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40. Jahrgang.

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Nachdruck verboten.

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Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-PreiS; In Wiesbaden und den Landorten nut Zweig- Expeditionen 1 Mk. 50 Pfg., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.

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^»Unmöglich!" kam es über ihre Lippen mit trauriger Mchlvssenheit, »unmöglich! Wenn Du wüßtest, was ich p verdanke, was er mir gewesen ist —l Und ich sollte

Die Frauen und die Politik.

Von Wichard Wnlckow.

(Schluß.)

1 Auch Frankreich ist von diesen unsrer Zeit eigenthüm- lidjen Strömungen nicht unberührt geblieben; auch hier fing es vor einigen Jahren in den Köpfen einzelner Damen gar bedenklich zu spuken an. Möglich, daß das Beispiel ber Frau v. Stasi dabei nachgewirkt hat. Es circulirt eine allerdings nicht sicher verbürgte Geschichte, welche erzählt, baß Frau v. Stasi auf die Aeußerung Napoleon's: „Er liebe nicht, daß Frauen sich mit Politik beschäftigen", kurz and scharf geantwortet haben soll: „In einem Lande, wo man den Frauen den Kopf abschlügt, ist es natürlich, daß sie Lust haben zu erfahren, warum es geschieht". Damen von diesem Schlage werden heute in Frankreich vergeblich gesucht werden; man begnügt sich damit, Versammlungen zu berufen und in mehr oder weniger geistreicher Form die angeblichen .Rechte" zu verlangen, unter denen natürlich auch das active und passive Wahlrecht figurirt. Ernste Er­folge haben diese Versammlungen und Verhandlungen nicht aufzuweisen und Kenner versichern, daß diese ganze Be­wegung in Frankreich nicht ernst zu nehmen sei, weil die heutige Französin keine Politikerin ist und die große Masse der Frauen von politischen Aspirationen nichts wissen will. Mitte September 1889 kam unter Leitung einer Bladame le Valsayre und Madame St. Hilaire eine etwa von 000 Personen besuchte Versammlung zu Stande, in der zu sehr eingehenden und erregten Erörterungen kam.

einem Vortrage der Madame de Valsayre, der natür- in der politischen Gleichstellung mit den Männern te, meldete sich eine Frau Normand zum Worte und rte in drastischer Weise und unter großem Beifall der sammlung: jene Damen thäten besser, sich mit ihrem se und ihren Kindern zu beschäftigen, als mit Politik. Daß eine active Theilnahme an der Politik die jetzige ung der Frau zu ihren Ungunsten verschieben würde, brdarf keines Beweises. Wir können aber weiter gehen inb behaupten, daß jedes Beginnen, welches darauf hinaus- iuft, den Frauen ihre durch die Weltökonomie festbegründete Mlung zu alteriren oder streitig zu machen, ein absolut ebliches sein wird. Daß die „reine Frau", nm mit Walther von der Vogelweide zu reden, die Spitze und Krone Geschaffenen ist, daß in ihr sich das vollkommendste schenbild darstellt, ist ein Axiom, das Niemand um- n wird. Als classischen Zeugen für dasselbe darf ich im Goethe nennen. Unter allem, was als Schönheit Ge- über den Menschen hat, ist nach der ewigen Ordnung r Welt und der Dinge die Frau das Gewaltigste. Nicht >va nur die von den Dichtern tausendfach und in allen en gepriesene Frauenschönheit an sich, sondern viel- r noch die Schönheit in ihrer Wirkung; die Milde, Ver- lichkeit, Harmonie, die sie um sich zu breiten weiß, die it ihrem stillen unbewußten Wirken und Walten Alles

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Kühne.

Roman von Konrad Tekmann.

(12. Fortsetzung.)

I »Um Gotteswillen!" war das erste Wort, das Helene dem ersten, aufflammcnden Rausch flüsterte, „wenn man M sieht, uns belauscht! Ich bin gewiß, daß man uns Uert. Ich hab' es im Gefühl, es prickelt mir in den en. Was machen Sie aus mir, Ottomar? Wohin Mgen Sie mich? Ich — Lassen Sie mich doch los!"

