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Abend-Ausgabe

WiesbaiWr Tagblck

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40. Jahrgang

Verlag: Langgasse 27,

13,000 Abonnenten

80

MMmoch, de« 17. Februar

1892

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otte

die von der Theorie die befruchtende Anregung erhält. Uns war daran gelegen, die Bedeutung und das Zweckdienliche des Schnceschuhlaufs für die Armee etwas hervorzuheben. Mehr wollten wir nicht mit diesen unseren Ausführungen. Erreichen sie dies, so ist eben damit ihr Zweck erfüllt.

Wegen Information über dies für Deutschland neue Verkehrsmittel, das sich für viele Gebrauchs- und ebenso für Sportzwecke schon vielfach Eingang verschafft hat, empfehlen wir unseren Lesern sich an die Redaction des „Tourist* (Berlin W. 9, Köthenerstr. 37) zu wenden, welche jede ge» wünschte Auskunft gern ertheilt.

Schneemassen das Fortkommen für Mensch und Thier hindern, ein oft beschwerlicher und langsamer; und doch hängt mitunter an wenigen Minuten, wenn die eine Nach­richt früher an die gehörige Adresse gelangt, das Geschick von Hunderten, ja Tausenden ab. Das Verkehrshinderniß, gegen das Fußgänger wie Pferd schwer ankämpfen müssen, wird vom Skiläufer nicht nur spielend überwunden, sondern ist ihm vielmehr der gangbarste Weg.

Ebenso lohnend wie für diesen Nachrichtendienst dürfte sich die Einführung des Skilaufes für den Sanitätsdienst erweisen. Mit Recht hat Professor Billroth darauf hinge- wicsen, daß in einem der nächsten Kriege unsere Sanitäts­mannschaften der Zahl nach nicht ansreichen dürften. Das immer größere Massenaufgebot der einzelnen Nationen, die neuen Gewehre mit der immensen Durchschlagsfähigkcit ihrer Geschosse wird in jeder Schlacht die Zahl der Verwundeten überaus groß werden lassen. Für diese Verwundeten zu sorgen, ist die oberste Pflicht der Menschlichkeit; zur Winterszeit, wie das 1870/71 der Fall war, ist ein rasches Heranzichen von Sanitätshilfsmannschaftcn ein beschwer­liches und wohl auch so zeitraubendes, daß die Hilfsmann­schaften meistens zu spät eintreffcn werden. Ein solches Heranziehen von Hilfsmannschaften aber, von allen hinter der Schlachtlinie gelegenen etwaigen Feldlazarethen rc. wird sich als nöthig erweisen; es dürfte doch da wohl angebracht sein, bei Zeiten darauf Bedacht zu nehmen, ein rasches und dabei sicheres und einfaches Beförderungsmittel zur Win­terszeit für alle Fülle in Bereitschaft zu haben. Und dies Mittel ist in den Ski oder Schneeschuhen fertig gegeben.

Endlich dürfte der Schneeschuh auch im Fouragierdienst eine Rolle zu spielen berufen sein. Wie viel schneller und 'n wie viel kürzerer Zeit kann ein kleiner Trupp Schnee­schuhläufer einen größeren Bezirk abstreifen, um auf Vor- räthe zu fahnden und sie zu beschlagnahmen, die längst in Sicherheit wären, ehe sich schwerfällige Gespanne durch den Schnee zu arbeiten vermögen? Und kehrten in gebirgigen Landcstheilen nicht schon zahlreiche Abtheilnngen deßwegen erfolglos zurück, weil die Bewohner die Vorräthe an schwer- zugängliche Stellen schafften, wohin es den Soldaten un­möglich war, ohne großen Zeitverlust zu folgen, während dies einem gewandten Skiläufer leicht gelänge.

In welcher Weise die Ski am besten in die Armee zur Einführung gelangen, welche Mannschaften und wie viel im Gebrauch der Schneeschuhe unterrichtet werden sollen, dar­über würde eine kurze praktische Erfahrung wohl bald Auf­schluß geben. Am einfachsten glauben wir, würde die Ein­führung derselben derart geschehen können, daß von jedem Regiment der Infanterie eine gewisse Anzahl von Mann­schaften int Schneeschuhlauf unterrichtet würden, von denen ei» Th eil für den Kundschafterdienst, ein anderer Theil für den Nachrichtendienst, und ein dritter Theil schließlich für den Sanitätsdienst bestimmt wird. Es sind dies selbstver­ständlich nur unmaßgebliche Aiisichten. Das letzte Wort kann hierin nicht die Theorie, sondern die Praxis allein sprechen,

Die Verstärkung der deutsche» Schlacht- Flotte.

