Abend-Ausgabe.
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icsbdiinirr ® anblatt
Slnzeigen-PreiSr
40. Jahrgang.
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1892
Mittwoch, den 27» Januar
zugleich Transport-
Folge dessen
Ich verfuhr nach meiner Rückkehr, wie sie es gefordert, und vergewisserte mich, daß der Brief auch richtig von ihm angenommen wordeit war. Wie es weiter gehen würde, konnte ich nicht errathen; aber es ließ mir keine Ruhe, und ich vermochte den Ort nicht zn verlassen, ehe ich wußte, wie Mariannens Schicksal sich gestalten würde.
Obgleich ich alle näheren Beziehungen zwischen uns als für alle Zeiten abgebrochen betrachtete, konnte ich incin Herz nicht zum Schweigen bringen. Mein ganzer Haß warf sich auf ihren Verführer, den ich auch weiterer schmachvoller Handlungen für fähig hielt. Ihre Absicht, nochmals mit ihm zusammenzutrcsfen, erschien mir als ein Wagniß, das ich sie nicht unbewacht unternehmen lassen wollte. Sie dänchte mir so sehr des Mitleids, des Erbarmens, der Hilfe werth, daß alle Vernunft und Vorsicht vor dem allmächtigen Gefühle, ihr, wenn nöthig, schützend zur Seite zu stcheil, zurücktrat. So nahni ich mir denn vor, Anton nicht aus den Augen zu lassen, und legte mich auf die Lauer. Wer in der Mühle aus- und einging, wurde von mir mit Fragen bedrängt. Ich erfuhr, daß seine Brant dort anwesend sei und er seitdem das Haus uicht mehr verlassen habe. Später theilte mir ein Müllerknecht mit, daß seine Verlobte den folgenden Tag abreise, und daß Anton beabsichtige, sie zu begleiten. Wer weiß, dachte ich — vielleicht ist jetzt der Augenblick gekommen, wo er Mariannens Wunsch erfüllt. — Ich begab mich an den Rhein und nahm an der Stelle, wo das Müllerboot lag, einen versteckte» Stand ein. Ich wartete einen ganzen Tag — er erschien nicht. Auch erfuhr ich später, daß er erst auf den folgenden Abend sein Pferd in das Wirthshaus bestellt habe.
Wieder begab ich mich auf meinen Posten, versicherte mich aber zuvor eines Nachens, den ich in der Nähe des Müllerkahns am Ufer befestigte. Es war ein grauer, un-
hergestcllt, wie die gewöhnlichen Leitungsröhren, so daß das Verlegen mit altgewohnten Arbeitskräften erfolgen kann. Zur Zeit kann die Firma gleichwandige cylindrische Röhren bis zu 400 Millimeter Wandstärke Herstellen, in vier bis sechs Wochen aber wird ein Apparat zur Aufstellung kommen für Blaße bis 600 Millimeter. Das Rohr der Zukunft wird allerdings nicht das gleichwandige, sondern das mit wechselnder Wandstärke fein, und Röhren dieser Art will Mannesmann vor Allem auch als Kcsselrohre einführen; man will diese Rohre an der Feucrbuchsenstärke, wo sie leicht abzuändern, einfach verstärken und so die Haltbarkeit erhöhen. Die Nachfrage nach blanken, calibrirten Röhren für Velocipedbau und dergleichen ist zur Zeil so stark, daß der Bedarf nicht gedeckt werden kann. Rohre dieser Art übersteigen die englischen Rohre sowohl an Festigkeit, wie Dehnbarkeit. Das Mannesmann'sche Werk in Remscheid fabrizirt vor Allem Stahlröhrcn für Werkzeugzwecke und für Locomotivbnchsen und Bolzen. — Auch die Kunstschlossern benutzt die Mannesmannrohre, um die zierlichsten Sachen, Armleuchter, Kugeln, Knospen, Körbchen und dergleichen daraus zu schmieden. Außer Stahlrohren fabrizirt Mannesmann auch Aluminiumrohre, u. A. auch solche mit orna- meutirtcn Außenflächen.
