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Äfeensi-Ausgabe

1892.

Freitag, den 29. Januar

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Magenmangel ans den Eisenbahnen.

W-n. Frankfurt tu M>, 27. Ian.

)te Klagen über den Wagenmangcl auf den Eisen- sind ein alles Thema der Zeitungen. Alljährlich

t sich dieser Mangel im Winter in störcndster Weise m und regelmäßig wiederholen sich dann die Klagen mi Bahntransport intcressirten Publikums. Es soll tzilkannt werden, daß von Seiten der Bahuverwaltungcn herlei zur Bekämpfung des Wagenmaugcls geschehen man hat den Fahrpark vergrößert und die Tragfähig- oon ca. 30,000 Güterwagen auf 15 T. erhöht; iudeß «mit der Maugcl noch keineswegs aus der Welt gc- st und die Forderungen auf fortgesetzte Besserung des ffandes sind nur zu berechtigt.

Kir möchten nun darauf hiuweiseu, daß die Bahn- mliungeu in der Lage sind, durch einen einzigen Fedcr- ) eine' ganz erhebliche Besserung herbeizuführen. Eine iche Verfügung würde nämlich genügen, um die bahn- Miche Nevisiou der Güterwagen in den Hcimalhswcrk- en, d. h. den Werkstätten des betreffenden Bezirks der selüerwaltungen zu beseitigen. ZurNevisiou" der M gehören das Abnehmen der Achsen, Lager und ent, sowie die nothweudigeu Ersatzleistungen bezw. Aus- Azmgcn. Solche Arbeiten machen sich jedoch durchaus t in jedem Falle und bei jeder Revision erforderlich, h. sie indes; nöthig, so werden sie in jeder Eisenbahn- kstäue, mag sie in Ostpreußen oder Rheinland, in smern oder' Bayern liegen, in vorschriftsmäßiger Weise geführt werden können, wenn auch wohl gerade nicht so feil als in den Heimathswcrkstätten. Daß Ersparungen tz die Ausführung der Revision in den Heimathswerk- K gemacht werden, kann man ruhig zugeben, was steht Wesen Ersparungen, welche in einem Jahre sicher nicht die Millionen gehen, gegenüber?

Nach genauer Feststellung bewegen sich innerhalb des Mverband-Gcbietcs durchschnittlich ungefähr 75 pCt. Ältlicher Güterwagen beständig außerhalb des mthsbezirks. Zum Zwecke der Revision muß bet bestehenden zweijährigen Revisionsfrist all-

Kch fast s/s des Güterwagenparks den Heimaths- kftätieu zngeführt werden. Nimmt man nun jeden Wagen nur die zulässige dicnstlose Zeit von drei chen an, so berechnen sich die durch natürlich leere Revisionsfahrten täglich dem Betriebe entzogenen Wagen mindestens 1500 Stück. Um wenigstens 1500 Wagen sich würde also die Leistungsfähigkeit des jetzigen Wagen- kes erhöht werden, wenn man den Heimaihszwang, der t ein starker bureaukratischer Zopf ist, aushöbe! Des Ken, auf dem Papier vielleicht nachweisbaren, oben er­sten pekuniären Bortheils wegen sollte die Bahnver- Kmig sich doch nicht länger den Nutzen von vielen Äonen entgehen lassen. Wir wüßten nicht, daß der Hebung des Heimathszwangcs betriebstechnische oder

ßornles.

(Nachdruck derOrigiualcorrespsndenzen nur unter btutlü.er Quellenangabe gestattet.) Wiesbaden» 29. Januar.

* Zur Eririuerttng. Am 29. Januar 1860 starb zu Bonn ein deutscher Patriot, Schriftsteller und Dichter, der in seinem langen Leben sehr viele, schöne und trübe Erfahrungen gemacht hat, der nach allen Anfeindungen jetzt einen hervorragenden Platz unter den ersten Männern Deutsch­lands einnimmt, Ernst Moritz Arndt. Er war es, der in der Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschlands, in den Jahren 1806 bis 1813, durch zahlreiche Flugschriften und Gedichte gegen die Napoleonische Fremdherrschaft auflrat und, von Napoleon geächtet, flüchten mußte. Er war cs aber auch, der später, uachdcm der Feind überwunden, nach­dem wieder Ruhe ciugckehrt war, für Bolksfreiheit und Deutschlands Einheit eintrat, der da meinte, daß die großen Opfer an Gut und Blut, die daS Volk gebracht hatte, nicht allein gebracht worden, um der Karle Europa's eine andere Gestaltung zu geben. Damals aber, in der sogenannten Demagogeltzeit, wurden alle volksfrcundlichen Bestrebungen verfolgt und so mußte er zwanzig Jahre laug auf die Aus­übung seiner Professur in Bon» verzichten. Später ist Arndt auch Mitglied der deutschen Nationalversammlung gewesen und er gehörte zu der Deputation, die dem König Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone anbot. Zahlreich sind die Schriften Arndts, seine Gedichte sind heute noch viel ver­breitet. In Bonn ist ihm ein Denkmal gesetzt worden.

40. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: cL Wiesbaden und den Landortcn mit Zweig- Expeditionen 1 Mk. 50 Pfg., durch die Post

. b i Mk. 60 Pfg. für das Vierteliahr.

Verlag: Langgasse 27.

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sonstige Gründe entgegcnstehen. Jeder auf der Fahrt durch I einen Zusammenstoß, durch Entgleisung oder Radrcifen- und Achsenbruch beschädigte Wagen muß ja auch in der zunächst gelcgcucil leistungsfähigen Werkstäite ausgebessert werden. Welchen Sinn hat da noch die Revisionspflicht in den Heimathswcrkstätteli? ,

Auf anherdeutschen Bahnen kennt man den Heimaths- zwang nicht und welchen Vortheil man dadurch vor deu deutschen Eisenbahnen l ct\ läßt sich au der Hand des Be­richts des Vereins der deuischen Eisenbahn-Verwaltungen über die Bciriebscrgebnisse im Jahre 1889 leicht nachweisen. Von der Gcsammtleistnng in Zngkilomctern kamen bei den deuischen Bahnen 5,60 pCt. auf die Leerfahrten, bei den österreichisch-ungarischen Bahnen 4,31 pCt., bei den übrigen Bahnen des Vereins sogar nur 3,27 pCt., also 2,39 pCt. weniger als bei den deutschen! Der durch Ab­schaffung des Hcimathszwanges zu erreichende Gewinn ließe sich noch erhöhen, wenn man die Revisionsfrist von zwei auf drei Jahre verlängerte. Einer solchen Verlängerung stehen nach den diesbezüglichen Erhebungen, die von einer Einzelverwaltuug angestellt worden sind, Bedenken nicht entgegen.

'Wir empfehlen also Abschaffung des Hennathszwangev und Verlängerung der Revisionsfrist, wodurch sowohl Re Eisenbahnverwaltung als auch die Geschäslsivelt viele Millionen gewinnen und die Klagen über den Wagcn- mangel auf den Eiscubahueu vorläufig verstummen würden.

Marianne, der Himmel ist über uns! wir haben nichts verbrochen. Er wird cs lenken, wie es am besten ist! Jetzt aber gehe mit Gott, und blicke nicht rückwärts, wie Du gesagt hast."

Sie gab mir die'Hand und schritt in die Nacht htuaus dem Ufer entlang, »meine Fahrgelegenheit nach Köln zu finden. Ich warf mich in meinen Kahn, den ich nach der Stelle trieb, wo ich Anton das letzte Mal hatte auftauchen sehen. . Die Nacht war völlig hereingebrochen; doch trat der Mond ans den Wolken und beleuchtete klar die ruhelose Waffcr- wüste. Die Stücke Eis wälzten sich in wilder Hast eines über das andere, vorbei hinab. ,

Ich suchte, spähte. Es stöhnte und ächzte m dem Wasser! Das Boot krachte, und Töne drangen an mein Ohr wie Todcsklagen. Ich rief nach Anton, strengte Augen und Ohren an, daß mir keine Bewegung von nah und fern entging. War's da nicht wie eine Bewegung im Wasser? .... Drang nicht ein Hilferuf au mein Ohr? ... Da _ dort cs tauchte etwas Weißes auf, ein Arm ein Kopf! .... Als ich hinznstencrte, danach griff, war es Schaum. So äffte mich's eine Stunde und darüber. Ich hörte nichts als klagende Töne, sie schienen aus dem Wasser herauf, ans der Luft herab zu dringen. Dabei verstrickte sich mein Nachen im Eise, daß ich Muhe hatte, ihn heraus­zuschaffen. Körper und Hände erstarrten ich verlor die Kraft, das Ruder zu halten.

Ich wandte ntich zur Heimfahrt.

