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Samstag, 12 . Dezember 1914 . ItlOtQCtt« AU$g<tb& Nr. 579 . ♦ 62 . Iahrgang.
Oer Krieg.
3»m Untergang der deutschen Uuslands- Kreuzer.
^lelx überlebende der „Gneifenau" und der „Leipzig".
Lr. Mailand, 11. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. ^ln.) Nach weiteren offiziellen Londoner Meldungen Wurden viele Überlebende der „Gneifenau" und der ""klpzig" ausgenommen.
Die Freude in England.
^ Br. Mailand. 11. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. ^m.) Dem „Corriere della Sera" wird aus London gemeldet: Die Freude, mit der die Engländer ibie Nächst von dem Ende der drei deutschen Kreuzer arff- ,"Minen, ist um so größer, als diese Kreuzer der eng- ^hchen Marine s o vielen Schaden verursacht hat- ten -, Die Mitteilung des offiziellen Berichtes, daß die ^lglischen Verluste gering seien, beweist, daß man zur ^rfolgung des Geschwaders die s ch n e l l st e n ^ chiffe mit den b e st en Kanonen -ausgesucht hatte.
Die Leute der „Emden" auf Sumatra?
bä. Amsterdam, 11. Dez. Reuter meldet aus Batavia, °«B der Schoner „Geisha", auf dem die Landungstruppen der "Emden" entkamen, am 28. November in P a d a n g, einem Hafen der Südwestküste von Sumatra, ankam und Pro- °>ant einnahm. Er war also drei Wochen auf See.
Die Lage in Flandern.
Br. Rotterdam, 11. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) „Tijd" wird aus Le Havre gemeldet: Hier sind Berichte ""gekommen, daß der. Feind Ostdünkirchen beschaffen w, das 4 Kilometer westlich von Nieupnrt liegt und nicht Dünkirchen an der See verwechselt werden darf. Die Deutschen entwickelten in den letzten Tagen eine größere Geschäftigkeit denn je, ebenso das belgische Heer. Heute morgen soll das belgische Hauptquartier in Veurne, sich auch König Albert aufhärt, beschossen worden sein. Zähere Einzelheiten hierzu fehlen noch. Ferner wird mit- kleteilt, daß in Hazebrouck durch die deutschen Bombenwürfe neun Engländer und sechs Bürger getötet worden sind. “9 Bürger sind verletzt worden.
^ hd. Ehristiania, 11. Dez. „Aftenposten" erfährt aus ^aris: Die zuletzt eingetrvffenen Nachrichten aus London Melden, daß die Deutschen am Kanal jetzt eine a u s g e - krochen defensive Haltung einnehmen, aber- sicher °uf eine günstige Gelegenheit warten, um wieder zur Offen- >>be überzugehen.
Deutsche Verstärkungen an der Msne.
bä. Kopenhagen, 11. Dez. „Politiken" melden aus ^aris: Nach dem „Matin" konzentrieren die Deutschen
Nordflandern zwischen S o i s s o n und Laon starke ^"uppenverstärkungen unter Führung des Generals von s^luck, der in den letzten Tagen große Verstärkungen direkt Berlin erhalten hat.
wenig Hoffnung in Zrankreich.
Wann Deutschland gesiegt haben wird.
.». Nach der „Köln. Ztg." äußern sich französische ? > ä t t e r pessimistisch über die Lage, wozu noch das Ausbleiben der Japaner kommt. Die Frage über die Dauer . e § Krieges wird lebhaft erörtert. Es sei eine unbegrün - „s t e Hoffnung, meint das „Journal", daß Deutschlands
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ffsmittel bis nächsten eomntei erschöpft sein wec- Tl 1 - Damit der Friede herbeigeführt werde, müsse eine der .^>den Parteien zur Überzeugung gelangen, daß weitere An- ^engungen unnütz seien. Deutschland habe endgültig gesiegt, ?^nn die Verbündeten über die Loir e zurückgewor-
seien.
wenn England sich im eigenen Land b e -
v h t fühle, und wenn die deutschen Heere eine Schlacht -vor Petersburg und Moskau gewonnen hätten: Das ^iegsende tverde früher wie 1870 kommen, von einer s s e ne r h e b u n g des französischen Volkes könne, nach- ?>n jeder wehrfähige Mann zu den Waffen gerufen ist, eine Rede sein.
