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Die Schule tu Fvaukretch.

A.Wer bei Sadowa siegte, daZ war der preußische Schul- WMr," dieses Wort, geflügelt wie es geworden ist, hat WM» Lauf durch alle Länder der Erde gemacht. Es hat Ms! genützt, es hat viel geschadet. Es hat genützt, cs kam dadurch den breiten Schichten des Volkes zur Anschauung, daß die Arbeit der Schule au den keine vergebliche sei, wenn sie auch im Stillen vor g^eit pflegt. Der Lehrerstand stieg dadurch in der be8 Volkes und die Geneigtheit, für Schule und ^^Wiwas zu thun, wuchs. Auch der Lehrerstand fand diese überraschende Anerkennung seines Wirkens ^b, es war, wie wenn ihm bei einer Concurreuz der WWreis zuerkannt worden wäre. Es hat geschadet, denn ß wurde dadurch die Meinung verbreitet, als sei die Schule, ^Mso großen Erfolg mit zu erzielen vermochte, eine MM verbesserungsbedürftige Einrichtung.

: Run mag ja die preußische Schule gegenüber der öster- WWHen und, wie sich einige Jahre später zeigte, gcgcn- fBtt der französischen eine Musteranstalt gewesen sein. 'Ob Wdas aber auch in absolutem Sinne war, ob dieses Ur- MK sch auch aufrecht erhalten lasse, wenn man sie von WW heraus, aus ihrem eigenen Wesen auf ihren Werth ? Ersuchte, das war eine andere Frage. Aber diese Frage KMzu untersuchen, lag gerade jetzt keine Veranlassung haben auch nicht nothwendig, die Mängel, au I^Mjie trotz des erreichten Erfolges litt, hier näher auf- SHkl Mau niuß es dem deutschen Lehrcrstand zum MMhsagen, daß er in der Ilutcrsuchnng der Frage, wie JEBfetle noch weiter verbessert werden könne, nicht stille fenil't Die Versammlungen des allgemeinen deutschen AWmins, so viel Ungehöriges auf ihnen zu Tage gc- Igt twrben mag, und die Begeisterung, mit welcher er ^WWchandlungen führt, geben hinreichend Zcugniß dafür Verein die Aufgabe, die ihm anvcrtraute Ein- DWvach allen Seiten zu verbessern, trotz der Lorbeer«, M so unerwartet und so reichlich zufielen, nicht vcr-

M^^ichtiger ist, so wird imSchwab. Merk." ausge- M M uns die Frage, ob der Vorsprung, den die ^Mche Schule vor der der anderen Völker hatte, noch & bedeutend ist wie im Jahre 1866. Es kann ja Zweifel unterliegen, daß das Wort: Bildung macht M.Kr Kriegszeitcn in das Wort Umschlagen muß: verleiht Siege. Allein wenn die Franzosen, die ^Wllattige Schlagwörter recht empfänglich sind, es sich «Ms gemerkt und nun mit dem ihnen eigenen Feuer, ^"äfiigcm Schwünge darauf ausgegangcn wären, timnH. an ^cn preußischen Schuleinrichtungen nicht bloß sondern auch auf ihre Verhältnisse anzupassen ^^Mchlbringend zu gestalten, so wäre cs recht gut ^^Mvaß sie jenen im Jahre 1870 sicher noch vor- L g? Vorsprung ausgeglichen hätten. Man sage nicht, braucht Zeit. Es ist eine schöne Zeit, die seither

verstrichen ist, cs sind zwanzig Jahre, und in zwanzig Jahren kann etwas erreicht werden.

