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Wiesbadener TsgblK

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»dbeiiellen und in den benachbarren Landorten und im Rheingau die betressenden Tagblatt-Träger.

Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlauscnd. nach besonderer Berechnung -- Bei wiederholter Aufnahme unverändertcr Anzeigen in tnrzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß

^Ä^»i?M^«K«^VrNächEa^ Berliner Schriftleitung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Giintzelstr. «6, Fernspr.: Amt Uhland 450 u. 45 l. Za-n IS'

5reitag. 1t. Dezember 1914.

Morgen-5lusgabe.

Nr 577. 62. Jahrgang.

(Eine Trauerbotschaft der Marine.

Das deutsche Auslandgeschwader ruhmvoll untergegangen.

XV. T.-B. Berlin, 10. Dez. (Amtlich) Laut amt­licher Rcutermelüung aus London ist unser Kreuzer- «rschwadcr am 8. Dezember, 7ich Uhr morgens, in der ^ähc der Falkland-Inseln von einem eng- eschen Geschwader unter dem Kommando des Vize- ^mirals S t u r d e e gesichtet und angegriffen wor­den. Nach der englischen Meldung sind in dem Ge­sucht die SchiffeS ch a r n h o r st",G n e i s e n a u" »irdLeipzig" g e s u n k e n. Zwei Kohlendampfcr tttb in Feindeshand gefallen. S. M. S.D r e s d e n" tndN ü r n b e r g" gelang cs, zu entkommen, ^ic werden angeblich verfolgt. Unsere Verluste cheinen schwer zu sein. Eine Anzahl Überlebender der lksunkcnen Schiffe wurde gerettet. Über die Stärke 'es Gegners, dessen Verluste geringer sein sollen, ent­eilt die englische Meldung nichts.

Durch unsere Berliner Schriftleitung erhalten wir zur dorstehenden traurigen Kunde von zuständiger Stelle' "och folgende ergänzende Mitteilungen:

Die Kunde von der Vernichtung unseres Kreuzer- ^schwaders denn darauf läuft die englische Meldung, an >eren Richtigkeit nicht zu zweifeln ist, hinaus war, wie wir chon früher an dieser Stelle erklärten, über kurz oder lang Kitt Bestimmtheit zu erwarten. Es gab für unsere tapferen Schiffe keine Rettung. Trotzdem bedeutet die Nachricht -Wen schweren Schlag für die deutsche Marine und das deutsche Volk. Die Falkland-Jnscln sind der Ostkuste Sud- »Aeritas vorgelagert. Sie liegen nördlich vom Kap Horn.

Der Kommandant des engliscyen Geschwaders, Vize­admiral Sturdee, fungiert in der letzten engliichen Dis­lokationsliste als Chef des Admiralstabe-. Das »lleinlätz schon den Schluß zu. daß zur Vernichtung unserer Kreuzer ein besonderes englisches Geschwader "nter^ einem besonders hervorragenden Führer gebildÄ war, lind die englischen Blätter haben denn ^ch bereits vor einigen Wochen mehrfach verraten, daß 3 8 Kriegsschiffe aus d-r^Md nach dem Geschwader des Grafen Spee gewesen fob Üfer die Stärke und die Zusammensetzung des eng­lischen Geschwaders werden die Engländer wohl kaum etwas "erraten Bei uns weiß man nur, daß dieses Geschwader sich de^ Anschein nach aus den modernsten englischen Schiffen schnellen Panzerkreuzern vom Dread- "»ughttyp und Linienschiffen von diesem Typ zu- !ammensetzte, von denen natürlich jedes einzelne mit seinen ^L-Zentimeter-Geschützen, mit seinen 29 Knoten Geschwin­digkeit und mit seiner außerordentlich starken Panzerung jedem einzelnen unserer Kreuzer weit über! ege n war.

Unser Kreuzeroeschwader hatte, nachdem es seine Auf­gabe bei Coronet in so glänzender Weise gelöst, zunächst l>en Hafen von Santiago de Chile ausgesucht, um dort leine Proviant- urO Kohlenvorräte auszufüllen, und war von k noch vor Ablauf der 24stündigen völkerrechtlichen Frist wieder nach Süden in See gegangen. Man kann annehmen, ^ es durch die M ag e lh a en s stratz e nach Osten gegan- ten ist.