Herr des Himmels, habe Erbarmen, und lasse ihn ge­rettet sein!" rief ich, die Hände flehend zum Himmel er­hoben. Bei meiner Ankunft am jenseitigen Ufer bemertte ich, daß mir Stock und Mütze fehlten. In meiner Auf- regnng hatte ich sie in der Felsenspalte liegen lassen, ^etzt zurückzukehren war mir aber unmöglich.....Das Ent­

setzen hätte mich getödtet. . . . Einen der folgenden Tage

-o- Im RrichsstaUerr-Theater wird die Fest-Vor- ftcllung, inebefenbere das mit vielem Beifall ansaenommene Tablcanx' nebst Prolog, nicht, wie es in Folge ZnrückstelleiiS des bctr. Berichts in der heutigen Morgen-ÄuSgabe heißt, morgen, onderu heute, Freitag Abend wiederholt.

(*) Uortrag. Zum Bellen de? MädchenheimS hielt am Donnerstag Abend Herr Pfarrer Leydhecker ans Frankfurt a.M. seinen zweiten Vortrag. Drei Lebensbilder ans der Zeit des wiedererwachenden GlaubenSlc5cuS zu Anfang dieses Jahrhunderts ührte er den Hörern vor: Klaus HarmS, Joh. Falk und Joh Geßuer. Diese Männer, von denen der erste hauptsächlich den lebendigen Glauben, der ziveite das werkthätige Christenthum, der dritte die innige Liebe verkörpert, ergänzen sich gegenseitig, wie verschieden auch ihre Geistesrichtung sein mag. Klans Harms, ge­bleit 1778 zu Fabrstedt in Hotstein, wurde von seinem Vater, der Müller war, zu dessen Handwerk bestimmt. Als der letztere >edoch gestorben und die Mühle verkauft war, entschloß er sich, Theologie zu studiren. Er ging nach Kiel, damals eine Hochburg des Ratio- ualiSmus. Doch machte sich die Einwirkung von Schleiermacher s Neben damals überall geltend. Nach vollendeten Studien wurde er zunächst Hauslehrer und später Prediger und daun Probst an der Nikolaikirche in Kiel. Berühmt war er durch die Friedens- Predigt 1815 geworden, in welcher er von dem Krieg nach dem Krieg oder dem Kamps gegen den Laiidesseiud gesprochen. Die Unter­suchung der von ihm gerügten Uebelstäiide führte zur Abstellung der­selben/ Zur 300-jährigen Jubelfeier der Reformation 1817 gab et Luthcr's Thesen neu heraus, mit einem Anhang von 95 weiteren Thesen, die meist gegen den herrschenden Unglauben gerichtet waren. Mehr als zweihundert Streitschriften, meist in gegentheiligein Sinn, felgten dieser Arbeit. Zn der in diesem Jahre vorgenoiumenen Union der verschiedenen Landeskirchen nahm er ebenfalls auflS Entschiedenste Stellung. 1819 bot man ihm das Amt eines Bischofs aller lutherischen Kirchen Rußlands au; er schlug es aus und ebenso 1834 den ehrenvollen Ruf nach Berlin als Nachfolger Schleieimacher's. Nachdem er 1848 in deu Ruhestand getreten und ein Jahr später vollständig erblindet war, führte ihn ein sanfter Tod 1855 aus der streitenden Kirche in die triumphirende. Joh. Falk kennzeichnet seinen Lebciisgang selbst sehr deutlich in den Worten: /Ich wurde aus dem Sathriker ein Dichter, dann ein Naturforscher, Sann ein theoretischer und endlich ein praktischer Christ Er war 1768 zu Danzig geboren und die Rathsherreu seiner Vaterstadt verschafften ihm die Mittel znm Studium. In Halle widmete er sich den Naturwissenschaften und der Philosophie und kam spater nach Weimar, wo er Göthe und Schiller fennen lernte. Sein religiöses Leben stand hier auf dein Niillpimkt; doch führte ihn die große Zeit von Plato zu Augustin. Bei der Eintreibung der französischen Kontribution leistete er die Dienste eines Dolmetschers, wobei er reichlich Gelegenheit sand, seinen Landsleuten die schwere Last zu erleichtern. Er wurde der Gründer der Rettungshäuser für verwahrloste Kinder, und der Kiiider-Bewahranstalteu und hat sich ans diesem Gebiet neben Wiehern einen bleibenden Namen gemacht. Er starb 1820. Sehr bekannt und viel gesungen ist sein Festtagslied:Oh du fröhliche". Auch an den katholischen Theologen ging der Zug der Zeit, die Erweckuiig zum Glauben an die freie Gnade Gottes nicht sviirlos vorüber. Da ist vor allen Anderen Joh. Michael Sailer zu nennen, zu dessen eifrigen Jüngern Joh. Goßuer gehört. Letzterer, ein Süddeutscher, geboren 1778 zu Augsburg, besuchte das Gymnasium der Jesuiten zu Ingolstadt. Bekannt und berühmt wurde er durch eine neue Uebersetznug des neuen Testaments, von der m »entgelt Jahren 60,000 Exemplare verkauft wurden. Sem geistliches Amt vertauschte er mit der Stelle eines Religionslehrers am Gymnasium in Düsseldorf, war dann nach einander in Petersburg, Leipzig, Beuthen, Berlin. In Beutheu war er 1826 zur evangelischen Kirche übergetreten. In Berlin wurde er der Gründer des Mamier- Krankeiivereiiis; später entstand auf seine Anregung auch em solcher für Frauen und eine Bewahranstalt für Kinder. Auch ber äußeren Mission wandte er seine Thätigkeit zu und sandte zahlreiche Mispouare zu den Heiden in alle Theile der Erde. Er starb 1859.