einem int hessischen Odenwald telegenen Städtchen entlassen worden, von wo sie gebürtig war und wo ihre Mutter, da­mals noch oder damals wieder lebte. Weiteres war über ihr Vorleben oder ihre ferneren Schicksale dortseitig nicht bekannt. Die Verurtheilung, welche sie in die Strafanstalt geführt, war durch das Schwurgericht zu Elberfeld erfolgt. Aus dem Signalement, welches beigegeben worden war, ließ sich über die Persönlichkeit nichts entnehmen, da es in den hierbei üblichen allgemeinen Ausdrücken abgefaßt war, die auf einige Tausend andere Menschenkinder genau ebenso gut oder schlecht passen, als auf diejenigen, die man im Auge hat.

Und doch regte mich der Bescheid trotz seiner enttäuschen­den Unergiebigkeit mächtig auf. Weßhalb mußte jenes Mädchen auch gerade Helene geheißen haben? Das war freilich kein außergewöhnlicher Name und Hunderte führten ihn, aber mich berührte es dennoch seltsam. Und dann hatte mir Irgendwer am abendlichen Stammtisch des „Greifen" einmal erzählt, um den Mangel an Berechtigung zu hoch- müthigem Benehmen recht drastisch zu kennzeichnen. Frau Häseler sei früher doch nichts als eine Gesellschafterin oder so etwas, also immerhin eine Art Dienstbote gewesen, und in ihrer Sprache, so rein und dialectfrci sie auch erschien, hatte ich manchmal doch Anklänge wahrgenommen, die auf eine süddeutsche Herkunft schließen ließen und mich unwill­kürlich an meine Heidelberger Studentenzeit und speziell an manche, aus dem nahen Hessen stammende Verbindungs- brüder dort erinnert hatte».

Das Alles schoß mir durch den Kopf wie ein elektrischer Funke, ohne daß ich mich dagegen zu wehren vermochte. Und dann sagte ich mir gleich hinterher, ich sei wohl ivahn- sinnig geworden, und dieser schwüle, blutstachelttde Tag müsse mir die Sinne verwirrt haben. Was hatte denn Frau Helene, ihre Vergangenheit und ihre süddeutsche

Aber was wollte ich beim überhaupt? Ich griff mir an die Stirn, ich wußte es nicht. Wollte ich das Gastrecht, das ich bei Leopold Häseler genoß, schnöde mißbrauchen? Wollte ich nur einen flüchtigen Rausch der Leidenschaft, der mir Kurzweil in der Einförmigkeit meiner hiesigen Tage bot? Oder sollte das ein ernsthafter Handel werden, dessen Folgen für meine ganze Zukunft bedeutungsvoll und entscheidend würden? Wollte ich nur der Tröster einer jungen, schönen, unverstandenen und unbefriedigten Frau werden und eines Tages wieder auf und davon gehen, wenn mein Amt hier­zu Ende war? Ich fand keine Klarheit in mir, ich war wie betäubt. Mein Blut siedete. Gab es hier noch ein Zurück? Nun, sagte ich mir in meiner leichtsinnig-jugendlichen Wal­lung, wenn es ihr denn nur um etwas Romantisches und Geheimnißvolles zu thun ist in ihrer prosaischen Alltäglich­keit, das ihr zn gewähren bin ich ja bereit!

Und doch war mir nicht wohl, nicht leicht zu Muthe, als ich zu Hause anlangte. Mein Kopf brannte, ich war im Fieber. Auf meinem Tische fand ich die mit der Abendpost eingegangenen Briefe, darunter meiner Bestimmung gemäß auch alle auf den Mordprozeß bezüglichen Schriftstücke, auf deren Durchsicht ich niemals erst bis zu ihrer Präsentation durch das Bürean wartete, so lag mir die Sache am Herzen. Unter diesen befand sich ein Schreiben der Znchthausver- waltnng in Golchen. Ich öffnete es zuerst. Es enthielt die Nachricht, daß die Strafgefangene, welche der damalige Gärtner Planck nach allerlei gravirenden Anzeichen, welche vorgelegen, zn befreien versucht habe, die nnoerehelichte Helene Halm gewesen sei. Als ihr Stand war „Gesell­schafterin", als Verbrechen, wegen dessen sie eingeliefert worden, „Meineid" angegeben; ihr Alter war zwanzig, Jahre. Sie hatte nur ein Jahr in der Strafanstalt ge­fangen gesessen. Was weiter aus ihr geworden, mußte man nicht anzngeben. Sie war ans der Strafanstalt nach Delleitburg,

Roman von Konrad Heimann.

M , (7. Fortsetzung.)