gelegenen Kupferwcrk überführt. In Südamerika und zwar in den Salpetergegenden sind vom Mannesmann-Werk Wasserleitungen mit Hochdruck ausgeführt. In Folge der höheren Festigkeit der Mannchmanuröhren (50 bis 60 Kilogramm Pro Quadrat-Kilometer bei gelvöhnliehen Lcitungs- röhren und 70—100 bei Qualitütsröhren gegen 30—40 bei geschweiften Röhren) kann auch hier das Gewicht verringert werden, was namentlich für den überseeischen Markt und bei Landtransporten in überseeischen Ländern wesentlich in Betracht kommt. So betrugen in einem bestimmten südafrikanischen Fall allein die Landtransportkosten für 100 Kilo 30—100 Mk. und jetzt ist man mit einer Lieferung beschäftigt, die über die Anden gehen muß, wo nur Lamas verwendet werden können. Die Festigkeit der Manuesmann- röhren kommt bei dem überseeischen Transport nicht minder zur Geltung. Bei einer int Vorjahre erfolgten größeren Lieferung von belgischen gußeisernen Röhren nach Südamerika veranlaßte ein Sturm einen Bruchschaden von 54 v. H. und bei einer Lieferung aus Glasgow kamen sogar 65 °v. H. zerbrochen in Glasgow an. Mannesmannröhren brachen auf Transporten überhaupt nicht, wegen der beim Walzprozeß _ herbeigeführten gewebe- artigen Znsammensügung der Fasern. Der Redner konnte verschiedene Proben vorlegen, aus denen hcrvorging, wie gewaltsam mau die ManneSmannröhren biegen und behandeln kann, ohne daß sie einen Bruch geben. Die Leitungsröhren werden mit Bluffen und auch sonst in derselben Form
Hi, Bedeutung der Munnesmunn-Rohre.
. Mir die neuere großartige Entwickelung der Industrie Mannesmann-Rohre sprach in der letzten Sitzung der Mytcchnischen Gesellschaft in Berlin der Dircctor des Ber- Et Centralbureaus der Manncsmann-Röhrenwerke, Jn- Eyn- Krause. Die „Tgl. R." berichtet nach dem iittcr- Ktcn Vortrag das Folgende: Man ist in letzter Zeit ^Wahrhaft erstaunlichem Erfolg bemüht gewesen, die Er- in das praktische Leben und in die Massenfabrikation gSiilircit. Mancherlei Schwierigkeiten waren dabei zn IStaBiubcH, es galt, sich einen Stamm geschulter Arbeiter ^Mgzubildcn, auf Vervollkommnung der Walzmethode hin- KSeiteit, die eine möglichst mathematisch genaue Krcis- Efes mib gleichmäßige Wandstärke sichert, und cs galt vor die Herstellung des Rohmaterials, der rohen Stahl- Mc' zn verbessern. Da jede GaSblase oder sonst zweifel- M Stelle im Stahlblock beim Walzen sofort einen Bruch MU hatte man zuerst bis 80 v. H. Attsschuß, jetzt ist ^Minfolge der auf Verbesserung des Rohmaterials hin- ■Ejben Bemühungen des Herrn Reinhard Mannesmann Mw dieser Beziehung zu absolut normalen Zahlen ge- Men, hat bei dem Verfahren aber zugleich den Vortheil, ^Mangelhaftes Material gleich beim ersten Prozeß und ^Mt, wie in vielen anderen Industrien am Schluß der ^^Mtiou ansgeschieden wird. Die Anwendbarkeit der Mnesmann-Rohre ist nun eine unendlich vielseitige gc- ■fa und tagtäglich eröffnen sich neue Gebiete. Von der MSpitze einer Injections spritze bis zum Kanoncn- whr stärksten Kalibers giebt es keine Rohrdimcnsioneit, KSt herstellbar sind. In wahrhaft großartiger Weise ■Hl in den letzten l'/s Jahren die Herstellnug von WUrischem Bedarf entwickelt. Während die Herstellung MÄuzigen jener großen Stahl geschosse für Blarine- M Bclagcrnngszwecke nach dem alten Ausbohrverfahren Mvollen Arbeitstag erforderte, liefert jetzt ein einziger WEmann'scher Walzapparat im Laufe eines Tages Äsend solcher Stahlgeschosse und bei Tag- und Nacht- Tßogar bereit 2000. Gleichfalls hoch entwickelt ist die Migung von Geschützrohren und Gewehrläufen und von Hvandigen Rohren für Gewehrmäntel. Die letzteren Hm aus den besten Marken Von Werkzcugstahl herge- U und gaben bei der früheren Fabrikation 50 v. H. Muß, während jetzt nur 5 v. H. Ausschuß wird. Auch Bezug auf die Fabrikation von Stahllanzen fleht die Wwesmatm-Jndustrie, sowohl was Güte und Preis- vürdigkci, anbetrifft, wie auch bezüglich der für Kriegs- Mrml besonders wichtigen Schnelligkeit der Lieferung nn- ^iicht da. Eines der interessantesten Verwendnngsgebiete ^M.Ersatz von Deichseln, Wagebalken, Drh Bhen n. bjL durch Stahlrohre. Schon seit längerer i ist die Heeresverwaltung davon abgekommen, für den hölzernes Material dieser Art zu verweuden, ^^Was Kriegsmat:rial viele Jahre lang nnbeuntzt liegt, '-•***• morsch wird und im Gebrauchsfalle versagen kann.
