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Seite 2. 7. Januar 1892.

Wiesbadener Ta Matt (Abend-Ansgabe). Verlag: üanggasse 27. 40. Jahrgang. No. 10.

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kommt der Lehrer nach Hause, um sogleich wieder seine aufreibende Thätigkeit fortzusetzen. Wir kennen Elementar­lehrer hier am Orte, die sich kaum die Zeit zum Mittag­essen gönnen. Die Folgen dieser Ueberanstrenguug machen sich bald bemerkbar. Abspannung, Nervosität und wie die Uebel alle heißen mögen, machen es den Lehrern unmög­lich, den Anforderungen der Schule voll und ganz gerecht zu werden. Mancher ist oft monatelang ganz und gar ge­hindert, seinen Dienst zu thun. Vorzeitiges Altern und damit Unbrauchbarkeit sind enge damit verbunden. Das Geld, welches der Lehrer mit Privatstunden verdient, kann recht eigentlich ein Blutgeld genannt werden, da er cs mit seiner Gesundheit, seinem Leben bezahlt. Und doch ist ein großer Theil der hiesigen Lehrer gezwungen, sich Nebenverdienste zu verschaffen und gerade diejenigen sind cS, die im rüstigsten Mannesalter stehen. Das Warum ist leicht gefunden. Es ist in Wiesbaden einfach unmöglich, mit einer Besoldung von 182400 Mk., wovon noch durchschnittlich 500 Mk. für Miethe abgehen, eine Familie von 45 Personen anständig zu erhalten und zu ernähren, es müßten denn lauter Dio- gcneffe derselben angehören. Die oben angcdeuteten Folgen dieser Zwangslage machen sich aber auch für den Sladt- säckel recht unangenehm fühlbar; denn, falls ein Lehrer er­krankt, so ist doch ein Vertreter erforderlich, und die Stadt hat neben dem Gehalte des Erkrankten auch noch die Ver- tretungskostcn, welche pro Jahr 1200 Mk. betragen, zu zahlen. Es liegt aber im Interesse der Schule, daß Unter­richt und Erziehung möglichst lange in derselben Hand bleiben. Möchten das, was im Vorstehenden gesagt ist, unsere Stadtväter bei einer etwaigen Neuregelung der hiesigen Lehrcrgehältcr berücksichtigen! Sie würden sich da­mit den Dank aller Derer verdienen, denen das Wohl der Schule am Herzen liegt.

Todesfälle. Ter seit längerer Zeit hier wohnende Kgl. Geh. Secretär a. D. Herr Woytasch, Vater der jetzt in Brünn lebenden Schauspielerin Frl Wo.ita S), früher am hiesigen Theater, ist gestern Nachmittag gestorben. Gestern Abend starb hier der langjährige Kammerdiener Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs von Luxemburg, Herr N i e d e r h ä u s c r. Die Beerdigung findet in Biebrich statt.

