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Nachdruck verboien.

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Da setzte sich ein recht ungebetenes Paar vor den Spiegel. Nicht allein, daß es ihr die Aussicht verdarb, es störte sie auch sonst, denn es mischte sich in ihre Unter­haltung. Es waren eine nichtssagende Dame mit ihrem Facher, der beständig klapperte, so heftig bewegte sie ihn, und ein Herr mit einem dunimen langnasigcn Gesicht. Er lachte, das; die Spitzen seines Schnurrbartes ihm fast bis an die Augen reichten und seine eckigen Zähne wie das Gebiß im Aushängekasten eines Zahnarztes erschienen. Und dabei erzählte er seine Avcntüren, wie er es nannte. Minnie hörte erst mit verbindlich frenndlichem Gesichtchen zu, weil der arme Herr gar zu häßlich war und ihr leid that; auch der Baron lächelte und Graf Egon ein Mann von Welt und Erziehung, trotz seiner Gelehrsamkeit qnittirte ebenfalls lächelnd für die lahmen Geistessprünge der Langnase. Aber dann brachte diese selbst Disharmonie in das Quintett. Er behauptete, Damen hätten keinen Muth. Seine Dame hörte das duldend an, allein Minnie wollte die Beleidigung nicht auf ihrem Geschlechte sitzen lassen.

Keinen Muth! Ich bin in Adlersfeld immer über die höchsten Zäune geklettert und durch unseren breiten Teich geschwommen und bin allein bei Mondschein um Milter- nacht Kahn gefahren und habe mich auf die wildesten Gäule gesetzt !"

Die Langnase riß den Mund von einem Ohr bis zum anderen auf, die nichtssagende Dame kicherte.

Baron Bernhard von Llissing erhob sich, machte der Eomtesse eine feierliche Verbeugung und reichte ihr den Arm. Zum Glück begann jetzt die Musik von Neuem zu spielen, so daß cs den Anschein gewann, als führe er Minnie zum Tanze. Allein er begab sich nicht mit ihr in den Tanzsaal, sondern in ein kleines lauschiges Zimmer neben demselben. Dort stand ein Rundsopha, von einem Vorhänge halb ver­deckt, dahin geleitete er sie.

Ihr erster Carneval.

Novelle von K. v. ZLeaulieu.

(1. Fortsetzung.)

UeBnlle sind lange nicht so nett, wie man sich denkt/ »Urtheil, welches Eomtesse Minnie heute Abend schon 77 int Stillen gefällt hatte.

Wkwurde ihr die Tanzkarte gleich bei ihrem Eintritt Waal mit Namen kreuz und quer bekritzelt, zwar lichierfüllten Räumen die vornehmste Gesellschaft g*8 versammelt, aber es war doch nicht nett. W r» viele Menschen da, man kam zu keinem ver- M«espräch, an das Minnie von Athen her so gc- kncm tiefen Gespräche, in dem Gedanken, umhersprühen. Große Gesellschaften haben ^Wrencs, Unruhiges, Jeder giebt sich conventionell, latere Beobachtung wohl Minnie's Köpfchen Mentors entstammte?

vQu[e nach dem ersten Walzer hatte Baron M-r. eße von Adlersfeld zu einem Divan geführt sgctn Lcsselchcn neben sie gesetzt. Er nahm ihren n die Hand und erhob ihn, wie ein Docent

M^ycoer Jein en Bismarckbleistift, um ihr recht cin- aujcinanderzusetzcn. Graf Egon stand mit Armen hinter den Beiden und sah lächelnd

Emnilienbild, wie ein Gruppenbild für ^^^^Pyotographcn. Minnie erblickte es in dem HjgjStiUfJt gegenüber und fand, es erschiene, als «wo t cncm Gedanken, den sie nicht zu agte, ex war zu reizend.

Sie war willenlos gefolgt, zu überrascht, um zu wider­sprechen und auch etwas eingeschüchtert durch das Gelächter der beiden dummen Fremden.

Baron Bernhard stellte sich neben Minnie und begann mit milder Stimme, aus der ihr aber deutlich ein ver­weisender Ton herausklang:Gnädigste Eomtcß"

Sie war gar nicht gnädig, sondern wandte schmollend das Köpfchen ab und stützte es auf die "kleine Hand. Den großen Blumenstrauß, den er ihr am Morgen gesandt, hatte sie auf den Boden geschleudert.