Der gestrige französische Tagesbericht.'
Br. Genf, 11. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Etliche französische BeriiM von gestern abend 11 Uhr lautet:
allgemeine Lage ist unverändert. Gestern warfen .°rt neuem unsere Flieger mit Erfolg 16 Bomben auf Bahnhof und die Fliegerhalle in Freiburg. Trotz ästiger Beschießung kehrten sie ohne Unfall zurück.
Französische Ergänzungskredite für 1914.
. W. T--B. Bordeaux, 10. Dez. (Nichtamtlich.) Das ^plntsblatt" veröffentlicht ein Dekret, wonach den Ministern außerordentliche Ergänzungskredite in Höhe von ■ ”"295 ooo Franken für das Rechnungsjahr 1914 eröffnen ^rden.
Eine neue Sorge für die Knlwerpener.
I Br. Christiama, 11. Dez. (Eig. Dra,h (bericht. Ktr.
Große Unruhe herrscht unter den Einwohnern Antwerpens, weil das jetzt in London erscheinende „Metropole" einen Artikel brachte, worin es daß dii? Verbündeten alles tun werden, Antwerpen wieder zu erobern.
Rückkehr der belgischen Königin an die Front.
bä. Von der holländischen Grenze, 10. Dez. Die Königin Elisabeth von Belgien ist nach einwöchigem Aufenthalt bei ihren Kindern in England an die Front zurückgckehrt und liegt dort der Krankenpflege ob.
Der verkehr mit deutschem Geld in Belgien.
W . T-B. Namur, 11. Dez. (Amtlich.) Das Gouvernement teilt mit: Bei hiesigen Gastwirten sind deutsche Goldmünzen vorgefunden worden, die, wie festgestellt wurde, aus den Händen von aus Deutschland ankommenden Überbringern von Liebesgaben und Geschäftsreisenden stammen. Dieses dem vaterländischen Interesse widersprechende Verhalten scheint auf den Glauben zurückzuführen zu sein, in Belgien habe deutsches Papiergeld keine Geltung. In Wirklichkeit sind die Bewohner der besetzten Teile Belgiens verpflichtet, Papiergeld zum Kurse von 1,25 Franken anzunehmen.
Eine Szene aus der Schlacht bei Lodz.
Br. Amsterdam, 11. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In einer Beschreibung der Kämpfe um Lodz schildert der Berichterstatter des „Daily Telegraph" in Petersburg folgende Szene: In einem Feld stand eine schwere Kanone: sie war unbrauchbar. Eine Granate hatte Räder und Lafette zerstört. Die Deutschen selbst vollendeten das Werk und errichteten neben der Kanone ein Brett mir den Worten: „Feind, glaube nicht, daß du dies vollbracht hast; es -war ein Unglück- licher Zufall; hier liegen die toten Artilleristen begraben."
Ein russischer Bericht über die Kämpfe am rechten Weichselufer.
M- Kopenhagen, 11. Dez. Ein Bericht des russischen Generalstabes vom Mittwoch lautet: In der Gegend von
M l a w a waren die Kämpfe am 8. Dezember nicht so hartnäckig wie an den vorangegangenen. Tagen.
70 000 Flüchtlinge tu Warschau.
hd- Kopenhagen, 11. Dez. Nach Pariser Zeitnngs- meldungen befinden sich in Warschau gegen 70 000 Flüchtlinge aus allen Teilen Polens. Die Stadt hat noch Lebensmittel für vier Monate. Im übrigen Polen herrscht großer Mangel an Lebensmitteln, so daß viele Menschen Not leiden.
Zusammenstoß zweier mit Bomben beladener Züge.
Br. Genf, 11. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus Petersburg wird hier der Zusammenstoß zweier mit Bomben beladener Züge mit insgesamt 72 Wagen gemeldet. Die Explosion der Bomben war so furchtbar, daß die Wagen buchstäblich in Pulver verwandelt wurden. 60 Kilometer weit wurde die Detonation vernommen.
Widersetzlichkeiten und Meuterei in der russischen Armee.