Es liegt in der Natur der Sache, daß wir gar oft und gar zu leicht bei dem, was die Franzosen zu der Anfrichtuug ihres Slaatsweseus seit dessen Zusammenbruch im Jahre 1870 und 71 gethan haben, mehr das Acnßcre und das nach außen Gerichtete in das Auge fassen. Es ist die Ver­fassung, die Republik, die trotz aller oft so furchtbaren Stöße im Innern sich immer mehr befestigt und ausgebildet hat; cs ast das Heerwesen zu Wasser und zu Land, das trotz der gewaltigen Kosten, die seine Erneuerung verursachte, in stetigem Wachsthnm emporschoß, was unser Auge fesselt, wenn, wir nach Frankreich sehen. Wir überlassen es dem Urtheil der Fachleute, ob, was man so häufig liest, wahr ist, daß das Kriegswesen der Franzosen jetzt dem deutschen mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen sei. Was uns allein angeht, ist die stillere Arbeit der Schule, und zwar der niederen wie höheren Schule. In dieser Beziehung aber sind große Dinge geschehen, Dinge, von welchen die meisten unter uns keine Ahnung haben, die uns aber, sobald sie bekannt werden, einen Einblick gewähren in den Ernst, mit dem das begabte Nachbarvolk das Werk seiner eigenen Aufrichtung erfaßt hat.

Schon im Jahre 1872 hat der damalige Professor Breal, der in Deutschland slndirt und die deutschen Schulen gründlich kennen gelernt hatte, in seinem, wie sich seither gezeigt hat, bahnbrechenden Buche:Von dem öffentlichen Unterricht Frankreichs" es ausgesprochen: Männern wie Wilhelm von Humboldt, wie Fichte und Stein hatte es Preußen zu verdanken, daß es in den Jahren 18071813 seine nationale Erziehung in neue Bahnen lenkte, und hat dadurch die Franzosen auf die Nothwendigkcit hingewieseu, von innen heraus an der Erziehung des nachwachscndcn Geschlechts das Werk der Bolkscrnencrung zu beginnen. Breal ist seitdem zu immer einflußreicheren Stellungen ge­langt, hat aber nicht aufgchört, auch als Gcueralinspeetor des höhereu UnterrichtSwescns in Frankreich seine ganze Kraft und seinen weitgehenden Einfluß für die Hcbuug der Schule im Allgcmeiuen, namcnllich aber der Volksschule geltend zu machen.

Man hat dem französischen Gelehrten vorgcworfen, daß er bei all seinen Vorschlägen zu viel nach Preußen hin schiele. Aber er hat erreicht, was er wollte: er hat den Franzosen die Nothwendigkcit zum Vcwußlscin gebracht, daß die Hebung der Schule von ihrer untersten Stufe der Volks­schule bis zn ihrer höchsten, der Hochschule, die wichtigste Bedingung der Volkserneuerung sei. Der Dircctor des Nealgymnasiums in Frankfurt a. O., Dr. Laubcrt, sagt in seinem Programm vom Jahre 1880:Die Rollen zwischen uns, den Deutschen und den Franzosen, sind seit dem Jahre 1870, wie auf manchen andern Gebieten, so auch auf dem des Unterrichts gewissermaßen vertauscht. Während man sich in Deutschland vielfach in dem Bcwnßlsciu wiegt, daß unser Schulwesen nicht nur das beste sei, sondern auch als solches gelte, daß wir also nicht nöthig haben, von andern

zu lernen; während es in manchen Kreisen ge­radezu als Kennzeichen des Patriotismus angesehen wird, von der durchgängigen Vortrefflichkeit unserer Schulcinrichtungen überzeugt zn sein, und z. B. Gym­nasialdirector Dr. Jäger unser Gymnasium für ein geradezu vollkommenes Institut hält; während gar nicht gefragt werden darf, ob denn nicht die Schweiz, Holland, Skan­dinavien, manche Staaten Nordanierikas uns in vielen Stücken eingeholt, vielleicht überholt haben; während man nicht sicht, daß die anderen Nationen uns zwar eine höfliche Verbeugung machen, auch viele nuferer Gelehrten und Schulmänner hochschätzcn, im Uebrigen aber ihr Schul­wesen durchaus eigenartig einrichten und unsere Schulein­richtungen oft gar nicht zum Muster nehmen, ja in wich­tigen Dingen entgegengesetzte Wege wandeln, und daß einige ausländische Stimmen sogar schon anfangen, sich ge­ringschätzig zu äußern währenddessen haben die Fran­zosen lernbegierig alle pädagogischen Kongresse und Aus­stellungen beschickt, haben zahlreiche, hervorragende Schul­männer ansgesaudt, um vom ausländischen'Erziehungs­wesen eindringende Kcnntuiß zu erlangen, Berichte darüber zu veröffentlichen und, ohne dircct nachzuahmen, doch das Veste, was sie anderwärts gefunden, sich zu assimiliren gesucht."