^Nachdruck verboten.
Die Geistrrmiihle.
Nheinischc Novelle von Julius Rasch.
(7. Fortsetzung.)
verringern sich
und Anfstellungskosten. Für die kleinasiatischeu Eisen- Telcgraphenstangen
Die jetzt als Ersatz eingeführten Mannekmannrohr-Wage- bälken und Ortscheite haben elliptischen Querschnitt, und an der Stelle, wo die Zngrichlung liegt, größere Wandstärke. Das Geivicht ist nun */a der hölzernen, 1la der massiv geschmiedeten, die Festigkeit die vier- bis fünffache. Die neuen Deichseln sind vorn nur 21/«, hinten 4'/s Millimeter dickwandig, wiegen 1 Kilo weniger als Deichseln ans genietetem Gnßstahlblech, tragen aber nicht 450 Kilo wie diese, sondern 600 Kilo, und wenn sie 3 Kilo schwerer gemacht werden, sogar 875 Kilo. — Ein außerordentlich interessantes Fabrikationsgebiet ist das der Telegraph en - stangen. U. A. hat die deutsche Postverwaltung für Ostafrika große Posten solcher Stangen bestellt; ^dieselben sind noch 1!a Meter länger, als die sonst üblichen, wiegen aber nur 30 statt 55 Kilo; in
bahnbanten sind bereits 7000 _
bestellt worden; auch Holland, das bisher englisches Fabrikat für seine Colonien verwendete,
hat jetzt bei Mannesmann bedeutende Posten bestellt. In der Herstellung von Letlungsröhren hat das Werk in den letzten anderthalb Jahren nicht minder beachtenswerthe Erfolge erzielt und zwar namentlich bei H o ch d r u ck I e i t u n g e n. So ist im Kankasus für Siemens und Halske eine Hochdruckleitung von 23,000 Meter Länge verlegt, die Petroleum mit 100 Atmosphären Druck in Stahlröhren von 10 Zentimeter Weite und 6 Millimeter Wandstärke nach dem hoch-
Egjfy erst ward mir klar, daß er mich nicht mehr liebe; W>^ute, daß er mich wohl niemals mit echter redlicher B**1# geliebt habe. O, Martin, handelte es sich nur ich wollte ihn ja nie mehr sehen. ... So aber HS uh andere höhere Pflichten, die mein gekränktes Ge- Schweigen bringen müssen. Ich weiß, was es volle gesetzliche Anrechte ins Leben zu treten. .. es durchgemacht und möchte davor — das Leben zu dessen Schutz mich die Natur verpflichtet hat. ES meine Sühne — ich darf dabei nicht wanken. E*”-d) sicher, daß seine alte Neigung, wenn ich ihm Übertrete, aufs Neue erwachen wird. Gewiß läßt er ^^Muhigen, da eS mehr Schwäche, mehr der Einfluß der als Schlechtigkeit, was ihn so herzlos erscheinen weiß cs noch, was ihn rührt, nachgiebig stimmt. KgjL’, Wen», ich mich früher freute, int Guten auf ihn muß ich jetzt diese Mittel auwenden, zur Rettung Beiden. . . . Mein Plan ist, ihm der Groß- mitzutheileu und zu sagen, daß ich gesonnen Handelsleuten nach Amerika auszuwandern. Er ^^^Kpurd) diese Nachricht gesichert fühlen, und nicht M kommen. Ihr Martin, könnt ihm freilich nichts Er fürchtet Eure Zeugenschaft und Eure M ducht deßhalb einen verläßlichen Boten, der ihm e® schreiben übermittelt, dabei aber weder Euch El* *5c.nnt- Seid versichert, auf diese Art werden W Wunsche erfüllen.«
* _ »
Kocales.