Br. Wien, 11. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Gefangene russische Soldaten der tu die B u k o w i n a - Karst a t h e n eingedrungenen Armee sagen aus, daß bei ihnen zahlreiche Fälle von Widersetzlichkeit und Meuterei unter den Mannschaften und Offizieren vorgekommenffind, weil sie sich weigerten, weiter die furchtbaren Schwierigkeiten des Vormarsches im Karpathengebiet zu ertragen. Der. Durchbruch wurde besonders erschwert durch den tiefen Schnee und 20 Grad Kälte.
Die Gffrung in Nichland.
Ein italienischer Kaufmann, der aus Odessa nach Messina zurückkehrte, überbrachte einen Privatbrief, aus dem das Blatt „Vittorio" folgendes mitteilt: Die offiziellen Ausstreuungen über . befriedigende innere Zustände Rußlands, über Einigkeit, Opferwrlligkeit und Loyalität sind lügenhaft. Seit Ausbruch des Krieges hat die antizarisfische und revolutionäre Propaganda, namentlich in Kleinrußland, beständig Fortschritte gemacht. Jekaierinoslnw ist der Haupt- Herd der Bewegung. Man wartet nur auf die russische Niederlage in Polen und auf das türkische Vordringen, um aufzustehen. Bezeichnend ist, daß niemand in der Ukraine den Namen Petrograd gebraucht. Der Briefschreiber wundert sich, daß sogar die feindlichen und neutralen Länder sich der tendenziösen russischen Namensänderung gehorsam unterwerfen. Auch in Polen wächst die russische Feindschaft. In Georgien herrscht eine Gärung unter den Muselmanen. Die revolutionären Parteien sind noch uneinig, ob sie sofort oder nach dem Krieg handeln sollen.
Oer russische Kunftraufc in Lemberg.
W- T.-B. Berlin, 11. Dez. über russischen Kunstraul, schreibt der „Berliner Lokalanzeiger": Wie die „Nowoje
Wremja" meldet, sind aus dem Ossolinski Museum in Lemberg 1034 Gemälde, 24 000 Radierungen, 5000 Autogramme und eine Anzahl kostbarer Portraits und Entwürfe nach.Petersburg gebracht worden.
Französische Kritik an der Verhaftung russischer Sozialdemokraten.
W. T.-B. Paris, 11. Dez. (Nichtamtlich.) Die „Huma- nite" gibt eine russische amtliche Meldung von der Verhaftung Petrowskyj nebst neun Genossen wegen Verschwörung gegen die Herrschaft des Zaren wieder und bedauert dieses Vorgehen, welches dem politischen Waffenstillstand in anderen Ländern widerspreche.
Der Liampf gegen die Serben.
W- T.-B. Wien, 11. Dez. (Nichtamtlich.) Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: Auf dem südlichen Kriegsschauplätze ereigneten sich keine wesentlichen Vorfälle. Die angeordnete Verschiebung vollzieht sich im allgemeinen ohne größere Kämpfe mit dem Gegner.
Dir Mörder von Serajewo.
Wie aus Wien gedrahtet wird, wurden die Hauptschuldigen am Sevajewoer Attentat, Princip und Cabrilovic, am letzten Mittwoch in aller Stille aus der bosnischen Hauptstadt naK einer Festung in Böhmen gm Verbüßung ihrer Strafe abgefiihrt.
Ein österreichischer Flieger über Montenegro.
W• T.-B. Rom, 11. Dez. Ein österreichischer Flieger bewarf C e t t i n j e mit Bomben. Ein Einwohner wurde ge- tötot. Sodann überflog der Flieger den Lowtschenberg, worauf er ebenfalls Bomben abwarf.
Ein montenegrinischer Pumpversuch in England.
hd, Haag, 10. Dez. In Londoner Bankierkreisen verlautet, daß die montenegrinische Regierung sich gegenwärtig um einen Vorschuß von 80 Millionen Mark bei der britischen Regierung bemühe.
Die Türken in Süd-Rußland gelandet!
hd. Odessa, 11. Dez. Offiziell wird mitgeteilt, daß es den Türken gelungen sei, südwestlich von Odessa bei B u » a r zu landen. In der russischen Meldung wird hinzugefügt, daß 23 Türken im Distrikt von Ackeruran, 6 Werst von Tarutino entfernt, ge. fangen genommen worden seien. Aus dieser Fassung ist ersichtlich, daß es den Türken gelungen ist, in Süd- rnßland zu landen.