Es war kein Geringerer als Jules Simon, der da­malige Unterrichtsminister von Frankreich, welcher schon im Jahre 1871 einen Gesetzentwurf über den obligatorischen Schulunterricht einbrachte. Allein die Commission, an ihrer Spitze der bekannte Bischof von Orleans, Dupanloup, wußte ihu in den Ausschüssen zu begraben. Erst unter der Präsidentschaft Grcvys ging cs mit großen Schritten auf dem Wege der Reformen vorwärts. Der größte Staatsmann Frankreichs, der Untcrrichtsminister Fcrry, sah ein, daß in einer Demokratie mit allgemeinem Stimmrecht die Ausdehnung und Hebung des Unterrichts für die Repu­blik eine Existenzfrage, daß der Schulmeister und die StaatLschule ihre besten Bundesgenossen seien.

Die Schule wurde verweltlicht (laicisee), vou jeder geistlich en Bevormundung emanzipirt, aller confessionclle Unterricht von der Schule aus­geschlossen und durch das Gesetz vom 16. Jnui 1881 die Uncn tge ltlichkeit (gratuitc) und durch das Gesetz vom 28. März 1882 der Schulzwang (Obligation) einge­führt. Wo eilt Vater sein Kind unterrichten lassen will, bleibt ihm völlig überlassen; aber unterrichtet muß cs wer­den, sci's in einer der vielen Privalschulen, fei® in einer Schule der Congrcgationisten, oder in einer Staatsschule, gleichviel, die Leiter und Lehrer sämmtlichcr Schulen müssen ja ihren Fähigkeitsnachweis erbracht haben. Eigene Be­hörden sind dazu ausgestellt, die Regelmäßigkeit des Schul­besuchs zu überwache».

Mit welchem Nachdruck in Frankreich von feiten des Ministeriums auf die Untcrrichtssache gedrückt wurde, geht am besten aus den Zahlen des Aufwands hervor, welcher für die Volksschule gemacht wurde und gemacht wird.

tritt mit der Müllerin gehabt. Mau habe der letzteren laute Rede auf dem Hofe und in den.Gängen ver­nommen.

ton dem Nlädchcn schuldet. Auch kommt es Ihnen nicht zu, meine Ehre zu verunglimpfen."

Welche Sprache erlaubst Du Dir? Hinaus! hinaus!"

Das Hinausgehen ist meine Sache. Ohnedem habe ich nicht ferner Lust, in einem Hause zu dienen, dessen Herr ein Lügner und Meineidiger ist. Was aber Sie an­belangt, Frau Müllerin, so wahren Sie Ihre eigene Ehre schlecht, wenn Sie derart Halbpart mit dem nichtsnutzigen Buben machen. Segen brächte es Ihrem Hause, wenn ein so braves Mädchen wie Marianne darin waltete. Die reichste Schwiegertochter kann Ihnen nicht das gute Geschöpf ersetzen."

Und Du glaubst, mein Sohn nehme eine solche Hergelaufene die für den niedersten Knecht zu schlecht ist? . . . Hier, nimm Deinen Lohn, und mache, daß Du fortkommst!" Sie lief an die Commode, wühlte in ihrer Geldschnblade, riß die Thüre ihres Zimmers auf und warf die abgezählte Münze über die Schwelle.Nimm das in Untreue Verdiente!" rief sic in Wuth.Lasse Dir aber nicht einfallen, jemals wieder die Mühle zu betreten!"

Ich erzitterte vor Empörung. Ohne den sauer ver­dienten Lohn eines Jahres schwerer Arbeit aufzuhcbcn, rief ich int Fortgehen:Behaltet Euer Sündengeld; den Anton werde ich aber sprechen, und sollte ich ihn am Ende der Welt aufsuchen!"