Ich führte sie halb mit Gewalt auf die Rasenbank am W des Waldsees. Unterwegs flüsterte ich ihr tausend

Wiche Liebesmorte, Betheuerungen, Vorwürfe in's Ohr, ff-Se alle mit anhörte, über sich ergehen ließ, wie betäubt, Erwiderung fähig. Endlich saß sie, ich neben ihr, Dr. beiden Hände in den meinen, ihr Kopf gesenkt, wie wenn

fWettc," sagte ich, „nun sag' mir's, ein einziges Mal nur *®8 mir's, daß Du mich liebst!"

»Du weißt's ja," murmelte sie, ohne die Stirn ?Mheben. „Mär' ich sonst hier? Duldete ich das sonst? G ich bm schlecht — schlecht!"

c, Das Letzte klang wie ein Acchzen. Sie wollte ihre Mde frei machen, um sie sich vor's Gesicht zu schlagen. M. litt es nicht, gab sie nicht frei. „Helene," sagte ich ^Dlger, „quäle Dich nicht! Du begehst keine Sünde, Du, N^eide können nicht anders. Du wirst mein Weib sein,

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Verlag: Langgasse 27.

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Mittwoch, den 24. Fedruae

1892.

umfaßt, was sie umgiebt und „mit jedem Morgen denselben holden Sonnenblick auf Alles wirft, in dessen Mitte sie ge­stellt ist." In diesem Sinne ist die Verehrung der Frau bei den Culturvölkcrn von jeher dagewesen und wird immer dasein; die Fran hat gar nicht nöthig, sich «'n Recht darauf zu erwerben; ihre bloße Existenz bedeutet ein ewiges Werben um Liebe und Verehrung.

Mit dem alten Wort: „der Mann in die Welt, die Frau ins Haus und Familie" ist es allerdings ein für alle­mal zu Ende. Auch die Frau „muß hinaus in's feindliche Leben", und nachdem sie mit dem nothwcndigen geistigen und technischen Rüstzeug versehen ist, sich eine ihren Neigungen und Fähigkeiten einigermaßen entsprechende Lebensstellung erobern. Diesen schweren und dornenvollen Weg, den sich die Fran nicht aus Laune und Willkür wählt, sondern der ihr dnrch den Entwickclnngsgaug der modernen gesellschaftlichen nnd wirthschaftlichcn Verhältnisse vorge­zeichnet ist — diesen Weg müssen mir ihr ebenen nnd er­leichtern. Es ist eine Gleichgültigkeit oder eine Thorheit, die Fraucit immer auf Haus und Familie zu verweisen; wer ihnen ehrlich helfen will in dem erbarmungslosen struggle for life, der muß sie geistig, mündig und selbst­ständig zu machen, ihneit neue Erwerbsfüchcr zu eröffnen und sie in Allem zu fördern trachten, was ihrem so häufig unterschätzten Wollen und Können nur irgend erreichbar ist.

Freilich, wenn die Weltordnung es so gefügt hätte, daß wir an den Begriff des jungen, hoffnungSfreudigcu Mädchens stets beseligende Liebe, Frieden und eheliches Glück an­knüpfen könnten, dann wäre unsere Hilfe entbehrlich, und wir könnten unser Interesse für sie in ganz anderen Formen manifestiren; da aber nur Wenigen das Glück in der ge­nannten Form- erblüht, so ist es einstweilen unsere Pflicht, sie dahin zu bringen, daß sie durch ihre erworbene» Kennt­nisse und Fertigkeiten für sich selbst einstchen, selbst Mitge- stalterirmen ihres irdischen Looses werden kömten.

Wo den Frauen noch so gewaltige Schwierststeiten in allen Formen entgegenstehen, sogar auf dem Wege einer höheren Geistesbildung, da darf man an weitergehcnde Ziele der Frauenbewegung nicht denken, sondern muß auf die nächstliegenden Hemmnisse Hinweisen und dieselben entschlossen zu beseitigen suchen. Das wird geschehen, wenn die besten und thatkräftigsten Frauen zunächst eimnüthig für eine um­fassende geistige Bildung des Geschlechts eintreten, ein­schließlich eines tieferen Verständnisses für wesentliche und eingreifende Fragen des Staatswesens. Die Frauen von einer gewissen politischen Bildung absperreu wollen, märe thöricht, denn es kann uns nur erwünscht sein, wenn der Blick der Frau sich weitet und sic sich klar wird über alles das, was einem staatlichen Gemeinwesen nützt oder schadet. Aber sie muß ferngehalten werden von gefährlichen Experimenten, die den Adel des Geschlechts und seine cultur- geschichtliche Bedeutung zu untergraben drohen. Niemand wird verkennen, daß in bedeutsamen historischen Momenten Frauen bedeutenden politischen Einfluß gehabt und den­selben auch geltend zu machen tvußteu; wir wollen auch

