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Abend - Ausgabe.

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Nicht geringes Aufsehen erregen zwei Artikel des Militär-Wochenblattes" wegen ihrer scharfen Kritik der Ans- rnstung und Bekleidung der deutschen Infanterie angesichts der neuen Waffen und des rauchlosen Pulvers. Es heißt in den Artikeln, daß die Ausrüstung und Bekleidung des Infanteristen ganz und gar nicht mehr im Einklang stehe mit der Gewandtheit des Schützen und der Umsicht beim Gebrauch des Gewehres im Gefecht, welche der kleinkaliberige Mehrlader verlange. Der Infanterist zieht auch jetzt noch, wie vor 40 Jahren, in's Feld mit einem weit sichtbaren, den Kopf benehmenden, das Schießen erschwerenden Helm, schwer bepacktem Tornister und mit während der Hälfte des Jahres entbehrlichem Mantel, wenngleich hier und da eine weiter nicht viel in's Gewicht fallende Erleichterung eingetreten ist. Im Gcgenthcil trägt der Infanterist von heute mit Schauzzeilg und Zelt-Ausrüstung mehr Gewicht wie der Infanterist von 1850. Die Infanterie des russischen und österreichischen Heeres ist, abgesehen von einer zweckmäßigeren Bekleidung, weniger belastet. Die Ueberzeugnug aber sei wohlbegründet, daß die Armee, welche auch zuerst aus einem schwer bepackten Infanteristen einen leichtgerüstetcn Schützen" macht, damit einen Vorsprung auf dem Schlachtfelde sich sichert, der wichtiger und erheb­licher ist, als manche Dinge, jbie sich größerer Pflege und Beachtung erfreuen. Der "deutsche Soldat, welcher durch­schnittlich 30 Kilo zu tragen hat, wird in seiner Leistungs­fähigkeit eigentlich ganz aufgebracht, wenn er sich täglich 7 Stunden lang in feldmarschmäßiger Ausrüstung in hori­zontaler Richtung vorwärts bewegt. Auf welchem Fonds sollen dann noch die eigentlichen Gefechtsleistungcn bestritten werden? In der That hat man die mittlere Bewegung eines Infanterie-Corps auf 20 Kilometer täglich beschränken müssen. Jede außergewöhnliche Action liefert einen bedeu­tenden Abgang von Kranken und Maroden. Durch die Anstrengungen einer Feldschlacht werden Massen von nicht blessirter Mannschaft außer Gefecht gesetzt. Die vorzugs­weise betheiligten Truppen aber gerathen nach der Action in einen Zustand der Erschöpfung und taktischen Auflösung, der für die Ausbeutung des Sieges oder die Wiederauf­nahme des Gefechtes gleich unbrauchbar macht. Was sollen uns alle Turnschulen, Fcchtschulen, Schicßschulen nützen, wenn es sich darum handelt, Lastträger zu erziehen? Für einenvorschriftsmäßig gerüsteten" deutschen Soldaten haben alle Turn- und Schützen-Künste ungefähr dieselbe Bedeu­tung, wie die höhere Dressur für das Roß, welches den Bagage-Wagen zieht.

Wem die freie Bewegung der Arme durch schwere Tor- uister und Feldkessel, die Beweglichkeit des Kopfes, die Frei­heit des Blickes durch einen gewichtigen Helm beeinträchtigt wird, wer außerdem noch durch ein unnützes Seitengewehr beim Laufen, Sitzen, Knieen und Niederlegen belästigt ist, der

von Beginn an allgemeine Gunst errungen. Ilebrigens sorgt dafür, daß weder Publikum noch Darsteller sich an Mittel­mäßiges oder eben Befriedigendes gewöhnen, eine strenge und sachverständige Kritik. Viele freilich sind jetzt zu Theater- güngern geworden, die früher die Bühne als angenehme Cüriosität betrachteten; diese netten Kunstfreunde verlangen das Recht, für ihr gutes Geld nach Herzenslust zu klatschen, sobald ein eleganter Triller ertönt und ein gewichtiger Ge­meinplatz fallt. Sie ihun es immer am denkbar unpassend­sten Ort, aber mit Ueberzeugung, und äußern echte Ent­rüstung, wenn gestörte Nachbarn sie zur Ruhe verweisen.