Nach den englischen Detailberichten hat das F l a g g - schiff .Scharnhorst", hls die englische Flotte sich näherte,

Feuer eröffnet und damit den Kampf begonnen, in d^isen Verlaufe die Engländer angeblich nur drei Tote S-Habt haben sollen. Natürlich sind auch diese Verlustangaben "fo mit äußerster Vorsicht aufzunehmen. Die kleinen Kreuzer -Dresden" undNürnberg" sollen v o r l ä u f i g e n t- '°mmen sein. Nach der Sachlage besteht aber kaum ein Zwer- fel, auch sie beide werden zur Strecke gebracht worden sein. Wenfalls ist damit zu rechnen. In einer Reihe von Depeschen behauptet, dieScharnhorst" sei nicht gesunken. Auch "lese Meldung ist unglaubwürdig und vermutlich nur auf einen Fehler 'in der Übermittlung zurückzuführemScharn­horst" undGneiscnau" hatten je ca. 700 Mann Besatzung; die -Leipzig" 850 Mann, dieNürnberg" undDresden" je etwa *00 Mann.

Mit dem Untergang unserer ganzen AuSlandsschrffe war, «sie gesagt von vornherein zu rechnen. Es ist nicht die Zeit »Nd auch kein Grund, aus Anlaß des schweren Verlustes ein foagelied zu erheben. Unsere Flotte ist gebaut und ausge- fobet um im Falle eines Krieges e i n g e s e tz t zu werden »Nd ruhmvoll unterzugehen. Es kommt immer for daraus an, daß die Schiffe die Zinsen des Kapitals fosausschlagen, das das deutsche Volk in seine Flotte gesteckt, fos Auslandsgeschwader hat das in hohem Maße fcfo», und die Geschichte seiner viermonatigen Kreuzfahrten fot um die halbe Welt, ahne die Hilfe eines Hafens, eines fo»ks, immer vor der Gefahr der Kohlennot und des Proviant­

mangels, wird in der Geschichte aller Flotten ein unver­gängliches Ehrendenkmal sein.

Die Tatsache, daß bei dem Gefecht zwei Kohlendampfer in die Hände des Feindes gefallen sind, läßt darauf schließen, daß unsere Schisse unter dem Schutze der Falklandsinseln im Kohlen begriffen waren.

Erhebliche Besserung im Befinden des Kaisers.

XV. T.-B. Berlin, 10. Dez. (Amtlich.) Das Befin­den Seiner Majestät des Kaisers und Königs hat sich erheblich gebessert. Der Katarrh ist im Rück­gänge, die Temperatur normal.

Erzherzog Friedrich zum Feldmarschall ernannt.

XV. T.-B. Wien, 10. Dez. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspresiequartier wird gemeldet: Der Vorstand der Militärkanzlei des Kaisers, General der Infanterie Freiherr v. Bolfars, überbrachte gestern Erzherzog Friedrich ein Allerhöchstes Handscheiben mit der Ernennung des Armeeoberkommandanten zum Feld­marschall.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

10 000 Russen in Galizien gefangen.

XX'. T.-B. Wien, 10. Dez. Amtlich wird berichtet vom 9. mittags: In Polen verlief der gestrige Tag an unserer Front ruhig. Ein vereinzelter Nacht­angriff der Russen im Raume südwestlich Nowo- radomsk wurde abgewiesen.

W c st a a l r z , e n brachten beide Gegner starke Kräfte in den Kampf. Bisher wurden hierüber 10000 Russen gefangen genommen; d,e Schlacht

dauert auch heute fort. . . . -

Unsere Operationen in den Karpathen führten bereits zur Wiedergewinnung erheblicher Teile

eigenen ^^'llvertretende Chef des Gencralstabs: v. Höfer, Generalmajor.

Jur Ansprache des Kaisers an österreichische, ungarische und deutsche Truppenteile.