Er beugte sich ein wenig zu ihr nieder und sagte über­redend:Comleßchen, Sie sind jung"

Jung!"--brauste sie entrüstet auf.

Und unerfahren."

Auch nicht unerfahren."

Sie wissen daher nicht," fuhr er unbeirrt fort,was für einen Eindruck es macht, wenn Sie vor fremden Menschen so so naiv sind. Bitte, denken Sie künftig daran."

Minnie sprang auf:Herr Baron, ich bin in dem Alter, wo man selbst weiß, was man zu thun hat."

Er wurde nun auch gereizt:Eine Dame muß vor­sichtig und zurückhaltend sein, Eomteß Adlersfeld, eine Dame hat gar keinen Muth zu haben, wenigstens in dem Sinne nicht. Es giebt Dinge, welche für Damen unmöglich sind, welche sie einfach nicht thun dürfen."

* * * *

Nicht thun dürfen unmöglich sind eine Dame hat gar keinen Muth zu haben" das schwirrte dem Eomtessel noch den ganzen folgenden Tag im Kopfe herum. Sie war sehr müde und sehr verstimmt.Erste Bälle sind lange nicht so nett, wie man denkt."

Ihr erster Ball hatte einen gräßlichen Schluß gehabt sie hatte sich mit ihrem besten Freunde, dem Baron Bern»

Locales.

(Nachdruck der Originalcorrespondenzen nur unter beuililet Quellenangabe gellattet.) Mcolra-err, k. Februar.

* Zur Eritttteeuttg. Selten wohl hat ein Fürst die Wechselfälle des Lebens in dem Maße keimen gelernt, wie Ali, Pascha von Janina, derschwarze Ali" genannt, ein Mann, der in unserer Zeit fast vollständig vergessen ist, vor Jben großen Ereignissen neuester Zeit aber auch in Deutschland noch vielfach genannt ward. Sohn eines mohammedanischen Häuptlings, wurde er nach abenteuer­lichsten und glücklichsten Kämpfen, nach Ermordung seines

Abend-Ausgabe.

Freitag, den 5. Februar

4) Daß bei dem Vorhandensein von 30 Kindern einer bestimmten Eonfcfsion der Regierungspräsident die Errichtung einer besonderen Schule dieser Konfession bei Znstimmnng der Gemeinde anordnen kann, bei 60 Kindern auch ohne diese Zustimmung anorduen muß. Durch solche Maßnahmen wird die Entwickelung unseres Schulwesens geradezu ge­hemmt, indem die Bildung und das Bestehen mehrstufiger Schulen erschwert und vielfach verhindert wird. In schroffem Gegensatz hierzu steht die Behandlung der Dissi- dentcn-Kindcr, welche auch gegen den Willen der Eltern an dem Religionsnnterricht einer anerkannten Eonfession Theil zu nehmen gezwungen werden können.

5) Daß die Kanteten bezüglich der Gründung von Privat­schulen beschränkt werden sollen. Es ist auch dies ein Zu- gestäudniß an die Wünsche des Centrums, dem dadurch, wie cs in Belgien geschehen, Gelegenheit geboten wird, wenn es ihm genehm oder nöthig scheinen sollte, den öffentlichen Volksschulen durch private Kirchenschnlen Concnrrenz zu machen. Bisher hatte sich der Staat bfe Entscheidung der Bedürfnißsrrge im einzelnen Falle Vorbehalten. Darauf soll jetzt verzichtet werden. Die practischen Bcdeitken dagegen sind so groß, daß der Hinweis auf das Prinzip der UnterrichtS- frcihcit durchaus nicht durchschlagend ist. Wir verstehen darunter bei Weitem etwas Aitdcres, als daß Jeder, der die Befähigung nachweist, eine Schule gründen kann.

6) Daß der Geistliche eine bevorzugte Stellung im Schulvorstande haben soll, indem er als LocalaussichtSbe- amtcr meist den Vorsitz zu führen hat. Die Bürgermeister erscheinen nur mit denHauSvätern" als Mitglieder des Schulvorstandes, unter Vorsitz des Geistlichen, eine Stellung, welche die Bürgermeister niemals annehmen können. Selbst der GoMer'sche Entwurf hatte, die Gemeindevorsteher zu Vorsitzenden des Schulvorstandes gemacht.