Der heilige Krieg.
hd. Konstantinopel, 11. Dez. Der Zeitung „Serwet-i- Funun" zufolge hat der Emir von Afghanistan, Habib N l l a h, eine Armee an der Grenze Indiens versammelt und den Heiligen Krieg proklamiert. — Im Sudan nnd N e w a b ist die Bevölkerung infolge der Erklärung des Heiligen Krieges gegen England aufständisch. Die Scheichs von Bar für und Kordofan rücken mit 2Ö 000 Reitern ins Feld. Sie werden von der übrigen Kavallerie unterstützt nnd besetzten bereits die von fast nur Mohammedanern bewohnte Stadt C h a r t n m, wo sie die Engländer vertrieben.
Die Sundestreue der Türke«.
W. T.-B. Konjtantinopel, 10. Dez. (Nichtamtlich.) „Tanin" gibt in einem Leitartikel der tiefen Dankbarkeit Ausdruck für die seitens Österreich-Ungarns zugunsten des osmanischen Roten Halbmondes erfolgten Zeich- nungeir, unter denen die namhafte Spendung des Kaisers Franz Joseph in der ganzen Monarchie als ein nachahmenswertes Beispiel ausgenommen worden sei. Bei dieser Gelegenheit weist der „Tanin" auf die Übereinstimmung der Interessen zwischen Österreich-Ungarn und der Türkei hin, welche die Freundschaft zwischen den. beiden Reichen, die von Tag zu Tag eine herzlichere Form annähme, zu einer ganz natürlichen Erscheinung mache. Der Artikel schließt mit der neuerlichen Versicherung, daß die Osmanen ihre Pflicht mit Entschlossenheit und Selbstverleugnung bis ans Ende erfüllen werden.
Englands Sünden am Islam.
Die in arabischer Sprache erscheinende Zeitung „Al Adel" veröffentlicht in einem zu Hunderttausenden verteilten Flugblatte eine reichhaltige Sündenliste Englands, die ihre Wirkung auf die Anhänger Mohammeds in Asien und Afrika nicht verfehlen wird. Nach den „Mitteilungen des Vererns für das Deutschtum im Ausland" bringt der geschichtliche Abriß folgende Tatsachen: Indien, Englands Lebensquelle, war einstmals zum größten Teile im Besitz des Islams; es wurde ihm gewaltsam von den Briten entriffen. Als vor 67 Jahren der große indische Aufstand ausbrach, half Sultan Abd ul Meschid die Wogen besänftigen, hierfür ver- galt Albion der Türkei, indem es dir mohammedanischen Reiche zwischen Indus und Ganges vernichtete, die Anhänger des Propheten in der grausamsten Weise martdrte und sie den Hindus unterwarf, die ihnen bisher untertan waren. Weiterhin wurde die Selbständigkeit B e lu dsch i stan s vernichtet und Afghanistan eingcfi'eist. In jüngster Zeit gingen die Engländer mit ihren früheren Feinden, den Russen, daran, Persien zu teilen, sie tötete» alle Widerspenstigen und machten die Moscheen zu Pferdeställen. Selbst nach dem heiligen Mekka streckten sie die Hände aus und bombardierten Dschüdda, die Hafenstadt des Hodschas. Es folgte der Raub Zyperns, das ihnen die Einsallspfortc für Kleinasien werden sollte. Ilm im trüben zu fischen, fachte England die „nationale" Bewegung in Ägypten an, überfiel Alexandrien und setzte sich endlich im Niltal van dessen Mündung bis zur Quelle fest. Auf die Scheiche der Ahzar- Moschee, der berühmitesten Hochschule des Islams, ließen die Briten schießen und töteten eine Anzahl von ihnen in der Moschee selbst. Der Tripolis - Krieg ist auf englische Machenschaften zurückzuführen. Was sonst noch ort bisher selbständigen mohammedanischen Völkern in Aftika übrig geblieben war, wurde zwischen England und Frankreich aufgeteilt. Nun haben sich diese beiden Reiche mit Rußland, das die Bekenner Mohammeds an der Wolga, im Kaukasus, in Turkestän und Nordperstcn unterjocht, verbündet, um. die