XV T.-B. Wien, 10. Dez. (Nichtamtlich.) In Be­sprechung der Ansprache des Kaisers Wilhelm schreibt das Neue Wiener Tagbl.". Kristallklar und überzeugend gaben im Schlachiendonner von Lodz die Worte des deutschen Kaisers' ein Bild der heutigen Lage ,m Weltkriege. Machtvoll und erschütternd liefern die Taten der verbündeten Völker in Waffen hierfiir der Menschheit des gesamten Erdenrundes den herrlichsten Beweis vom ersten Tage an als herausgesordert zum heiligen Existenzkämpfe Österreichs und Deutschlands blitzende Klingen aus der Scheide fuhren. Durch die furchtbar harten blutigen Monate hindurch zeigten sie der Welt durch ihr todesmutiges Zusammenstehen das niemals wankende Vertrauen und den stah- lernen Willen, ausznharren bis zum hehren Ende. Wir alle wissen, daß wir so kämpfen, nie und nimmer anders, bis zum Siege oder bis zum letzten Atemzuge. Darin liegt unsere unvergleichliche Stärke und die Überlegenheit beider Kaiserreiche.

XV. T.-B- Wien, 10. Dez. (Nichtamtlich.) DasFrem­denblatt" schreibt über die hochbedeutsame Ansprache Kaiser Wilhelms an die Abordnungen der zur Armeeabteilung des Generalobersten Woyrsch gehörenden deutschen Truppen­teile und österreichisch-ungarischen Truppen: In seiner

treffenden, eindrucksvollen Ansdrucksweise hat der deutsche Kaiser das ausgesprochen, was wirklich ist. Die letzten Ereig­nisse auf dem östlichen Kriegsschauplätze lasten die Zuver­sicht des deutschen Kaisers durchaus gerechtfertigt erscheinen. Vor der überlegenen Führung und der unver­gleichlichen Tapferkeit der verbündeten Heere zerschellten die Angriffe der russischen Massen. Die Worte Kaiser Wilhelms atmen den Geist des Mutes und der Entschlossenheit. Ruhe.. Ansdauer und Geduld sind die Eigenschaften, die notwendig erscheinen, um den endgültigen Erfolg zu erringen und wir in Österreich-Ungarn sowie unsere deutschen Verbündeten sind entschlossen, kalten Blutes das Notwendige zu tun, um die Zukunft der habsburgischen Monarchie und des deutschen Kaiserreiches sicherznstellen Die Möglichkeit eines länger dauernden Krieges schreckt »ns nicht. Wir wollen das Schwert nicht eher in die Scheide stecken, als bis wir den er strebten Siegespreis errungen haben werden. Wenn auch nicht überall die stärkeren Bataillone, so sind doch allerorts die stärkeren Nerven auf unserer Seite. Mit ruhiger Zuversicht sehen Deutschland und Österreich der Zukunft entgegen, denn wir sind tief von der Über­zeugung durchdrungen, daß dieser furchtbare Krieg mit einem vollen Erfolg für die verbündeten Kaiserreiche enden wird

Der Feldzug in Serbien,

Starker Widerstand der Serbe«. 20 Geschütze erobert.

. Wien, 10. Dez. Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich vom 9. gemeldet: Ein Teil unserer Truppen in Ser­bien stieß östlich von Millanovatz auf starke feindliche Kräfte und konnte nicht durchdringen. Um den angesetzten feindlichen Durchstoß aufzuhalten, wurden einzelne Teile in günstiger gelegene Abschnitte befohlen. Südlich Belgrad schreitet unsere Offensive vorwärts. Am 8. Dezember ipurben. insgesamt 20 Geschütze und 1 Scheinwerfer erobert sowie zahlreiche Gefangene gemacht.