* Zur Steuererklärung. DiePost" schreibt: Die schwie­rigste Frage bei der Ausstellung der Steuererklärungen ist die HerauSschäuma des reinen Einkommens, welches allein steuerpflichtig ist, aus dem Roheinkommen. In dieser Hinsicht müflen hier kurz zwei Punkte gestreift werden, welche für eine größere Zahl von Steuerpflichtigen von Bedeutung sind. Abzugsfähig von dem Ein­kommen ist unter andern ein bestimmter Procentsatz des Werthes der Gebäude und des tobten Inventars in Anrechnung der Wcrthvcr- miuderuna durch den Gebrauch. Wo kaufmännische Bücher geführt werden, sindet dementsprechend eine Abschreibung des Werthes statt, bereu Verhältniß zu dem letzteren je nach der Schnelligkeit der Ab­nutzung verschieden ist, z.B. bet Maschinen IvpCt., manchmal selbst 15 pCt. des Anschaffungspreises beträgt. Diejenigen LandwiNhe, welche kausmäunische Bücher nicht führen und auch zum Schaden einer wirklich richtigen Rechnung derartige Abschreibungen nicht voraeuommen haben, werden daher die Werihvctminderung ihrer Wohn- und Wirthschastsgebäude, ihrerMaschineu und sonstigen I«- ventarienstücke am besten nach den bei Betrieben mit kaufmännischer Buchführung üblichen Abschreibungen besonders ermitteln und den ermittelten Betrag ebenso wie die Wirthschastsunkosteu, die Gruud- uud Gebäudesteuer und Deich- und andere Soeietätslasten von dem durchschnittlichen Roherträge'der letztem beiden Wirthschastsjahre in Abzug bringen müssen. Bei Berechnung des Einkommens aus geistiger Arbeit werden ferner als abzuzsfähig die Kosten der für diesen Zweck angeschafften Bücher und Zeitschriften (beim Atzte also ärztliche, beim Juristen juristische Werke, neue Gesetzaus­gaben und dergl., deren Kenntnis; für seinen Beruf unbedingt uöthig ist), Schreibmaterialien, Porto, Reise- und Transportkosten aller Art, sowie endlich, soweit der Steuerpflichtige ei» besonderes Arbeits­zimmer braucht (beim Arzt also Warte- und Sprechzimmer, beim Advokaten die Bttreaux), die Miethe, Beheizung, Beleuchtung, War­tung des letzteren ttttb bte Werthverminderuug der Ausstattung des­selben durch den Gebrauch in Abzug gebracht werden können. In Bezug auf das Arbeitszimmer wird es unerheblich fein, ob dasselbe nebenher zu anderen Zwecken des Familienlebens dient, vorausge- fetzt, daß seine Hauptbestimmuug die des Arbeitszimmers ist. (Natür­lich kann ein Zimmer, welches sich enva ein Privatier zum Conpon- abschueiden reservirt, nicht als Arbeitszimmer in dem Sinne ange­sehen werden, es muß vielmehr ein für einen geistigen Arbeiter unbedingt erforderlicher Arbeitsraum sein.) Dagegen sind dieKosteu für Rämue, welche überwiegend zu Wohnzwecken und nur nebenher auch «ls Arbeitszimmer dienen, nicht abzugsfähig. Die Miethe und die sonstigen Kosten für den Arbeitsraum endlich werden durch Aus­scheidung eines verhältuißmätzigen Thelles aus der Miethe tt s. t». für die ganze Wohnung zu ermitteln sein.

* Attest« über Führung der Arbeiter. Das König!. Landgericht I zu Berlin als Bernfungsinstanz hat kürzlich ein für Arbeitgeber und Arbeitnehmer wichtiges Urtheil gefällt. Ei» Ar­beiter hatte von seinem Arbeitgeber em Attest über seine Führung verlangt und solches auch erhalten. In dem Atteste war der Eitt- laffungSgruud angegeben. Auf eine deshalb anhängig gemachte Klage entschied da? Landgericht I dahin, daß der Arbeitgeber be­rechtigt ist, den Entlassungsgrund in einem geforderten Atteste an- lugcbcn, wenn die Führung des Arbeiters Beranlaffiing zur Ent­lassung gegeben hat. In dem Urtheil wird Folgendes ansgefuhrt: Die Annahme des Vorderrichters, daß dem Arbeitgeber in jedem Falle, also auch wenn die Attestirung der Führung nicht verlangt worden, gestattet sei, dem Atteste Bemerkungen, insbesondere die Angabe des Eutlassuugsgrundes beizufügen, kann zwar nicht bei­getreten werden, da § 113 Absatz 1 der Gewerbeordnung positiv vorschreibt, was der Arbeiter zu verlangen hat, durch Hinzufügung von Bemerkungen bezüglich der Führung und des Entlassungs­grundes dgs nach § 113 Absatz 1 zu ertheilende Beschäftiguugs- attcst deu Charaeter eines solchen verliert und der Arbeiter dem­nach durch Ertheilnng eines derartigen Atteste« nicht dasjenige erhält, tvas er nach § 113 Absatz 1 zu beanspruchen hat. Nur wenn der Arbeiter ausdrücklich verlangt, das Zeugniß auf die Führung auszudehncu, ist der Arbeitgeber befugt, in dem Atteste sich über die Führung auszusprechen; in welchem Umfange er aber dies thun will, ist lediglich seinem pflichtgemäßen Ermessen über­lassen, und in dieser Beziehung darf der Arbeiter seinem Arbeit­geber keinerlei Vorschriften machen; insbesondere darf auch der Entlassuugsgrund angegeben werden, wenn die Führung des Arbeiters' Veranlassung zur Entlassung gegeben hat. Im vor­liegenden Falle hat Kläger verlangt, das Attest auf die Führung cmszudehuen, und Beklagter war daher befugt, den von ihm im Attest angegebenen Entlafsungsgriind, dessen Richtigkeit nnbeftritten ist, in das Attest auszunehmen. Kläger war hiernach nicht be­rechtigt, ein anderes Attest zu verlangen.