Der letzte Punkt insbesondere berührt schon die Be­schwerden wegen Beschränkung der Selbstverwaltungsorgane. Sie scheint uns ebenso schwerwiegend wie die Bedenken in confessioneller Hinsicht. Die Bestimmungen stellen einfach die Allmacht des Regierungspräsidenten fest, während die Gemeinde sowohl bezüglich der äußeren Schulverhältnisse, des Schulvermögeus, der Lehreranstellnug sehr wesentlich ungünstiger gestellt wird, als es nach dem gegenwärtigen Rechte der Fall ist.

eigenen Bruders, Besiegung mehrerer Paschas endlich selbst Pascha. Durch Bestechung zum Aufseher der Landstraßen ernannt, begünstigte er, um sich zu bereichern, das Rünbcr- unwesen und ward Statthalter von Rumclien. Nachdem er 1807 thatsächlich unabhängiger Tyrann von Albanien ge­worden, obschon er der Form nach jährlichen Tribut nach Konstantinopel entrichtete, zeigte er sich völlig im Gegensatz zu seinem bisherigen Leben und Thun. Er beförderte das Wohl des Landes durch Straßen-, Brücken- und Ackerbau, sowie durch Vernichtung der Räuberbanden nnd zeigte sich überhaupt westlicher Cultur geneigt. Insgeheim soll er auch mit Rußland und England Verbindungen angeknüpft haben, um sich ganz unabhängig von dem Sultan zu machen. Jedenfalls war diesem diewestliche Reform" am auffälligsten und so ging man denn gegen diesen geführ» lichen Mann der Civilisation in üblicher Weise vor; man garantirte ihm Leben, Besitz und freien Abzug und hieb den Vertrauenden am 5. Februar 18 22 einfach nieder. So endete Ali Pascha, ein Despot und rücksichtsloser Aben­teurer in dem Augenblick, als er die orientalische Eigenart westlicher Cultur opferte.

Coiumnnal - Landtag. Der Communal-Landtag des Regierungsbezirks Wiesbaden ist zum 15. März d. I. hierher be­rufen und der Königliche Negierungs-Präsident v. Tepper-Laski zum Stellvertreter des Königlichen Oberpräsidenten, StaatSininisters Grasen zu Eulenburg in Kassel in dessen Eigenschaft als König­licher Commissarius für diesen Communal-Landlag ernannt worden.

* Oart-rlskammer. Am 2. Februar tagte in Wiesbaden eine Versammlung von Weinhändlern des HandelSkammerbezirks Wiesbaden, um über den Entwurf eines Regulativs für die Zollbehandlnng von Verfchuittweinen zu berathen. Die erschieneueu Vertreter des Weinhandels waren dann einig, daß die im Entwurf vorliegenden Vorschriften in keiner Weise dem Wein­handel der hiesigen Gegend sich als nützlich erweisen werden, daß vielmehr diese Vorschriften auf den Großwcinhandel der nord­deutschen Stapelplätze, wie Hamburg, Berlin, Stettin, Danzig zu- aeHuitten seien.. Allenfalls werden danach noch einige Gegenden von Elsaß-Lothringen von dem ermäßigten Zollsatz für Verschnitt­weine -Nutzen haben. Die Versammlung sprach sich dagegen ans, datz die Untersuchung der Weine auf den Gehalt an Extraktiv­stoffen n. s. lo. erst nach der Ankunft der Weine in Deutschland vorgenommen werden darf, da damit nur Unsicherheit beim Handel mit' italienischen Weinen hervorgerufen würde. Die Untersüchung müßte schon in Italien durch von deutschen Consuln vereidigte Sach­verständige oder auf Grund von nach Deutschland gesandten Proben vor Versendung der Weine gestattet fein. Es wurde ferner für erforderlich anerkannt, daß als Zoll oder Steuerstelleu int Sinne der Bestimmungen unter Nr. 3 des Entwurfs die Orte Hochheim, Wiesbaden, Biebrich, Eltville, Geisenheim, Rüdcsheim, Atzmaunshausen, Lorch erachtet werden, und daß in andern Orten des Bezirks Zollbeamte zur Beaufsichtigung des Verschnitts den Interessenten ohne besondere Gebühren zur Verfügung gestellt werden. Für nothwendig wurde erachtet, daß im Regulativ aus­drücklich bestimmt wird, daß in unter Zollaufsicht stehenden Kellern Nachverschnitte von Weinen, bei welchen italienische Weine noch nicht bis zur höchstzulässigen Verschnittineuge zur Verwendung kamen, mit neuen italienischen Weinen bis zur höchstzulässigen Grenze zum ermäßigten Zollsatz von 10 Mark vorgenommen wer­den dürfen. Der im Regulativ geforderte Ursprnngsnachweis für die zum Verschnitt verweudeten deutschen Rothweme wurde für unausführbar bezeichnet. In ihrer Sitzung vom 3. Februar hat die Handelskammer Wiesbaden beschlossen, diese Beschlüsse, welche

Verlag: Langgasse 27.