Der Fall Lodz' im französischen Tagesbericht.

hd. Amsterdam, 10. Dez. Wie aus Paris gemeldet wird, gibt der amtliche französische Bericht von gestern abend die _ Einnahme von Lodz durch die Deutschen in folgender Form bekannt: An der russischen Front sind die deutschen An­griffe abgeschlagen worden. Lodz wurde von den Russen g e r ä u m t. In dem aus strategischen Gesichtspunkten wichti­ge,, Gelände von Galizien haben die Österreicher oie Offensive, verstärkt durch foie deutschen Truppen, Hetzen den russischen linken Flügel wieder ausgenommen.

Frankreichs Hilferuf nach Japan.

Zur Thronrede des Mikado.

Br. Gens, 10. Dez. (Erg. Drahtbericht. Kkr. Bin.) Die Thronrede -des Kaisers von Japan gibt Prchon Veranlassung, imPetit Journal" aus -dse Entsendnng einer japanischen Armee aus die europäischen Kriegs­schauplätze zurückzukommstt. Er schreibt: Der Kaiser von Japan sagt, der große Krieg sei noch Nicht beendet und er rechne auf die Loyalität und dre ^-apserkert seiner Untertanen, um das Endziel tzo schnell wie mög­lich zu erreichen. Das ist genau bie H o f fn u ng, me wir in Frankreich aussprechen und die öffentliche Mei­nung glühend wünscht, daß bw iatzamscheu Heere vom äußersten Osten auf Schlachffel^r Europas herübereilen. Dadurch, daß er klar au-sprickst, er rechne zur Erreichung des Endziels ans seine Unter­tanen, zeigt der Kaiser vonl HOpan, daß er m einer entscheidenden militärischen Mitarbeit bereit ist. Be­greifen denn die verbündeten, Regierimgen nicht die Eile die er hat, um die Bedingungen für diese Mit­arbeit' endlich zu regeln? Jede verlorene Zeit ist eine Ursache niehr für den Rum und für die Opfer, die man zu bringen bereit sein müßte.

Unstimmigkeiten zwischen Millerand und Joffre.

Br Genf, 10. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Zwischen dem Kriegsmintster Millerand und dem fran­zösisch-englischen Hauptquartier Heftchen MemungS- Verschiedenheiten wegen des neuerlich aufgeschöbe- neu Vorstoßes längs der ganzen Front. Joffre hält eine große Aktion immer noch für bedenklich, Millerand vertritt die gegenteilige Anschauung. Die hierfür imTemps" angeführten Beweggründe beruhen auf absolut falschen Erkundigungen über die jüngsten Truppenbewegungen und über die Hrlss- quellcn zur Ergänzung des deutschen Kriegsmaterials. Millerand will einen großen Wurf wagen, well er mit den Überwinterungsvorbereitungen im Rückstand ist.

Russische Minenlegung im Schwarzen Meer.

XV. T.-B. Petersburg, 10. Dez. (Nichtamtlich. PeterSV. Teleg.-Ag.) Die Regierung bringt der neutralen Schiffahrt zur Kenntnis, daß die militärische Notwendigkeit sie Zwinge, vor den russischen und türkischen Küsten und Häfen im Schwarzen Meere Minen zu legen. Die Regierung hält dafür, daß die Schiffahrt im Schwarzen Meer unter diesen Umständen große Gefahr laufen kann, jedenfalls lehnt die Regierung jede Verantwortung für Unfälle, die auS der Berührung mit den in den russischen und türkischen Ge­wässern gelegten Minen für die neutrale Schiffahrt ent­stehen sollten, ab.

Der türkische Angriff auf Batum.

hd. Konstantinopel, 10. Dez. Die Offensive gegen Batum dauert an. Batum selbst ist nur schwach b e- festigt und nur mit alten Geschützen armiert, da die Russen augenscheinlich mit keinem ernsten Angriff ge- rechnet haben. Man nimmt an, daß die Städtchen vereinigten Angriffen zur See und zu Lande nicht , l a nge wird standhalten können.

Oie SiegasfreuÄe in ver Türkei.

XV. T.-B. Konstantinopel, 10. Dez. (Nichtamtlich) Alle Basare in Stambul und die Schiffe im Hafen haben an. läßlich der Nachricht von denS ie g en geg-en d i e Russsn reichen Flaggenschmuck angelegt. Neben den türkischen erschie-