nicht kurzweg in Abrede stellen, daß in Zukunft einzelne kraftvolle Frauencharaktere eine politische Rolle spielen könnten; aber eine muthige und energische Betheiligung Einzelner unter ganz besonderen Verhältnissen ist eiwas Anderes, als das weibliche Geschlecht in seiner Gesammtheit als solches in's Partcileben stürzen auf die Gefahr hin, ihm bei seiner größeren Erregbarkeit schweren leiblichen und geistigen Schaden zuzufügcn, die Gesundheit des kommenden Geschlechtes zu gefährden und in den Kreis der Familie, der eilt unantastbarer Hort des Friedens sein soll, Kamps und Hader zu tragen, ja die heiligen Familienbande muth- willig zn zerreißeu.

Es ist bezeichnend, daß zwei der größten deutschen Schrift­stellerinnen, so tief sie von einer sittlichen Gleichberechtigung mit den Aläunern durchdrungen sind, von einer politischen ernstlich nichts wissen wollen: Fanny Lemald nnd Marie v. Ebner-Eschenbach. Die Letztere sicht sogar in ihrem Trauerspiel „Marie Roland" die tragische Schuld der Heldin darin, sich in Politik gemischt zu haben. Und dieses Stück schrieb die energische, schaffensfreudige Dichterin im Jahre 1868; seitdem hat sie die Frauenfrage dichterisch nie wieder berührt, ihr Gemüth ist mit derselben kaum je wieder be­schäftigt gewesen.

Von jeher mar es das schöne Vorrecht des Weibes, Frieden und Versöhnung auch da zu stiften, wo die Zwie­tracht bereits drohend ihr Haupt erhoben hatte. Im inter­nationalen Leben ist die große Versöhnerin und Vermittlerin die Wissenschaft, im nationalen Leben die Frau. Diese Stellung müssen wir ihr zu erhalten suchen.

Darmstadt. Dr. Richard Wulckow.

Locales.

(Nachdruck d-r LriLin-Icorrc^ar.dknzea mir unter bturtHet Buettenangebe geltattet) Wiesbaden, 24. Februar.

* Zue Erinnerung. Vor 25 Jahren waren die Augen ganz Europas nach Berlin gerichtet. Daselbst er­öffnete am 24. Februar 1867 König Wilhelm von Preußen den ersten Reichstag des norddeutschen Bundes mit einer Rede, auf die zu hören wohl alle Staaten Euro­pas alle Veranlassung hatten; denn jedem Einsichtigen mußte cs klar sein, daß jetzt der erste Schritt zur Einigung Deutschlands gethau sei, daß der beschrittene Weg nun nicht mehr verlassen werden würde. Der königliche Sprecher ge­dachte der seitherigen Sehnsucht nach der Einigung Deutsch­lands und der vergeblichen Versuche bei der Schwierigkeit der Aufgabe; sie sei noch immer schwer diese Aufgabe und man dürfe nicht, wie bisher, das Erreichbare dem Wünschens- wcrthen opfern. Er gedachte auch der süddeutschen Staaten, „unserer Landsleute im Süden des Mains": zur Herbei­führung des Einverständnisses, das die Friedensschlüsse dem freien Ucbereinkommen beider Thcile anheimstellten, würde die Hand offen und entgegenkommend dargereicht werden, sobald der norddeutsche Bund soweit entwickelt sei, um zur Ab­schließung von Verträgen befähigt zu sein. Im Uebrigen

ihm das je anthun können — das! Nein, nein, nein! Ich müßte mich verachten, Du selbst müßtest es, ich wäre das elendeste, niedrigste Geschöpf unter der Sonne. Und was sollte es uns auch nutzen? Glücklich könnten wir doch nie­mals werden — niemals. Es wäre keine Sünde, sagst Du? Es wäre mehr als das — ein Verbrechen, und schriee zum Himmel auf!"