Zeichen Verbrennung. Die polizeilichen Vorschriften be­züglich der uns nächstgelegenen Leicheiwerbrenuungsanstalt in Heidel­berg (in Offenbach ist bekanntlich einstweilen noch die Leicheuver- brenuung iu der dortigen Anstalt untersagt) sind nunmehr veröffent­licht worden. Dieselben bestimmen u. A., daß die Leichen von Personen unter 18 Jahren und Willensunsähigen nur auf Wunsch der BestattnngSpflichtigen verbrannt werden können, auswärts Ver­storbene nur auf Grund einer Beurkundung der zuständigen aus- toärtigeu Polizeibehörde. Ferner, daß aber, wo der Verdacht eines gewaltsamen Todes vorliegt, die Verbrennung nicht vorgenommen werden darf. Die Aschenreste iverden in Holz- oder Blechbehältnissm oder in Thongefäßen den Angehörigen übergeben, welche dieselbe bei sich bewahren oder auf dem Friedhöfe beisetze», bezw. anfstelleu können.

Die Königliche StenerKnsike II. und Forstkaffe ist an den von den Königs. Oberförstereien Wiesbaden, Chausseehans und Eltville bekannt gemacht werdenden Holzversteigerungsterminen geschlossen.

Ei» sehr bedauerlicher Notfall hat sich jüngst iu Brixen in Tirol ereignet. DerFrkf. Ztg." wird darüber berichtet: Der Cavallerie-Major a. D. Herr v. Hetzderweiler aus Wies­baden, welcher den Winter in Brixen znbringt, wurde, als er Abends auf der Straße gegen Vahrn spazieren ging, vor einem Soldaten, nach feiner Aussage einem Infanteristen, überfallen. Der Soldat fragte ihn, wie spat cs sei. Auf die höfliche Antwort gegen/»7 Uhr", fragte der Soldat nochmals und versetzte ihm zügseich einen Hieb mit seinem Seitengewehr auf Kopf und Arm. Der Major stürzte bewußtlos nieder und als er wieder zu sich kam,' sah er den Soldaten neben sich auf der Erde fnieen. Der Major wehrte sich und tief um Hilfe, woraus der Angreifer entfloh. Der Angegriffene war ganz blutüberströmt. Hoffenttich gelingt es, den Thciter zu saffeu.

