielleicht mit Recht gelobtet worden, vielleicht ein Elender gewesen sei, dessen Mördern man nicht weiter uachzuforschen habe. Ich mußte dessen gedenken, wie seltsam es sie immer an den Thatort getrieben hatte, wie wunderlich oft sie auf den Mord zu sprechen gekommen war.; daß sie neulich gefragt hatte, weshalb der Mörder den Leich­nam des Erschossenen nicht in den Waldsee versenkt haben möge, und daß sie gestern einer Begegnung mit mir auf Cartlow ausgewichen war, um mich danach zu fragen, ver­störten Blickes zu fragen, ob ich etwa in amtlicher Eigen­schaft gekommen sei. Das Alles, Alles schoß, wirbelte mir durch's Hirn. Wenn es mir im Einzelnen auch nicht aus­gefallen war, in der Gesainmtheit erdrückte es mich förmlich, warf mich zn Boden. Daß sie Planck gekannt hatte, stand nun außer allem Zweifel. Dir Stelle, wo er erschossen wurde, befand sich etwa Halbwegs zwischen Cartlow und der Stadt. .Revolver besaß Leopold Häseler, der ohnedies zur Zeit, wo die That verübt worden, verreist gewesen war, un­zweifelhaft. Und ^Planck. hatte gemufft, Hüne in alle Welt hinausschreien können, daß Frau Helene Häseler, die reiche, geachtete, verehrte Fran des angesehensten Mannes in der Gegend, einmal im Znchthause gesessen habe. War es deS-

Roman von Konrad Telma»».

(14. Fortsetzung.)

fc Ich war aufgesprungen und hatte in meiner wild wogen- s den Erregtheit das Zimmer ein paar Mal mit raschen Schritten durchmessen. Dann blieb ich plötzlich neben dem Tische stehen und stützte den Arm schwer mit der geballten Faust L auf das Schriftstück, das ich vorher gelesen. Es schlich mir ein Etwas eiskalt, mich bis in's Innerste durchschauernd, t bis zum Herzen herauf. Mir war's, als ob mir das Blut i in den Adern zu Eis gerinne. Meine Augen starrten auf iin Etwas in der leeren Luft, das in Wirklichkeit gar nicht da war und das ich dennoch gewahrte, so deutlich, daß ich es hätte mit den Händen greifen können, ein Furchtbares, ; ein Ungeheuerliches. Weshalb hatte ich denn jene Auskunft der Ortsbehörde von Dellenburg über Helene Halm einge- i fordert? Doch nicht um festzustellen, daß Helene Halm und Fran Helene Häseler, eilte und dieselbe Person waren? sondern weil die Vermuthnng vorlag, daß jene Helene Halm, die in derselben Strafanstalt gefangen gesessen hatte, 'n welcher Planck als Gärtner beschäftigt gewesen, später £ die Mörderin eben dieses Planck geworden war. Dann also tonte Frau Helene Häseler ja diese muthmaßliche Mörderin = ßeworden, meine Helene, die Helene, welche ich liebte, welche sch heute, vor Stunden erst, auf der Rasenbank am Waldsee n meinen Armen gehalten und geküßt, die ich beschworen . statte, mein zu werden, mir als mein Wejb in die Welt chinaus zu folgen.

Meine Gedanken verwirrten sich, ich war wohl, wirklich deut besten Wege wahnfinnig zu werden. Ich lachte MUl vor mich hinaus, nur um mich lachen zu hören. Aber