(Nachdruck dcrOriginalcorresporrdertzen nur unter beutüler Quellenangabe gettattet.) Wiesbaden, 27. Januar.
* Zur Grittnrrmrg. Wenn schon noch an besonderer Stelle heute des deutschen Kaisers gedacht wurde, so erscheint es doch angebracht, auch hier des Geburtstages Kaiser Wilhelm II. nm 2 7. Januar zu gedenken. Stark und kraftvoll steht des Kaisers Majestät vor dem deutschen Volke, das ihm auch heute in vieltauscndstimmigem Jubelruf seine Glückwünsche spendet. Auch im vergangenen Jahre hat Kaiser Wilhelm im Sinne der beiden großen Aufgaben gearbeitet, die er sich gestellt: für die Erhaltung des europäischen Friedens und für den Ausgleich der Gegensätze' im inneren Reiche, Nach wie vor erfreuen wir uns der Segnungen des Friedens und auch auf sozialem Gebiete sind, dank dcr Beharrlichkeit des Kaisers, mancherlei Verbesserungen geschehen ober in Vorbereitung. Und wenn auch nicht immer sofort und rasch das Bessere in die Erscheinung tritt, mit der Zeit werden cs auch die Ungläubigen und Kleingläubigen gewahr. Wir Alle aber, wie jeder wohlgesinnte Staatsbürger, können unsere Verehrung für den kaiserlichen Herrn nicht besser zum Ausdruck bringen, als daß wir seine Bestrebungen unterstützen und seinem Wnusche gemäß auch an unserem Thcile beitragen zu jenem Ausgleich dcr sozialen Gegensätze, auf dem die Ruhe und Ordnung des Staates sich anfbaut.
-o- Znr frier des Allerhöchste» Geburtstages Keiner Majestät des Kaisers und Königs ertönte gestern, am Vorabend des nationalen Festtages, von den Thiinnen der evangelischen und katbolischen Kirchen von 6 bis 7 Uhr Glockengcläu te. Zur selben Stunde stammte an der Hanptsacade des neuen Rath- hanses eine effectvolle Beleuchtung auf, welche heute Abend heimlicher Tag. Bleiern senkten sich die Wolken hernieder. Der Rhein ging hoch und eine schlammige, schmutzige Wassermasse trieb, mit Eisstücken untermischt, in rascher Strömung thalabwärts. Es war ein Wagniß hinüber zu rudern; und unteruahm's der Müller, so war sein Eifer groß, mit dein Mädchen itt’S Klare zu kommen. Den» daß er sich ihren Wünschen fügen werde, glaubte ich nimmermehr. Die Verzweiflung trieb Marianne zu diesem letzten gewagten Schritt. ‘ Einen Erfolg konnte ich mir davon nicht versprechen.
Ans meiner Betrachtung wurde ich durch einen raschen Schritt erweckt. Emporblickend erkannte ich den Müller. Er spähte vorsichtig umher und bestieg erst, nachdem er sich überzeugt, daß er allein war, den Kahn. Bald sah ich ihn die Richtung nach dem jenseitigen Ufer einschlagen. Als er eine weite Strecke entfernt war und ich annehmen konnte, daß er nicht rückwärts schaue, bestieg ich gleichfalls meinen Rachen, um ihm aus geraumer Entfernung zn folgen. Ich sah, daß er seinen Weg nach dem Orte nahm, von dem mir Marianne gesprochen. Es war ein Felsvorsprung, welcher sich senkrecht aus dem Rheine erhob. In früheren Jahren hatte ein Naturfreund seine obere Fläche ebnen und einen schmalen'Fußpfad zu demselben hinauf in den Felsen hauen lassen. So diente er beim jetzt als Aussichtspunkt. Anton landete an der Stelle, wo der Pfad begann und stieg zu dem Plätzchen hinauf. Ich ruderte jetzt gleichfalls an's andere Ufer und kletterte auf Händen und Füßen zu einem Felsen- Einschnitt empor, der mir den Ausblick auf den Ort des Stelldicheins von oben her gestattete, während die unten Stehenden mich nicht erblicken konnten.
Marianne und Anton waren schon im Gespräch begriffen. Anfänglich wurde es mir schwer, ihre Worte zu verstehen, so wild tobte die Brandung an den Felsen. Je heftiger aber die Leidenschaftlichkeit ihres Gespräches anwnchs, um