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auf die harten Felsen. Ich bemühte mich um sie, bald auch kam sie wieder zu sich. ~ t ...

Im Wahnsinn der Angst rang sie die Hande und rief zum Rheine hinab:Anton, wo bist Du? Sprich, sprich, wo bist Du?" t t

Abermals beugte ich mich über den Rand des Felsens. Gleichmäßig trieb das Eis den Rhein hinab es war nichts mehr von dem Schwimntenden zu sehen. Auch am Ufer ließ sich nichts entdecken. .

Er ist gereitet!" sagte ich, in der Ucberzeugung, daß es so war, erleichtert anfathmcnd.

Seht Ihr etwas! Meine Augen versagen den Dienst.

Er muß gerettet sein! War er doch so nahe dem Lande, als wir ihn das letzte Mal sahen. Sicher hat er seinen Kahn erreicht und ist auf dem Nachhauseweg. Denk fetzt an Dich selbst, Marianne. Du blutest und bist Vvm Thau bis auf die Glieder durchnäßt."

Ich führte sie den Berg hinab, sie konnte kaum gehen. Ihre Zähne schlugen aufeinander, und rnanchmal schluchzte sie in fassungslosem Jammcrruse laut auf.

Willst Du nicht nach Hause?" fragte ich voll Mitleid.

Ich habe kein Zuhanse mehr, Marlin. Für mich ist alles aus und vorbei! Ohnedem habe ich alles für meine Abreise vorbereitet. Wenn ich mich beeile, treffe ich in Köln mit den Auswanderern zusammen. Ich will mich mit ihnen einschiffen und nicht mehr nach rückwärts sehen."

Ich werde Dich eine Strecke begleiten."

",Thut es nicht," erwiderte sie eifrig,sucht lieber nach Anton; vielleicht liegt er am Ufer erstarrt und bedarf der Hilfe. Sagt ihm, wenn Ihr ihn seht, daß ich ihm ver­gebe, daß er in Zukunft von mir unbelästigt bleiben solle. Gott Gott! wie furchtbar war sein Fall, zogs ihn nicht hinab? Marlin, Martin! O, wär' ich statt seiner in der Tiefe!"

Nachdruck verboten.

Die Geistermühle.

Rheinische Novelle von Julius Jiasch.

(9. Fortsetzung.)

/»Sermalebeiier Mörder, halte ein!" tief ich, Marianne aS£nb und sie znrückziehend von dem Abgrunde, dem sie vcrhängnißvoll nahe gekommen.

Milon ließ seine Beute los und starrte mich mit entsetzten St® an. Er verlor Fassung und Festigkeit und taumelte Ich sah feilten einen Fuß über dem Abgrund schwanken, »ftlvr das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in die Tiefe W die Fluth.

Marianne drängte mich von sich hinweg und mit dem A-islungsvollcn Ausruf:Jesus Maria, der Anlon!" W_sie eine Bewegung, ihm nachzustürzen.

W hielt sie fester.Fasse Dich, Du kannst ihn nicht W und verdirbst Dich selbst!"

liegt an mir!" jammerte sie.Haltet mich nicht, «Wchaltet mich nicht! Soll er verderben, so laßt mich 3® sterben!"

umklammerte sie in Todesangst.

iWsdeiike, Du hast eine höhere Pflicht! Du darfst tobten. Ohnedem schwimmt Anton wie ein Fisch; sich retten."

nach dem Strome. Mariannens Blicke folgten n^uiigtn.

rief ich voll Freude,wie er schwimmt und Wasser zusteuert! da hier hier wieder! Er taucht "ne kleine Strecke und er hat das Land erreicht!" ^Marianne verließen die Kräfte. Sie blutete aus mehreren denn des Unholds Nägel hatten ihren Hals und «ne verletzt. Sie sank zurück und ihr Kopf schlug