* Unterricht von Taubstummen. Der preußische Kultus­minister hat eine eingehende Untersuchung durch Vernehmungen der beteiligten Personen darüber anstelle» lassen, ob die Behauptung von einer übermäßigen Anwendung der Prügelstrafe in deu Taub- stummenschulen vorhanden sei und ob dieser Mißstand, wenn er bestehe, mit der Unterrichtsmethode und der Verdrängung der Ge- berden- durch die Lautsprache znsanimenlmnae. Wenn auch das übrigens nothwendigertveise nicht ganz objeetive Uutersuchungsvcr- fahten nicht die allgemeine Berechtigung der vielfach erhobenen Vorwürfe darthnt, so hat der Minister doch Veranlassung ge­nommen, die Lehrer an Taubstummenschulen vor übertriebener Anwendung körperlicher Strafen dringend zu warnen. Hinsichtlich der Methode hat der Minister keine Aenderung getroffen. In pädagogischen und weiteren gebildeten Kreisen hat die mehrfache Erörterung des Gegenstandes allerdings den Eindruck hervor­gerufen, daß die Geberdensprache, die ein Taubstummer treffend als die Muttersprache seiner Leidensgenossen bezeichnete, aus Rück­sicht aus die Erreichung einer der allgemeinen äußerlich möglichst ähnlichen Sprache der Talibstunuuen, m den Schulen zuruckgedrängt worden ist.

* Znr Warnung. Daß man mit den Formularen der Alters- versichernngS-Ouittungskarten nicht vorsichtig genug umgehen kann, beweist wieder einmal folgender Vorfall. Ein Mann in Schwelm durchstrich die BezeichnungFabrikarbeiterin" auf der Alters- und Jnvaliditöts - Bersichermrgs - Onittniig-karte seines Dienstmädchens und schrieb darüberDienstmädchen". Die Folge dieser im vollen Rechtrbewußtsein geschehenen Handlung ist nun die, daß sich derselbe

demnächst vor der Strafkammer wegen Urkundenfälschung zu antworten haben wird. Dieser Fall klingt wie ein Märchen, j aber, wie die .Schw. Ztg." versichert, der Wahrheit entspreche Es kann daher nur briitgeitb geratheu werden, nicht die gering Aenderung au einer Quittungskarte vorzunehmen.

= Die Uaranrrn-Liste für Militär-Anwärter Uo. liegt an unserer Expedition Interessenten unentgeltlich z, Einsicht offen.

-o- Kindesmord? In dem Hause Michelsberz 32 hat bi ; dort bedienstete 26 Jahre alte Magd Karoliue K. bi Kirn a. d. Nahe ihr heute früh geborenes Kind in den Abort i warfen, oder, tote sie behauptet, dort geboren. Da namentlich t Bemerkung einer unmittelbar neben dem Zimmer der Klees schl fenden Ladnerin, sie habe im Schlafe während der Nacht Kindz geschrei gehört, daraus schließen liefe, dafe die K. in ihrem Zimnt, geboren und dann das Kind auf scheußliche Weife gelobtet hab, könnte, so wurde die K. iu Hast genommen und vorläufig im städtisch, Krankenhanfe untergebracht. Das Kind war im Rohre stecken g blieben und gab noch eine Stunde »ach Entdeckung des Vorfall Lebenszeichen von sich.

-o- Kei einer Schlägerei, welche sich gestern Abend üi d, Wirthfchafr Schachtstraße 18 abfpielte, wurde der 31 Jahre all Carl Gustav Suffert von Regensburg durch einen Schlag mit eine Bierglas so erheblich am Kopfe verletzt, daß er in das ftäbtifc Krankenhaus ausgenommen werden mußte.

P.-B. Diebstahl. In der Walkmühlstraße wurden zwei gro rehfarbige Stallhasen gestohlen.