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1892.

Sluzergen-Prcisr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige« 15 Pfg., für auswärtige Anzeige» 25 Pfg. Rcelameu die Petitzeile für Wiesbaden 50 Psg., für Auswärts 75 Pfg.

40. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». BezngS-PreiS: 8J Wiesbaden und den Landorte» nut Zweig» Erpeditione» 1 Mk. 50 Psg., durch die Post 1 1 Mk. 60 Pfg. für das Vtertestahr.

Zum UoUtsschttl-Gefeh.

Bedenken, welche von Seite der Mittelparteicn gegen MKttwurf des Volksschulgesetzes geltend gemacht werden, WAerHann. Cour." in nachstehender übersichtlicher Krise zusammen:

MDie Bedenken gegen das Gesetz lassen sich in zwei ßkWn zusammcnfasscn: 1) Die Uebertreibung der Con- WWalilät und 2) die Beschränkung der Selbstvcrwaltungs- Hme. Es handelt sich bei dem ersten Punkte keineswegs -U eine Bekämpfung der confcssionellcit Schule oder gar 'M eonfessiouellen Religionsunterrichts;, bett letzteren gMiren wir ohne Weiteres, über die Zweckmäßigkeit der aperen gehen die Bieinungen auseinander. Worüber aber tze Meinungen' nicht auseinander gehen, das ist die Zu- WWsung der Uebertreibung der Consessionalität, die «»entiich in folgenden Punkten zu Tage tritt:

7 1) Daß bei der Schlußprüfnug im Lehrer-Seminar der HlMhe Commiffar über die Amtsfähigkeit des Schulamts- Wrantcn entscheidet. Wenn der Commiffar sein Veto tinlcgt, so kann der Candidat nur ein Zeugnißohne Be- ßhigung für den Religionsuiitcrricht" erhalten. Er ist tan tut Lehrer minderen Grades und wird bei dem aus- tchrägl eonfessiouellen System überhaupt kaum eine An- bekommen. Dieser Commiffar wird aber nicht vom Wate zugezogen oder ernannt, sondern die Kirchenbehörde MMschof) entsendet ihn aus eigenem Rechte. Die i-W^ükchöcde. nicht der Staat ist also die entscheidende °^Wfür das Schicksal der Lehrer. Daß diese wie alle ,WS Concessionen einen verschiedenen Sinn hat gegen- 8a der evangelischen und gegenüber der katholischen Kirche, P selbstverständlich.

WhDaß die Stellung des Geistlichen zum Lehrer bezüg- 3Q8 Religionsunterrichts völlig unhaltbar wird. Der Wche soll nicht nur dem Unterrichte beiwohnen, die aSfc examiniren, den Lehrer mit Weisungen versehen «Ba, sondern die kirchliche Oderbehörde soll befugt sein, WMernehmen mit dem Regierungspräsidenten, den Gcist- NW^mit der Ertheilung des Religionsunterrichts zu be- MK" Welche Stellung der Lehrer dadurch in der Gc- M"de und den Schulkindern gegenüber erhalten würde,, Mi nicht weiter ausgeführt zu werden; ebenso ist eine Me!Maßnahme pädagogisch um so verkehrter, je mehr man

1 Religionsunterricht als den Kern und Mittelpunkt des Wn Unterrichts ansieht.

Daß neue Schulen nur auf eonfessioneller Grund- M.michtet weiden sollen, wodurch die Simultanschulen, Vieler Ueberzeugung und in manchen Gegenden MMensreich ivirken, auf den Aussterbeetat gesetzt werden; B- konfessionell eingerichteten Schulen nur Lehrer der Wenden Confessio» beschäftigt werden dürfen, waseiner- p«ttchaus nicht nothwendig ist, andererseits für die WP mancher Lehrer verhänguißvoll werden müßte.