Als alte Musikstadt hat Zürich angesichts des neuen Theaters auch mit der häßlichen alten Tonhalle abgerechnet. Am Alpenqttai wird in einem größeren Garten ein neuer Musikpalast errichtet werden. Weiter hinaus am See, in der Garten- und Villeu-Vorstadt Enge, liegt ein Park von seltener Schönheit. Hier hat der verstorbene Eisenbahnkönig Alfred Escher sein Heim gehabt. Im vergangenen Jahre ging das ganze Anwesen als Geschenk in die Hände des Bundes über, dem es unlängst ein Consortium abjekauft hat, um daraus einen Volksgartcn zu schaffen. Er wird in kommenden Jahren zum Sammelplätze der lustwandclnden Züricher werden, wenn sie erst erkannt haben, welche Perle sie in diesem großartigen Abschluß der Quai-Anlagen ge- wouneu haben. Im nächsten Sommer wird eine Flottille von Mouches den See bevölkern, als Wasser-Omnibusse dienend. Zahlreiche Punkte am Ufer der Züricher Bai werden dann in Verbindung stehen, so namentlich auch jener Volksgarten, der Belvoir-Park, mit dem rechtsseitigen Ufer.

In der Länge von einer Stunde besäumen in ununter­brochener Reihe öffentliche Anlagen die Bucht; mit schattigen Baumgruppen wechseln weite Rasenplätze und steinige Erd­hügel ab, an denen Alpetiblurnen und Sträucher wachsen. Bald läuft das Ufer in flachen Sandbänken aus, bald in

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In ihrer Harmlosigkeit vergaßen diese Leute, so schreibt man derKöln. Volksztg.", der wir diese Mittheilitttgen entnehmen, daß sie bloß eine vollendete Thatsache beglau­bigten. Im Laufe der Jahrzehnte hat Zürich mit seinem Dutzend sogenannter Anßengenteinden sich zu einem organischen Körper verschmolzen, mochte auch jedes Glied einen beson­deren Namen tragen und politisch selbstständig sein. Daß freilich die äußerliche Vereinigung jetzt durchgeführt wurde, ist kein Zufall; denn tut Laufe der letzten anderthalb Jahre hat Großzürich, wie man das Ganze früher nannte, eilten mächtigen Aufschwung genommen, dem gegenüber die frühere Verfassiingsforni immer unhaltbarer wurde. Eine Bereiche- rung um die andere erfuhr es, die gewiß nicht der City mit ihren Palästen und Kaufhäusern, sondern demgroßen Zürich", der Stadt der Wissenschaft und der Musik galten. Zuerst bestimmten die eidgenössischen Räthe Zürich zum Sitze des National-Museums. Es galt einen harten parlamen­tarischen Strauß mit Bern, der Bundeshauptstadt, die sich neben Zürich, Basel und Luzern darum beworben hatte.

Alsdann entstand am See ein stolzer Loggienbau, von einer mächtigen Kuppel gekrönt, die sänlengeschmückte Front der Stadt zuwendend: das neue Bühnenhaus. Am 13. Juli 1890 wurde der erste Spatenstich gethan, am 13. September wurde die Rammarbeit für das Fundament vollendet, und schon am 1. October dieses Jahres konnte die Eröffnung vor sich gehen, obwohl der Winter fünf Frostmonate gebracht hatte, die bett See mit einer fußdicken Eisschicht, überzogen und den Bauarbeiten Einhalt geboten.

Die Wiener Banmeister Helmer und Fellner haben sich mit dem netten Theater ein stolzes Denkmal gesetzt, nach­dem die alte Bühne in der Neujahrsnacht von 1889 auf 1890 in Flammen aufgegangcn war. Das Züricher Publi­kum ist verwöhnt und kritisch,' indessen hat die große Oper sich mit einer musterhaften Vorführung des Lohengrin gleich

Ausrüstung und Bekleidung der deutschen Infanterie.