-o- Der Drrschörrerrmgs-Uerein

hielt gestern Abend im HotelZum ginnten Wald" seine Jahres Hauptversammlung ab, die, wohl in Folge der schlechte» Wetter) nur schwach besucht war. Der Vereins-Präsident, Herr Verwaltung? gerichts-Direetor Geh.Regierungsrath von Reichenau, erstatte den Jahresbericht, aus dem das Folgende wiedergegeben sei: Di Thätigkeit des Vereins im abgelaufeiten Jahre erstreckte sich znnäch aus die Unterhaltung der zahlreichen Promenadewege, welche 6o Jahr zu Jahr au Ausdehnung gewinne», sowie die erbauten Schutz hallen und der Bänke und Tische dank der unermüdlichen Fürsor ber so thätigen VorstandSiuitglieder Herren Wahl und Dietz wurdet sie in musterhaftem Zustand erhalten. An neuen Wegs An läge traten hinzu: ein Verbindungspfad von dem Philosophenweg na« der Spei>erslach, ein solcher von den sieben Eichen quer dun de» Wald nach der Kreuzung der von der Trauer-Eiche nai der Kapellenstraße und vom Dambachlhale nach der Melibocu? Eiche führenden Wege, sowie eine kurze Wegestrecke ii WalddistrictEutenpfnhl". Weiter wurden vorbereitet ein Wl durch den rechts von der Trauereiche belcgcnen Niederwal! welcher an dem vielbesuchten Festplatz am Bahnholz endigt, und ei Fußweg von der Fasanerie durch den Walddistrict Gehr» nach be RestaurationTannusblick". Die geplante neuelWegaitlage von bei (Silbe der Lanzstraße nach dem oberen Ende des Grubwegs, da Saume des Waldes entlang, mußte leider vorläufig ausgest werden, da die Grvßh. Finanzkammer die erbetene Genehmigm nicht ertheilt. Da die für die Verweigerung angeführten Grund auf einem thatsächlichen Jrrthum beruhen, so ist zu hoffen, daß di Genehmigung nicht dauernd abgelehnt wird. Endlich ist noch eil birecte Weganlage von ber Eisenbahu-StationEiserne Hand" uai bei» Altenstein in Aussicht genommen. Ein größeres Werk, welch, in bietem Jahre znr Ausführung gelangte, ist die Herstellung eine eisernen Treppe aus dem graue» Stein, nachdem die frühere hölzern Treppe schadhaft und deren Betreten gefährlich geworden. Mi Dank wird anerkannt, daß der Gemeinberath von Fraucnsteiu do Verein durch Abholzung einer kleine» Waldparzelle, welche di schöne FelSparthie dem freien Ausblick entzog, unterstützt und ii Aussicht stellte, daß die weite und schöne Fernsicht nach dem Rhem demnächst weiter offen gelegt werden solle. Nach dem Schluffe ber beti EinweihungSfeieilichkctt begaben sich die Theiluehmer auf dem neu an gelegten Promenadeuweg zurück nach der RestauratioiiSEauuul blick", bereit schöne und zweckmäßige Einrichtungen mit Interesse d Augenschein genommen und deren gute und preiswürdige Wei» gekostet wurden. Wegen Neuverpachtung der Wirthschast al der Bürstadter Warte wurden neue Pachtbedingungen bt schlossen, um durch dieselben der Restauration einen etwa feineren Charakter zu geben, und ist dieselbe sodann da Wittwe Wanger zn dem seitherigen Pachtzins von 860, Mk. au weitere 5 Jahre übertragen worden. Seitens des hiesigen Km Vereins war der Antrag an den Verein gestellt worden, größ« bauliche Anlagen auf gemeinschaftliche Kosten gemeinsam zu et richten und als erste solcher Anlagen einen massiven Ausfichtsihnr« auf demRumpelskeller" in Angriff zu nehmen. Der Verschönerung^ Verein hat darauf ertoiebert, daß er es für zweckmäßig halte, wem jeder Verein innerhalb seines Ressorts selbstständig vorgehe, zu Errichtung des fraglichen Aussichtsthurmes über disponible Mitt, nicht verfüge. Die Antwort darauf steht noch ans. Wegen En richtung einer Schntzhalle am Rundfahrtweg war eine Commissw ernannt wo.den, deren Bericht nebst Projeei vorliegt: die trforbet liehen Mittel stehen zur Versüguug. Der Verein darf auch I diesem Jahre auf seine im Interesse unserer schönen emporblühendei Stadt entwickelte Thätigkeit zurückschanen und kann sich der srohn Hoffnung ljingeben, daß dessen Streben von deuEinwohnern anei könnt und auch ferner kräftig unterstützt wird. .