„Helene!" flehte ich, „beruhige Dich doch, laß'uns über­legen, nichts übereilen! Ich weiß ja, daß ich Ungeheucr- liches von Dir verlange, ich weiß ja, daß wir einen edlen und guten Mann, der uns Vertrauen schenkt, kränken, un­heilbar tief verwunden nnd berauben müssen; ich fühle es Dir ja nach, wie sich Dein gutes, weiches, dankbares Herz dagegen sträubt wie gegen eine Todsünde, und daß Du glaubst, auf solchem Untergründe niemals ein Glück auf­bauen zu können. Alles weiß ich, Geliebte. Und doch — doch; können wir denn anders, jetzt noch anders? Wollen wir für immer voneinander gehen? Wollen wir ein heim­liches Spiel fortsetzen, das unser nicht würdig wäre? Was wollen wir thun? Es giebt ja keinen Ausweg. Wir müssen entschlossen handeln, mit offenem Visir, je eher, desto lieber —"

Ich redete noch so eine Weile zu ihr fort, ich sagte ihr Alles, was ich mir selber gesagt, was mir auf der Seele brannte. Mein ganzes volles Herz strömte ich. vor ihr aus. Da sie immer stumm blieb, glaubte ich sie überwunden und wurde nun nur noch beredter, noch stürmischer, noch feuriger, aber als ich schwieg, sah ich, daß das Alles ciudruckslos an ihr vorübergegangen sein mußte, denn sie schüttelte nur traurig den Kopf und sagte hinterdrein: „Ja, Du bist gut und Du glaubst an das Alles, was Du redest, und Du liebst mich. Ich danke Dir dafür. Nur werden tarnt es nicht so, wie Du meinst — niemals. Ich würde mich vor mir selber schämen müssen. Und deshalb — darin hast Du

ganz Recht — deshalb ist es am besten für uns, wir gehen lieber heute gleich auseinander — für immer —"

Ihre Stimme brach beinahe vor verhaltenem Schluchzen. „Helene!" schrie ich auf, „das könntest — das wolltest Du? Du liebst mich also nicht, Helene?"

Da sah sic mich lange mit großen, glänzenden, unsäg­lich schwermüthigen Augen an. Daun fuhr sie mit der Hand leise mir über die Stirn hin und sagte: „Ob ich Dich liebe! Ich habe Dich zwar, betrogen, Ottomor — im Anfang, weißt Du —, ich wollte Dich berücken, ich war kokett, ich war schlecht und berechnend, weil — Nun, das hat sich an mir gerächt, bitter. Denn dann liebte ich Dich wirklich. Dich als den Ersten nnd Einzigen auf der Erde — ich schwöre Dir's zn, Ottomar, bei Allem, was mir je heilig war, ich habe nie vor Dir einen Mann geliebt, nie; ich wußte gar nicht, was Liebe ist. Ich habe immer nur gelitten unter der Liebe von Männern, bereit Liebe ich nicht erwiderte, nicht erwidern konnte — schwer, furchtbar hab' ich darunter gelitten; es war wie ein Verhängniß, und ich selbst konnte nicht lieben. Ich dachte, ich sei dessen überhaupt nicht fähig. Dann heirathe ich den Guten, Edlen, der mich liebte, mich rettete — Du kannst nicht verstehen, wie er mich rettete! — trotzdem ich ihn nicht liebte. Ich war in meiner Art glücklich, soweit ich's noch werden konnte; ich hatte Pflichten zu erfüllen, die mich beglückten, ich hatte abgeschlossen mit allem Uebrigen, ich glaubte mich geborgen. Dann kam es anders, ganz anders. Dann lernte ich die Liebe doch noch kennen — die Leidenschaft. Aber nun war es viel zu spät, viel zu spät. Weil ich Dich so wahnsinnig liebe, Ottomar, weil ich jetzt weiß, was Liebe ist, deshalb werd' ich Dir nie angehören, — nie. Glaube mir, daß cs nicht sein kann. Das ist Alles, was ich von Deiner Liebe fordere, daß Du mir's glaubst. Ich kann nicht. Und nun geh' — küsse mich noch einmal, der Himmel verzeih' mir