Portionen Fleisch-Conserven, drei Portionen Zwieback. In Wegfall kommen könnten dagegen die Drillhose, die Schnürschuhe, ein Thcil der Bürsten. Anstatt des Seiten­gewehres will Major Keim das alte Bayonnett einführen als im Leibgurt zu tragen. Der Anzug müsse bequem und nicht so buntfarbig sein. Der Stehkragen sei nicht allein aus sanitären Bedenken zu verwerfen bei heißem Wetter wird er zur Plage, deshalb ist auch das Oeffnen der Kragen gestattet sondern auch aus Gtünden der Schießkunst. Ist der hohe steife Kragen schon beim Anschlag stehend hinderlich, so vermehren sich diese Unbequemlichkeiten noch beim Anschlag liegend. Der Stehkragen ist schon lange aus den meisten übrigen europäischen Heeren verschwunden, und unsere Couipagnie-Chefs würden sicherlich aus dem Ver­schwinden des Stehkragens keine Thräne nachweinen; denn dasKragenverpaffen" bildet nicht selten ein würdiges Seitettstück zum ,,Heltimerpassen".

lieber die jetzige Belastung der Infanterie verschiedener Staaten in der Feldausrüstung stellt dasBerliner Tage­blatt" folgende Bercchnuug an. Der deutsche Infanterist ist gegenwärtig belastet mit 30.981 Kilo, das ist die höchste Belastung, die man kennt. Zunächst kommt der schweizerische Infanterist mit 30.947 Kilo, dann der russische mit 28.592, der österreichische mit 27.811, der französische mit 27.739, der englische mit 26.178. lieber die Belastung des italienischen Jnfanteristcu weiß der Berichterstatter nichts Näheres. Er gießt sie allerdings auf rund 33 Kilo, nach anderen An­gaben auf 30.5 Kilo an. Bei dem deutschen Infanteristen sei das Gewicht allerdings rationeller verthcilt, vor Allem sei die Brust des Mannes von dem Lederpanzer befreit, mit welchem die Infanterie anderer Heere noch sich abquält.

wird in den wenigsten Fällen die Distanz richtig bemessen, seine Waffe rasch und sicher laden, anschlagen, einbifhen und abdrücken. Die Wirkung des Feuers wird dem Zufall gänzlich auheimgestellt sein, wenn große Ermüdung und Todesfurcht noch gleichzeitig zu überwinden sind. Mit Recht fragt man sich, wozu einem solchen Mann eine gute Waffe und ein guter Unterricht dienen sollen?

Die Aufsätze, welche von dem Major Keim im Infanterie- Regiment Nr. 77 herrühren, kritischen dann die heutige Be­kleidung und Ausrüstung im Einzelnen. Der Helm sei schon von Major v. Ploeunies alseine traurige Zwitter­geburt moderner Paradesucht und mittelalterlicher Romantik bezeichnet worden-. Derselbe fährt dann fort wie folgt: Wer seinen leichten Schützen ein solches Instrument über den Kopf stülpt wie einen Scheffel über das Licht der Intelligenz wird schwerlich durch diesen dumpfen Druck einen kühnen Jägergedanken in dem Soldatengehirii erzeugen. Der Hclui ist ein aus mehreren Dutzenden verschiedener Theile zusammengeflicktcs und in Folge dessen eben so unsolides und reparaturbedürftiges als schweres, thencres und der Gesundheit schädliches Ausrüstungsstück; seine mit Metall­schuppen gedeckten Kinnbänder sind so schlecht an der Leder- Haube befestigt, daß der einfachste Riemen vorzuzieheu wäre ein kräftiger Hieb zerstört den ganzen, Zusammenhang des gebrechlichen Kunstwerkes; der leichteste Filzhut, das leichteste.Käppi schützt den Kopf des Soldaten besser, weil es die Wucht des Hiebes bricht, statt denselben hart und prellend auf den Schädel des unglücklichen Helmträgers fort- zupflanzen." Der Helm ist die schwerste aller Kopfbedeckungen bei der Infanterie der europäischen Großstaaten. Der Hut der Bersaglieri mag ihn au Gewicht noch etwas übertreffen, dafür ist das aber auch ein Hut, welcher weder die uube- qiiente Form, noch das harte Material, noch die blitzenden Beschläge des Helmes aufweist. Man hat in Vorschlag ge­bracht, um wenigstens das überaus lästige und verrathertsche Blinken des Helmes ein Helmträger ist bei Sonnenschein bequem auf 2500 Meter zu erkennen, ein Käppiträger ver­rätst sich nicht eher, als bis man den Mann selbst zu scheu im Stande ist zu vermeiden die Helmbeschläge mit Berii- fteinlack oder sonstigem Präparat abzudiinkeln. Im Kriege 1866 ist dies auch theilweise geschehen. Erstens ist dies eine Metamorphose, die Zeit erfordert und nur ans kurze Dauer vorhält, zweitens verleiht sie dem Manne ein wenig schönes Aussehen und die Helm-Träger führen ja mit Vorliebe au, daß der Helm beut Manne ein kriege­risches" Aussehen verleihe. Weiterhin fritifirt der Verfasser den Mantel. Man brauche doch nicht, um den Mantel im Winter zur Hand zn haben, denselben schon im «Sommer mitznschlcppen. Statt des Mantels solle mau danu eine Unterzeugjacke oder das als Litewka bekannte Kleidungsstück einführen. Major Keim nntersucht dann auch die Bepackung des Tornisters in feine» Einzelheiten. Unbedingt nöthig dürste nur fein die Mitnahme von Unterzeug zum Wechseln, einem zweiten Paar Strümpfe, eventuell noch Fuß­lappen, Waschzeug, Nähzeug, Soldbuch, Wischstrick, drei

40. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs Preis: Sn Wiesbaden und den Landorten mit Zweig» rpeditionen 1 Mk. "50 Pfg., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.

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Locales.

(Nachdruck der Lrigiualcorrcspondenzen mir unter deutlicher Quellenangabe gestattet.) Wirsbade», 4. Januar.

* Zur Grinneimttg. Der europäische Krieg, den Napoleon I. entfesselte, war auch nicht ohne Einwirkung auf die europäischen Länder, namentl ch auf die mit Europa in Verbindung stehenden und von einzelnen Völkern abhängigen Colonien. So ermöglichten die europäischen Wirrnisse und speciell das Vorgehen Napoleons es den Engländern, sich am 3. Januar 180 6 in den Besitz des Kaps der guten Hoffnung zu sitzen. Die Engländer, die bekanntlich einen fetten Bissen nicht so bald fahren lassen, wußten auch ans dem Wiener Cougreß die enbgUtige Besitzergreifung der holländischen Colonie durchznsetzen und sind bis heute im Besitze des Kaplandes geblieben. Von jener Zeit an schreibt sich der eigentlich beständige, mindestens von Zeit zu Zeit immer sich erneuernde Kampf des holländischen Elenientes, der Boern, gegen die Engländer. Es schreibt sich aber auch von jener Besitzergreifung Englands an die am Kaplande zunehmende Cultur, die z.B. in den fast 3000 Kilometer langen Eiseubahneil ihren Ausdruck findet. Am 4. Januar 1809 er­hielt der preußische Minister vom Stein von König Fried­rich Wilhelm III. die im Dezember des Vorjahres erbetene

Nachdruck verboten.

Züricher Aief.

Zürich, Ende Dezember.

Zürich ist Großstadt geworden, rasch und schmerzlos, an einem schönen Sommer-Soruttag-Morgeii. Da/ trat das )cumüne Volk der Republik Zürich zusammen und bestimnite, daß toi tun der Ring selbstständiger ©emeiiibciL der die Hauptstadt mngürtet, mit ihr zu einem Verwaltungsbezirk vereint Jeiu sollte. Dreimal so viele Menschen, als vorher die Stadt zählte, gehören ihr seither an. Es galt, eine große Gegnerschaft zu überwinden. Ein Mal fanden die Bewohner der Stadt und der reicheren Gemeinden keines­wegs Wohlgefallen an dem Gedanken, daß sie zukünftig mehr Steuern zu bezahlen hätten; denn es handelte sich in erster Linie darum, den vorwiegend von den arbeitenden Klassen bewohnten Gemeinden, welche die Lasten der Verwaltung von Kirchen und Schulen nicht mehr tragen konnten, zu heilem Diesen Vierteln gegenüber war die Vereinigung nur eine Thal der politischen Gerechtigkeit: wenn Stadt und Villenquartiere die Vortheile genießen, die sich ans der Ab­sonderung die ihren Reichthuin begründenden Fabriken und der Arbeiterhäuser ergeben, so müssen sie wohl ober übel diese sieuerschwachen Stadttheile unterstützen. Thatsächlich wurden auch in der eigentlichen Stadt mehr Stimmen für gegen die Vereinigung abgegeben. Sodann aber war dsui Widerstand der Landschaft zu begegneit. Einige eifrige Vaucrnführer hatten in ihren Flecken und Dörfern das ^chrcckenLbild einer Übermächtigen Großstadt auSgcmalt, welche die ganze Republik thrannisiren und in sich auffaugen ®ürbe. Was an Logik fehlte, wurde durch Energie der --liiödrücke ersetzt, allerdings nicht mit Erfolg.

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