Der Schatzmeister, Herr Kaufmann H. Wald, benchtete hierau über die Kassenverhältnisse. Die Einnahmen betragen 6206 M!

einige Schritte von den Vorangehenden getrennt Leopold Hügel, und hinter diesem zwei Gertchtsdiener und der Protoeollführer, der sogleich seinen Platz am Gerichts­tische einnahm. Weller erbebte am ganzen Körper; mit schwerer Hand stützte er sich auf seine Stuhllehne.

Marie war etwas blaß, aber auf ihrem Gesichte lagerte der Ausdruck einer zielbcwußten Festigkeit, Herr Sendler blickte scheit auf seinen Kompagnon und wollte offenbar noch nicht recht an Das glauben, was er erst vor kurzer Zeit vernommen haben konnte. Hügel trug indessen noch die Miene völliger Unkenntniß der Sachlage zur Schau. Auf seinem hübschen Gesichte mischten sich zu gleichen Theilen Mißtrauen und freudige Ueberraschnng beim Anblick Maricn's.

In der nun eintretenben Pause, die etwas miendlich Feierliches in ihrer starren Ruhe hatte, trat einer der Ge­richtsdiener leise an den ^Lisch und legte ein kleines Packet dahin, dem Amtmann etwas in's Ohr flüsternd. Dieser nickte mit zufriedener Miene und erhob sich sodann mit einer gewissen Erhabenheit von seinem Sttthle.

Fräulein Marie Sendler," sagte er mit lauter Stimme,ich bitte Sie nun, Herrn Weller die mir vor anderthalb Stunden mitgetheilten Eröffnungen zu wieder­holen!"

Marie gab ihre Aussage in klaren, bestimmten Worten ob. Sie sei überzeugt, daß Weller es gewesen, der ihr Zwiegespräch mit Hügel während der Nacht belauscht und darnach den Entschluß gefaßt habe, den Nebenbuhler durch eine Anschuldigung zu vernichten, die durch beffen schlechten Leumund sehr gerechtfertigt klingen würde. Er sei es auch bestimmt gewesen, der das Feuer im Pferdestall ge­legt und dann, über den Hof gehend, den Hund ge­streichelt habe, der einem Fremden gegenüber gewiß nicht laut anzuschlagen verfehlt haben würde. Das in der Hundehütte aefanbene Tuch sei jedenfalls ein höchst aravirendes Beweismittel.

Dazu kommen noch einige sehr beachtenswerthe Mo­mente," ergänzte der Amtmann, während Weller sich den Anschein zn geben suchte, als hielte er eS unter seiner Würde, diesen Anschuldigungen etwas Anderes als ein verächtliches Stillschweigen und eine ziemlich gut geheuchelte Gleichgiltig­keit entgegenzusetzen. Dr. Nürnberg aber fuhr fort:Nun stellt sich auch das angebliche nächtliche Umherstreisen des Herrn Weller in ganz anderem Lichte dar; er wollte eine Art Alibi für den Fall aussinnen, als man conftatiren würde, daß er die ganze Nacht nicht in der Stadt gewesen war. Doch vor Allem klagt ihn die furchtbare Gcmüths- affection an, die er empfand, als ich ihm die plötzliche Mit­theilung machte, daß er heute Nacht auf feinem Schleichwege über den Hof gesehen wurde. Im Gegensätze hierzu," schloß er seine Rede mit feierlichem Nachdruck,erscheint Herr Leopold Hügel von der wider ihn erhobenen Beschuldigung durch die bestimmte Aussage Fräulein Sendler's vollständig entlastet, und stellen sich durch die erwähnten Depositioueu Fräulein Sendler's jene Momente, die ihn anfangs verdäch­tigten, mit einem Male gerade als Beweise feiner Schuld­losigkeit dar, so daß ich die angenehme Verpflichtung habe, die wider ihn vorgebrachte Anklage in ihrem ganzen Umfange zurückznziehen, und ich spreche ihn daher im Namen der Staatsanwaltschaft, für die ich hier stehe, frei!"