6ie reichte mir mit bezauberndem Lächeln die Hand hin. M hielt sie eine Weile in der meinen, welche zitterte. Ich ®oute etwas sagen und brachte ei nicht heraus. Weßhalb M sie mir hier und jetzt den Abschied? Um ihretwillen oder ^meinetwillen? Fürchtete sie sich vor dem, was zwischen M kommen könnte ? Und wie tief ließ mich ihre krankhafte ^Wsucht nach irgend etwas Romantischem mitten in dem Wsaisch-nüchternen Alltagseinerlei ihres Daseins in die Raucnseele blicken! Ich war sehr bewegt davon. „Leben wohl — auf Wiedersehen!" Ich drückte ihre Handfest

ging. Ich zwang mich sogar, mich nicht mehr W ihr umzublicken, obgleich ich die Ahnung, das Winctive Empfinden hatte, sie warte darauf, sie sei nen geblieben, um darauf zu warten. Ich fühlte, daß ich *®nit umkehren würde, und war mir nicht sicher darüber, dann geschehen könne. Mir graute davor. Ich wollte ?! Gefahr entfliehen, die sich mir da aufdräugte. Ich war W darauf, daß ich den Muth dazu besaß — jetzt noch 2p. Und ich ging rascher und rascher. Ich athmete erst

"ks ich den Waldrand erreicht hatte, und mir war's, t; löge nun alle Schwüle dieses wunderlichen Tages “tr mir.

L,®ie lange freilich würde das währen? Wie bald würde diesen Tag ein ähnlicher folgen? Und was dann? Würde 5 dann noch Muth genug, würde sie noch Wider- gr^fraft genug besitzen, damit wir rein blieben? Ich

cs nicht. Ein Feuer war in mit entzündet worden, “ wer wollte sagen, wohin leine Flammen schlagen würden!

Erscheint in zwei Ausgabe«. — BezugöPreiS: 8u Wiesbaden und den Laudorten nut Zweig« xpeditionen 1 Mk. 50 Pfg., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.

Anzeigen-Preisr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeige» 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Man schreibt den „Hamb. Nachr." von militärischer Seite:

„Wenn zur Zeit die deuffche Schlachtflotte auch nicht mit einem Schlage zu einer solchen ersten Ranges, wie etwa diejenigen Frank­reichs oder gar Englands, zu gestalten ist, so erscheint es doch un­erläßlich, daß dieselbe den Flotten der benachbarten Mächte ge­wachsen ist, mit welchen das Reich den Besitz der Ostseeküsten theilt, schon in Anbetracht des starken Antheils Deutschlands an diesen Küsten. Sollen ferner die dentschen Küsten der Nordsee wie des baltischen Meeres im Falle eines Krieges frei von feindlichen Be­schießungen, Brandschatzungen und anderen Verheerungen des Krieges bleiben, so muß eine starke deutsche Schlachtflotte die Knstengewäsier beherrschen und jedem Gegner mit Aussicht auf Erfolg auch auf offener See gegenüber zu treten in der Lage sein. Mit Recht hat man ferner auf die starke Landtruppenzahl hinge­wiesen, welche der Schutz der dentschen Küsten im Falle eines Krieges zur Zeit erfordert und der Feldarmee entziehen würde. Im Besitze einer starken Schlachtflotte bedarf die deutsche Küsten- vertheidigniig weit weniger Truppen, welche derart den Feldarmeen nicht verloren gehen.

Ueberdies gewinnt Deutschland durch eine starke Flotte auch als Seemacht für die ihm verbündeten Staaten erheblichen Werth. Sind bei einem etwaigen künftigen Kriege die Hauptflottenstreit­kräfte Frankreichs gegen Italien engagirt, so ist eine starke deutsche Schlachtflotte, wie die heute aiigeftrebte, in der Lage, eventuell der russischen Ostseeflotte und jedenfalls dem französischen Canal- geschwader mit Aussicht auf Erfolg entgegen zu treten, eine Mögl ' feit, welche bei dein heutigen Bestände der deutschen Schlachtfl sich nicht darbietet.

Rußland hat, wie Viceadmiral Livonins bemerkt, uns stark überflügelt und durch den Ban einer großen Anzahl schwerster Panzerschiffe neuesten Typus sich zur Zeit in die Lage versetzt, im Kriegsfall unsere Gewässer zu beherrschen. Seine Ostseeflotte ist in der That-um 6 große Pauzerschlachtschiffe stärker wie die derzeitige deutsche L-chlachtflotte, und auch an Kanonenbooten ist die russische Ostseeflotte der deutschen beträchtlich überlegen. Schon das Be- dürfniß, der russischen Flotte in der Ostsee ebenbürtig zu werden, bietet daher einen Grund für die Lerstärkung der Schlachtflotte Deutschlands. Das französische Eanalgeschwader besteht zur Zeit yuar aus einer geringeren Anzahl, aber' an Tonnengehalt und Fahrgeschwindigkeit weit stärkerer Panzerschlachtschiffe wie die deutsches Panzerschlachtfiotte; die Verstärkung der letzteren würde auch diesem Geschwader gegenüber unserer Marine ganz andere Aus­sichten auf Erfolg erstehen laffeu wie bisher.