Während des Einpackens meiner Habseligkeiten fuhr ich in gleicher Weise zu rüsonniren fort. Die Müllerkncchte, die mich umringten, fragten nicht nach dem Grunde meiner Aufregung; ich hatte deshalb nichts zu erläutern, lieber Antons Aufenthalt gaben sie mir aber bereitwillig Aus­kunft. Einer meinte, ich träfe ihn am sichersten im nächsten Nachbarstädtchen, wohin er fein Pferd bestellt habe.

Unverzüglich wandte ich mich dahin, nahm in einem

Nachdruck verboten.

Die Gristermiihle.

Rheinische Novelle von Julius Itasch.

w^^ekchrt, erfuhr ich, daß Kathrine ij. 'öqtunung und man stündlich ihre Auf-

^E§ wittheilte, fügte hinzu: die minae vorher noch einen heftigen Auf-

Brave Kalhriue!" rief's in mir.

Als ich in ihre Kammer trat und sie wie schlafend mit dem Ausdruck des Friedens in den letzten Zügen auf ihrem Todieulager fand, schwor ich mir zu, alle selbstischen Ge­fühle zum Schweigen zu bringen und mich tu gleicher Treue der Sache der Betrogenen zu widmen.

Anton war abwesend und ich verlangte zunächst die Müllerin zu sprechen. Diese verwehrte mir den Eingang. Ich ließ aber nicht nach und drang in ihre Stube.

Bleich und mit auseinandergepreßten Lippen trat sie mir entgegen.

So war ihre Art, wenn Härte und Zorn ihr Gemüth beherrschten. Die Bäuerin war eine kluge Frau. Vorsicht trieb ihr Lebensschiff, während Herzensgüte und feiner Sinn für Sittlichkeit ihr von jeher fehlten. Ihre Schwäche dem Sohne gegenüber war so groß, daß sie dieses Mal die gewohnte Vorsicht vergaß. Sie wollte ihn um jeden Preis ans der schlimmen Affaire ziehen und verlor dabei das eigene Gleichgewicht.

Nun, was gibt'L? . . . Was drängt Ihr Euch zu mir!" rief sie ärgerlich.

Müllerin," erwiderte ich,was ich zu sagen habe, duldet keinen Aufschub. Wie ich höre, steht Anton im Be­griff, sich zu verloben. Es darf nicht geschehen, da er einem andern ehrlichen Mädchen die Ehe versprochen hat."

Vou wem sprecht Ihr, Hausnarr ?"

Von wem anders, als von Marianne, Frau Müllerin."

Und Ihr glaubt, mein Sohn würde Eure Liebste hci- rathen auf Euer Commando?"

Sie sollten sich solcher Rede schämen, Fran Müllerin," brauste ich auf.Sie wissen so gut wie ich, was der Au-

(6. Fortsetzung.)

erzählten, die Verstorbene fei keineswegs so sie cs glauben machen wollte. Außerdem g*« einigen Feldern habe sich noch Vieles an E.tr£n. 'n einer Truhe unter ihrem Bette vorgefnn- ^.-fcdjrift und Gesetz bekannt, habe sie Alles in hinterlassen.

Mariannens Häuschen zurückkehrte, trat mir Sri? W« Briefe entgegen. Auch war sie an- Kite gefaßt aus.

Schreiben, Martin," sprach sie,und ver- B* Anton persönlich einzuhändigen. Ich habe Wj Todteulagcr unter Gebet und Thronen gc- x.tvlrd ihu rühren, wenn er's lieft; denn er ist E,®enn auch schwach. Gewiß, gewiß, er wird ffehrcu!"

°ber nicht geschieht? . . ."

i 'ch. sagte sie wie in Gedanken. H, Martin; unser Herrgott wird Euch Eure Kj£T!. Irchueu. Thut auch noch das für mich, T!10 Antwort zurückbringt."

Mädchen; denn ich kündige ohnedem

A-. 40.

Montag, de» 23. Januar

1892.

Abend-Ausgabe

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40. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27,

T2-GGO Akormettterr.

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Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeige» 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: In Wiesbaden und den Landortcn mit Zweig» Expeditionen 1 Mk. 50 Pfg., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.