Hügel schluchzte laut auf bei diesen Worten. Er mußte sich auf den Arm des neben ihm stehenden Gerichtsdieners stützen, um vor freudiger Bewegung nicht nmznsinken. Marie warf ihni einen frohen Blick zu, dann mutzte auch sie das Taschemuch an die Augen führen und sich des Armes ihres Vaters bedienen.

Weller, der bisher mit aufeinanbergebiffenen Zähnen bageftanben hatte, scheinbar ohne auf seine Umgebung zu achten, brach jetzt plötzlich in eine rasende Wuth aus.

(Schluß folgt.)

Ans Kunst und Keder».

Kurhaus. Für das morgen Freitag, Abends 7'/- Uhl im Kurhaus stattfinoeude Cyclus-Eonccrt (Solist: Pablo d Sarasate) ist uachsteheudes Programm aufgestclll: 1) Ouvertur zur OperFaust" von Spohr. 2) Zum ersten Male: Coucert Nr.. IN D-ir.oll für Violine mit Orchester von Bruch (Herr Pablo di Sarafate). 3) Symphonie Nr. 3 in F-dur von Brahnst 4) a. Romanee andalouse, b. Chant da rossignol für Violine Uli Piauoforte von Sarasate (Herr Pablo de Sarasate).

8. Schuldirektor Dr. Wichard Mulchoku in Tarrnflad ist, seiner angegriffenen Gcsundbeit wegen, die ihm in den letzia Jahren die Ausübung seines Amtes sehr erschwerte, beim Groß Herzog ttm feine Pensionirung eingekommeu. Dadurch wird unfern Nachbarstaate Hesse» leider eine Kraft entzogen, die für die Ent Wicklung seiner Schulverhältniffe außerordentlich anregend und be deutungsvoll war und die auch noch außerhalb großes Ansehei genoß ; so schätzt beispielsweise die Kafferin Friedrich W.'s Thätigkei sehr hoch. Wulckow wurde vor etwa 15 Jahren als Director da höhere» Töchterschule und des damit verbundenen Lehrerinnen Seminars in Darmstadt an die Victoiiaschule, berufen und ha dieses Institut zu schönster Blüthe gebracht. Aber auch als aw regender Lehrer erfreute er sich der weitgehendsten Sympathieen und wie ihm die Zahl seiner früheren Schülerinnen rin dankbare! Gedächtniß bewahrt, so werden die jetzige« seinen lebeadigei Unterricht in seinem eigentlichen Spccialgeüiete, der Literatur geschichte, sehr vermiffen, sich vielleicht auch noch der Hoffnungfhingebe« daß statt der Pensionirung nur ein längerer Urlaub bc üliigt wir« Auf htm Gebiete der Frauenfrage und in pädagogischen Dingci wußte sich Wulckow's gewandte und geistvolle Feder stets Geliun! zu verschaffe», beim in ihm vereinigte sich der vielfcitige Thcorcnke mit dem erfahrenen Praktiker in bester Weise. Seinepädagogische Briefe an eine Mutter', die zuerst in einer große» Berlinc Zeitung und nochmals als Buch erschjcncu, fanden iu allen S( bildeten Kreise» besonderen Anklang, aber auch auf hem Felde de literarhistorischen Effays und auf dem der Novelle ist er tm beftd Sinne bekannt geworden. Hoffentlich wird er, von der Bürde d« Amtes entlastet, in wohlverdienter Ruhe bald seine volle Gesund heil wieder erlangen und Muße finden, ferner auf literanscheil und socialem Gebiete erfolgreich zu wirken. In unserer Zeit ka»> die Lrcfle Leute seiner Art doppelt gut gebrauchen. Es dürst