Auch bei Berücksichtigung ihrer besonders an der Nordsee un­zugänglichen Beschaffenheit erscheint der Schutz der Küsten, wenn ihn die deutsche schlachtflotte nicht in erster Linie übernimmt, ein keineswegs durch die Laudtruppen sicher gestellter, daß nicht die Beschießung aller befestigten und unbefestigten Küstenplätze möglich wäre, an welche feindliche große Schiffe innerhalb der Entfernung von 10 Kmtr. und der 10 Mir. Tiefenlinie heranzukommen Der-

Nachdruck verboten.

Sühne.

Keder dir Kedeutirrrg der Schneeschuhe für militärische Zwecke

kiitnehmeu rott der Berliner Zeitschrift „Der Tourist" nach­stehende beachtenswerthe Darlegung: Wohl eben so frühzeitig wie zur Jagd sind die Schneeschuhe (Ski) im Norden zu 'Negerischen Zwecken verwendet worden. Wenn auch die eigentlichen Kriegsfahrten der „Normannen" zu Schiff nach südlicheren Ländern ansgeführt wurden, so fehlte cs doch auch Oht an Kriegs- und Beutezügen auf dem nordischen Fest- lande selbst; nd bei diesen kriegerischen Unternehmen spielten #e Schneeschuhe, wie aus den verhältnißrnäßig spärlich auf W gekommenen Nachrichten zu entnehmen ist, eine wichsige Mc.

So wird vom nordischen König Swerre erzählt, daß er 46t Corps von Schnceschuhläufern sich herangebildet habe. Lor der Schlacht bei Oslo, im März 1200, befiehlt er bei der Musterung auf dem Eise dem Paul Balta und dessen Hochländcrschaar, ihre Schneeschuhe und Stäbe zu ergreifen, die Schncefchnhe zu besteigen und die Nyenberge hinanfzn- lauscn, um die Stärke des Feindes auszukundschaften.

Das Kriegshandwerk von ehemals und heute ist nun zwar fundamental von einander verschieden. Der Nahkampf der Einzelnen hat sich in einen Fern- und Manöverkrieg der Massen gewandelt. Nichtsdestoweniger dürften die Ski Mt ihrer Bedeutung für das Heerwesen nichts eingebüßt haben, insbesondere dürften sie auch heute noch wie bereits im Jahre 1200 für den Kundschafterdienst von großer Zweckmäßigkeit sein. Wir stehen nicht an zu sagen, daß während des Feldzuges 1870/71 in der zweiten Hälfte des- | selben mancherlei Verluste hätten vermieden werden können, » wenn des Schneeschuhlaufens kundige Soldaten besonders | die umherlauernden Franktireurs auszukundschaften oder zu f zerstreuen im Stande gewesen wären. Besonders zwei Vor­ige bieten die Schneeschuhe bei Ausübung des militärischen M Kundschafterdienstes: einmal das geräuschlose Anschlcichen bis an die feindliche Stellung; das andere Mal bei irgend­wie vorsichtigem Mauövriren die Schnelligkeit des Rück- Sges. Selbstverständlich kann dieser Dienst auf Schnee- uhen wie der Kundschafterdienst überhaupt nicht mechanisch ungelernt werden, es ist dabei ein rasches Beherrschen der Situation, ein sicheres Abwägen der eigenen Kräfte und kühner Muth nöthig. Wir wollen hierauf nicht näher ein­gehen, es genügt uns, auf die Nützlichkeit und Verwend­barkeit der Ski in einem Kriege — der hoffentlich recht lange unserem Vatcrlande erspart bleiben möge — hingc- »iesen zu haben.

I Nicht minder bedeutungsvoll als als für den Kuiid- Ichaftcrdicnst dürften sich die Schneeschtihe für den Nach- ^chten- und Sanitätsdienst im Kriege erweisen; ja wir glauben sogar, daß in der Nutzbarmachung der Ski für Me Dienste ein Hauptmoment der Verwendung derselben Men wird. Der Nachrichtendienst zwischen den einzelnen «nneetheilen ist gerade zur Winterszeit, sobald große